Sonnabend, den 16. Mürz ISA
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t Goldmark =e '/^»Dollar.
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Rsch 58 Fahre tritstüpflichtiv!
SriMribute und alliirrle Schulbrn werden vrrbunden - Nrogr-iiive FahreAeislungen bis zu 2,7 Milliarden
Die Agentur H a v a s schreibt: Ma« scheint bei gewissen Delegationen geneigt I« sein, die Annuitäten in zwei TeUe zu teilen. Der eine, der bedingt sein würde. Bunte mit 900 Millionen Reichs« mark beginnen, nm während einer Periode von 58 Jahren 1700 Mil« Nonen Reichsmark zn erweitern. Dieser Teil würde für die Bezahlung der Kriegsschulden bestimmt sein. Der andere, der sogaaaate anbedingte Teil, würde für die Zahlung der Reparationen bestimmt sei« und sich auf ei«e Milliarde Reichsmark belaufen. Doch trage«diese Hinweise anr rei« hypothetischen Tharak« ter.
Hebet die schon wiedergeyebenen allgemeinen Linien der Lösung, die man angeblich in gewissen Delegationen der Reparationskonferenz ins Auge gefaßt hat, glaubt der „Petit P a r i f i e n‘r noch mitteilen zu können, der ungeschützte Teil der deutschen Zahlungen würde den von den alliierten Ländern, hauptsächlich von Frankreich, für den Aufbau des ehemaligen Kampfgebiets gemachten Ausgaben dienen.
Dieser Tell würde mobilisiert und das Kapital auf dem Anleihemarkt aufgebracht und de« alliierte« Länder« ansgehändigt werde«.
die Amortisation dieser kommerzialisierten Schuld könnte in 37 Jahren (Dauer der Dawes-Obligationen) erfolgen. Dieser Teil der Zahlungen würde sich einschließlich der zu zahlenden Zinsen auf 1500 Millionen Goldmark jährlich belaufen. Es würde auf diese Weise eine Art Priorität für die Reparationen im eigentlichen Sinne des Wortes geschaffen und dieses System hätte den weiteren Vorteil, daß die finanzielle und moralische Spur des Krieges vorher getilgt würde.
Der durch ein Transfer-Moratorium geschützte Teil der Zahlungen würde zur Begleichung der interalliierten Schulden verwandt werden.
Die Bank für internationale Zahlungen, die diese Summen von Deutschland erhalten würde, würde sie den Vereinigten Staaten gut schreiben, was eine bankmäßige Verschmelzung der deutschen und alliierten Schuld ermöglichen würde.
v Diese Zahlungen würden progressiv gestaffelt werden felt werden
in einem Zeitraum von 58 Jahren entsprechend dem alliierten Schuldenabkommen mit Washington.
Die Höhe der alliierten Schulden belaufe sich gegenwärtig aus über 900 Millionen Goldmark jährlich und werde in 15 Jahren 1700 Millionen ererichen. Nach dem geplanten Projekt würden die deutschen Anmtäten dieser Kategorie fortschreitenden E r - böhungen unterworfen werden.
Sixizkeit über die Tribmlbank ^Die Vollsitzung der Reparationskonfetenz dauerte von 3 bis 6 llhr. Lord Redelftoke legte einen interimistischen Bericht »es Unterausschusses vor, der sich bekanntlich mit der Kapitalbeschaffung, dem Verhältnis der geplanten Zentralbank zu den Rotenbanken und der Kreditorganisation veschäftigt. Der kurze Bericht ist kein end- tzültiger.
Im weseuttiche« besieht jedoch über die wichtige« Fragen Einverständnis.
Kur nochmaligen Durchsicht des Berichts des Unterausschusses wird der Sachliefe- tungsausschuß Sonnabend und Montag
früh nochmals tagen. Was das Sachlieferungverfahren betrifft, soll auch zugleich die Organisationsfrage im voraus geregelt werden. Sir Josiah Stomp hat als Generalberichterstatter einen Fragebogen über das Arbeitsprogramm vorgelegt, dessen Besprechung den größten Teil der Sitzung beanspruchte.
Die Erörterung über die künftige Dank soll große Fortschritte gemacht haben. Auch bei der Besprechung der Transferfrage soll im Wesentlichen Einigkeit geherrscht haben, doch ist hier ein Punkt offen geblieben. der mit der Höhe der Repara- tionsannuttäten im Zusammenhang steht, lieber den Zahlungsmechanismus soll man sich beinahe einig sein.
Die nächste Vollsitzung findet Montag nachmittag, 3 Uhr, statt.
Auch bie Schweiz forbert
3m Schweizer Rationalrat wurde gestern von bürgerlicher Seite eine Motion begrün
det. durch die der Buudesrat eingeladeu wird, die Wiedergutmachung der Schäden zu verlange«, welche Schweizer Bürger infolge des Weltkriege, durch Beschlagnahme oder Zerstörung erlitten haben, soweit die, auf Grund de, Völkerrechtes und der Staatsverträge geschehen kann. Sofern über die Schadensersatzvflicht mit den beteiligten Staaten keine Einigung zustande komme» sollte, wäre die Kriegsschädrnfrage znr schiedsrichterlichen Begutachtung zu bringen oder es soll durch den Völkerbund eiue gutachtlich« Entscheidung des Ständigen Internationalen Gerichtshof«, hrrbeizuführeu versncht werd«». Drr B-rsthe»d« d«s politische» Departements, Bundesrat Motta, er, klärte i» seiner Antwort, er sei nicht abgeneigt, die Frage noch einmal zu prüfen, wen« sie vom Bandesrat in der Form eines Postulates vorgelegt werd«.
