Mittwo», 660 ;o. aprii 1929
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Anzeiger für (das frühere knrhefsifche) Oberhessen
Nr. 83 M.Mte. Marburg a.Laha
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Anzeiger der amtliche» Bekanntmachungen sür Stadt und Kreis Marburg.
Die Große Koalition vierer gescheitert
Sic S. B. I. schot Ne zweite State des Panzerkreuzers JT ab — SÄ ReMabiM arbeitet «eiter
Die Parteiführerbesprechung beim Reichskanzler zog sich bis gegen KlO Uhr hin. Es wird in parlamentarischen Kreisen angenommen, daß ein Ausschuß gebildet wird, der, ohne direkt ein interfraktioneller Ausschuß zu sein, der Verständigung zwischen den fünf Fraktionen dienen soll.
Die Fraktionen nahmen nach der Besprechung beim Reichskanzler die Berichte tötet Unterhändler entgegen s dabei wurde fest- gestellt, daß das Ersuchen an die Sozialdemokraten, nicht gegen den Panzerkreuzer zu stimmen, nicht als Ultimatum auszufassen sei. Das bisherige Regierungsverhältnis würde also nach Ansicht parlamentarischer Kreise nicht geändert werden. auch wenn die Sozialdemokraten gegen den Panzerkreuzer stimmen und das Zentrum vorläufig nicht im Kabinett vertreten ist. Die Bemühungen um die Schaffung der Großen Koalition können damit als gescheitert angesehen werden.
Die für Mittwoch angesetzte Sitzung des Haushaltsausschusses, in der mit der Etatsberatung begonnen werben sollte, ist vorläufig verschoben worden. Desgleichen soll der Aeltektenrat
Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- tion beschloß mit 93 gegen 28 Stimmen bei zwei Ent^alinnaen an der Ablehnung der iroeiteti Rate des Panzerkreuzers „21“ festzuhalten.
Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, werden die Verhandlungen der Fraktionen am Mittwoch weitergeführt. Es ist allseitig das Bestreben vorhanden, die durch die eingehenden Verhandlungen der Finanzsachverständigen der Fraktionen gewonnenen Ergebnisse für die kommenden Haushaltsberatungen nutzbar zu machen. Es wird angenommen, daß hierfür am Mittwoch der Weg zur Einigung gefunden wird. Das Reichskabinett tritt Mittwoch vormittag 11 Uhr zur Besprechung der politischen Lage zusammen. Aus parlamentarischen Kreisen verlautet ergänzend, daß die vorstehend gegebene Darstellung als das Ergebnis der Aussprache der Parteiführer mit dem Reichskanzler Müller zu bewerten ist, die etwa drei Stunden dauerte.
Der sozialdemokratische Fraktionsbeschluß hat weitere Konlitinosoerhand- lungeu so gut wie unmöglich gemacht. Die Lage ist auch insofern erschwert, als sich der Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion indirekt auch gegen die sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder richtet, die die Rate für den Panzerkreuzer als einen von den Sachverständigen der Fraktion eingesetzten Haushaltsposten gutgeheißen hatten. Man hofft, nun wenigstens den Haushalt auf der Grundlage der bisherigen Vereinbarungen zwischen den Parteien unter Dach bringen zu können. Allerdings hält sich ein Teil der Parteien, vor allem das Zentrum, nach einem Scheitern der Koalitionsverhandlungen auch an die Vereinbarungen nicht mehr gebunden, vielmehr haben die Parteien jetzt wieder freie Hand.
Die Demokraten für das Streichungsprogramm.
Die demokratische Reichstagsfraktion hat in ihrer Sitzung grundsätzlich unter Zurückstellung verschiedener Bedenken dem zwischen den Finanzsachverständigen vereinbarten Streichung s-P r o g r a m m z u g c st i m m t. Die Fraktionsleitung wurde beauftragt, auf der Grundlage dieses Programms die Verhandlungen zur Bildung einer Großen Koalition zu führen.
sich morgen darüber schlüssig werden, ob auch die für den 16. April angesetzte Sitzung des Plenums einige Tage später stattfinden soll.
