vomrrrmg, toi A.MSrz 1929
DU ^Vberhesfls-be Sei tun g" er- ftfceint sechsmal wöchentlich. De* zugspreis monatlich 2 EM. aus. schließt. Sustellungsgrbühr, durch zt«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streik«, Maschinendefekte oder elementarer Ereignisie ausfallende Kummern wird fein Ersatz geleistet. Verlag b. Dr. fl. Hitzervth. Druck der Unid.-Buchdruckeret b. geb. Slug, «och, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5016. — Sprech zeit der Redaktion pon 10—11 und »«,1-1 Utzr.
Äbechessifche
toMt« - HM M »
twetowu« 4Jb£H II IIII wem
Anzeiger fiir (das frühere kurhessifche) Oberheffen
Sr.6S 64.30(10.
Marburg o. Ma
Der Anzeigenpreis dotrLgt für den 10 gespall. Zeilenmillimeter 0.08 SM. kleine Baran,eigen 0.06 ®OT. amtliche und auswärtige Anzeigen 0.10 EM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» porschrist 50°l, Aufschlag. — Sammelanzeigen 100 *1« Aufschlag Reklamen der Mtlltm. 0,40 DM. gebet Rabatt ailt al« Varrabakl. Siel 5 Tage. Belege werben berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle mrd Zusendung der Angebot«. Erfüllungsort Marburg.
t Eoldmarl — »/^»Dollar.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der GemraWimus der MnekLem t
Marschall Fach einem Mschlag erlegen - SenWlaadS grimmigster Feind in Krieg and Rieden
ft Paris, 21. Marz. Marschall Fach W am Mittwoch nachmittag kurz vor 18 Uhr gestorben.
Der verstorbene Marschall Fach war am L Oktober 1851 in Taibis geboren, er nahm an dem Kriege 1870/71 als Kriegs» freiwilliger teil, besuchte dann die Kriegsakademie, wurde im Jahre 1895 dort zweiter Professor für Taktik, und im Jahre 1907 Brigadegeneral. Am 28. August 1914 übernahm er das Kommando der neunten Armee, alsdann den Befehl über die fran- zösifche Nordarmeegruppe (Psere 1915, Somme 1916). Am 15. Mai 1917 wurde «r zum Chef des französischen Eeneral- stabes ernannt. Er übernahm im April 1918 den Oberbefehl über die alliierten Truppen in Frankreich (2. Marneschlacht). Am 6. August 1918 wurde er zum Marschall ernannt.
Ehrenbegräbnis für Marschall Foch.
Die Pariser Morgenpresfe widmet Marschall Foch seitenlange Nachrufe. Die Negierung trat im Anschluß an die Kammer- fitzuug zu einem Kabinettsral zusammen und beschloß, vorbehaltlich der Zustimmung der Angehörigen, für Marschall Foch ein National begräbnis zu veranstalten, das am Montag oder Dienstag stattfinden wird. Eine ähnliche Ehrung wurde in den letzten Jahren Männern wie Victor Hugo, Pasteur und den Präsidenten C a r n o t und Raute zuteil. Der Leichnam des Marschalls wird unter dem Triumphbogen aufgebahrt werden. Die Beisetzung erfolgt im Jnvalidendom. Der Beschluß des Kabinetts, wird jedoch erst nach der Testamentseröffnung gültig. Kriegsminister P a i n I c d ä huldigt in einem Armee-Erlaß den Taten des Verstorbenen.
