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Montag, ton IS. Mürz 1929

£He „Oberhesstsch« Sdtung” er- scheint sechsmal vichentttch. Ve- zug«prel« monatlich 2 TM. au«, schlteßl. Zustetlunasgebühr, durch dt«Posi2.25 GM.Für etwa tnfolg« Streik«, Maschinen defekte oder elementarer Lreignlsse -»«fallend« Nummern wird kein Lrsa» ««• leistet. Verlag d. Dr. §. -itzerolh» Druck der Univ.-Buchdruckerei 6. Zoh. Auq. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. a. SSt. 55, Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion pon 10—11 ruck'

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Nr. 65 tzl.Mrg Marburg n. Lahn

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I Soldmark — '/»-Dollar.

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Dis DrÄfchrn solle« «Ass bezahlen

MM Mi bkllättgt die Berbindung der rrlbutzablungen

Die englische Presse bestätigl heute Wort für Wort den von uns am Sonnabend Der« öffentlichen Zahlungsplan, der eine Tei­lung der deutschen TributDerPflichtungen vorsieht, deren „bevorzugter" Teil sich über 37 Jahre, der zweite dagegen über 58 Zahre erstrecken soll. Neu ist aber an den englischen Meldungen die Feststellung, daß der im Zusammenhang mit diesem Zah­lungsplan festgestellte Optimismus der Sachverstündigen zurückzuführen sei auf die veränderte Haltung Dr. Schachts nach sei­ner Rückkehr aus Berlin.

Wir müssen kurz zusammenfassen, von Deichen Forderungen die deutsche Dele- 'gation jede DaweSrevision abhängig machte. Zm Vordergrund stand die Fest- Pellung der deutschen L e i st u n g S f ä h ig- leit. ES war undenkbar, daß eine Ver­pflichtung unterzeichnet würde, die wir zu erfüllen nicht in der Lage wären. Hebet dieses Problem haben sich die deutschen Delegierten in der ersten DerhandlungS- woche eingehend geäußert, ohne daß in der ausländischen Presse diesen Ausfüh­rungen allzuviel Gewicht beigemessen wor­ben wäre. AlS weitere Grundforderung wurde die Beibehaltung des DranSferschutzeS hingestellt, da die deutsche Wirtschaft eines sicheren Schutzes der deutschen Währung nicht entbehren kann. Die dritte Grundbedingung war uno blieb feit den Septemberberatungen In Dens, daß von einer Verbind ung des Reparationsproblems mit den Schulden der Alliierten nicht die Rede sein könne. Wir haben immer schon auf die Gefahr hingewiesen, die sich aus der gleichzeitigen Behandlung Vieser Probleme ergeben müsse. Zetzt aber ist die deutsche Tributverpflichtung mit den alli­ierten Schulden an Amerika in einem ebenso großzügigen wie gefährlichen Plan aufs engste verbunden worden.

Wer den Verlauf der Pariser Verhand­lungen verfolgt hat, weiß, daß das Trans­ferproblem deswegen so eingehend behan­delt wurde, um einerseits durch Die Tei­lung in einen geschützten und ungeschütz­ten Teil Die Kommerzialisierung zu ermöglichen, denn sie wurde von deut­scher Seite vor allem deswegen abgelehnt, weil es unmöglich war. Die deutsche Wäh­rung Der Politik von Privatbanken auszu­liefern. Es folgte die Beratung der „Tri­butbank", die sowohl die Kommerzialisie­rung der deutschen Schuld ermöglichen wie auch den Transfer des geschützten Teils, aber auch die erforderlichen Kreditmah- nahmen des Reiches sicherstellen sollte. Auf diesem zweiten Umwege gelang aber den Alliierten die Krönung ihres Werkes: Die Verbindung der alliierten Schulden mit den Reparationen, sodaß Deutschland heute verpflichtet werden soll, weit über die Dauer der DaweSverpflichtungen hin­aus, nämlich 58 Jahre lang, die Sculden der Alliierten an Amerika zu übernehmen und zu bezahlen.

