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Montag, ten 4. Mürz 1929

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Anzeiger für (das frühere knrhesfische) OLerhsssen

üir.53 «4. Saßrg, Marburg a. Lahn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der Geheimvertrav soll sesälscht sein

Sw Sägtet Albert rrank Seine verhaftet - Swbüchüg schnelle AaWrung des Sailer

ft Brüssel. 4. März. Der.Unter­suchungsrichter in der Angelegenheit der vomUtrechtschen Dagblad" veröffentlich­te« Dokumente verhängte gestern über eiue« gewissen Frank die Unter- suchuugshaft unter der Anschuldi- gung der Fälschung.

Zu dieser Verhaftung erfahren wir »eiter: Nach demNation Belge" einen gewissen Albert Frank als den Fälscher der angeblichen Eeheimverträae bezeichnet hatte, veröffentlicht nunmehr dasJournal" Einzelheiten über das Geständnis, das der gestern abend bei feiner Ankunft in Brüssel verhaftete Frank abgelegt haben soll.

Er habe «mumwunden zugegeben, daß er die vomlltrechtsch Dagblad" veröffentlichte Dokument gefälscht habe.

Frank habe erklärt: Ich habe mich eines alten lange Zeit vor dem Kriege zwischen zwei Staaten abgeschlossenen Vertrages bedient. Es handelt sich nicht etwa um einen Vertrag zwischen Belgien und Frankreich. Ich brauchte nur am Text gewisse Abänderungen vorzunehmen, um ihn der besonderen Lage Frankreichs und Belgiens anzupassen. Die Protokolle über die zwischen Vertretern der Eeneralstäbe abgehaltenen Besprechungen habe ich gleichfalls bei diesem alten Vertrag gefun­den. Ich glaube nicht ein großes Ver­brechen begangen zu haben. Ich habe weder Frankreich noch Belgien verkauft, sondern einfach meinen Käufer hineinge­legt und das ist doch schließlich eine ba­nale Betrügerei. Dieser Käufer ist ein fremder Journalist gewesen, der die Do­kumente an die Utrechter Zeitung weiter gegeben hat. Weitere Erklärungen lehnte Frank ab mit der Begründung, daß er zu müde sei. Er wurde ins Gefängnis über­führt, die weitere Vernehmung soll heute erfolgen.

Einige Pariser Morgenblätter geben über die gestrigen Aussagen Franks, die er vor dem belgischen Untersuchungs­richter gemacht haben soll, Darstellungen, aus denen zu schließen ist, daß Frank im Interesse Belgiens (?) gehandelt haben will. Nach demI o u r n a l" soll er behauptet haben, er habe noch an­dere falsche Dokumente ausge­liefert, nämlich ein falsches Protokoll über die Lage des belgischen Heeres, das der Generalstabschef General G a I l e t vor der gemischten Militärkommission im vergangenen Jahre gemacht haben will, und zwar in dem Augenblick, in dem die Frage der Reorganisation des belgischen Heeres akut war. In dem er so vorge­gangen sei, will er ein gutes Werk getan haben. Dem Blatt zufolge habe er vor dem Untersuchungsrichter zu beweisen ge­sucht, daß er die deutschen und belgischen Aktivisten und die Holländer hineingelegt habe. Er soll sogar die Ansicht geäußert haben, daß man ihn beglückwünschen müsse und ihm eine gute Behandlung schulde. Seine Erzählungen, die zum Teil so abgefaßt sind, als ob sie von Pressevertretern aufstenographiert wor­den seien, müßten mit größter Vor­sicht ausgenommen werden, da bekannt­lich politische und gerichtliche Vor­untersuchungen in allen Ländern geheim geführt werden.

Nach demP e t i t P a r i s i e n" soll Frank übrigens auch Angestellter der Indepence Belge in Brüssel und Mitarbeiter der angesehenen Wochen­schrift ,Le Flombeau" gewesen sein.

Ist tiefer Man« ,la«b«vürdig?

DasJournal" veröffentlicht ferner den Lebensroman von Albert Frank, Oer fast unglaublich klingt. Frank sei der

Sohn eines holländischen In­den und ei ner Deutschen.

Er will mütterlicherseits von Heinrich Heine abstammen.