Sofort nach Vekanntwerden des Todes begaben sich P o i n c a r ä und P a i n -- levä in die Wohnung des Marschalls, um den Angehörigen ihr Beileid auszudrücken. Der Verstorbene liegt in großer Uniform mit allen Ehrenzeichen geschmückt auf dem Totenbett. An dem Kopfende ist eine Fahne in den Farben aller alliierten Ländern angebracht. In den Nachrufen der Zeitungen wird befonders die große Bescheidenheit des Marschalls hervorgehoben. Deutschland gegenüber habe er auch in der Nachkriegszeit seine unversöhnliche Haltung beibehalten. In der Frage des linken Nheinufers habe er an der These festgehalten, daß die französische Sicherheit nur gewährleistet sei, wenn Frankreich die Rheinufer im Besitz halte. Er sei nicht verstanden worden, fügt die französische nationalistische Presie hinzu. ' Der Berliner Berichterstatter des '„Journals" teilte den französischen Lesern mit, daß die deutsche Presie dem Verstorbenen lange Kommentare widmet.
Hindenburg, Ludendorff, Kluck und auch der. Kronprinz, an die er sich wegen einer kurzen Erklärung über Foch gewandt habe, hätten jede Aeußerung abgelehnt.
Die Berliner Presie zum Todes des Marschall» Foch.
। Fast alle Berliner Blätter beschäftigen sich in Nachrufen für Marschall Foch eingehend mit der Rolle, die der alliierte Eeneralisimus während des Weltkrieges, beim Waffenstillstand und nach der Einstellung der Feindseligkeiten gespielt hat.
Die „Germania^ erklärt, als Oberbefehlshaber habe er ohne Zweifel Ee- fchicklichkeit und große Sicherheit besesien. Gegenüber die deutschen Waffenstillstands-Unterhändlern habe er sich, wie immer seinen Feinden gegenüber, von Lroßer Rücklicht slosigkeit ge
zeigt. Während der Friedensverhandlungen forderte er die Besetzung des Rheinlandes auf die Dauer von 50 Jahren.
Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Niemand wird von uns Deutschen verlangen, daß wir Marschall Foch mit französischen Augen ansehen sollen. Was er im Kriege für fein Land getan hat, das war feine Pflicht. Schwerer wird in Deutschland vergessen werden, daß Marschall Foch auch nach dem Kriege den Kampf gegen ein waffenloses Volk mit Unterstützung einer rein militärischen Politik noch weiter geführt hat.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Mit Marschall Foch ist der w i l l e n s st ä r k st e militärische Führer des Weltkrieges auf der Feindfeite und der tibitter ft e Gegner der
deutfchenWehrkraft dahingegangen. In den vier Kriegsjahren, in den gefährlichsten Krisen der Ententeheere, parierte er durch feine persönliche Energie die deutschen Erfolge und rettete mehr als einmal die Lage der Alliierten. Im Herbst 1918 trat er für die stärkste militärische Knebelung Deutschlands ein, um die deutsche Kraft für immer zu zerbrechen und unschädlich zu machen. Bis zuletzt ist er gegen die Räumung des besetzten Gebietes gewesen. So blieb er unser Feind bis zu seinem Tode.
Der „Lokal-Anzeiger" erklärt, das deutsche Volk, das fönst so gern bereit ist, auch des Gegners Bedeutung gerecht zu würdigen, kann auf dieses Mannes Bahre nur mit Bitterkeit schauen. Der Marschall war nicht nur als Soldat unser
Kein Mord auf Fannowitz?
Ae Sltoferüdw in toi AnKiWN to Grasen Wlion
Die Untersuchung des Mordes an dem Grafen zu Stolberg-Wernigerode hat nach Mitteilung der Landeskriminalpolizei Lieg- nitz im Laufe des heutigen Tages mit ziemlicher Sicherheit ergeben, daß der Verdacht, als seien Angehörige der gräflichen Familie mittelbar qder unmittelbar an der Tat des Grafen Christian beteiligt, als beseitigt gelten kann. ES muh sogar mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß entgegen der ersten Annahme vielleicht eine Fahrlässigkeit des Grafen Christian den Tod seines Vaters herbeigeführt hat. Allerdings wären nach Ansicht der Landeskriminalpolizei bann noch die Widersprüche in der ersten Aussage des Festgenommenen aufzuklären. Solange er dies nicht vermag, mutz mit dem Vorliegen vorsätzlicher Tötung gerechnet werden.
