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Ar ^vberhessisch« Stititng* « scheint sechsmal wöchentlich. vr- prgsprets monatlich 2 GM. aus. schließ!. Zustellungsgebühr, durch dl«Post2.25 DM.Für etwa tnfolg« Streik«, Maschinendrfekle oder elementarer Ereignisse ausfallend« slkuimnern wird kein Lisa» ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hitzerolh. Druck der Univ.^klnchdruckerei b. Ioh. Aug. «och, Mark, 21/23» gernsprecherr Rr. 54. tu Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit btt Redaktion von 1011 und fel-1 Ufc.

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M. 7» 64.3nte Marburg n. Mn

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1 Goldmark '/»»Dollar.

Anzeiger für (das frühere knrhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

De. Schacht berichtet über Paris

Sie Sorbenms otiitr WrMWng een 1,75 Milliarden wird nW demenliett Sie falsche Sossming aus eerändette JtonfteHotlener

fl. Berlin, 23. März. Reichsbank- präsident Dr. Schacht erstattete im Lause des gestrige« Tages dem Reichskanz­ler in Gegenwart des Reichswirt- schaftsministers und des Reichs- fiaanzmiaisters Bericht über den Stand der Sachverständigen- Deratunge« in Paris. Beschlüsse sollen nicht gesagt worden sei«.

*

Auch die Berliner Presse deröfsentlicht heute die von uns gestern gebrachte, aus ausländischer Quelle stammend« Meldung Über di« angebliche Forderung der Alli­ierten. Ebenfalls finden in der Pariser und Londoner Presse unser« Angaoen ein« Be­stätigung, daß die Höh« der Annuitäten : 1,75 Milliarden betragen soll. Ein Ber­liner Blatt bringt eS sogar fertig, schon auf dieErmäßigung" um 750 Milliarden hin­zuweisen, waS natürlich ganz abwegig ist, solange di« übrigen Bedingungen, vor allem di« Zahl dieser Annuitäten, nicht bekannt sind. Eine amtliche Bestätigung der Gerüchte ist natürlich nicht zu er­warten, doch kann man aus der Art, wie von offiziöser Sette im Anschluß an die Wiedergabe der angeblichen Pariser Vor­schläge der deutsche Standpunkt noch ein­mal hervorgehvben wird, schließen, daß auch an zuständiger Stelle die Richtigkeit der Meldung nicht bezweifell wird.

Es scheint notwendig, einer Auffassung i , beizeiten entgegenzutreten, die ernsthaft zwar weder in der Presse noch in der Oeffentlichkeit vertreten wird, wohl aber in jener Form zutage tritt, die an die genial« Dierbankpvlitik der Kriegszeit er­innert. Wie man damals, west vom Schuß f und ohne genauere Kenntnis der Kriegs­lage, die gegnerischen Fronten mit einer Hanbbewegungaufrollte", so ist man zwar ganz vereinzelt auch jetzt wieder mit einer Patentlösung bei der Hand. Wir Deutschen sollten darauf hinarbeiten, eine möglichst niedrige Annuität von ent» rhend längerer Fälligkeit zu erreichen, ja diepolitische Kon^ellation" in zehn ober zwanzig Jahren völlig verändert sein würde. Es wird in diesem Zusammen­hang, obwohl ein solcher absolut und rela- tiv nicht besteht, in das Verhalten der Chinesen nach dem Doxerkrieg und ihre Rettung" durch den Weltkrieg erinnert.

Vicht einmil der Teil der Presse, der, wie wir schon erwähnten, eine stärkere Belastung der kommenden Generation auf Kosten der lebenden befürwortet, wagt die­sen Vorschlag dami.u begründen, daß wir uns später auf Srund einer veränderten Konstellation" den Tributverpflichtungen entziehen Kirnten. Lediglich wegen der wahrscheinlichen Zinsfußangleichung hat dieser Vorschlag kleiner, langwährender Jahresza^unge« zeitweise Beachtung ge­funden.

