Srrllag, Ml.März ISN
frte ^Vberhksflsch« 3<itung" « schrint sechsmal wLchentltch. Te-
monatlich 2 GM. au«, schlleßl. ZusteHunsSgebühr, durch di«Pkst?.25 DM.Für etwa infolge Streik«. Maschinendefekte »der elementarer Ereignisse au«fallend« Nummern wird kein Ersatz p<* leistet. Verlag d. Di. §. Hiderrlh. Druck der Unid.-Buchdruckerei b. Ioh. Slug. Koch, Markt 21/23, gernwrecher: Rr. M. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt flranksurt a. M. Rr. 5C15. — Spreck-?ei« der Redaktion von 10—11 und
1,1-1 IM
ÄbrrheUsche ss. 3eftuno
Nr.it 64.3nhrg, Marduig a. ßabn
Der An,rtqenpre1« beträgt f®t den 10 qespall. Zeilenmillimeter 0.08 kleine Daran,eiq« 0.06 SM. amtlich, and »n«- wärrigr Anzeigen 0.10 SM. SM schwierigem Satz sowie bei Platz» dorschrift 50°/. Aufschlag. — Sammelan zeigen >00 *1, Auf» schlag. Reklamen der Milli«. 0.40 SM. sseder Radak, gilt al« Darrabatt. 3tel 5 Tage. Drleqe werden berechnet ebcnko Auskunft durch bi« Seschäft«Sell« and Zusendung der Angebote filOnnn#t>tt Marburg.
t Soldmark — Dollar
Anzeiger für (das frühere kurhessifche) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
RMEnWlUMN Ker-mMMürverttag
ME» Sasb!ad" MöftmllW das Srototeü der SemrMMlwnsm — EIiMlbeltM Wer dir srmeiniliMN Berbereilungen mid milllSrijchen Sveralienen Frankreichs und Belgiens
Der Veröffentlichung des „Utrechtfch Daablad" wird nach wie vor stärkste Beachtung geschenkt. Spricht schon die ganze miltärische Bündnispolitik Frankreichs nach dem Kriege, die das Deutsche Reich im Osten mit einem eisernen Ring umfaßte, für das Bestehen geheimer Abkommen auch mit Belgien, so muhte vollends der sehr eingehende und spezialisierte Inhalt der Enthüllung als Bestätigung gelten. Daß von halbamtlicher und schließlich auch amtlicher französischer und belgischer Seite das Abkommen dementiert wurde, darf nicht Wunder nehmen. Ein Geheimdokument wäre kein Geheimdokument, wenn man sein Bestehen nicht leugnete. Es ist auch kaum daran zu zweifeln, daß diese Dementis fortgesetzt werden, nachdem nunmehr das Protokoll mit Unterschriften und Siegel der Oeffent- lichkeit übergeben worden ist. Herr Briand hat sein „Nichts mehr von Kanonen!" mit solchem Pathos in die Welt hinausgerufen, weite Kreise in Deutschland haben an dieses und manches andere Bravourstück politischer Zwecklüge und Heuchelei mit solcher Andacht und kindlicher Ueberzeugung geglaubt, daß es dem einen unmöglich ist, sein böses Spiel aufzudecken, den anderen aber es peinlich ist, auf ihre Illusionen zu verzichten. So wird man wohl in Genf in allernächster Zeit die Politik von Locarno weiterhin als die Grundlage der „Erneuerung" Europas und seiner „Befriedung" rühmen hören, während dieses ganze Gebäude schon längst in sich zusammengebrochen ist. Wir können nichts anderes tun, als unseren Lesern weiterhin, wie es immer an dieser Stelle geschehen ist, empfehlen, sich mehr an Tatsachen zu halten als an Versprechungen und Hoffnungen, denen nichts Positives zur Seite steht.
Das „Utrechtsche Dagblad" antwortet Bef die Dementis der belgischen «nd fra«- zöfische« Regierung mit der
vollständigen Veröffentlichung des Protokolls der Konferenz des belgischen und französischen Genera l st a b e s in der Zeit vom 7.—12.
September 1927.
Das Dokument, das als streng vertraulich bezeichnet wird, trägt als Datum den 20. September. Der Inhalt der einzelnen Artikel des Protokolls war in der erste« «eröffentlichnag des „Utrechtsch Dagblad" bereits wiedergegebe«. R e« sind die in dem Protokoll niederge- legten Aeußerunge« einzelner Konferenzteilnehmer za den verschiedene« Artikeln. Es handelt sich hierbei
L um die Frage eines holländisch- belgische« Kriegs, dem Deutsch- la«d fer« stehe« würde,
L am die einzelne« Aufmarschräume der belgischen Armee,
2. um die Zusammensetzung der belgischen Armee nach Durchführuug der Heeresreform,
4. um den Anteil der Eisenbah« a« der Mobilisier««g «nd um Einzelheiten über künftige Operatione« gegen Deutschland.
Beigefügt ist ein vom 12. Rai 1927 batierter Konzentrationsplan für den Fall der Mibilifierung. Ferner fi«d die belgischen und französischen Teilnehmer der Ko«fere«z namentlich aufge führt.