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Wie das DDZ.-Büro aus parlamentarischen Kreisen hört, hat der Vorsitzende der Zentrumspartetz Äbg. Dr. Kaas. wegen der Rede, die der Abg. Dr. B r e i t f ch e i d (So$.) am Sonntag in Köln gehalten hat, ein Schreiben an den Reichskanzler Müller gerichtet. Der Abg. Dr. Dreitscheid hat in seiner Rede erklärt, die bürgerlichen Parteien der Mitte würden das soeben zustandegekom- mene Finanzkompromitz an der Panzerkreuzerfrage nicht scheitern lassen. 3n seinem Schreiben an den Reichskanzler Müller bedauert Abg. Dr. Kaas diese Aeußerung und erinnert an die vom Abg. Dr. Wirth im Auftrage der Zentrumsfraktion anläßlich der
Verhandlungen über die erste Rate für den Panzerkreuzer abgegebene Erklärung, in der gefordert wurde, daß nunmehr die Panzer- kreuzerfrage aus der politischen Erörterung verschwinden müsse.
Die Koalttionskrise im Spiegel der Berliner Presse.
Während gestern nachmittag die Stimmung noch ziemlich pessimistisch war, und man bereits mit der Gesamtdemission des Kabinetts rechnete, hat sich nach der A s präche. die gestern abend in der Reick S'anzlei zwischen den Mitgliedern und den Führern der Fraktionen stattgefunden hat, und die später in getrennten Lagern fortgesetzt wurde, eine gewisse Beruhigung bemerkbar gemacht. Das Resultat dieser Beratungen charakterisiert dir .Vos fische Zeitung" dabin. daß die Auffassung siegte, daß die Regierung am Ruder bleiben und den Ve.such machen müsse,
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M ein» WWMlmg in Paris?
Ar IMgalloMN 180060 sich
Mr Ne Abstriche nicht einigen
Zum Stand der Verhandlungen der vier Delegierten der Gläubigerstaaten innerhalb der Reparationskonferenz schreibt „M a t i n“, die vier Delegierten und Owen Young hätten am Dienstag nachmittag mit Dr. Schacht Fühlung nehmen sollen, aber sie seien in letztem Augenblick gezwungen gewesen, davon Abstand zu nehmen. Die französischen, englischen und belgischen Sachverständigen seien nämlich zu der Erkenntnis gekommen, daß die in der Nacht zum Dienstag von ihren Mitarbeitern angestellten
Besprechungen nahezu jedermann, vor allem aber den italienischen Delegierten Pirelli, enttäuschen würden.
„Petit P a r i s i e n" sagt zu den zur Debatte stehenden Z i f f e r n: Die Kontroversen beziehen sich auf den Betrag sür die Reparationen im englischen Sinne. Wenn man die Gesamtsumme der Entschädigung, die man von Deutschland fordert, auf 1 Milliarde schätzt, dann würde das Reich zu Beginn der Annuitäten 1900 Millionen zu zahlen haben, die dann auf 2 7 0 0 Millionen stei- gen und nach 37 Jahren, also nach Tilgung der eigentlichen Reparationssumme, auf 17 00 Millionen zur Deckung der interalliierten Schulden zurückgehen würden. Da Dr. S ch a ch t sich kategorisch weigert, höhere Ziffern a:s
dill Normal-Annuität des Dawes-Planes vötr 2U Milliarden in Erwägung zu ziehen, bemühen sich die Gläubiger,
eine Verständigung von weniger als einer Milliarde
zu suchen. Man spricht jetzt von 750 Millionen, was eine Anfangsannuität von 1650 Millionen ergeben würde.,
Im m berichtet „Aveni r“, wenn man sich nujt verständigt, wird, wie man versichert, der Vorsitzende der Konferenz,
Owen Young, ein provisorisches
Abkommen für die Dauer von 15 Zähren auf Grund eines von dem Dawesplan ziemlich verschiedenen Zahlungsplans Vorschlägen.
