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Sir. 40 «4. Jahrs. Marburg o. Lahn

Der Verband der Aufständischen hat am Freitag einen Ausruf an d>e schlesische Beoölkerung erlassen, in dem die Aufständi­schen aufgefordert werden, nach der Auflösung des schlesischen Seims die Führung in Schlesien zu übernehmen, um zurBesse­rung der Verhältnisse" beizutragen. Die pol­nische Einheitsfront, die unter Führung des Woiwoden Traczynski jetzt geschaffen sei, solle die Aufgabe haben, den Sejm zu wählen, in dem di« Aufständischen und das Nationale polnische Element eine entscheidende Stimme haben mühten. Das schlesische Volk solle von solchen Dolksverführern und Schmarotzern

Sonnadeiib, be» 16. Sebriiar 1929

Der polnische Außenminister Zaleski bat am Freitag in einer Pressekonferenz erklärt, daß die Verhaftung des schlesischen Abgeord­neten Ulitz erfolgt ist. weil ihm rum Vor­wurf gemacht wird, Dokumente, die di« Flucht von Rekruten erleichtern, gefälscht zu haben.

Weder der Bölkerbuud »och die polnische Regierung habe da« Recht, in das Ge- rkchtvoerfabren, das gegen Ulitz einge­leitet worden ist, einzugreiken.

Die polnische Regierung könne den Gerichts­behörden nicht vorgreifen. Sie hätte einzig und allein das Recht, darüber zu entscheiden, ob der Angeklagte lllitz mit oder ohne Kau­tion aus dem Gefängnis befreit werden solle.

Der «nzetqrnprew betrdqt ft* »en 10 qespalt. Zetlenmtlltmeler 0.08 ©W-. kleine Baran,eiga 0.06 amtliche und an«- wärrtqe Anzeigen 0.10 ®5R. 9M schwierigem Sa, sowie bet Platz­dorschrift 50°l, Aufschlag. Sammelan zeigen iOO!» Auf­schlag. Reklamen der Milli». 0,40 SM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Siel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Seschäfr«stelle and Jasendunq der Angebot, $* füllungsott Marburg.

I Soldmark '/».Dollar

hat über den deutschen Standpunkt be­treffend die Zahlungsbilanz gesprochen, wobei er die Ansicht des Statistischen Reichsamts vertrat.

Die Beratungen der Reparationssach­verständigen dauerten gestern nachmittag von 3 Uhr bis 4.30 Uhr. Ein Com- munigu«? ist wieder nicht ausgegeben wor­den. Das deutsche Mitglied des Presse­komitees der Konferenz erklärte,

dass man den ersten Teil der Eeneral- diskussion als nahezu abgeschlossen betrachten könne.

Einige Fragen seien noch offen und wur­den am Montag weiter erörtert werden.

Wie verlautet, ist bis jetzt weder eine Denkschrift aufgesetzt noch die Einsetzung von Unterausschüssen erörtert worden. Der Mac Kenna-Bericht soll in seinen Folge-

SW ^L>b«rhessische Settung" er scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. ans- schließt. Zustellungsgebühr, durch dtePost2.25 GM.Für etwa infolge Streiks. Maschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallende Kümmern wtrd kein Srsa» ge­leistet. Verlag b. Dr. Hwervt^

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Saleftt ist nicht in -er Lage

Sie AWündWm Hetzen zum SlsaWreich

Die Alliierten for-ern jährlich 3,5 Milliarden jtfe Amerikaner werben 2,2 bis U Milliarden ieilietzen - Ans tie'er .Grundlage" Sesisetzmig ber Geiamlsumme

rungen nicht angegriffen worden sein. Das Pressekomitee der Sachverständigen hat, wie es heißt, beschlossen, falls die Presse sich in ihren Kombinationen nicht große Beschränkungen auferlegen sollte,

Pressemittellunge« ga«z einzustellen.

Havas erklärt zur gestrigen Pormittags- fitzung, die das Expose der deutschen Dele­gierten über die Kapitaleinfuhr brachte, es sei geprüft worden, in welchem Matze dr- eingeführten Kapitalien produktiv oder unprodukttv seien und ob der Ertrag der Aneihen geringer oder höher als der Zins­satz ist, den Deutschland im Ausland für die Kapitalien habe zahlen müssen. Die Diskussion habe sich also auf die yrage erstreckt,

ob die deutsche Wirtschaft tatsächlich

Nutzen aus de« im Ausland anfge- «ommeuea Anleihen gezogen hat.

wie sie im bisherigen Sejm gewesen seien, be­freit werden. Den Arbeitern und Bauer» solle endlich das gegeben werden, was ihnen während der Volksabstimmung versprochen worden sei. Schließlich wird dem Woiwoden nochmals für die Auflösung des Sejms ge­dankt

Der Aufruf, der selbst in national-polnischen Kreisen als eine unglaubliche Anmaßung der Aufständischen zurückgewiesen wird, bedeutet, daß die Aufständischen die Aufsicht über die öffentlichen Gelder und die Regierungsge­schäfte übernehmen. Sie setzen dabei voraus, daß sie im neuen Sejm die Mehrheit besitzen werden.

