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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Marburg a. Llchn
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Wir NrilWmg Nr SachoerWwigea- Ran ftrhi da, wo man der Wen Nochen stand
Paris, 30. März. Die letzte Voll» Versammlung der Sachverständigen vor Ostern fand Donnerstag mittag von 12 bis 13 Uhr im Hotel „Georg V.“ statt. Ihr kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als von der Vertretern der Hauptgläubigermächte England, Frankreich, Italien, Belgien und andererseits von dem amerikanischen Vorsitzenden Owen Young je ein Vorschlag unterbreitet wurde, die beide in der nächsten Vollsitzung, die am Donnerstag der nächsten Woche ftattfindet, E e - genstand der weiteren Beratung über die deutsche Zahlungshöhe sein sollen. Ob die von der alliierten und von amerikanischer Seite gemachten beiden Vorschläge eine geeignete Unterlage für weitere Verhandlungen bieten können, läßt sich zur Stunde nicht sagen, da die deutschen Sachverständigen bisher keine Gelegenheit gehabt haben, in eine nähere Prüfung der Vorschläge einzutreten.
Die Havasagentur berichtet: Owen Young habe angesichts der Einstellung der Arbeiten während der Osterferien vorgeschla- ; i gen, diese Frist dem Nachdenken zu wid- '' men.
Der „M a ti n" weiß über die Vollsitzung der Sachverständigenberatung zu berichten, daß Owen Young Schacht nicht gebeten habe, irgendeine Zahl zu nennen, ihn aber aufgefordert habe, dem Ausschuh mitzuteilen, ob er bereit sei, die deutschen Angebote auf der Grundlage der alliierten -Forderungen (Deckung der Schulden und Ersatz für Kriegsschäden) aufzubauen. Falls dies nicht der Aall sei, so habe Owen Young hinzugefügt, müsse die Konferenz fristlos vertagt werden. Schacht habe in seiner Antwort auf die deutsche 'Leistungsfähigkeit zurückkommen wollen, worauf ihm jedoch Young mit den Wor- -: ten unterbrochen habe: Keine Zahlen sagen Sie uns, ob Sic unsere Verhandlungsgrundlage an- nehmen.
> Heber die Antwort Dr. Schachts werde das gröhte Stillschweigen bewahrt. Der Martin glaubt allerdings, dah Anlah für die Annahme vorliege, dah Schacht versprochen habe, sich auf die ihm vorgeschlagene Methode einzulassen und N mit „annehmbaren" Zahlen nach Paris zurückzukehren. Eine Vermutung, für die man ebenso, wie für diesen Bericht dem Blatt die Verantwortung überlassen muh.
Pertinax über die Pariser Reparatious- verhandlungeu.
fk. London, 30. März. Pertinax Meldet dem „Daily Telegraph" aus Paris, dah in der Sitzung des Ausschusses der Re- f parationssachverstandigen am Donnerstag die Delegierten Frankreichs, Belgiens, Italiens und Japans Dr. Schacht ein gemeinsames Memorandum mit ihren Vorschlägen übergeben hätten.
Darin bestände« sie darauf, i dah die deutsche« Zahlnn- | se« ihre sämtlichen Schulde« a« Amerika decke« u«d
i ei« lleberschsh für Repara- tU*e* und verschiedene Ar-
F te« ««derer Zwecke ädrig bleibe« mässe.
kie seien der Ansicht, dah die deutsche Annuität aus einem veränderlichen Teil bestehen muffe, der den Summen parallel ist, die nach Amerika transportiert werden müffen und einem feststehenden Teil, Tut Reparationen. Pertinax erklärt, der von den Delegierten unterbreitete Plan entspreche wahrscheinlich einem Betrage »er etwas annehmbarer sei.
als die augenblickliche Dawes- Annuität. Es heiht, dah die Alliierten bereit seien, Gegenvorschläge zu erörtern. Auherdem habe Owen Young, der als eine Art von Schiedsrichter handele, mündliche Vorschläge über die Beträge gemacht, die an die verschiedene Mächte auher den Summen, die von amerikanischen Gläubiger gefordert würden, gezahlt werden sollen. Die von ihnen angegebene Summe mühten jedoch als Minimal angesehen werden. Es sei zum Beispiel klar, dah der Betrag, den er für Frankreich angegeben habe, von der französischen Delegation nicht angenommen werden würde. Pertinax meint, die Deutschen würden ihre Gegenvorschläge nächste Woche natürlich eher auf die amerikani
schen als auf die alliierten Vorschläge gründen.