Formung -er Aussprache über den Etat Sir Wittjchaft kann mm Beiaslnnmn nW trogen
Bei der Fortsetzung der Aussprache über den Eta t für 1929 im Reichstag stimmte Abg. Dr. Cremer (D. Bpt.) den Ausführungen des Ministers über die Der- mögenslage des Reiches zu. Im Gegensatz zu der Uebereinstimmung in der Diagnose besteht wenig Einigkeit zwischen den Parteien über das Heilmittel für die kranke Wirtschaft. Der gegenwärtige Zustand der Wirtschaft mache es ganz unmöglich, ihr weitere steuerliche Lasten aufzuerlegen.
Schon 1927 habe die steuerliche Belastung der deutschen Wirlfchaft mehr al» V« de, ganzen Nationalvermögens betragen, zusammen mit den sozialen Lasten mehr , als V».
Inzwischen habe sich das Verhältnis noch ungünstiger gestaltet. Alle Kenner der Wirtschaft feien einig mit der Deutschen j Dolkspartei, daß der Etat nicht neue Belast- | ungen der Wirtschaft bringen dürfe. Es handele sich also bei dieser Forderung nicht um das Ultimatum einer Partei an andere Parteien, sondern um das Ultimatum der deutschen Not und des Dirtschaftszusammen- bruchs an die Gesamtheit aller verantwortlichen Stellen. Wir sind immer bereit gewesen, uns mit den übrigen Parteien darüber zu verständigen, wie wir mit einer wirklichen Sparpolitik anfangen können. Dazu gehört aber, daß die Negierung führend an die Spitze tritt. Es ist durchaus möglich, über 200 Millionen bei den verfcksiedensten Etatspositionen zu ersparen. Die Dolkspartei hat gut durchgearbeitete Vorschläge dieser Art schon gestern der zuständigen Stelle überreicht, die noch ergänzt werden sollen. Es ließe sich leicht nachweisen, daß die Länder und Gemeinden sehr gut in der Lage sind, in diesem Notjahre 3,5 Prozent ihrer Einnahmen vom Reich zu verzichten. Eine Erhöhung der Realsteuern wäre deswegen nicht notwendig.
Angesichts her Steigerung bet Reparationslast mutz nicht nur bas Reich, sondern müsse« auch Länber und Gemeinden ihre Ausgaben einfchränken.
(Sehr richtig!) Die von uns vorgeschlagene Besteuerung der öffentlichen Dersorgungsbe- triebe ist nicht nur von finanzpolitischer, sondern auch von wirtschaftspolitischer Bedeutung. Der demokratische Abg. Bernhard hat diesen Vorschlag auch in der Presse unterstützt.
Die Beisteuerung der öffentlichen Betriebe braucht keineswegs zu einer Erhöhung der Realsteuern zu führen. Diese Be
steuerung würbe aber bem Reich eine Mehreiunahme von 70—80 Millionen bringen.
Es ist eine beweisbare Tatsache, daß das Defizit des Etats ohne neue steuerliche Belastung der Wirtschaft gedeckt werden kann. Wir haben keine Koalitionsregierung, fon« dern wir sind aufgefordert worden, in ein Kabinett der Köpfe einzutreten. Hier (auf den Regierungstisch weisend) sitzen diese Köpfe. (Heiterkeit.) Die Teilnahme promt- nenter Parteimitglieder an der Regierung bindet die Parteien nicht an die Negierungsbeschlüsse. Von ihrer Freiheit haben alle in der Regierung vertte- tenen Parteien reichlich Gebrauch gemacht. Ich erinnere nur daran, daß die sozialdemokratischen Minister gegen die Vorschläge ihres eigenen Kabinetts gestimmt hoben.
Dir wollen uns nicht in ein Schiff fetzen, dessen Kurs wir noch nicht kenne«.
Abg. Dr. Reinhold (Dem.) unterstreicht zunächst die Ausführungen, mit denen der Reichsfinanzminister die Versuche zurückgewiesen hat, durch übertriebene Schwarzmalerei den deutschen Kredit im Auslande zu schwächen. Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft, so fährt der Redner fort, hat allerd'lgs gezeigt, daß die optimistischen Erwartungen der Experten beim Abschluß des Dawespaktes sich in keiner Weise erfüllt haben.
Di» deutsche Wirtschaft hat ein starkes Kapitalbedürfnis, aber sie kommt durch die starke Belastung, der sie ausgesetzt ist, nicht zu der erforderlichen Kapitalbildüng.