An der Richttgkeit dieses verhängnis­vollen Planes ist kaum noch zu zweifeln. Zweifeln möchten wir aber Daran, daß der Optimismus in Paris mit Recht zurück­geführt werden könnte auf die veränderte Haltung Dr. Schachts. Denn Diesem Plan gegenüber gibt es nur ein einiges, un­widerrufliches und uneingeschränktes: iln» Ku nehmbar!

*

Die zuversichtliche Beurtei­lung der Berhandlungeu der Sachver- ftSudigen in Paris datiere« «ach überein« stimmende« Berichte« aus Paris seit der Rückkehr Dr. Schachts aus Ber- l i n. Die deutsche Abordnung ist, wie Pertinax im „Daily Telegraph" berichtet, bisher nicht ja bemeuren

gewesen, irgend eine bestimmte Zahl, wie ste verschiedentlich in der französischen Presie genannt wurden, anzugeben. Dr. Schacht vertrete seit seiner Rückkehr aus Berlin insofern gemäßigtere Ansich­ten, als er zum Beispiel

nicht wie bisher darauf bestehe, daß die deutschen Verpflichtungen auf höchstens 37 Jahre Laufzeit be­grenzt werden müßten. Die deut­schen Abgeordneten würde« jedoch auch weiterhin zweifellos in dieser Frage sehr zäh kämpfen.

Die von den französischen Abge­ordneten gegenüber den Amerikanern oor-

Sßie die „SB. Z." erfährt, hat das Reich mit einer Reihe privater Berliner Geld­geber in diesen Tagen einen Kreditvertrag abgeschlossen. Es handelt sich um eine Summe von 150 Millionen Mark, die dem Reich bis zu vier Wochen zur Ver­fügung gestellt wird.

Das Kreditabkommen, das zu Dorzugs­zinssätzen abgeschlossen worden ist, beginnt am 28. März bezw. 1. April zu laufen. Die Rückzahlungsfrist ist auf höchstens vier Wochen festgesetzt. Es steht aber dem Reich frei, bereits zu einem früheren Ter­min mit der Rückzahlung zu beginnen. Dieser Modus ist gewählt worden, da dem Reich bereits ab 10. April als dem Stich­tag für die Steuerzahlungen erhebliche Beträge zufließen werden.

An dem Reichskredit find nach unseren Informationen die vier B-Banken, die Commerz- und Privatbank, das Bankhaus Mendelssohn & Co., die Berliner Handels­gesellschaft sowie die Reichskreditgesell­schaft beteiligt.

fürdieAbtragungderiuter- alliierte« Schulde« verwandt werde« soll. Diese Forderung habe, wie Pertinax weiter berichtet, zur Folge gehabt, daß man auf die britische Abordnung einen Druck auszuüber versucht, 3,8 Milliarden Mark ihrer Forderungen auszugeben. Bei einer fünfprozentigen Verzin­sung während 37 Jahren würde diese Summe einer Jahresrate von 240 Millionen Mark gleichkommen. Da die Alliierten anscheinend an einer Mindeftrate von 2 Milliar­de« Mark festhalte «, würde «ach diesem französischen Plan die an sich allerdings kleine Verringerung ausschließlich auf brUische Koste« gehen.

I« einem Bericht der „Times* wird gleichfalls darauf hingewiesen, daß sich die Verhandlungen «ach der Rückkehr Dr. Schachts günstiger entwickelten. Der schwierige erste Berhandlungsabschnitt nähere sich feinem Ende. Der von uns am

mit ten notierten Kriegsschulden

gebrachten Forderungen umschreibt Pertinax wie folgt:

L Frankreich müsse neben den für die Durchführung seiner Schulden- verpflichtungen an England und Amerika notwendigen Summen einen Betrag von nicht weniger als 15 Milliarden Papier sran- ken erhalten, der auch nicht durch spätere Diskontsätze verringert werden dürfe.

