Donnerstag, ttn ’S. März 1929
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Schlechte Aussichten in Paris
BktinssussungSvrrsuKo der Werten — Pessimismus in Nerltn
Mn tomml nitbl voran —
In sehr gut unterrichteten Kreisen werden die Aussichten der Pariser Sachverständigenoerhandlungen trotz hoffnungsvollerer Pariser Berichte für wenig gün- ftig angesehen. Die entscheidende Frage der deutschen Gesamtleistung, die in den noch ungelösten Streitpunkten der Höhe und der Dauer der Jahresleistungen zum Ausdruck kommt, spitzt sich mehr und mehr auf folgende beiden Tatsachen zu:
L Ste deutsche Delegation hat sich nicht bereit gesunden, Zahlen gutzuheihen, die über die im Versailler Vertrag sestgelegte Frist wesentlich hinaus- gehea und die Dent'chland aus der eigenen Wirtschaftskraft nicht leisten könnte.
2. Die Gegensätze unter den Kriegsent- schädigungszläubigern insbesondere, was die Borzugsforderungen Frankreichs für den sogenannten Wiederaufbau ««geht, sind unvermindert geblieben.
Unter diesen Umständen scheint es, als ob es zur Annahme eines endgültigen Gutachtens in Paris kaum noch kommen dürfte. Die Derhandlungstaktik der deutschen Sachverständigen wird, wie verlautet, von der Gegenseite insofern durchaus anerkannt, als die deutsche Delegation im Gegensatz zu den bisherigen politischen Delegationen der internationalen Verhandlungen in aller Klarheit in den Punkt aufzeigt, über den hinauszugehen sie nach ihrer sachlichen Ueberzeugung nicht glaubt verantworten zu können.
Wenn die endgültige Vereinigung des Reparationsproblems in Paris nicht zu erreichen ist, dann würde diese Aufgabe wieder in die Hände der Politiker überzugehen haben.
-ine Denkschrift der alliierten Sachverständigen an Owen Young.
Der „M a t i n" teilt mit, daß die Sachverständigen der alliierten Länder bei ihrer gemeinsamen Beratung am Mittwoch einen Augenblick erwogen hätten, ob es nicht bester sei,
ganz einfach „einem Spiel" ein Ende 1« machen, das schon zu lange gedauert habe.
/ke Sachverständigen hätten dann Owen Young eine Denkschrift überreicht in der sie noch einmal ihre Forderungen und die Grenzen der möglichen Zugeständ- niste niedergelegt hätten. Owen Young werde von sich aus eine zweite Denkschrift ausarbeiten, die er der deutschen Abordnung in der Donnerstag-Sitzung überreichen werde.
Der Pariser Korrespondent der „Times“ meldet: Die Stockung der Arbeiten des Sachverständigenausschusses am Montag war nicht auf ein unbefriedigendes deutsches Angebot, sondern auf einen unerwarteten Schritt auf alliierter Seite zurückzuführen. Als dis allgemeine Erörterung begann, wurde eine Anregung gemacht, die ein neues Licht auf einige der alliierten Vorschläge warf und weitere Auslegungen wünschenswert machte.
Dr. Schacht hat noch keinerlei offizielle Angebote gemacht.
Der Korrespondent fährt weiter fort: Man must berücksichtigen, daß das Hauptproblem nicht bloß um Zahlen geht. Die Annehmbarkeit feder Gesamtsumme schwankt mit den Bedingungen, unter denen sie angeboten wird. Jede Vorkehrung zum Beispiel, die es ermöglichen würde, allmählich von bedingten zu unbedingten Zahlungen hinüberzuleiten, würde den
Wert eines bestimmten Angebotes abändern. Es hat sich herausgestellt, dah einige vorgeschlagene Zahlungsbedingungen noch verbesterungsfähig sind und mit ihnen sind die alliierten Delegationen gegenwärtig beschäftigt. Da keine Seite ein bestimmtes Angebot gemacht hat, ist — nach Ansicht des Korrespondenten — auch die Annahme nicht berechtigt, daß die Aussichten für ein erfolgreiches Ergebnis geringer sind als in der vorigen Woche. Aber Privatbesprechungen, die sich unbe-
Lamhergesebene KnrAnvtrnng
Heber Nagusa.
