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Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhesse«
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Die bereits für Dienstag nachmittag anberaumte Sitzung des Völkerbundsrates zur grundsätzlichen Erörterung des Minderheitsproblems und des kanadischen und deutschen Antrages ist kurz nach 1 Uhr abgesagt worden. Der Zeitpunkt der nächsten öffentlichen Sitzung ist noch nicht bekannt. Zur Erklärung wird angegeben, daß das Iuristenkomitee, in dem Italien, Spanien, Japan und England vertreten sind, auch gestern vormittag die Vorprüfung des litauischen Antrages auf sofortige Zuziehung zu den Erörterungen nicht abschließen konnte. Die Schwierigkeiten scheinen darin zu liegen, daß Litauen für sich eine Sonderstellung verlangt und sich dabei auf die von ihm seinerzeit unterzeichnete Minderheitendeklaration beruft, deren Bestimmungen mit den Deklarationen der übrigen Minderheitsftaaten nicht ganz identisch sind.
Ob dies freilich der einzige Grund für die Verschiebung ist, darf bezweifelt werden. In Genf glaubt man sie auch darauf zurückzuführen, daß bisher die üblichen, diplomatischen Vorbesprechungen noch nicht stattgefunden haben. Diese sollen erst jetzt nachgeholt werden. Gestern nachmittag 6 Uhr trafen sich zum ersten Male
Briand und Stresemann.
Ferner besuchten Zaleski und Scialosa den englischen Außenminister. Alle diese Besprechungen dürften im Wesentlichen der Minderheitenfrage gegolten haben. Gestern früh besuchte der südslawische Delegierte nacheinander Briand und Chamberlain.
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Es ist bekannt, daß die Polen nach Genf gegangen sind mit der bewußten Absicht, kie Behandlung der Minderheitenfrage durch den Völkerbund zu fabotieren. Seit seiner Ankunft hat Herr Zaleski nach allen Achtungen gewirkt, um sich Unterstützung fit seine Pläne zu sichern. Wie weit ihm as gelungen ist, werden schon die nächsten stunden zeigen.
England erwartet Vertagung der Minderheitenaussprache.
In England stellt man mit Erleichte- tung fest, daß die Regelung der Minderheitenfrage wahrscheinlich bis zur nächsten Dölkerbundstagung vertagt werden wird. Eine Verschärfung der deutsch-polnischen Spannung im gegenwärtigen Augenblick wäre tn England als höchst unangenehm empfunden worden.
Der diplomatische Mitarbeiter des .Daily Telegraph" verttttt die Ansicht, daß die Schwierigkeiten durch die na der Regierungen der Tschechoslowakei, Südslawiens, Polens und Griechenlands, sich nicht durch irgendwelche Ergänzungen der Minderheitsbestimmungen binden zu lasten, noch vermehrt worden wären. Eewiste alliierte Botschafter in Berlin wären angewiesen worden, nichts zu unterlasten, um die deutsche Abordnung zu bewegen, während der Genfer Verhandlungen eine nicht zu unnachgiebige Haltung zu zeigen.
« Auch der Genfer Sonderberichterstatter pes „M a t i n“ glaubt voraussagen zu können, , daß die Minderheitenfrage im Laufe dieser Ratstagung nicht erledigt werden kann, sondern einem AusMuß liKexwiesen werden würde.
Dr. Stresemanns Unterredung mit Briand.
Bei der gestrigen einstündigen Unterredung zwischen Reichsminister Dr. Stresemann und Briand sind, wie in den Kreisen der deutschen Delegation verlautet, alle schwebenden Fragen besprochen worden. Obwohl Einzelheiten nicht bekannt werden, so ist doch anzunehmen, daß irgend eine positive Lösung oder Fortsetzung der in Lugano erfolgten Besprechungen vor dem Abschluß der Arbeiten des Pariser Expertenkomitees für die
fk. New Park, 6. März. Nachrichten aus Mexiko zufolge, hat sich die Lage der Regierungstruppen verschlechtert. Es sind zwei große Schlachten im Gange. Die Flotte soll sich den Aufständigen angeschlossen haben.
Ernste Niederlage der Regierungsttuppen.