2. Der Teil der deutschen Jahres­leistungen, der auf die Tribut- leistuugen entfalle, solle eine Art Vorrecht erhalten insofern, als er

Don unterrichteter Seite wird uns auf Anfrage die Tatsache dieses von der „SB. Z." gemeldeten Kredits bestätigt, llebri- gens ist dieser Kredit nicht identisch mit den finanziellen Hilfsmaßnah­men, die der Reichsfinanzminister vor einigen Tagen in seiner Etat-Rede er­wähnt hat.

Aus dem Reichstage.

Die deutsch nationale Reichstags­fraktion fordert in einer Interpellation ein Notprogramm für den gewerb­lichen Mittelstand, das in feinen Hauptpunkten Eindämmung der gewerb­lichen Betriebe der öffentlichen Hand, Gicherung der anteilmäßigen Derückfichti- gung des Handwerkes und Gewerbes bei Vergebung öffentlicher Leistungen und Lie­ferungen, Schaffung von Kreditmöglichkei­ten, Steuersenkung besonders der Real­steuern sowie Steuerschonung in Bezug auf die Beitreibung laufender Steuern ent­halten muß.

Sonnabend veröffentlichte Pla« wird in dem „Times"-Bericht weitgehendst be­stätigt und ergänzt, sodaß bei den zuver­lässigen Quellen, Über die die „Times" in allen Tributfragen verfügt, an seiner Richtigkeit nicht z» zweifeln ist.

Danach läuft die Eesamtsrist der Jah­resraten 58 Jahre.

Die Zahlungen sollen in zwei Klassen eingeteilt werden. In beide« Klafie« hätten die Zahlungen sofort zu beginnen. Die eine würde sich aus volle 58 Jahre erstrecken, die andere auf 37 Jahre. Die Zahlungen aus dem letzteren Teil würden keiner Be­schränkung unterliegen.

Diese würde eine Kapitalzahlung von 1 Milliarde im Jahre darstellen, die kommerzialisiert und in der Form von in 37 Jahren zurück- zahlbare« Bonds übertragen würde.

Dieser Teil der Kriegsentschädigung würde für die unmittelbare Zahlung der E «t - < Fortsetzung Hege Sette 2.)

GrWaiMrM für das Reich

Wieder iso Millionen

Großadmiral von Tirvitz

Zu seinem 80. Geburtstage am 19. März 1929. Bon Admiral a. D. Dr. b. c. Jenke r.

Am 19. März vollendet Drohadmiral Al­fred von Tirvitz sein achtzigstes Lebens­jahr, ungebrochen an Körper und Geist, von hoher Warle Dergansenbeit und Gegenwart Überschauend, mitSeberblick die Zukunft durch­forschend. Ringen und Kämpfen und Höchstes für sein Volk war sein Lebenslauf, gekrönt mit Ehren und schier beispiellosen Erfolgen und doch zuletzt vom Schicksal mit tiefster Tra­gik geschlagen, die uns um so mehr erschüttert, als st« unverschuldet ist. Mehr noch, als an dem, von dem es Schiller sagte, hat sich an dem Grohadmiral das Wort erfüllt: „Von der Parteien Gunst und Sah verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte." Und doch tritt Mr jeden, der guten Willens ist, unoon eingenommen zu prüfen, immer klarer hervor, dah dieser Mann ein Eroher unseres Volkes ist.

Aus Frankfurt a. d. Oder stammend, ist ez Altvreuhe geblieben, nicht in der Begrenzt­heit seiner Anschauungen, sondern in der Un, begrenztbeit seines Pflichtgefühls, in dets Zähigkeit seiner Energie, das für richtig er« kannte Ziel allen Widerständen und Semm, nisten zum Trotz zu erreichen, in der aristo­kratischen Auffassung des Siaatsbegristes, in der nüchternen, allem Eefühlsmähiaen und Romantischen abholden Betrachtungsweise dep Dinge eoenso sehr wie in dem hoben Fluge seiner zielstrebigen Gedanken.