Friedrichshafen, 27. März. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befand sich um 16 Uhr über Nagusa.
Belgrads Enttäuschung.
-Belgrad, 27. März. Belgr/ü) erwartete heute nachmittag den „Graf Zeppelin", der zwischen 2 und 3 Uhr angekün- digt war. Um die in Frage kommende Zeit schauten zahlreiche Menschen in die Richtung, von wo das Luftschiff kommen sollte. I» der Lust kreisten mehrere Flugzeuge. Gegen 4 Uhr erst wurde bekannt, das, der „Graf Zeppelin" seinen Kurs geändert habe und nicht nach Belgrad käme.
Friedrichshafen, 27. März. Nach einem um 2l1/i> Uhr bei der Werft ernge- gangensn Telegramm von Bord des „Graf Zeppelin" befand sich das Luftschiff um 19.30 Uhr 100 Kilometer südlich Agram in der Nähe der Ortschaft Biac. Zn Kreisen des Lustschiffsbaus wird die Ankunft des „Graf Zeppelin" etwa für Donnerstag mittag erwartet.
„Erat Zeppelin" wieder in Deutschland.
ff. Wien, 28. März. Das Luftschiff „Graf Zeppelin", das um 3 Uhr nachts die Stadt Wien überflog, wandte sich dem Laufe der Donau zu und erreichte um Va5 Uhr Linz. Um 5 Uhr wurde es über der Stadt Wels gesichtet. Das Luftschiff folgt dem Laufe der Donau weiter in Richtung auf Passau. Die Geschwindigkeit des Luftschiffes ist seit Mitternacht durch Gegenwind stark gemindert.
„Graf Zeppelin" über Wien.
ff. Wien, 28. März. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat um Uhr früh die österreichische Grenze in der R chtung auf Pretzburg passiert und um 3 Uhr die Stadt Wien überflogen. Die Ankunft des Luftschiffes wurde aus dem Turmzimmer des Stephanturmes der mehrtausendfövfigen Menge, die trotz des Regens auf dem Stevhansvlatz ausgeharrt batte, verkündet. Als der „Graf Zeppelin" in etwa 400 Meter Höbe, an der lichterstrahlenden Gondel deutlich erfennbar, in langsamer Fahrt dahinzog, begrüßten ihn stürmische Heil- und Hochrufe, bis das Lui,schiff alsbald in westlicher Richtung den Blicken entschwand Die Tatsache, dah der „Graf Zevvelin" Wien bei Nacht überflog wurde von der Wiener Bevölkerung, die den Anblick des stolzen deutschen Luftschiffes mit Begeisterung erwartet batte, mit lebhaftem Bedauern empfunden.
Drahtloser Eruhwechsel zwischen „Graf Zeppelin" und Wien.
fk. Wien, 28. März. Als Dr. Eckener mit dem „Gras Zeppelin“ heute nacht über Wien erschien, übermittelte ihm die „Raway" vom Stephansturm aus, wo sie eine Sendestation eingerichtet hatte, folgenden Gruß der österreichischen Regierung:
grenzte Zeit in die Länge ziehen, könnten möglicher Weise das bisher Erreichte wieder zunichte machen. Daher nähere sich der Augenblick, wo der Vorsitzende des Ausschustes oder eines seiner führenden Mitgliedern es wünschenswert finden wird, diesem Stadium ein Ende zu machen und in einer Vollsitzung des Ausschustes um ein endgültiges Angebot zu ersuchen. Dieser Augenblick wird aber schwerlich vor Ostern eintreten, vielleicht überhaupt nicht.