Gestern ist sogar das Gerücht im Umlauf gewesen, daß die amerikanische Delegation bereit wäre, eine derartige Lösung vorzuschlagen. Aber das Blatt fragt selbst, ob es sich hierbei nicht um einen Versuchsballon handele, da die übrigen Eläu- bigerdelegationen sich einem derartigen Kompromiß wenig günstig zeigten. Besonders die französische Delegation werde daraus bestehen, daß nun eine endgültige Regelung des Reparations- Problems gemäß den Beschlüssen von Eens erfolgt.
den Etat In der Form parlamentarisch durch- zubrlngen, die ihm durch die Vereinbarungen zwischen Kabinetts und Parteien gegeben worden sei. Auch der „"B or to ä r t 8“, der sich scharf gegen die Fabrikation wilder Gerüchte und die eilfertigen Meldungen von einem 6c» vorstehenden Rstckir'tt der Regierung wendet, ist der Ansicht. daß kein Grund bestehe eine auSwegslose Krise zu in'ger.ie-en, well die sozialdemokratische Fraktion einen De'chlust gefaßt hat. wie ihn niemand ande s von ihr erwarten konnte. Rach der Ueberzeugung der .Germania" hat rS den Anschein, daß man zur Lösung der schweren Ärife den Weg bestreiten will, et.en Modus zu finden der es auch dem Zentrum gestatten würde, sich an der Regierung zu beteisigen. Ein solcher Schritt des Zentrums, betont das Blatt, wäre selbstverständlich nur dann möglich. wenn es nach der sachlichen Seite gelingen könnte, die Bindungen zu erzielen, ohne die ein Zusamnenarbeten de' Reg-ewmgSpa'1 ien als unmöglich erscheint. Solche Bindungen wußten zunächst die Fragen des Etats betre'fen und agitatorische Anträge, kie über das Programm der Sachverstandioen hinausgehen. unmöglich machen. Für die Zen- trunSvartei komme es auch heute nicht darauf an, in die Reateruna ebautreten, sondern
eS gehe um die Gesundung unserer parlamentarischen Methoden und um die Ci herung einer sachlichen und erfolgreichen Regierungs- arbelt
Zuchthaus wegen Verrats militärischer Geheimnisse.
Breslau, 9. April. Der Erste Strafsenat des Breslauer Oberlandesgerichts verhandelte gegen den Kaufmann Erwin Schlesinger aus Kattowitz, der preußischer Staatsangehöriger ist, wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse. Die Straftaten soll er zu Gunsten Polens begangen haben. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust.
Unfall eines Berkehrs-Antobnsies.
ff. (Er le len», 10. Aortl. Der Verkehrs- Autobus, welcher gestern abend nach Oberbruch fuhr, geriet aus unbekannter Urfache in den Straßengraben. Von den 30 Insassen wurden 20 Personen schwer verletzt und mutzten in das Krankenhaus gebracht werden.
Set moto Kämpfen in Mexiko
Me r i k o. S. Avril. In der sechsten Woche des Aufstandes ziehen sich die Insurgenten auf bet ganzen Linie in die unwirtlichen Teile des Staates Sonora zurück. Ihr Führer, (E s c o b a r bat Juarez in Richtung auf die westliche Chihuahua mit 6 Truvventransport- zügen und zahlreichen requirierten Automobilen verlaßen.
ft. London, 10. April, lieber die Kampftage in Meriko wird aus Newyork berichtet, datz 4000 Mann Kavallerie der Aufständischen in Ciudad im Staate Chihuahua bereit ständen, um sich mit den Truppen des Generals Escobar zu vereinigen und dann die Regierungstruvven anzugreifen. General Escobar hat erklärt, er werde sich nach dem Zusammenschlutz aller seiner Truppen erneut den Regierungstruppen zum Kampfe stellen.
