MINE ton z<. Mar» 1929
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Anzeiger für (das frühere knrhessifche) Oberhessen
Nr. n 64.3a6tg.
Marburg a. Lahn
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< Goldmark ■ '/««Dollar.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Ser Brand des Szeanriesra „EMM"
Lin Sckaden ton 20 b8 25 Millionm Mark — Sie EMebmgÄriache ist noch ungeflärl
Hamburg, 26. März. Der in den stützen Morgenstunden auf dem am Aus- küstungskai der Werst von Blohm und Voß liegenden Lloyddampfer „Europa" ausgebrochene Riesenbrand stellt fich als das größte Reuet heraus, das jemals auf Dampfern im Hamburger Hafen zu verzeichnen war. Sämtliche Hamburger Feuerwehren sind unermüdlich tätig, um den Brand zu bekämpfen, der jedoch mit unverminderter Heftigkeit fortwütet. Undurchdringlicher dichter Rauch lagert auf der Brandstätte. Das vermutlich im Kielraum ausgebrochene Feuer verbreitete sich vom Vorderschiff im Laufe des Vormittags auch über das Mittel- und Hinterschiff aus, jedoch konnten die Flammen im Hinterschiff anscheinend späterhin wieder eingedämmt werden. Gegen 11 Uhr mittags drangen besonders dichte Rauchschwaden, namentlich aus dem Vorder- und Mittel- l schiff. Durch mehrere Bullaugen konnte • l man auch die im Innern wütenden Flammen bettachten. Die Feuerwehr mutzte sich zeitweise darauf beschränken, das Feuer von autzen her zu bekämpfen, jedoch ging sie zur genannten Zeit auch wieder zur Bekämpfung des Brandes im Innern über.
Infolge der ungeheure« iu das Schiff geschleuderten Wasiermasieu erhielt es nach und «ach starke Schlagseite «ach Steuerbord, man hofft aber, datz die Gefahr des Kentern im Augenblick beseitigt ist, da das Schiff auf der Steuerbordseite auf Grund liegt. Infolge der glühenden Hitze sind sowohl die eisernen Aufbauten als auch die Schotten im Inneren des Schiffes verbogen und eingeknickt. Am äuheren Cchiffsrumpf selbst find noch keine besonderen Schäden bemerkbar.
Heber die Entstehunggursache des Brandes und darüber, wie es möglich war, datz dieser einen so großen Umfang annehmen konnte, schwirren an der Brandstätte zahlreiche Gerücht. So wird u. a. vermutet, datz
Braudstifiung vorliege, ferner wird auch die Behauptung aufgestellt, datz die Werftfeuerwehr von Blohm und Votz nicht sogleich die Hamburger Feuerwehr alarmiert, sondern versucht habe, den Brand zunächst allein zu bekämpfen. Alle diese Behauptungen sind aber vollkommen unkontrollierbar, i ■ Die behördliche Untersuchung ist mit vollem Nachdruck im Gange.
Der Brand ist gelöscht.
Von der Leitung der Werft Blohm & Voß wird mitgeteilt: Am späten Äach- mittag war das Feuer auf der „Europa" bis auf Wenige geringfügige Gliimmwfter gelöscht. Eingehende Feststellungen durch Ingenieure der Werft und der Reederei ha^n gezeigt, daß die Schäden erfreulicherweise doch wesentlich geringeren Umfang haben, als ursprünglich angenommen werden mußte. Äußer den Kessel- und Maschinenanlagen tenb dem gesamten Hinterschiff mit allen Einrichtungen siich auch das Unterschiff dich die unteren Decks fast in der ganzen i । Sänge, sowie das Vorderschiff dom Feuer verschont geblieben. Mit den Aufräu- viungSarbeiten ist unverzüglich begonnen worden. Die Feuerwehr ist bis auf einen Zug, der mit der WerkSfeuer- btfrt von Blohm & Voß eine Brandwache bildet, abgerückt.
I Sine Erklärung der Werftleituug.
S Von der Direktion der Werst von Dlohm A Voß wird dem WTB. folgendes mitgeteilt: Auf dem im Ausbau besticht Ichen Schnelldampfer „Europa" auf der Werft von Blohm & Voß ist heute vacht gegen 3.30 Uhr auf. bisher unauk-
geklärte Att Grohfeuer entstanden, das be- ttächtlichen Schaden angerichtet hat. Die Kammeranlagen des Schiffes Waren im Rohbau aufgestellt. Von den Salonein- richtungen, ebenso von der eigentlichen Kammereinrichtung War noch nichts an Bord. Die Kammerwände haben im Mittelschiff an den Seiten Feuer gefangen und sind mit allen schon verlegten Rohr- und Kabelleitungen zerstört. Hierdurch sind auch die Gisenkonstruktionen der Aufbauten des Schiffes in Mitleidenschaft gezogen Worten. Der hintere Teil des Schiffes, sowie die gesamte Maschinen- und Kesselanlage sind von dem Feuerverschontgeblieben. Durch die bei der Bekämpfung des Feuers auf* gewendeten Wassermengen hat sich der Tiefgang des Schiffes so verlagert, daß es
nunmehr auf Grund sitz. Eine Kenter» gefahr für das Schiff besteht nicht. Inwieweit andere als die vorgenannten Eisenkonstruktionsteile des Schiffes durch den Brand der Holzeinbauten gelitten haben, bleibt noch genauerer Untersuchung Vorbehalten. Der Gesamtschaden ist durch Versicherung gedeckt. Das Feuer ist soweit bekämpft, daß eine Gefahr für das Schiff nicht mehr besteht.