— Belgrad Md Sten enttmitot
„Die Bundesregierung begrüßt den „Graf Zeppelin“ auf ferner Fahrt über Oesterreich und beglückwünscht ihn zu dem grosten Erfolg, der einen Triumph der deutschen Luftfahrt bedeutet."
Auch der Bürgermeister der Stadt sandte namens der Wiener Bevölkerung herzliche BegrÜtzungsworte. Beide Grütze wurden vom Luftschiff aus durch Dr. Eckener mit herzlichen Worten erwidert. Sodann richtete Reichstagspräsident Löbe warme Worte der Begrüßung an die Wiener und an die gesamte österreichischen Bevölkerung. Er sprach dabrl sein Bedauern aus, daß infolge der widrigen Witterungsverhältniste das Luftschiff zu nachtschlafender Zeit nach Oesterreich gekommen sei, doch hoffe er, daß der „Graf Zeppelin“ den Wienern bald einen Besuch bei Tage abstatten werde.
„Graf Zeppelin" auf dem Wege zum Heimathafen.
fk. Friedrichshafen, 28. März. „Graf Zcppein" strebt an der Donau entlang dem Heimalhafen zu. Die Vorbereitungen und An- Weisungen für die Landung sind getroffen und die Landemannschaften ab 7 Uhr bereit.
„Graf Zeppelin" nimmt Kurs auf München.
fk. Passau, 28. März. Das Luftschiff „Graf Zevvelin" überflog um 5.40 Uhr die Stadt Ried in Oesterreich mit Kurs auf München.
„Graf Zeppelin" über München.
fk. München, 28. März. Das Luftschiff „Graf Zevvelin" hat auf seiner Fahrt zum Heimathafen um 7.40 Uhr bei leichtem Regen die Stadt München in geringer Höhe überflogen. Bei dem dunstigen Wetetr und den tiefgebenden Wolken war das Luftschiff nur in seinen Umrissen erkenntbar.
Die Vorbereitungen zur Landung.
fk. Friedrichshafen, 28. März. Auf Grund der letzten Positionsangabe des Luftschiffes rechnet man im Luftschiffbau Zeppelin damit, datz der „Graf Zeppelin“ um 9.30 Uhr über Friedrichshafen eintrifft. Die Werft hat auch bereits alle, für eine glatte Landung notwendigen Vorkehrungen, getroffen. Die Absperrungsmannschaften und Schutzpolizei sind auf Lastwagen im Werftbereich eingetroffen, und die Kino-Photographen stehen in Bereitschaft. Der Himmel ist bei trüber Witterung bewölkt. Die Sicht ist gut. Auf der grotzen Halle, die L. 127 nach dem baldigen erfolgreichen Abschluß feiner Orientreise wieder aufnehmen wird, wehen Flaggen. — lieber dem Westtor in den Zeppelinhausfarben, über dem Osttor in Reichsfarbsn. Der Wind weht ziemlich heftig aus Nordost.
Glücklich gelandet!
fk. Friedrichshafen, 28. März. Um 10.17 Uhr ist das Luftschiff „Graf Zeppelin“ nach ungefähr 81 stündiger Fahrt von seinem Orientflug zurückgekehrt und glatt gelandet.
