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SimSW, ten 19. Mürz 1929

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Marburg a. Mn

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen silr Stadt und Kreis Marburg.

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England gegen das BerreA der KrlegMüden

616 lollen auch die Tran-ser-NridiM genießen Dr. Schachs Ms nach Berlin

Die Vollsitzung der Reparationskonfe» renz, die für gestern nachmittag 3 Uhr an» beraumt war, war nur von kurzer Dauer end wurde auf Mittwoch nachmittag ver» tagt, weil weder der Unterausschuß Re- velstoke (Kapitalbeschaffung für die Zen­tralbank) noch der Unterausschuss Pcr- kius (Sachlicferungeu) ihre Berichte haben fertig st eilen können. Man hofft, daß diese bis heute vorliegen wer­den.

Wie die H a v a s-Agentur berichtet, wird die Reparationskonferenz nach der Vollsitzung vom Mittwoch nicht vor Mon­tag eine neue Vollsitzung abhalten, weil Lr. Schacht und Sir Charles Addis am Freitag Paris verlassen müsien, um am Samstag an einer Sitzung des Verwaltungsrates der Reichsbank teilzunehmen. Die Verhandlungen unter den verschiedenen Delegationen würden jedoch weitergehen und von großer Bedeu­tung sein, da bei diesen privaten Unter­redungen die Sachverständigen offiziös über die Höhe und Anzahl der deutschen Annuitäten diskutieren werden.

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Der diplomatische Korrespondent des ^Dailq Telegraph" schreibt, sogar amtliche Kreise in London ver­bergen nicht ihren schmerzlichen Eindruck über die Natur der Vorschläge »der vielmehr der Forderungen, die die französischen Delegierten im kachoerständigen-Auoschutz vorgelegt saben. Diese Forderungen kommen aus folgendes hinaus:

L(Eine Milliarde Mark der abgeführten deutschen Annuitäten sollen für die Dauer von 3 7 Zäh­ren ausschließlich zur entschädigung für die z e r st ö r t e n Gebiete Frankreichs, Belgiens, und Serbiens bestimmt werden. Die Franzosen sind der Meinung, daß Ztalie ns Ansprüche in dieser .Beziehung nur nominell sein können.

L. Dieser Teil der Annuitäten, an dem das britische Reich keinen Anteil haben soll, würde Zahlungs-Priori­tät, das heißt Transfer-Prio­rität gegenüber dem anderen Teil genieße». Der andere Teil dagegen soll für de» Dienst der alliierten Kriegsschulden an die Bereinigten Staaten dienen.

3. Auch bezüglich der Schulden an Amerika würde Großbritan­nien auf den Teil der Annuitäten verzichten müsien, die es an Washington zu leisten hat. Diese Form würde einen Verlust von 19 0 Millionen Pfund Sterling bedeute».

< Vom britischen Geldmarkt würde Be­teiligung an der Kommerzialisierung erwartet werden, aber die Ergebnisse dieser Anleihe» würde nahezu nur Frankreich zugute komme».

Wei keiner früheren Gelegenheit sei d»4 ironzöfische Anregung so vollstän-

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britischen Interesse» vorge­bracht wordea, wie das »ua geschehe» sei.

Hierbei wird aber betont, es sei a b 3 u« warte», ob es sich bestätigen werde, daß die amerikanischen Delegierten bereit seien, die französischen Forderungen zu unter st ützen.

Zn einem Pariser Bericht derTime s wird gleichfalls auf die schwere» eng­lische» Bedenke» gegen diesen Finanzplan hingewiese». Wahrscheinlich würden verschiedene andere Pläne wäh­rend des Wochenendes erörtert werden und auch Deutschland werde sein

er st es be stimmte» Angebot machen.

Hinsichtlich die Bildung einer inter­nationalen Bank sind, wie Per- tinag imDaily Telegraph" be­richtet, neue Schwierigkeiten auf­getreten. Es sei srstgestellt, daß die Fed e- ral-Reseroebank von Amerika und die BankvonFrankreich auf Grund ihrer Satzungen nicht in der Lage s ei e n, einen Teil irgend einer and«- re» Bank zu übernehmen. Da» Kapital der internationalen Bank werde daher von Privatbanken aufzubrin- gen sein, während die Notenbanken da»

Die Echtheit der holländischen Enthüllung ein Norltoß belgilchtk SMere gegen grautteto?