Reichsminlfter Dr. Schähel zur Brand- katastrophe.
B e r I i n, 26. März. Reichsminister Dr. Echätzel hat in seiner Eigenschaft als Reichsverkehrsminister dem Rorddeuffchen Lloyd folgende Drahtung gesandt:
„Erfahre mit größter Teilnahme vom Brand der „Europa", die bestimmt Wer,
Preußens Notverordnungen angenommen
SrunbtormsgmS- M SmiWlteua
Berlin, 26. März. Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtages befaßte sich am Dienstag mit der Verlängerung der preußischen Erundoermögenssteuer und der Hauszinssteuer.
Die Regierung hat dazu zwei Notverordnungen oorgelegt, da die Erledigung im Wege der ordentlichen Gesetzgebung nicht hat erfolgen können, well bei der Beratung im Plenum des Landtages die Rechte und die Kommunisten keine Karten abgegeben und dadurch das Haus beschlußunfähig gemacht hatten.
Abg. Dr. d. Winterseldt (Dntl.) erklärte, keinesfalls dürsten die Notverordnungen für ein Lahr Geltung haben, sondern höchstens für ein Vierteljahr.
Finanrminister Dr. Höpker-Aschoff führte aus, daß die Rechtmäßigkeit der Form der Notverordnung durch Urteil des Staatsgerichtshofes aus dem Jahre 1925 geklärt sei. 3n diesem Urteil werde es der Regierung zur Pflicht gemacht, die für die ordnungsmäßige Verwaltung der Läntzer und der Gemeinden notwendigen Mittel zu beschaffen. Die Steuervorlagen seien dem Landtag rechtzeitig, nämlich am 3., 7. und 13. Februar zugeleitet worden. Die Beratung und Verabschiedung hätten in der letzten Woche vor der Vertagung des Landtages noch stattfinden können, wenn nicht die Opposstion Obstruktion getrieben hätte. Er gebe zu, daß die Regierungskoalition nicht stark genug sei, um eine Obstruktion zu brechen. Die Obstruktion sei aber weder nach der Verfassung noch nach der Geschäftsordnung ein erlaubtes parlamentarisches Mittel. Es könne auch keine Rede davon fein, daß die Regierung nur das Recht hätte, die Notverordnungen lediglich mit Gültigkeit für ein Vierteljahr zu erlassen. Das Oberoer- waltunasgericht mache den Gemeinden ausdrücklich zur Psticht, Steuern auf das ganze Etatsjahr abzustellen. Deshalb müßten die Notverordnungen auch für ein Jahr Geltung haben.
Abg. Dr. Leidig (Dt. Dpt.) führte aus, er gebe zu, daß die Obstruktion verfassungsmäßig und geschäftsordnungsmäßig nicht erlaubt sei. Er protestiere aber gegen die Form der Notverordnung, wegen der der
Staatsgerichtshof werde erneut angerufen Werber.
Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff erflärte, tatsächlich habe die Regierung nn Landtag und im Ständigen Ausschuß eine Mehrheit hinter sich. Deshalb sei ihr Vorgehen gerechtfertigt.
Abg. Dr. Leidig (Dt. Dpt.) erllärte für seine Partei, daß sie einen ungewöhnlichen Notstand nicht anerkennen könnte. Wenn der Ständige Ausschuß immer wieder zusammenberufen werde, so sei dies auch schon darum verfassungswidrig, weil der Staatsrat dadurch ausgeschaltet würde. Seine Fraktion werde wahrscheinlich mit anderen Fraktionen zusammen an den Staatsgerichtshof appellieren.
Abg. Roeinah (Str) bedauerte, daß man gezwungen fei, den Weg der Nortver- ordnung zu beschreiten, weil im Wege der ordentlichen Gesetzgebung Erleichterungen für die Landwirtschaft hätten durchgeführt werden können. Er fragte den Minister, wie er sich zu der Frage der Beseitigung unberechtigter Härten stelle.
In der
Abstimmung
über die Erundvermögenssteuer wurde der Antrag Mentz (Wirtschastspt.), die Zuschläge der Gemeinden auf 200 Prozent zu beschränken, mit 15 gegen 14 Stimmen abgelehnt.
Abgelehnt wurden ferner alle wetteren Abänderungsanträge, darunter der deutschnationale Antrag, wonach die Notverordnung nur bis zum 30. September gültig sein solle. Die Notverordnung übet die Drundoermögenssteuer wurde schließlich gleichfalls mit 15 gegen 14 Stimmen in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen.
Der Ausschuß schloß daran die Beratung über die Notverordnung der Hauszins teuer.
Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff wies darauf hin, daß schon im Interes e der Bautätigkeit die Notverordnung erforderlich sei.
Auch diese Notverordnung wurde mtt 15 gegen 14 Stimmen angenommen.
binnen wenigen Monaten als das schönste und schnellste deuffche Schiff seine Hungfernreise über den Ozean zurackzulegen und auf das mit der Reederei und ihrem Wagemutigen Leiter die deutsche Schiffahrt und das ganze deuffche Voll so große Hoffnungen gefetzt hatte. Möge es dem Rorddeuffchen Lloyd gelingen, dem Echwesterschjff „Bremen" bald eine neue „Europa^ an die Seite zu stellen."
Di« ^Europa" mit 44 Millionen versichert.
Wie der „Lokalanzeiaer" rnittellt, fit die -.»Europa" Jdfon für .die. Seit des Baues
auf dem Wege der Transportversicherung unter anderem auch gegen Feuers- und Ei- plofionsgefahr versichert worden. Die Versicherung läuft unter Führung deutscher Gesellschaften hauptsächlich m Deutschland und zum Teil in England. Fast alle deutschen Tranrportversicherungsgesellschaften sind beteiligt. Die Eesamtversicherungssumme beträgt zur Seit 44 Millionen Mark.
20 Million«« Mark Schade« bei« Brand der „Europa".
ft Hamburg, 27. März. Der durch don Brand der Europa entstandene SÄa-
ISocUdtiau Lebe Seite. .24
Mimstnms In Baris
Die Stellungnahme der französischen Blätter zu den Sachverständigen-Verhand- lungen ist p e s s i m i st i s ch. Die Sachverständigen haben den Dienstag nachmittag zu weiteren private« Be« sprechnngen benutzt. Der „Excel- sior" meint, vor Ostern sei kein Ergebnis mehr z« erwarten, da die Unterhaltung über die Höhe der deutschen Zahlungen eben erst in Fluß gekommen sei. Der „Petit Pari sien" glaubt, datz der heutige Mittwoch von größter Bedeutung sein werde, da man von Dr. Schacht die unentbehrlichen Erklärungen fordern werde.
England und die deutschen Kohle«- lieferuugea aus Reparationskouto.
Den Londoner Blätter zufolge kam gestern der stellvertretende Direktor einer großen Bergwersunternehmung, Edmund Hann, auf die Schädigung der britischen Industrie durch die Reparationsleistungen zu sprechen und sagte: Der englische Kohlenhandel hat am schwersten darunter gelitten und der größere Teil dieser Leistung ist auf die Kohlenindustrie von Südwales entfallen, da die deutsche Reparationskohle auf Märkten Zutritt erlangt hat, die früher den größten Teil ihres Bedarfes in Wales deckten. Italien z. B. hat im Jahre 1927 über 3 200 000 Tonnen Walliser Kohle einge- führt gegenüber 5 500 000 Tonnen im Jahre 1913 und zwar, obwohl sich die italienische Kohleneinfuhr in der gleichen Zeit von 10 700 000 auf 14 000 000 Tonnen erhöht hat. Andererseits ist die Einfuhr deutscher Kohle nach Italien von 950 000 Tonnen im Jahre 1913 auf 4100 000 Tonnen im Jahre 1927 gestiegen.
Der Organisationsplan für dis Reparationsbant
Heber die Organisation der geplanten Zentralbank Will „Echo de Paris" folgende nähere Angaben machen können: Die Bank wird 25 Administratoren erhalten, von denen 14 von den im Sachverständigen - Ausschuß vertretenen Rationen gestellt werden sollen. Für eine bestimmte Anzahl von Jahren soll ferner ein französischer und ein deutscher Administrator ernannt werden. Die übrigen Sitze würden den übrigen Gläubigerstaaten und den Ländern, die sich finanziell beteiligen würden, wie etwa die Schweiz und Holland, zufallen. '
Das System der Sachlieferunge« sek für 10 Jahre vorgesehen, beginnend mit 750 000 Millionen im ersten Re- parationsjahr, die jedes Jahr um 50 Millionen verringert werden würde«.
Eine Klausel kommt auch in Frage, die den Verlauf der Sachlieferungen an Dritte ermöglicht, vorbehaltlich einer noch gemeinsam zu bestimmenden Regelung.
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SchMmle Buge fn Wim
fl. London, 27. März. Wie aus Nanking gemeldet wird, bemüht sich Tschingkaischek, seine Front nach Süden auszudehnen, da mtt der Eröffnung der Feindseligkeiten durch die Kantontruppen gerechnet wird. Im Augenblick ist Tschiangkaischek der Stärkere, der er etwa 150 000 Mann im Felde hat, gegen 50 000 von Wuhan. Da aber die Wuhantruppen Verstärkungen von etwa 100 000 Mann in verhältnismäßig kurzer Zeit erhalten können, würde sich dieses Kräfteverhältnis bald zu feinen Ungunsten verschieben. General Fengs Haltung ist unter diesem Umständen vollkommen ungeklärt. Eine unfreundliche Haltung Fengs gegenüber der Nankingregie- .utnjg würde für dis Truppen Tjchiangkai-