Wieder Me io Wau
„Daily Telegraph" mildet aus Schanghai, die Schiffahrt auf dem Jangtse wird wieder aufgenommen. Berichte aus Lankau besagen, daß dort wieder normale Verhältnisse zu herrschen beginnen, und daß der Handel allmählich wieder in Gang kommt. Finanzminister Sung hat sich nach Hankau begeben, um die Finanzen der Stadt in Ordnung zu bringen.
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Sie Wftrtche am MW«
Friedrichshafen. S. April. Die gestern anläßlich einer P'.elsebesprechung im württembergischen Staa's::ir ifterium offiziell bekannt gegebene Tatsache der Streichung des im V ei chshauL Haltsplan 1929 bisher vorgesehenen Aeichszuschusses für den Luftschiffbau in Höhe von vier Mill. RM.. mit dessen Hilfe der Dau eher neuen Mersthalle ermöglicht werben sollte, veranlaßte den Friedricks'a^ener Vertreter des Wolfbürrs Dr. Eckener über die Auswirkungen der Svarrnabnahmen auf die Pläne der Friedrich shafener Werft zu befragen.
Im Verlaufe dieser Unterredung erwiderte Dr. Eckener auf die Frage, ob er in dem Ausfall der Reichshilfe und damit auch zwan s äufig des würsiernbergiscken Staats* bei träges in Höhe von zwei Millionen RM. eine Gefährdung der Entwicklung des Stift* Schiffbaues Zeppelin erblicke, folgendes: ..Die weitere Entwicklung des Luftschiffes ist damit in der Tat sehr ernstlich ge* fährdet und ich befürchte, daß wir Zeppe* lin-Leute Hoffnungen za Grabe tragen muffen, die zugleich solche wellesiet Krcic des deutschen Volkes stad. Denn es ist der Zevpc- lin^e^esifchasi. rachdem sie unter dem Druck der Friedensbedingungen fast ve'blulet war, ganz unmöglich, aus eigenen Mit* tekn neben e'nem neuen Luftschiff auch noch e'ne ne--e Werf'balle zu erbauen. Diese Werft hälfe aber ist die Vorf'e'sirtaung für den Bau der v e r b e s s e r t en Schiffs- t h t> e . die wir in Angriff geno-men haben." Auf die weitere Fraae un'e'es^ Vertreters, was er angesichts d'eser Ta-fache nunmeßr zu tun gedenke, erwidere Dr. Eckener: ..Ich faße vorerst keinen Ausweg aus dieser Situation. Ich ve-siebe sehr aut di» Rot* toenVafeit. angesichts der schlechten Finanz* läge svafgrn zu wirtsichaften und ick kann auch verstehen, daß wir gerade angesichts der Var-se- Ve'bandsiwgen unS dovvelt bemühen müsien, n-cht a'3 resche Ver-chmender »u efebe nen. Aber es will mi' nich' ein* so-nch-'en. daß man nach Nm vorgenom-'enen S'f<chun"en noch 35 Millionen Reichsmark für svnsi'oe L>iftfabrt»d>ecke und kamen Pfennig für das Zevvellnlliftscksi'f »ur Verfügung hgben soll. Ich möchte deshalb an* nebmen. daß das r""*e in d'eser An* Gelegenheit noch nicht gesprochen ist.
Stratzenbkchnznsammenftotz ht Stuttgart.
Stuttgart, 9. - April. Rahe dem Schfoßplatz stießen heute nachmittag gegen 5 Uhr infolge falscher Weichenstclfung zwei Straßenbahnwagen zusammen, von denen der eine stark beschädigt wurde. Der Fahrer dieses Wagens erlitt schwere Verletzungen und mußte in das Krankenhaus geschafft werden. Von den Fabrgästen wurden insgesamt 11 durch Elasspsitter leicht verletzt. Sie konnten alle nach Anlegung von Verbänden in ihre Wohnungen entlasten werden. Der Verkehr konnte nach kurzer Zeit wieder aufgenommen werden.