Aewhork, 5. März. Aus Nogales (Arizona) wirb berichtet: Nach einer Meldung des Oberbefehlshabers der aufständischen mexikanischen Streitkräfte, Generals Escobar, haben die Aufständis ch«n die Hauptstadt von Rueva Leon, Monterey, die ein H a u p t st a p e l p l a tz für das Kriegsgerät der Bundestruppen war, eingenommen. Der Kampf, der sich um den Besitz dieser Stadt entspann, endete mit einer Niederlage der Bunbes- truppen. Die Aufständischen nahmen 81 Offiziere, unter ihnen drei Generale, und 560 Mann der Bundestruppen gefangen. Sie erbeuteten 12 Maschinengewehre und 1000 Gewehre.
Amerika und die Revolution kn Meriko.
„S i m e £u schreiben in einem Leitartikel zum mexikanischen Aufstand: Cs ist bezeichnend, daß Präsident H o o v e r zu verstehen gegegen hat, das Verbot, Waffen nach Mexiko auszuführen, bleibe in Kraft. Das bedeutet, daß die Aufständischen —
Daß Wettrüsten führt rum Krieg!
ft. London, 6. März. Feldmarschall Sir William Robertson äußert« gestern abend in einer Rede eine ernste Warnung vor dem zunehmenden Rüstungs- Wettbewerb und der Gefahr eines neuen Welt krieges. Er sagte, obwohl der Krieg von allen Nationen jetzt mehr oder weniger verurteilt wird, gehen di« Vorbereitungen für den Krieg in der früheren Weise vonstatten.
Frankreich und Italien haben ungefähr ebensoviel Mann unter den Waffen wie 1914.
Deutschla nd beschwett sich dauernd über das, was es seine wehrlose Stellung nennt, und diemilitärischenBe- schränkunge n, die Deutschland in Versailles ouferlegt wurden, können nicht mehr lange aufrecht erhalten werden. Andere mitteleuropäische Nationen sind stark bewaffnet und bereit, sich gegenseitig an den Kopf zu springen. Amerika hat den Kellogg-Pakt angenommen, das hat jedoch nicht gehindett, daß es 14 weitere Kreuzer baue.n wttd.
Reparationsfrage nicht erfolgen kann. Dabei teilt man in den Kreisen der deutschen Delegation die von Chamberlain gelegentlich eines Empfanges der englischen Presie geäußerte Auffasiung, daß die Rheinlandfrage beim gegenwärtigen Stand der Pariser Verhandlungen für eine Fortsetzung der Besprechungen noch nicht reif ist. Die Abrüstungsfrage wurde mit keinen Wort in der Unterredung zwischen dem deutschen und den französischen Außenminister erwähnt.
abgesehen von geschmuggelten — keine Waffen von den Vereinigten Staaten erhalten werden, während die mexikanische Regierung in der Lage sein wird, alle Kriegsmaterialien zu erhalten, um den Aufstand zu unterdrücken. Amerikanische Bankiers sind ebenfalls bereit,jede finanzielle Unterstützung zu gewähren, die für gleiche Zwecke notwendig sein sollte. Pottes Gil und sein Kriegsminister Calles könnten daher zuversichtlich sein.
Beschlagnahmung einer Rauschgiftladung.
fk. Newhork, 6. März. Die Behörden haben eine Ladung von Rauschgiften im Werte von über eine Mil- ton Dollar in dem Augenblick be- chlagnahmt, als sie nach Kentuekh, Kali» ornierr, Missuri und Texas verschifft werden sollte. Kurz darauf wurden vier Männer verhaftet, die im Verdacht stehen, Agenten eines internationalen Rauschgiftringes zu sein. Zn ihrem Besitze wurden Dokumente gefunden, aus denen hervorgeht, daß sie in finanziellen Beziehungen zu dem kürzlich ermordeten 'Newyorkcr Spieler Arnold Rothstein standen. Die Rauschgifte befanden sich in 5 Kisten und bestanden aus Morphium, Heroin und Opium.
Ein Abrüstungsvorschlag der englischen Arbeiterpartei.
ft. London, 6. März. Die Arbeiter» partei wird bei der Beratung des Luft- fahrthaushattes im Unterhaus am heutigen Mittwoch einen Abrüstungsan - t ra g einbringen, der u. a. besagt:
Zm Hinblick auf die wachsende Beunruhigung über die Entwickelung der Luftkriegsmittel gibt das Haus dem Bedauern Ausdruck, daß die britische Reglern n g es bisher unterlassen hat, Vorschläge für ein internationales Abkommen in der Frag« der Abrüstung zur Luft zu machen, und fordert diese auf, ein Programm für die Abschaffung der Land- und Flottenstteitkräfte und für die Errichtung einer internationalen Kontrolle der Zivil-Luftfahrt auszuarbeiten.