Aber eine andere Aeberlegung muh zur strikten Zurückweisung solcher Pläne führen. Die von der Gegenseite vorgeschlagene Teilung unserer Verpflichtungen sieht die Kommerzialisierung eines Teiles der Tri­bute in einer Form vor, die für die Dauer von 37 Jahren einer jährlichen Kapital­zahlung von 1 Millard« gleichkommt. Diese Tributbonds sind private Schuldver­pflichtungen, die durch keine Macht der West gemindert oder aufgehoben werden können, sc^an-e die kapitalistische Gesell­schaftsordnung besteht. Ansere Gegner von h heute können unsere intimsten Fre 'nde werden, die Fülligkeit dieser Bonds bleibt bestehen.

Der zweite, nicht kommerzialisierte Test der Tribut« ist aber nach dem Vorschlag

der Alliierten durch die Tributbank so eng mit der Schuldenverpflichtung der Engländer und Franzosen verknüpft, fer­ner durch den Charakter der zu gründenden Bank so eng mit der Wirtschaft der ka­pitalgebenden Staaten verpflochten, daß eine der Lösung von diesen Tributen gün­stige Konstellation von ernsthaft beiden» den Menschen nicht einmal konstruiert wer­den kann.

Die Hoffnungen «nd Illusionen solcher Dierbankpolitik sind nur geeignet, uns den Blick für den ungeheuren Ernst der Lage zu trüben. Unsere Gegner haben bisher keine Veranlassung gegeben, sie nicht für vorausschauend und gerissen zu halten.

Llnsere Auffassung kann nur folgende sein: Bedeutet das Angebot der Alliierten eine für uns unerfüllbare oder bedenlliche Ver­pflichtung, so bleibt der Dawesplan In Kraft. Gestattet der Stand der deutschen Wirtschaft kein« weitere Leistung, so wird der Transferschutz wirksam und unerttäg- liche Zahlungen hören automatisch auf.

ES besteht deutscherseits kein Anlaß, einen Plan anzuerkennen, der den Schutz durch den Dawesplan hemmt oder an feine Stelle eine Regelung setzt, die die Dauer und die Höhe der deutschen Zah­lungen künsllich verlängert ober ver­mehrt. ®.

Ein Erfolg -er AuWlldWeu

Motion genommen Eingreifen der Bereinigten ©tonten?

Newport. 22. März. Nach einer Meldung an» de« Hauptquartier der Aufständische« in Nogales (Sonora) ha­ben die Streitkräfte der Aufständischen Mazatlan erstürmt, nachdem sie die südlich von Mazatla« gelegene Stadt Ro­sario eingenommen hatte«. Die Aufstän­dische« wolle« sich «««mehr gegea die Bundeshauptstadt Mexiko-City wenden «nd General Calles verhindern, die Auf­ständischen unter General Escobar weiter- hi« za verfolgen. Nach weiteren Berich, ten beabsichtigt General Mustieles. der zu den Aufständischen übergegange« ist, im Verein mit dem General Almada eben­falls eine« Vorstoß auf Mexiko-City zu unternehme«.

Wie Reuter ans Washington meldet, hat Staatssekretär Kellogg heute die Möglichkeit einer amerikanischen Jnter- venfion in Mexiko angedeutet. In einer von dem Staatssekretär ausgegebenen Er­klärung heißt es: Die Regierung der Ver­einigten Staaten ist der Ansicht, daß sie durchaus berechtigt ist, die Gefährdung von Leben und Eigentum amerikanischer Bürger durch Geschößeinschläge auf ameri­kanischem Gebiet zu verhindern, und sie ist vollauf bereit, die Schritte, die sich als nötig erweisen sollten, zu unternehmen. Die Kommandeure der amerikanischen Truppen an der mexikanischen Grenze sind in diesem Sinne instruiert worden.

Amau Ullabs Borhut marschiert.