Der ermordete Graf Stolberg-Wernigerode wurde am 21. Januar 1873 als Sohn des Grafen Konstantin Stolberg-Wernigerode in Rohrlach geboren. Seit dem Jahre 1900 war er mit Gräfin Erika zu SolmS- Sonnenwalde vermählt. Der Che entsprossen neun Kinder. Der Ermordete erfreute sich in der ganzen Gegend auher- ordentlicher Delieblheit, insbesondere bei seinen Angestellten und Arbeitern, die ihn als wohlwollenden Herrn schätzten. Sein Leben war der Wohltätigkeit und der Förderung von Kunst und Wissenschaft gewidmet. Besonders unterstützte er auch die Schwerkriegsbeschädigten-Fahrten ins Diesengebirge. Graf Stlobe-rg-Wernige- rode wohnte mit seiner Familie nicht im
eigentlichen Schloß Iannowitz, sondern in dem dahinter liegenden kleineren Hause, in dem sich früher das Rentmeistercrmt befand. In diesem Gebäude hatte der Graf die unteren Räume, die anderen Familienmitglieder, die Frau, eine erwachsene Tochter und zwei schulpflichtige Töchter, die oberen Räume inne. Fetner schliefen in dem Hause noch zwei Dienstmädchen. Am Mordabend hatte die Familie zusammen s in dem im ersten Stock befindlichen Speisezimmer Abendbrot gegessen. Die erwachsenen Familienmitglieder, zu denen auch der im Schlosse selbst wohnende älteste Sohn gehörte, hatten sich bann noch im Arbeitszimmer des Grafen im Erdgeschoß zu einem Plauderstündchen versammelt. Aach einer Stunde begaben sich die weiblichen Familienmitglieder in. ihre oberen Schlafräume und unten blieb nur Gras I Eberhard mit seinem Sohn zurück. Was sich hier im weiteren Verlauf abgespielt hat, muß durch die eingehende Untersuchung noch völlig klargestellt werden.
Des Rätsels Lösung? i
Görlitz, 20. März. In den Abendstunden verlautete auf das besttmmteste, der Verhaftete habe zugegeben, er habe, wie er es feit jeher getan habe, vorgestern abend hinter dem Stuhl seines lesenden Vaters das Gewehr gereinigt. Dabei sei ein Schuh losgegangen und habe den Vater getötet. Er selbst habe den Kopf verloren und fei auf oen Hof hinaus» gestürzt.
Gegner, sondern auch als Mensch unser grimmigster Feind.
Auch die Londoner Blätter veröffentlichen mit Bildern des verstorbenen Marschalls Leitartikeln und Biographien, Aufsätze, in denen sie das Andenken des ehemaligen Oberbefehlshabers der alliierten Truppen feiern. Der Prinz von Wales sandte ein Beileidstelegramm an die Witwe des Marschalls. Außer B a l d- w i n und Ehamberlain gedachte u. a. auch Lloyd George gestern in einer öffentlichen Ansprache des Marschalls. Exmarschall Plumer, der unter Foch in Frankreich gekämpft hat, wird dem Begräbnis beiwohnen. Aus Amerika werden Veileidskundgebungen - des Präsidenten Hoover, des Staatssekretärs Kellogg und andere Persönlichkeiten gemeldet.
NttMKkk Laadlag
Das Schicksal bet preußischen Realsteuergesetze.
Berlin, 20.März. Nachdem am Mittwoch die Weitererledigung der Verlängerungsgesetze für die preußische Grundvermögenssteuer und die HvuSzinSfteuer dadurch verhindert worden ist, daß die Rechtsparteien und die Kommunisten Beine Karten abgaben, und das HauS wiederholt beschlußunfähig machten, wird nunmehr die Verlängerung der beiden Gesetze vom ständigen Ausschuß vorgenommen werden, der voraussichtlich am Dienstag der kommenden Woche zufammentreten wird. Das Ge- werbesteuergefetz, das ja in zweiter Lesung erledigt worden ist, wird am kommenden Freitag zur dritten . Deratuna ßdMlt werden.