»Graf Iwlin“ MÄW selandrt
Versuch eines gemeinsamen Selkungsprogmmms
Die „D. A. Z." glaubt Folgendes Mitteilen zu können: Nach der Vertagung des Reichstages haben zwischen den Finanzsachverständigen der Sozialdemokraten, der Demokraten und des Zentrums Etatsbesprechungen stattgesunden, die zu einer weitgehenden Annäherung dieser Fraktionen und zum Entwurf eines gemeinsamen Sparprogramms geführt haben. Es besteht sogar plötzlich der Plan, das Zentrum möglichst noch vor Verabschiedung des Etats in die Reichsregierung wieder aufzunehmen. Die Deutsche Volkspartei soll nach Ansicht der an den Kornoromißplänen beteiligten Kreise vor die Wahl gestellt werden, entweder das soeben vereinbarte Deckungsprogramm mitzumachen oder endgültig aus der Regierung auszuscheiden. Die Bayerische Volkspartei soll für eine etwaige Weimarer Koalition dadurch gewonnen werden, datz die geplante Erhöhung der Bier st euer in Fortfall kommt. Das neue Deckungsprogramm sieht ISO Millionen Abstriche an der bisherigen Regierungsvorlage vor, darunter, 40, Millionen am Verkehrsetat und 25 Millionen am Wehretat. Außerdem soll der Ansatz für die Tabaksteuer um 70 Millionen erhöht werden. — Die Verantwortung für die Richtigkeit dieser Mitteilung bleibt dem genannten Blatt überlassen.
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Viel Arbeit für ten Landtag
Berlin, 27. Mörz. Während, das Plenum des preußischen Landtages seine Beratungen nach den Osterferien am 11. April aufnehmen wird, ist der H a u p t a u s s ch u tz bereits zu Dienstag, 9. April, einberufen. Er wird zunächst den Bericht des sogenannten „Köpfungs-Ausschusses entgegennehmen, der zuvor sich schlüssig gemacht haben wird über die Nachprüfung der im Hauptausschutz bei den Haushaltsberatungen für 1929 angenommenen Anträge auf Erhöhung von Haushaltsmitteln. In seinen weiteren Beratungen wird der Hauptausschutz sodann den Haushalt der allgemeinen Finanz- verwaltung vorberaten. Verbunden wird damit die Beratung einer Reihe von Anträgen der Deutschen Volkspartei auf Wiedervorlage des Entwurfes eines Steuervereinheitlichungsgesetzes sowie über di« Wandergewerbesteuer und die Besteuerung des Hausierhandels: der Wirtschaftspattee auf Senkung der preußischen Realsteuern und der Deutschnationalen auf Abstandnahme von der Entziehung der der Landwirtschaft gegebenen, tm Dezember 1928 fällig gewordenen Kredite.
Nach Abschluß der Vorberatung dieses Haushaltes wird sodann die Lesung des Haushaltes im Ausschuß mit dem Etatsgesetz selbst abgeschlossen werden. 3m Plenum des Landtages wird nach der Oster- paufe der Haushalt der Bergverwaltung zur zweiten Beratung gestellt werden. 3n den ersten Tagen nach dem Wiederzusammentritt wird auch die Entscheidung über die Besteuerung der freien Berufe fallen. Bekanntlich hat der Staatsrat gegen diese Besteuerung Einspruch eingelegt. Soll sie in Wirksamkeit treten, so ist eine Zweidrittelmehrheit des Landtagsplenums notwendig. Die Frage wird anläßlich der endgültigen Feststellung der Gewerbesteuer zur Erledigung kommen. Bekanntlich ist nicht, wie bei den beiden anderen Steueroerlängerungsgesetzen, bei der Erundvermögenssteuer und bei der Hauszinssteuer, der Weg der Notverordnung beschritten worden: die Gewerbesteuer soll vielmehr im Wege der ordentlichen Gesetzgebung verabschiedet werden.
Der WM» des ReWgeriM Präsidenten Se. Simms
Leipzig, 27. März. Heute nachmittag nahm der Präsident des Reichsgerichts, Dr. Simons, von den Mitgliedern des Reichs- aerichts, der Reichsanwaltschaft und der Rechtsanwaltschaft beim Reichsgericht, sowie den Beamten, Angestellten und Arbeitern der Behörde im großen Festsaal der Dienstwohnung Abschied. Er gedachte zunächst dank- bank des ersten Reichspräsidenten Ebert und des Reichsjustizminiiters Radbruch, die ihn