Er habe für die belgische ^Nationalität o-p tiert. Er sei dann aber in di« deutsche Marine eingetreten, desertiert und nach Argentinien geflüchtet. Was er dort getrieben hat, lveih man nicht. Bei Aus­bruch des Krieges sei er nach Europa zu- rückgekehrt. Im Jahre 1915 sei er in London aufgetaucht. Im Dezember d. I. ist er von einem englischen Gericht wegen Paßdiebstahls zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Aach Verbüßung der Strafe ist er dann aus England ausge- wiefen worden. Er sei dann nach Belgien gekommen und in das belgisch« Heer

eingetreten. Er habe es verstanden, in der Etappe zu bleiben und schnell Unterossi- zier zu werden. In Paris sei er jedoch erkannt und als Deutscher angezeigt wor­den. Man habe ihn aus dem Heere aus­gestoßen und in ein Internierungslager ge­bracht, aus dem er entwichen sei. Aach England zurückgekehrt, sei er dort wiederum verhaftet und wegen Verstoßes gegen den Ausweisungsbefehl mit drei Jonaten Ge­fängnis bestraft worden. Aach Verbüßung dieser neuen Strafe sei er von den eng­lischen Behörden auss neue ausgewiesen worden. Sofort nach dem Waffenstill­stand sei er nach Belgien gekommen. An­fang 1919 sei er Brügge als Aufseher bei einer religiösen Vereinigung tätig gewesen. Dieses Postens enthoben sei er in Löwen

Wieder Revolution in Mexiko

Unter Führung des Srmrnls Feins Agiiim

fk. Skadt Mexiko, 4. März. Die Hauptstadt ist in großer Aufregung über Gerüchte von dem Ausbruch der Revolu­tion in Vera Cruz, wohin keine telegra­phische Verbindung mehr besteht und wo die Zensur eingeführt sei« soll. Truppen­transporte bewegten sich gestern nachmit­tag durch die Stadt.

fk. Mexiko, 4. März. Das ganze Land befindet sich in vollem Aufstand. Die Generäle des Sonorastaates sowie die von Vera Cruz und anderen Gebieten

find von der Regierung abgefallen und haben ihr denKrieg" erklärt.

Es handelt sich vorläufig um insgesamt 20 Prozent der Bundesarmee.

In der Hauptstadt des Landes ist vorläufig alles ruhig. Immerhin ist die Situation noch völlig undurchsich­tig. Im Verlaufe des Samstags hielt der Präsident mit den treu gebliebenen Generälen und dem Expräsidenten einen Kriegsrat ab. Es besteht die Absicht, die ganzen Gegenoperationen in eine Hand zu legen. Offizielle Meldungen über den Umfang der Bewegung und die Stärke der aufständigen Truppen fehlen bis­her.

-ft Mexiko, 4. März. Die Revolu, tionäre haben die Stadt Nogales im, Staate Sonora gestern nachmittag einge­nommen. Sie wurden von Regierungs­truppen unterstützt, die unter dem Befehl des Generals Jesus Aguirre und des Gouverneurs von Topete General M a g o s, stehen. Verschiedene Städte im Staate Vera Cruz haben sich ebenfalls er­hoben. General Calles ist von der Regierung zurückberufen worden. Der Präsident Portes Eil hat einen neuen Kriegsrat einberufen, an dem alle militärischen Führer teilnehmen werden.

Die Truppenkommandeure der Staaten Vera Cruz und Sonora beherrschen nach Meldungen aus Mexiko sämtliche Staaten und Festungen in diesen Staa­ten und haben die Verbindung mit Mexi­ko in den Händen. Der Zugverkehr zwischen Mexiko und Vera Cruz ist einge­stellt.

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fk. Mexiko, 4. März. Die Revolu­tion hat sich, wie Berichte besagen, auch auf dem Jstmus von Tehuantezek ausgedehnt. Gestern abend wurde die Zensur über das ganze Bundesgebiet verhängt.

Bibliothekar bei den Jesuiten geworden.

Hier jedoch sei er in flagranti bei der Entwendung von Büchern ertappt und davongefagt worden. Kurze Zeit dar­auf sei es ihm in Antwerpen gelungen, bei der Bibliothek des Palais de Justice An­stellung zu finden. Aber auch diesen Posten muhte er wegen Diebstahls von Büchern aufgeben. In Paris wurde er dann drei­mal in der Zeit vom Dezember 1919 bis zum Mai 1920 wegen Diebstahls, Fäl­schungen, Betruges und unerlaubten Tra­gens von ^renzeichen verurteilt. Aach Verbüßung der verschiedenen Strafen sei er in die Antwerpener Redaktion der Zei­tungNeptun" eingetreten. In Ant­werpen habe er das Wohlwollen eines erst kürzlich verstorbenen Generals gewonnen, bei oem er sich die Papiere habe ver­schaffen können, die ihm später die Her­stellung der gefälschten /Doku­mente ermöglichten. Aber auch in oieser Tätigkeit habe er kein Glück gehabt uno sei entlassen worden.