Zu Artikel 4 wird auf Anfrage des französischen Generals Debeney von belgischer Seite mitgeteilt, daß Deutschland über 25 353 Lokomotiven, England über 23 395, Frankreich über 17 664, die Niederlande über 1348 und Belgien über 4645 Lokomotiven verfügten. Es folgen dann
detaiMerte Angaben über den Ausbau des belgischen Streckennetzes sowohl nach der Ostgrenze wie nach der Nordgrenze.
Das Protokoll vermerkt eine Klage des belgischen Generalstabschefs über die Schwierigkeiten, die sich vom technischen wie vom finanziellen Standpunkt der Durchführung des Eisenbahntechnischen Programms entgegenstellen, worauf von französischer Seite geantwortet wird, daß nur bei seiner Durchführung eine fran-
Der Abschluß der Unterhausdebatte über de« euglische« Heeresetat.
fk. London, 1. März. Nach Schluß der Debatte im Unterhaus über den Heeresetat gab der Finanz-Sekretär des Kriegsamtes Duff Cooper folgende Erklärung ab: Die Regierung hat keine Anstrengungen Unterlasten, die Abrüstung zu fördern. Unsere Verantwortlichkeit hat sich durch die Niederlage Deutschlands nicht vermindert sondern sie hatte sich infolge der Völkerbunds- und Locarnoverträge sogar noch vermehrt.
Wie soll dem Völkerbund Geltung verschafft werden, wenn die Mächte, bte am meisten an ihn glauben, ihre Verteidi- gungsstreitkräfte derart vernachlässigen, daß sie außer Staude find, aufgrund der Bölkerbundssatzunge« Verpflichtungen einzugehe«?
Im einzelnen sagte der Finanzsekretär noch: es sei die Möglichkeit der Zurück-
Armee Debeney und dem Generalstabschef der belgischen Armee Galet und trägt den Vermerk: Gesehen und gebilligt: Der Minister für nationale Verteidigung: CH. de Brouequeville.
Beigefügt ist ein vom 12. Mai 1927 datierter Konzentrationsplan für den Fall der Mobilisierung.
Das Dokument, das als st r e n g v e r- traulich bezeichnet ist, trägt das Datum: Brüssel, den 20. September 1927.
Der Aktenvermerk lautet: Ministerium der nationalen Verteidigung. Generalstab. Dritte Sektton. Nummer C. B. 17 442. Geheim. Das Protokoll beginnt mit der Feststellung, daß in Anwendung des französisch-belgischen Militärabkommens vom 7. September 1920, genannt Convention de Bruxelles, am 7., 8., 9., 11. und 20. September 1927 Konferenzen in Brüssel stattgefunden haben, an denen teilnahmen: Für Frankreich der Generalstabschef General Debeney, General B i n e a u, Souschef des Generalstabs General B l a v i e r, Militärattache an der französischen Botschaft in Brüssel. Für Belgien General Galet,
zösisch-belgische militärische Zusammenarbeit möglich sei, da jede französische Konzentration in Belgien angesichts der vollkommen unzulänglichen Eisenbahnverhältnisse in der Provinz Luxemburg um 13 Stunden verzögert würde.
In Artikel 5 heißt es, nach dem von der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" aus dem „Utrechtsch Dagblad" übernommenen Text:
Die im Jahre 1922 angenommenen Richtlinien werden aufrecht erhalten, was die Operationen der französischen Truppen in Richtung von Cann« stadt und Heidelberg betrifft.
Dasselbe gilt für die festgelegten Stellungen der französischen Truppen in Belgien.
Das Protokoll ist unterzeichnet von dem Generalstabschef der französischen
ziehung der britischen Truppen vom Rhein erwähnt worden, das sei eine außenpolitische Frage, über die eine Ansicht zu äußern nicht seines Amtes sei. Es sei übrigens allgemein bekannt, daß die Regierung sich vollkommen klar darüber sei, daß die Zurückziehung der britischen Truppen vom Rhein wünschenswert wäre.
Earco Jones (liberal) stellte eine Zwischenfrage wegen der gemeinsamen französisch-englischen Manöver im Rheinland. Duff Cooper antwortete: Diese Frage ist im Unterhaus schon früher beantwortet worden. Es handelt sich darum, daß wir nur ein Kavallerieregiment am Rhein stehen haben, und daß dies die einzige Möglichkeit war, das Regiment Uebungen vornehmen zu lasten.
Earco Jones fragte, ob das Foreyn Offic oder das Kriegsamt dafür verantwortlich fei. Duff Cooper antwortete: Soweit mir bekannt, das Kriegsamt.
Generalstabschef, der Oberst Mich en, Chef der dritten Sektion des Generalstabs mit den Funktionen des Souchefs des Generalstabs, der Oberst van den Bergen, Chef der ersten Sektion des Generalstabs. Die Funktionen eines protokollführenden Sekretärs wurden dem Obersten B. M. Estienne, dem Kommandanten des Grenadierregiments in Brussel, anvertraut.