Im Jahre 1865 nahm ihn di« preußisch« Marine in eine barte, oft kleinliche Schule. Mit wachem Sinn und glühendem Serzen er, lebte er den Kamps um die Vorherrschaft in Deutschland und die Gründung des Reiches, herb enttäuscht von der Untätigkeit der Ma­rine in diesen Kriegen, den Gründen nachfor­schend und sie in der Unzulänglichkeit der Führer ahnend. Unter Stosch steht er straffe Organisation, strenge Mannszucht, militäri­sches Denken und Arbeiten in die Marine ein­ziehen, muh aber auch erkennen, wie dem ehe­maligen General trotz seinem weiten, die Reichs- und Festlandsgrenzen überschreitenden Blick die wirklichen Lebenselemente einer Ma­rine wesensfremd bleiben. Von ausschlag­gebender Bedeutung für ihn wurde aber, daß Stosch ihm die Entwicklung der Torpedowaffs anvertraute: an ihr schulte er sich organi­satorisch, technisch, taktisch und sttategisch für sein großes Werk. Die „schwarze Kunst" ist seine Lieblingswaffe geblieben und verehrt in ihm noch beute ihren „Meister". Von dem Generalstäbler von Caprivi, der 1883 der Nachfolger von Stosch wurde, erlernterer Die genaue Durcharbeitung der militärischen Kriegsvorbereitungen und wurde sum ein­dringenden Durchdenken der Taktik der See­kriegsmittel angeregt. So erwarb er sich das geistige Rüstzeug, um später als Chef des Stabes des Oberkommandos der Marine der Schöpfer der modernen Taktik zur See zu wer­den. Ich habe den Grohadmiral des öfteren sagen hören, dah gerade auf diesen rein mili­tärischen Gebieten des Seewesens seine Saupt- begabung läge und dah er es immer bedauert habe, in seiner weiteren Laufbahn keine Ge­legenheit gehabt zu haben, sich in dieser öin- th; voll auszuwirken. Wer es miterlebt hat, wie er in das Cbaos der taktschen Ansichten und Vorschriften Klarheit, Ordnung und Ein­fachheit brachte und damit die Grundformen schuf, die sich in der Feuerprobe des Krieges bewährten, wird sein Bedauern teilen und es als ein Verhängnis betrachten, dah in unserer Seekriegführung so wenig seines Geistes zu spüren war.

Mit dem Rücktritt Caprivis als Chef der Admiralität im Jahre 1888 wurde diese in drei dem Kaiser unmittelbar unterstellten Be­hörden aufgeteilt: das Reichsmarineamt für Organisation, Verwaltung, Technik und po­litische Vertretung, das Oberkommando für Kommandofübrung. Ausbildung und Admiral­stabsarbeit und das Marinekabinett für die Personalien der Offiziere. Dieses Zerschnei­den der Einheit und Verantwortlichkeit, das sich in der Folgezeit in der Umgestaltung und Schaffung weiterer Jmmcdiatstellen sorlsetzte, bat sich für das Lebenswcrk des Erobadmirals als besonders oerhängntsvoll erwiesen. Es schuf ihm bei der Entwicklung der Flotte viele schwer zu überwindende Widerstände persön­licher und sachlicher Art. Er verbrauchte in hemmender Reibungsarbeit viel Energie und wurde andererseits von einem Gebiete fern- gehalten, das er, wie schon erwähnt, als das seiner Begabung und Neigung am meisten zu- tagende betrachtete und aus dem er sich als Meister bewährt hatte.

Seine bisherigen Leistungen, sein weiter Blick ebenso sehr wie seine umsastend« Bilduua