Ueber das Verhör Heines wird weiter erklärt, daß die Entwürfe zu dem ge­fälschten Dokument in seinem Besitz ge­funden wurden. Heine halte sich bei ihrer

Herstellung durch den französisch­russischen V o r k r i e g s v e r t r a g leiten lassen, der von der Sowjet-Regie­rung veröffentlicht worden ist. Die auf die Kanonen, Truppen usw. bezüglichen Ziffern hatte Heine nach Gutdünken ein­getragen. Er hat sich nicht einmal be­müht, die Unterschriften der französischen und belgischen Generäle nachzuahmen, sondern hat sie ganz einfach in feiner Handschrift ausgesührt. (?) Die französi­schen Siegel hat Heine, wie er angab, mit Hilfe von französischen Geldstücken hergestellt.

Er sagt ferner aus, et habe den Ver­trag dem deutschen Spionagebüro in Mülheim zum Kaufe angeboten. Dieses Büro habe aber die Echtheit des Doku­ments bezweifelt und den Kauf ab­gelehnt.

Erst darauf habe er sich mit den flämi- S)en Aktivisten in Verbindung gefetzt.

er Redakteur des flämischen Blattes Die Schelde" in Antwerpen, Waard Herremans, habe als Vermittler bei dem Verkauf des Dokuments an das Utrechtfch Dagblad" gedient.

Söchft «Efts!

ImMontag" undMontagspost" wer­den die Erzählungen des angeblichen Kregspaktfälschers Frank-Heine mit gro- ßer Skepsis ausgenommen. Ditz Montagspost" erklärt: Alan muß die verdächtig schnelle und ausführliche Be­richterstattung aus Beglien mit einer ge« wissen Vorsicht aufnehmen, denn man ist dort an der Angelegenheit nur allzu sehr interessiert. Es muß auch auffallen, daß Frank-Heine, dessen Name seit Tagen im Zusammenhänge mit der Utrechter Veröffentlichung genannt, wird, und nach dem man in Brüssel fahndete, ganz sorglos nach Brüssel ge- I a h r e n fein soll, denn er mußte dort mit seiner sofortigen Verhaf­tung rechnen.

DerM o n t a g", der Frank-Heine als einen jener zwischen den Staaten stehen­den Leute bezeichnet, die sich an alle wen- den, bei denen Geld zu erwarten ist, weist auf den gleichen Umstand hin, und ver­langt auch noch in einem zweiten Punkt von der belgischen Regierung Klar­stellung: Der angebliche Falscher hat in Ser Nacht von Sonnabend zum Sonn­tag ein Geständnis abgelegt, wonach er seinen Vertrag enem Büro in Mülheim zum Kauf angeboten haben will.

Woher wußte nach diesemGeständ­nis" in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag die Station Belge bereits am Sonnabend abend, als Frank- Heine nochgarnicht verhaftet worden war und erst in Amsterdam den Schnellzug bestieg, daß er für das Dokument 100000 M erhalten habe, und zwar von deutscher Seite?

Die Nation Belge scheint nicht ganz auf den richtigen Zeitpunkt der Verhaftung von Frank-Heine gewartet zu haben. Das Blatt fragt, sollte die belgische Regierung eine etwas plumpe Regie gemacht haben? Frank-Heine könne natürlich in Belgien ziemlich hoch bestraft werden, aber Gefängnisstrafen sind ihm nicht ungewohnt, und es gibt Leute, die sich für so etwas bezah­len lassen.

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Die Mcherzenimle in Berlin

Berlin, 3. März. Der Polizeipräsident veröffentlicht zu der Festnahme von Personen, die in dem Verdacht stehen, politische Doku­mente angefertigt und verkauft zu haben, eine Mitteilung, in der es heißt: Bei dieser Angelegenheit handelt es sich in der Hauot- sache um zwei frühere russische Staatsange­hörige, Wladimar Lrlofs und Peter Panlo- nowsky, die bereits Im Jahre 1928 in dem Verdacht gestanden haben, Hersteller von da­mals in Umlauf gekommenen angeblichen Originaldokumenten der kommunistischen Internationale zu sein. Bisher konnte festge­stellt werden, daß die einem amerikanischen Journalisten angebotnen drei Urkunden im Jahre 1926 von Orlofs angesertigt worden sind. Ob diese drei Dokumente mit den seiner­zeit in Paris aufgetauchten, die Senatoren Borah und Norris komvrimittierenden Doku­menten identisch sind, ist bisher nicht scstge- stellt worden, ebenso nicht, welche Bewandt­nis es mit den Pariser Dokumenten bat. Die in amerikanischen Zeitungen wiedergegebene Nachricht, daß Orloff und Panlonowsky ge­standen hätten, den sogenannten Sinowjew- Bries angesertigt zu haben, trifft nicht zu.

Chamberlain auf der Reise nach Gens.

Paris, 2. März. Sir Austen Charn- berlan ist heute nachmittag aus Calais kommend in Paris eingetroffen. Er wurde am Bahnhof vom englischen Bot­schafter Sir William Tyrrell empfangen und hat sich in die englische Botschaft be­geben. Um 22 Uhr hat Chamberlain die Weiterreise nach Genf angetreten.