Schacht reist nach Deutschland.
ft Berlin, 6. März. Reichsbankpräsident Dr. Schacht wird sich Anfang der kommenden Woche aus zwei oder 3 Tage nach Berlin begeben. Seine Reise steht jedoch in keinem Zusammenhang mit Iden Verhandlungen der Reparationsver- handlungen «nd hat rein privaten Charakter.
Wo bleibt die Regie?
Wir haben kürzlich darauf hingewtesen, daß die alliierte, namentlich die französische Presse die Anwesenheit der Sachverständigen in Paris zum Anlaß nimmt, erneut die längst widerlegten Kriegs» greuelgeschichten und die K r i e g s- schuld frage heranzuziehen, um die moralische Verpflichtung Deutschlands, bis zum Weißbluten zu bezahlen, den „unabhängigen" Sachverständigen ins Gedächtnis zurückzurufen. Es jst doch ein kindlicher Glaube, daß z. B. die Amerikaner sich dieser politischen Beeinflussung entziehen könnten und, lediglich auf Grund der Darlegungen unserer Delegierten, zu einer „objektiven" Beurteilung unserer Verpflichtungen und unserer Leistungsfähigkeit gelangen müßten. Wie ungeheuer wichtig eine einheitlich geleitete, zielbewußte Abwehr der deutschfeindlichen Pressemanöver ist, mag ieder aus dem Bericht eines Mitarbeiters der „Kölnischen Zeitung" ersehen, der aus Washington u. a. Folgendes berichtet:
„Deutschlandkannzahlenund muß zahlen! Das ist das Centrum censeo unsrer amerikanischen Freunde. Die Rewyork Times „versichert unfern Freunden in Europa, daß sie lange zu warten haben werden, ehe sie ihre Schulden an Amerika gestrichen sehen", und der Washingtoner Evening Star meint, die Pariser Sachverständigen möchten vorscklaaen, aber der Kapitolinische Hügel in Washinaton möchte widersprechen und die Beschlüsse verwerfen, die nicht ausreichende Sicherheit bieten für den amerikanischen Anteil an den deutschen Reparationen. Aehnlich ist die ganze Presse eingestellt."
Dann wird weiter in dem Bericht gesprochen von den krampfhaften Versuchen, wieder in der Kriegsschuldfrage zu wühlen und sogar die Kriegsgreuel wieder aus der Sckublade zu holen:
„Die.Rewyork Tribüne, das ausge, sprochenste aller Bourbonen-Blätter, ruft in zwei Aufsätzen ein Berliner Zweigblatt auf ihren Zeugenstand, um ihre alte These erhärten zu lassen, daß Deutschland das Karnickel fei, trotz Professor Fay und Genossen. Der Washington Star beruft sich ferner auf den Prinzen Max von Baden, der in seinem eben erschienenen Buch, „dem Meisterwerk der Kriegschroniken", angeblich der Ueberzeugung Ausdruck gebe, „daß die Ungeheuerlichkeiten, die Belgien angetan wurden, von dem deutschen Volke bis zum letzten Blutstropfen gefühnt werden muffen.
Wie es im allgemeinen um die Einstellung Amerikas zu Deutschland steht, kann man Tag für Tag er- fahren, in den Kinos, in Dortragsfälen, in den Schulen. Manch ein Professor und Lehrer weiß ein Lied davon zu singen, wie feine Hörer sauer reagieren, wenn er einmal eine Bemerkung über Kriegslügen oder über die deutsche Arbeit in Amerika fallen läßt; davon will die „Hoffnung der Zukunft" so wenig wisien, wie die Älten etwas davon hören wollen. Frankreichs sentimentale Aktien aber stehen höher im Kurs als die deutschen, selbst wenn dabei die geschichtliche Wahrheit zu kurz kommt.
Die Litanei könnte endlos verlängert werden; aber die angeführten Beispiele aus der jüngsten Zeit mögen genügen, uns zur Vorsicht zu mahnen und uns vor verstiegenen Hoffnungen auf die Pariser Verhandlungen zu warnen. Die Berichterstattung aus Paris zeigt mit abstoßender Deutlichkeit, mit welcher Stimmungsmache wir in den nächsten Monaten zu rechnen haben. Während sich die Herren an Seine und Themse die Finger krumm sckreiden, um die französische und britische Gi?.te zu beleuchten, scheint jedoch a n der Spree kein einziger Amerikaner zu sitzen, um auch einmal den deutschen Staub-
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Re Vereinigten Staaten unterstützen die Regierung