In einer Unterredung, die der „Haag- sche Courant" mit dem Chefredak- te u r des „Utrechtsch Dagbla d", Dr. Ritter, über die Frage der Echtheit der von seinem Blatte Der» öffentl.chten Aufsehen erregenden Dokumente hatte, erklärte dieser: „Die Dokumente stammen aus einer völlig unverdächtigen Quelle. Sie stellen das Protokoll einer in Brüssel abgehaltenen Sitzung militärischer Sachverständiger dar, sind auf amtlichem Papier des belgischen Staates ausgezeichnet und tragen die Unterschriften der Teilnehmer an der Konferenz sowie L a ck s i e g e l, (Fortsetzung siebe Seite 2.)
England kann ulcht Müllen .Der Völkerbund Minsk uns, stark zu ielir
Saill und Mker Mm zurück
Wie bereits gemeldet, halten die Sachverständigen in dieser Woche Voraussicht« lich keine Vollsitzung mehr ab. Ein Teil der deutschen Sachverständige« scheint diese durch Kommissionsberatungen bedingte Pause dazu benutzen zu wolle«, das Wochenend in Deutschland z« verbringen. Geheimrat Kastl fährt bereits heute abend nach Berlin z«- rück, während Dr. Bögler sich zur Seil« nähme am deutschen Industrie, und Han« delstag nach München begeben wird. Der Reise der Deutsche« liegt keine mit der Konferenz in nnmittelbarem Zusam« menhang stehende Ursache zugrunde. Dr. Schacht und Dr. Melchior bleibe» in Paris, «m an den weiteren Beratungen der Unterausschüsse teilzunehme«.
----*----
MbkmnB- md SiedlimsSvsM
Berlin, 28. Febr. Der preußische Land- tag erörterte am Donnerstag den letzten Abschnitt des Wohllahrtsetats „Wohnungsund Siedlungswese n".
Wohlfahrtsminister Hirtsiefer
stellte fest, daß erfreulicherweise
auch das Jahr 1928 uns in der Beseitigung der Wohnungsnot wieder ein Stück vorwärts gebracht
habe. Während 1926 rund 130 000, 1927 rund 180 000 neue Wohnungen geschaffen worden seien, betrage diese Zahl für das Jahr 1928 etwa 186 000. Nicht minder er- freulich als die abermalige Vermehrung der Neubauwohnungen sei auch die Feststellung, daß am 1. Januar 1929 noch über 96000 Wohnungen im Bau begriffen gewesen seien. Die starte nungsproduktion sei allerdings nur möglich gewesen durch eine zum Teil bis an die äußersten Kraftgrenze der Gemeinden gehende Jnanmruchnahine von Krediten aller Art. Wie sich die Bautätigkeit im neuen Jahr gestalten werde, lasse sich noch nicht übersehen. Es seien noch finanzielle Schone- rigkeiten zu beseitigen, und es müsse abge- wartet werden, inwieweit es gelingen werde, sie zu überwinden. Die Entwicklung des Real- kredites für den Wohnungsbau sei im Jahre 1928 allgemein zufriedenstellend gewesen. An Hand von Nachweisungen ergebe sich, das
im Reich im Jahre 1928 rund 1,55 Milliarden RM. an ersten Hypotheken
im Wohnungsbau angelegt
worden seien. Davon entfielen auf die Bodenkreditinstitute rund 750 Millionen, auf die Sparkassen rund 700 bis 800 Millionen und aus die Versicherungsträger 100 bis 120 Millionen RM. Der auf Preußen entfallende Gesamtteil könne auf 1 bis 1,15 Milliarden berechnet werden.DieFu- sion der Preußischen Pfandbriefbank mit der Roggenrentenbank habe sich für die erstere zu- fttedenstellend ausgeroirtt. Leider sei das Interesse des Auslandes an deutschen Goldpfandbriefen seit Mitte 1928 auffallend zu- rüdgegangen. Die Bereitstellung von Z w i- schenkrediten aus der öffentlichen Hand zur Bevorschussung öffentlicher Hypotheken erscheine zur Durchführung eines geordneten Bauprogramms nach wie vor besonders wichtig. Da das Reich seinen 200- Millionen-Fond für diese Zwecke, an dem Preußen mit rund 115 Millionen beteiligt gewesen sei, nicht prolongieren wolle, werde sich bereits in diesem Jahre eine empfindliche Lücke zeigen. Allerdings bemühe sich das Reich neuerdings darum, diese Lücke durch ein Äaukreditgesetz für 19 2 9 auszufüllen. Doch sei fraglich, ob hierdurch ein brauchbarer Ersatz geschaffen werden könne. In der Wohnungszwangs- wittschaft werde geprüft, ob eine H e r a u f- setzung der Grenze der E e mein den möglich In denen von der öffentlichen Bewirtschaftung der Wohnungen abgesehen werden könne. Bekanntlich liegt die Grenze bisher bei einer Einwohnerzahl o o n we- nigerals400 0. Im übrigen aber tonne ein Abbau bet Zwangswirtschaft, vor allem des Mieterschutzes erst erfolgen, roenn einmal die Mieten der Altwohnungen und die Neubauwohnungen dem allgemeinen Preisstand auf einer für das Einkommen der breiten Massen erträglichen Höhe angenähert sind