fl. London, 23. März. 3« Afghanistan haben nun in verschiedenen Teilen des Landes die Kämpfe »wischen den feindliche« Gruppen begonnen. Aman Ullah bat ein« tlri«e Streit-rast mit Artillerie al» Borhut von Kandahar nach Kelati Gilzai ge­sandt. Abdul toi, der Bruder des früheren Souoerneurs von Kabul, versucht in Kan, dahar 2000 Mann aufiustellen, die t>ä Vor­hut Aman Ullabs unmittelbar folgen sollen. Die Bersuche Sabid Ullabs, Die Eilzis für sich zu gewinnen, find gescheitert. Deren Führer habe zwar seine Geschenke angenom- men, jedoch erwidert, daß fie einen Re­bellenkönig, der einmal Bandit war, niemals mehr stützen würden. Diese Ent­scheidung brachte die Gilzis in Konflikt mit dem mächtige« Stamme Durani, die Ama« Ullah unterstützte«, »esoaders starke Aktivi­tät herrsche im Oste« de, La«de». Die beide« Städte Dakka und Latvura werden, wie man erwartet, in Kürze in die Hände der Schinwaris fallen, die Ama» Ullah ent­schiede» ablebne», aber auch allerdiugs wenig Frenndschaft für Habid Ullah haben. Di- Ausgleichsbeftrebungen Nadir Kbans, der fich gegenwärtig in der Provinz Kbost aufbält, find unter diesen Bedingnnge» sehr wenig er­folgreich. Auf englischer Seite wird den letz­ten Lorgänge« m Afghanistan wieder beson­dere Aufmerksamkeit beigelegt.

Morgan m Bern.

ft. Porig, 23. März. Der amerikanische Sachverständige Morgan ist nach Ber« ab­gereist, um seiner Tochter einen Besuch abru- statten Er wird zur Montagssitzung wieder in Paris sein.

Amerika investiert vier Milliarden Statt in der russischen Metallindustrie.

K o w n o, 22. März. Wie aus Moskau berichtet wird, ist nach amtlichen Angaben mit einer amerikanischen Gruppe, die dem Präsidenten Hoover nahesteht, ein Abkom­men unterzeichnet worden, in dem fich di« amerikanische Seit« bereiterklärt hat, im Lause eines Jahres bis ru vier Mil­liarden Mark in der russischen Metall­industrie zu investieren. Der Vertrag ist vor einigen Tagen in Chicago unterzeichnet wor­den. In russischen Regierungskreisen wird erklärt, daß dieser Vertrag der erste Schritt der Hoover-Regierung »ui Anerkennung der Sowjetunion de facto sei. Es sei dies ein er­heblicher Erfola des Staatsbankpräfidenten Scheinmann.

Weitere Todesopfer de» Kinobrandes tit Rußland.

Kvwrro, 22. März. Wie aus Moskau gemeldet wird, wurde nach dem Dorfe Jgolfchino im Gouvernement Wladimir eine Abordnung entsandt, die die Ursache der großen Kinobrandkalastrophe, die 114 Todes­opfer fordert«, prüfen soll. Inzwischen find noch fünf weitere Tote geborgen, worden, sodaß sich deren Zahl auf 119 erhöht. Die Zahl der Verletzten ist auf 21 gistiegen. Ein Lehrer und zwei Lehrerinnen, die sich im Schulgebäude befanden, wo der Film auf- gefiihrt wurde, sind ebenfalls verbrannt. Man nimmt allgemein an, daß Brandstiftung vor­liegt.

Zur Srubenkatastrophe ht Pennsylvanien.

Parnassus (pennsylvanien), 22. März. Die Zahl der bei der Drubenerploiicm Ver­mißten beläuft sich seist auf zehn. Ts find also im ganzen 31 Tote oder Vermißte zu verzeichnen.

Smichall und Äonfunttnr

Von Reichsminister a. D. Dr. Scholz, M.d. R.