Der deutsche Unternehmer muß 646 000 R^i für Steuern und soziale Abgaben aufbringen, während unter gleichen Verhältnissen ein Schweizer Unternehmer nur 125 000 R^l dafür aufbringen muß. Eine Vereinfachung der Verwaltung wird sich nur bei einer organisierten Reichsresorm durchführen lassen.
Zur Durchführung einer wirksamen Spat» samäeitspolitia brauchen mir eine tragfähige Mehrheitsregierung.
Dem Gedanken der Sparsamkeit, dem wir voll zustimmen, hat die Deutsche Volkspartei einen schlechten Dienst geleistet, indem sie sich der Mitarbeit entzogen hat. Wir sollten die Regierung auffordern, noch einmal den Etat daraufhin durchzuarbeiten, wo weitere Abstriche gemacht werden können.
(Fortsetzung siehe Selle 2J
LwllllgSläusig"
®aS steuerpflichtige Gesamtder-» mögen des deutschen Volkes betrug im Jahre 1913 rund 157,1 Milliarden Mark. CS ist durch Krieg und Inflatton auf 97,8 Milliarden Mark zurückgegangen: zieht man den gesunkenen Kaufwert des Geldes In Betracht, so ergibt sich etwa die Hal» bierung des Gesamtvermögens. Der Reichsdurchschnitt der DetriebSver* mögen der ©etoerbetreibenben beträgt mit 14 906 Mark sogar noch weniger als die Hälfte der Vorkriegszeit.
Die Entziehung von Finanzmitteln auB diesem halbierten Vermögen durch die öf-e fentlichen Körperschaften hat in den letztest Jahren bis zu 38 Proz. des Volks-, e in kommens betragen. Rund 40 Pro-» zent deS gesamten Ertrages der Wirtschaft sind mit anderen Wotten in die ßffentn lichen Kassen geflossen, gehen also der Kapitalbildung, der Produktion und d«st Arbeitsmarkt verloren.
Mit diesen ©eldern arbeitet der Staat, Seine Regierung verfügt über die Wacht- mittel, sie einzutreiben, übernimmt abex auch die Pflicht, mit ihnen eine bemünf« ttge Politik im Interesse aller Steuerzahler zu treiben, über die Finanzwirtschaft Rechenschaft abzulegen und sie den wirtschaftlichen Erfordernissen anzupassen,
Dieser Pflicht genügt der Finanzminister teilweise in einer Etatsrede vor dem Reichstag, dem;. sehr selten erfährt der Staatsbürger sonst, nach welchen ©efitfytä* punkten über seine Steuergelder verfügt wird. Eine solche EtatSrede sollte also bie Wirkung des Steuerwesens auf die Wirtschaft berücksichtigen, nicht nur Symptome korrigieren, sondern den bloßgelegten Hebeln an die Wurzel gehen.
Dazu gehött heute Fachkenntnis und Mut. FachkenntniS — Denn eS ist gewiß nicht leicht, einen Fehlbetrag von 750 Millionen um Die Hälfte zu der« ringern und für die andere Hälfte Deckungsmöglichkeiten zu schaffen. Mut — denn wer sparen will, muß Ausgaben verweigern, und das macht gewiß nicht populär.
Was aber tat Der Finanzminister Hilfer- dlng? Er legte überzeugend bar, waS längst fein Geheimnis mehr ist: Die deutsche Wirtschaft leioet an einer Steuer Überlastung. Und bann verlangte er ©teuer* erhöhungen. Insgesamt 379 Milli o ne nMart! Denn von den 10 Milliarden Rettoausgaben wären 9 Milliarden „zwangslSufig", an ihnen könnte also nicht gespatt werden. 2tur an der letzten Milliaroe hätte er streichen können. Rest des Defizits 379 Millionen!
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„Zwangsläufig" — was ist das? Ein Beispiel: Der MichttagSetat für 1928 sah eine Endsumme von 34,7 Millionen vor. Viele Wochen ist über Die einzelnen Posten mit großer Gewissenhaftigkeit Debattiert worden. Man hat sich um einzelne De- amtenftellen und kleine Streichungen allseitig bemüht und erregt. Im letzten Augenblick ein Antrag Stücklen: 2 50 Millionen Mark jur. Deckung des Defizits der Arbeitslosenversicherungsanstalt. Kurze, lebhafte Debatte, Minahme des Antrags mit den Stimmen Der Sozialdemokratie, Der Demokraten unD Kommunisten. Das Zentrum enkhielt sich. Das nennt man „zwangsläufig". Es gibt eine ganze Reihe solcher nichts weniger als probuttiver Posten.
„Zwangsläufig", welch' schöne Ausrede für alle. Die an Der gleichen Krankheit leiden: Der neudeutschen Furcht vor Der Verantwortung. Der parlamentarische Dienst Der Zentrumspartei Darf Folgendes schreiben:
„Reun Zehntel Oer Ausgaben unseres Etats sind zwangsläufig. Bei dem übrigen Zehntel, also bei Der einen Milliarde, kann Die Kritik einfetzen. Streichungspläne, wie sie vom Hansabund vertreten worben sind in Höhe von vier bis fünfhundert Milli-» onen Mark, sind ganz utopisch. Ihre Aus-