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fk. Paris, 30. März. Heber die Stellungnahme des Vorsitzenden der Repara- tionssachverständigen - Konferenz, Owen Young, in der Schlußsitzung vor den Osternferien, schreibt „Echo de Paris": Owen Young habe es zwar abgelehnt, in der Debatte endgültig Stellung zu nehmen und habe sich in seiner Art als Schiedsrichter volle Handlungsfreiheit Vorbehalten, aber es sich doch angelegen fein laffen, einige Ziffern zu nennen, die den merklichen Abstand zwischen dem alliierten Höchstbetrage und einem amerikanischen Mindestbetrage, unter den man bei den Verhandlungen nicht werde heruntergehen
Waldetk wird preußisch
SttZmMs Ns RrsiermosNckks Mel-MiNcks EnlMnß-eim Etappe
Der Freistaat Waldeck gibt am 1. April seine Selbständigkeit auf. Sein 1055 Quadratkilometer großes Gebiet und 56 000 Einwohner werden preußisch. And zwar kommt Waldeck zum Regierungsbezirk Kassel in der Provinz Hessen- Nassau. Damit hat Deutschland einen Gliedstaat weniger und Preußen einen Landkreis mehr. Die inner« Verwaltung Waldecks ist bereits 1868 auf Preußen übergegangen. Doch hat bis jetzt die Hoheitsrechte ein LandeSauSschuß ausgeübt. Er bestand aus drei vom Landtag gewählten Personen. Der Landtag hatte 17 Abgeordnete. Die Verwaltung wurde von einem Landesdirektor mit drei Landratsämtern besorgt. Das alles soll künftig einfacher und — billiger werden.
Aus Anlaß des am 1. April d. Is. erfolgenden Eintritts des Freistaates Waldeck in den preußischen Staatsverband veröffentlicht die „Waldeckische Landeszeitung" in Corbach in ihrer Festausgabe ein Geleitwort des p r e u h i s ch en Mini st er- Präsidenten Dr. Braun, in dem es u. a. heiht:
Die waldeckische Bevölkerung, die aus eigenem Antrieb und mit freiem Willen den Weg zur Verschmelzung ihres Landes mit Preußen gefunden hat, gibt dem übrigen Deutschland mit seiner staatlichen Vielfältigkeit ein mustergültiges Vorbild Deutsches Nationalgefühl und die Erkenntnis von dem zur wirtschaftlichen und technischen Rationalisierung zwingenden Ernst der Zeit führen
gleichermaßen zu dem Schluß, dah nur der Wille der deutschen Länder sich za einem einheitlichen Staatsgebilde zu- sammenzuschiießen, ein Aasweg aus dem kostspieligen und kräftevergeudenden Zustand von heute bedeutet, der vor der Geschichte bestehen kann. Preußen ist jederzeit bereit, im Reiche aufzugehen, wenn di« anderen Länder das gleiche Opfer für den Gedanken eines innerllch starken, gefestigten und zweckmäßig gegliederten Deutschen Reiches bringen wollen. Preußen wird alles tun, was in seinen Kräften steht, um es dahin zu bringen, daß die Waldecker sich in dem Dau ihres neuen Staates wohl und heimisch fühlen. Die Republik Preußen, die Verständnis für die Wesensart des Rheinländers wie des Westfalen, des Ostpreußen, wie des Pommern und Schlesier sowie so vieler anderer festumrissener deutscher Stammesthpen hat, wird die Waldecker nicht enttäuschen.
Der waldecksche Landtag aufgelöst.
A r o l s e n, 28. März. Die waldecksche Landesvertretung trat am Mittwoch nachmittag zu ihrer letzten Sitzung zusammen. Der Gesetzgebungsausschuh hatte vorher die zur Verhandlung stehenden Vorlagen in besonderen Sitzungen durchberaten, so daß das Plenum die Tagesordnung in kurzer Zeit erledigen konnte. Da es sich um die letzte Sitzung des waldeckschen Parlaments handelte, erteilte der Vorsitzende, Regierungsdirektor Waldschmidt (Erfurt) einigen Abgeordneten das Wort zu besinnlichen Schlußvorträgen über die Geschichte Waldecks, die parlamentarische Entwicklung der neueren Zeit und die Tätigkeit der waldeckschen Landesvertretung.
dürfe, zitiert. Das sei ein rasches aber ein wenig geeignetes Verfahren, um die Börse des Schuldners zu öffnen. Es sei klar, daß sich Dr. Schacht anschicken werde, mit dem amerikanischen Betrage zu manöve- rieren und daß et sich mit dem interalliierten Höchstbetrage nicht mehr als mit dem blauen Himmel beschäftigen werde. Man muffe jedoch feststellen, daß eine Verständigung nur erzielt werden könne, wenn die Deutschen über das Minimum Owen Young hinausgingen. Owen Young habe nicht verfehlt, dieses mitzuteilen.