Amsterdam, 18. März. In einer Unter­redung mit dem Vertreter desNeueste Rot- lerdamsche Courant" stellt Ward Hermans lest, dab er die Schriftstücke nach Holland ge­bracht habe, um dem grobniederländiichen Ideal und dem Fricdensgcdanken zu dienen. (Er habe sie von F r a n k > H e i n e bekommen, der anfangs gegen eine Veröffentlichung ge­wesen sei, später aber aus Selbstsucht zuge- stimmt habe. Das Geld stamme aus Hol­land. Er dürfe aber nicht ohne Zustimmung seiner Freunde Namen bekannt geben, da diese ein Schwierigkeiten geraten würden.

ik-Heine sei zunächst gegen die Veröffent­lichung gewesen, weil einige der Schriftstücke die Namen des belgischen Generals Mathieu trügen, der bekanntlich mit Heine intim be­freundet und Trauzeuge bei seiner Hochzeit gewesen sei. Heine habe ferner behauptet, einige Schriftstücke nach dem Tode des Gene­rals in Gegenwart von zwei hoben Offizieren aus dem Hause mitgenommen zu haben,

wenigstens eins der Schriftstücke sei nach Anficht Ward Hermans unbedingt echt.

Er dürfe aber nicht sagen, welches!!

Dieses Schriftstück trage die mit schwarzer Tinte durchschriftete UeberschriftEremvlar und daneben einen Namen, den Heine als den des Abgeordneten Marck bezeichnete, während Ward Hermans hierin den Namen Mathieu zu erkennen glaube. Das zweite Schriftstück, das von Mathieu stamme, trage die Nummer 9. Hermans habe versprechen müssen, Nummer und Namen bei der Ver­öffentlichung wegzulassen, da sonst der Ver­dacht sofort aus Heine gefallen wäre. Heine hätte sich übrigens geäußert, daß, wenn er da­für aufkommen müsse, noch andere daran glauben sollten, die hoch genug stünden.

Auch de Brocqueville würde, wenn es sei» müsse, nicht verschont bleiben.

Heine habe damit, so erklärte Ward Hermans, höbe Offiziere gemeint, die fich gegen die Knechtschaft, die der französisch-belgische Mi­litärvertrag Belgien auserlogt, wehrten und auch den Plan einer Verletzung von Holläu- disch-Limdurg nicht billigten. Unter den

Schriftstücken habe sich ein persönliches Schrei­ben des Generals G a l e t befunden. Die Annahme, dab zipei Schriftstücke gefälscht wor- oen seien, utti die Echtheit des briifcn, hie nicht abzustreiten sei, in Sr-age zu stellen, sei nicht von der Hand »u weisen.

Da» letzte Schriftstück enthalte Einzel­heiten über den Plan einer Verletzung von Holländisch-Limburg, worüber sich auch kn dem Bericht de» militärischen Ausschußes vom Jahre 1920 Erklärungen fänden.

Auf eine Frage stellte Hermans seine Be­teiligung an Spionage zugunsten Deutschlands entschieden in Abrede. Er habe Hauser nie­mals gekannt. Dab er Geld für die Schrift­stücke erhalten habe,, sei eine Lüge. Er habe Heine die Beträge in einem geschlossenen Briefumschlag übermittelt und keinen Cent für sich beansprucht. Ueber leine Bekannt­schaft mit Heine teilte er noch mit, dab er diesen in der Redaktion der Zeitschrift .Der neue Tag, einer internationalen Zeitschrift für die Friedensbewegung und die Aufklärung der Kriegsschuldsrage, kennen gelernt habe. Heine sei dort wegen Unehrlichkeit entlasten worden. Er habe Hermans wiederholt wich­tige Angaben über die annektionistische und pazifistische Bewegung in Belgien verschafft und ihn eines Tages auf die Schriftstücke auf­merksam gemacht.

Heine habe die Schriftstück« von Scneral Mathieu bekommen, um sie in einem Buche über die französisch-belgischen Be­ziehungen während und nach dem Kriege zu verwerten,

das er in Paris herausgeben wollte. Ueber die Gründe seiner Flucht erklärte Hermans, er habe nicht gewollt, dab seine Kenntniste mit ihm ins Gefängnis gingen. Seine Verteidi­gungsschrift befände sich bereits in den Hän­den eines der ersten flämischen Führer. Erst habe er die Absicht gehabt, sofort noch Been­digung der Haft nach Belgien »urückzukehren, jetzt wolle er jedoch seiner Mutter zuliebe noch im Auslande bleiben.