Drr Kampf um die Tribute
Zum Stand der Arbeiten der Repara, tionskonferenz berichtet H a v a s: Wahr» scheinlich sind die Konferenzarbeiten weit genug vorgeschritten, sodaß Dr. Schacht nach Berlin reisen tonn, versehen mit ausreichenden Hinweisen, damit er bei seiner Rückkehr der Konferenz allge- meine Vorschläge über die Z a h l und die Höhe der Annuitäten machen kann. Daher werden entgegen dem bisherigen Verfahren der Vollsitzung vom kommenden Montag auch am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Vollsitzungen folgen, die zweifellos zu den wichtigsten der Konferenz gehören werden.
Neuerdings werden auch von deutschen Korrespondenten einige Zahlen genannt Moreau soll darauf bestehen» daß Deutschland für die Rückzahlung der interalliierten Schulden 58 Annuitäten in Höhe von 900 bis 1700 Mill. Eoldmarl und für die Reparationen 37 Annuitäten von 1 Milliarde Eoldmarl aufbringen soll. 1
In französischen Kreisen wird zugegeben, daß Dr. Schacht diese Forderungen abgelehnt und insbesondere die Berechti- gung der alliierten Reparationsforderungen angezweifelt habe.
SruMubM um leben Preis
Die deutsche Ncparationcckohle ist Schuld au dem Massenfterbeu der vesahunostruppenl
Der „Matin" bringt es fertig, für die Sterbefülle in der Vcfabungsarmee Deutschland mitverantwortlich ,n machen. Die Unter« suchang nach weiteren Schuldigen, die der Strafe nicht entgehen, führe vom militürifcheu auf das zivile Gebiet und hier müsie auf dl« schlechte Beschaffenheit der den St- sahuiigstrupven gelieferten Reparation« kohle hingewiesen werden, die oft nicht mehr al» Staub war. Eine Reihe von Hospitälern hätten überbauvt absolut ungenügende Breuustostmengen erhalten.
*
Die lächerliche Behauptung des „Matin" bedarf wohl kaum einer Zurückweisung, denn wir sind von der französischen Besatzungs- bebörde wirklich kein solches Entgegenkommen gewöhnt, dah sie Staub statt Kohle in Empfang genommen hätte. Außerdem ist von dem von Painleoe eingesetzten ,ntersuchungs- ausschutz einwandfrei festgestellt, datz nicht mangelhafte Heizung, sondern teilweise unmenschliche Behandlung der Truppen Schuld an dem schlechten Gesundheitszustand trage.
Das „WttmgWerfol“ gegen 11116 .
Berlin. 20. März. Die .Schlesische Volkszeitung" veröffentlicht heute eia po.izei» liches Protokoll, das Aufschlüs e darüber gibt, wie das gegen ll l i tz , den Führer des Deutschen Dolksoundes. vorgevrachte Anklage- material zustande gekommen ist.
Hiernach hat im Untersuchungsgefängnis tn Drcs.au auf Defragen ein Strafgefangener namens Josef Paul Aegwer, der von 1923 bis 1926 im polnischen Nachrichtendienst für Kapitän Bey und Oberleutnant Mynarek tätig gewesen sein will, erklärt, daß fast alle Agenten des polnischen Aachrichten- dienstes in Kattowitz sowie die Organe der polnischen Staatspolizei gegen das Versprechen hoher Bezahlung von ihren Auftraggebern di« Wei'ung gehabt hätten, Material jeder Art, ob zutreffendes ober e r 6 a d) te 8 , gegen den Deu tscheu Volksbund zu liefern. Im Herbst 1922 habe Kapitän Dey anläßlich einer Besprechung wörtlich zu ihm, Aegwer, gesagt: .Mein Ziel, mein Auftrag und meine Hauptarbeit ist, £en Ulitz und den Volksbund