Die SeratiHgen en dem entscheidenden Punkt
In den Berichten der Berliner Dlät- ter aus Paris kommt allgemein zum Ausdruck, daß die Beratungen der Sachverstän- dlgenkonferenz mit der lleberreichung der Denkschrift an einem enthhcibenben Punkte
angelangt sind. Es wird hervorgehoben, daß Owen Young seinen Vorschlag nicht im Namen der amerikanischen Delegation, sondern als Vorsitzender der Konferenz gemacht habe. Die „D. A. Z." schreibt, aus der am Donnerstag erfolgten Prozedur gehe hervor, daß alle bisherigen Erörterungen über Ziffern noch nicht einmal eine gemeinsame Aussprachegrundlage ergeben hätten. Man stehe also tatsächlich da, wo man vor sieben Wochen gestanden habe, und auch der Gegensatz zwischen den politischen Forderungen der Gegenseite und dem deutscherseits feit- gehaltenen Grundsatz der wirtschaftlichen Leytungsjähigleit erscheine nach wie vor in der alten Schärfe. Immerhin bleibe die Möglichkeit, daß in dem Sonderoorschlag Youngs ein Weg in die Freiheit angedeutet werde. 3n einer Stellungnahme betont die „D. A. Z.", daß die Grundlage für deutsche
'Fortsetzung stehe Seite >
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Dem erdgebundenen Menschen fotth nichts natürlicher sein als die Auf, erstehungshoffmmg und der Osterglaube. Das Grundgesetz des „Stirb und Werde" offenbart sich ihm im jungen Lenz so faßbar und gewiß, wie dem Jüngern di« Osterbotschast J>cr Tod ist verschlungen in den Sieg!" im Anschauem des ,Äufq erstandenen erfüllt wurde. ।
Alles Leben bedarf, um zu sich selbst zu kommen und sich zu erfüllen, der Unter«« brechung durch den Tod. Wir brauchen der, Tod, um leben zu können. Wir brauchen die Nacht, um den Tag zu nützen. Nicht das Kreuz ist das letzte Wort an die Menschheit, sondern die Auferstehung, die Gewißheit des todüberwindenden Lebens
Aber das Gesetz der Natur, täglich und alljährlich sich uns offenbarend, der Glaub« an die Auferstehung, uns vererbt von den Vätern, uns geworden zum wichtigsten Bestandteil unserer Wellanschauung, begleiten sie uns als Schutz und Zuversicht auch da, wo es sich nicht um unser persönliches Leben und unser ewiges Selbst, sondern um das Leben der politischen Gemeinschaft handelt?
Die deutsche Geschichte ist erfüllt von Aufstieg und Zusammenbruch, Heldenmut und Knechtssinn, edler Begeisterung und elender Zerklüftung. Wir wissen, daß aus verzweifelteren Lagen als der heutigen uns Rettung wurde, die nur zu einem kleinen und äußeren Teile Befreiungskrieg hieß. Wir wissen darum und denken ost daran. Aber sind wir heute noch gewiß, sind wir voll freudiger Hoffnung? —
Wir Deutschen tragen an einer schweren Last. Wir sind verarmt, denn wir müssen den Gegnern ein Blutgeld zahlen. Wir hadern in uns selbst, werden ziellos regiert, nichts ist, was uns eint, nichts, was uns gemeinsam begeistert. Man will uns zwingen, Begeisterung aufzubringen für Formen und Farben, die uns fremd sind und in deren Zeichen ein ganzer Stand verelendete, ein anderer dem Abgrund entgegengeht. !
Das sind nicht nur zwangsläufige Folgen des verlorenen Krieges. Wäre denn solche Not etwa auch ein Grund zur lieber- Schätzung des Geldes, der MusKkn, zur Maskenfreiheit in gesellschaftlichen und geschlechtlichen Dingen? Ist es etwa auch zwangsläufig, daß über den Helden das Mannsaffentum, über den Infanteriestiefel das Seidenbein triumtchtert in dieser Zeit der Not? —
Was in uns glüht, ist weder Glaube noch Gewißheit. And doch ist es der Weg ju Hoffnung und Freude. Denn wir sind dessen, was ist, gründlich satt. In all dem Elend stehen viele rührend Geduldige und eisern Wollende, stehen und warten, trotz eines Materialismus, den Anglaube, Magen und Beine auf den Altar gehrchen haben, warten mit bangen und sehnenden Augen auf eine Auferstehung.
Da sind Junge und Alte. Alle, denen auch diese Notzeit nicht die Schwingen gebrochen hat, die nicht nur von der Vergangenheit zehren, sondern leben und schaffen wollen mit den Jungen. Junge, die wissen, daß auch ihnen das Opfer nicht erspart bleibt, dah sie ihre verfluchte Pflicht und Schuldigkeit tun müssen, di« sich nicht schämen, zu achten, was war. und zu lernen, zu lernen auch von den Alten.
Noch sind sie ohne Führer. Noch sind sie nicht gesammelt, oder doch wieder in Verbänden gespalten, die weniger betonen, was sie eint als was sie trennt. Aber dieser Führerehrgeiz wird überrannt, der Zwiespalt vernichtet werden. Nicht eher wird der wahre Führer kommen, als sie bereit sind, sich und ihre Besonderheit zu opfern für das neue Leben.
Dieses stille Feuer der Jungen und jung gebliebenen Allen wird eines Tages als Helle Osterflamme in allen deutschen Herzen brennen, in einer anderen Farbe vielleicht als jener, in der wir geboren und erzogen sind. Was tut's, wenn es nur die.