Die Festsetzung der Haushaltspläne der öffentlichen Körperschaften Reich, Länder, Gemeinden, die das Recht der Steuer­erhebung besitzen, bedeutet auf der Etnnahme- seite, aus der sich die Steuereinsänge finden, eine perantwortungsvolle Einschätzung der Steuerkraft der Bevölkerung, Die ihrerseits wieder, teils unmittelbar, teils mittelbar, dem Zustande der Wirtschaft folgt. Die Höhe der Steuersätze, sowohl der direkten als der indirekten Abgaben, wirkt auf den Ertrag bet Wirtschaft naturgemäß ein. So ergibt sich eine dauernde Wechselwirkung der Steuer auf die Wirtschaft und der Wirtschaft auf den Er­ft ag der Steuern. In Zeiten einer einiger­maßen stabilen oder gar aufwärts sftebenden Desamtwirtschaftslage, wie wir fie im allge­meinen vor dem Kriege hatten, in Zeiten überdies, in denen die zur Ausschreibung ge­langten Prozentsätze sowohl der direkten als der indirekten Abgaben verhältnismäßig niedrig sind, wirkt sich dieser Zusammenhang weder aus den Steuerzahler die Wirtschaft Im allgemeinsten Sinne noch auf den Steuerempfänger den Staat besonders bemerkbar und schmerzlich aus. Ganz anders, wenn einerseits die prozentuale Belastung der Wirtschaft durch Steuern eine außer­ordentlich Hobe ist, und wenn andererseits starke Schwankungen in der Gesamtwirtschafts- lage eintreten, wie sie, aus naheliegenden Gründen seit der Beendigung des Krieges in Deutschland dauernd Vorkommen. Dann wird für den Staat als Steuergläubiger die ge­naueste Beobachtung des Wirtschastsbaro» Meters zur unabweisbaren Pflicht: Richt nur im Interests der steuerzahlenden Bevölkerung, sondern ebenso in seinem eigenen Interesse. Denn allzu statter Steuerdruck schwächt die Wirtschaftskraft und geschwächte Wirtschaft kann nicht so viel Steuern zahlen, als ge- Snde. Der Staat also, der nicht mit der teuerfraft seiner Wirtschaft pfleglich und schonsam umgeht, handelt ebenso töricht wie jener Mann, der die Henne schlachtete, die ihm die goldenen Eier legten sollte. Ohne Zweifel hat man in den Nachkriegsjahren ganz allgemein gesehen den Zusammenhang und die Wechselwirkung zwischen Wirtschaft und Steuerkraft nicht hinreichend beachtet und gewürdigt. Die Fragestellung bei der Erhe­bung von Steuern war meist nur die:Wie kann ich auf eine Weise, die politisch am ein­fachsten durchzusetzen ist, so viel Abgaben ein- treiben, daß ich meine Ausgaben zu decken vermag?", nicht aber die richtige: .Melche Abgaben kann ich äußerstenfalls der Wirt­schaft zumuten, wenn ihre Steuerkraft auf die Dauer erhalten bleiben soll. Wie muß ich meine Ausgaben einrichten, um i» diesem Rahmen bleiben zu können?"

Bei allen steuerlichen Erwägungen in den verschiedenen gesetzgebenden Körperschaften hat man überdies nach meiner Auftastung nie! zu viel Wert auf die Differenzierung der einzelnen Steuerarten gelegt. Eingehendste Untersuchungen von Steuertbeoretitem find von jeher angestellt worden über die Möglich­keit der Abwälzung von Steuern. Wie und in welchem Umfange sich im Einzelfalle diese Abwälzung vollzieht, darüber geben die Ansichten weit auseinander. Aber das Eine kann wohl gesagt werden: grundsätzlich ab- wälzbai ist jede Steuer es kommt nur auch hier auf die wirtschaftliche Koniunktur an. Daraus folgt aber logischerweise, daß es auf die Art und Höbe der einzelnen Steuer gar nicht entscheidend ankommt, son­dern allein auf die steuerliche Gesamt­belastung des Volkes. Das muß nach außen hin unseren Verbandlunssgegnern in der Revarattonsfrage immer wieder gesagt werden, die so gern damit operieren, daß die oder jene Einzelsteuer. beispielsweise auf alko­holische Getränke, bei ihnen, den Siegern des Weltkrieges, wesentlich höher seien als bei uns, den Besiegten. Das muß aber auch für unsere inneren Verhandlungen Über Ausgleich des Haushalts und Festsetzung pon Steuern maßgebend sein.

Unstreitig befinden wir uns in einer Pe­riode stark finkender Konjunktur. Die Pro­duktion gebt auf der ganzen Linie zurück: di« Arbeitslosigkeit hat in den letzftn Monaten weit über saisonmäßige Einflüsse hinaus an­genommen von Oktober bis Januar um rund Millionen! und einen vorher nie erreichten Stand erklommen. Menn auch un­mittelbar krisenhafte Erscheinungen größeren Umfangs bisher nicht beobachtet wurden, so ergibt sich doch das deutliche Bild eines forfo schreitenden Konjunkturabschwungs. Bedenk»