Direktorium stelle» und eine u»mittel-are Aufsicht ausüben würden. Für den Sitz der Bank sei »unmehr Brüssel mit ziemlicher Sicherheit anzusehen.

Reuter meldet an» Pari» : Wahr­scheinlich würde» während der Ab­wesenheit Dr. Schachts die Gläubi­ger zusammenkommen und versuche«, sich darüber einig zu werde», was für Annui­täten und welche Zahlungsbedingungen sie Übernehmen wollten.

Am Montag werde mit der R L ck - te 61 Dr. Schachts nach Paris bte

kritische Phase der Konferenz beginnen.

Allerdings sei kaum wahrscheinlich, daß e» vor Ostern eine endgültige Verein­barung geben könne. Die Atmosphäre sei gestern nachmittag als hoffnungs­voll erachtet worden.

P e r t i u a g meldet demDaily Telegraph" aus Paris, das interesian- teste Ergebnis fei gestern eine Unter- tej> nag zwischen Young und .^Fortsetzung f.eSe Seite 2J

SrmnliS genügen nicht!

Die englische, französische, ja auch bi« amerikanische Presse füllt ganze Seiten mit Berichten über den Verlauf der Ver­handlungen und privaten Unterredungen der Pariser Sachverständigen. Hand in Hand damit gehen die fortgesetzten Hin- tveise auf die moralische Schuld Deutschlands an den Verwüstungen durch den Krieg, auf die vereinten Anstrengungen der Alliierten, dieserplanmäßigen Zer­störung" ein Ende zu machen, also Hin­weis« auf die moralische Verpflich­tung Deutschlands, di« Schulden der Alli- ietten zu übernehmen und zu bezahlen.

Wir haben gestern gezeigt, wie es die Alliierten verstanden haben, im Lauf« der Verhandlungen auf dem Umwege über die Deratung des Transferproblems die Kom­merzialisierung, auf dem Umwege über die internationale Tributbank die Verquickung von Reparativ ne n und Krieg sschulden zu ermöglichen. Die Teilung der Tribute in geschützte und ungeschützt«, 37jährige und 58jährige Verpflichtungen war der technische Hebel, mit dem di« französische Politik ansetzte, das Dawesabkommen umzustürzen und im französischen Sinn« zurevidieren".

Degen diese Vorgänge kann man mit Dementis vonzuständiger Seite" nicht angehen. Man kann natürlich feststellen, daß offizielle Angebote von deutscher Seite noch nicht gemacht worden sind, daß man sich jeder Teilung der Tribute sowohl wie auch der Verlängerung der Verpflichtung über die Frist von 37 Jahren hinauf widersetzt. Es geht aber nicht an, die sehr substantiierten Berichte der französischen und englischen Weltblätter alsVersuchs­ballons" abzutun. ES mögen Kombina­ttonen fein, es fehlt ja auch nicht, wi« aus den englischen Meldungen hervorgeht, an Degensätzen zwischen Engländern und Franzosen. Franzosen und Italienern, aber eS sind begrü ndete Kombinationen, denn dahinter stehen private, vertraulich«, aber nicht indifferente, vage Besprechungen der französischen und amerikanischen Sach­verständigen.

Wenn eine so angesehene Börsenzeiwng wieFinancial Times" zu melden weiß, Dr. Schacht habe 6,72 Milliarden für die Kriegsschaden und eine IahreShöchst- leistung von 1,6 Milliarden angeboten, wenn ferner die Gegenforderungen nach ihrem Gegenwartswert, ihren Zinsen- und Amortisationsaufkommen genau genannt werden, dann steckt hinter solchen Mel­dungen doch mehr als die willkürliche Kombinatton eines oder mehrerer Redak­teure der großen Blätter. Es steckt vor allem ein« großzügige, planmäßig«, ge­schickte Regie dahinter, die alle Mög­lichkeiten ausnutzt, den Lauf der Dinge zu beeinflussen.

Das aber fehlt bei uns. Das Interesse der deutschen Steuerzahler und die Anteil­nahme der Patrioten fordern mehr als die gelegentliche Beteuerung, man sei ja noch garnicht so weit, was sehr bequem sein mag, aber vor bösen Ueberraschungen nicht sichert.

Was schließlich den Optimismus an- bettifft, den übereinstimmend Blätter aller Länder und Parteirichtungen neuerdings feststellen, so mag die angeblich nach-