Gestern wurden alle Zeitungen, die sich zu der Verhaftung des Abgeordneten Ulitz in Kommentaren äußerten oder die telegraphi­sche Beschwerde des Deutschen Volksbundes Wiedergaben, beschlagnahmt, darunter die deutschen Minderbeitsblätter.

lllitz vor dem Untersuchungsrichter.

Der Geschäftsführer des Deutschen Volks­bundes, Ulitz, ist gestern vom Untersuchungs­richter zu wiederholten Malen wegen des Falles mit dem gefälschten Dokument ver­nommen worden. Nach den bisherigen Ver­nehmungen hat es den Anschein, daß sich die Verhaftung allein auf diesen Punkt stützt. Die Verteidiger des Verhafteten werd«» morgen einen Hastentlassungsantrag einreichen.

Hierzu wäre zunächst einmal grundsätzlich zu bemerken, daß nach der oftmals mitge­teilten Auffassung oer deutschen Regierung eine Verquickung der Räumungs- mit der Reparationsfrage für Deutschland in feiner Form in Betracht kommen kann. Vollends unmöglich erscheint natürlich die von der Oeuvre" empfohlene Methode. Geradezu lächerlich mutet es an, wenn das Blatt er­klärt, die französische Regierung wolle die ie in Bettacht

int Zusammenhang mit der Zahlungs­bilanz und ihrer Wirkung auf die Welt­wirtschaftslage seit 1924. Reichsbank­präsident Dr. Schacht hat die deutsche Ansicht vorgetragen. Von der anderen Seite wurden nur ein paar Fragen ge­stellt. Dr. Schacht hat hervorgehoben, wie stark die Verschuldung der Landwirtschaft zugenommen hat und es wurde gefragt, ob diese

Verschuldung der Landwirtschaft durch neue Investierungen entstanden ist ober ob es sich um Verluste handelt. Eine in Deutschland unternommene Enquete hat bekanntlich zu der Feststellung geführt, daß von der 7y2 Milliarden Mark betra­genden Verschuldung der Landwirtschaft seit 1924 etwa 1 y2 Milliarden auf In­vest ierungen, die anderen auf Ver- l u st e zurückzuführen ist. Dr Melchior

Der Sachverstäudigen-Ausschutz hat mit de« Doppelsitzungen vom Freitag die Vor­arbeiten beendet. Zn Pariser Kreise« wird darauf hingewiesen, datz die deut­sche Abordnung während der Sitzungen der ersten Woche jede Möglichkeit hatte, sich über die wirtschaftliche Lage Deutsch­lands zu äutzer«. Bisher hätten, so stellt Petit Parisieu" fest, die andere« Sachverständige« noch keine allgemeine Schluhfolgerungen aus den Vorstellungen der deutsche« Abordnung gezogen. Ver­schiede«« Punkte würden im einzelnen ge­prüft werden müssen.

Am Montag werde man über die Festsetzung der deutschen Schuld, der Zahl und des Betrages der Zahres- zahlungen verhandeln.

Man erwarte bald die deutschen Vor­schläge.

Aehnlich schreibtEcho de Paris«, es werde sich darum handeln, die Zahlua- ge« Deutschlands feiue« tatsächlichen Hilfs- «zuelle« ««zupasse». Da das Reich der fordernde Teil fei, würden feine Vertreter Vorschläge zu machen haben, die der Besprechung als Grundlage diene« wür­de«. Damit sei der Zeitpuntt gekommen, a« dem verschiedene Aussassua- ge« aufeinander pralle« werde«. Die Bankiers haben schon bestimmt

Unter bei Ueberschriftbet Prolog ist beenbe t" veröffentlicht bei Außenpolitik«! desSlatin einen Artikel, bei den An­schein erweckt, daß et nicht ohne Füblung- kabme mit maßgebenden Peisön- jichkeiten geschiieben wurde. Es beißt in bem Artikel, man erwarte, daß Dt. Schacht am Montag seine Ansicht über die Höbe bet Annuitäten äußern wird. Dann würden die Gegensätze beginnen.

Die Alliierte» batten eine Gesamtberech­nung aufgestellt, die sich auf 3% Milli­arden Reichsmark belaufe.

Die Deutschen würden eine Berechnung auf­stellen, die, wie das Blatt behauptet, kaum Milliarden Reichsmark betrage. Morgan und Owen Bo uns, die bis jetzt nichts gesagt hätten, dächten gewiß an eine zwischen diesen Beträgen liegende Ziffer. Diese Ziffer- werde weder auf Grund der etwa tzuerst gemachten Forderungen ber Gläubiger noch auf Grund der These Dr. Schachts fest­gesetzt. Vielmehr wäre bie endgültige Ziffer butd) di« Mobtlisierungsmaßnahmen bestimmt, die die amerikanische Bankiers im Einverneh­men mit dem amerikanischen Markt im Laufe bei kommenden Sabre vornehmen wollten.

Die 3abl, <mf die sich die amerttanische» Bankiers »ach übereinstimmende» Nach­richten im voraus festgelegt hätte», dürfte zwischen 2200 und 2400 Milli­onen liegen.

Auf dieser grundlegenden Annuität werde der gegenwärtige Wert berechnet werden.

Hinter verschlossenen Türe«

Die Reparationssachverständigen haben gestern vormittag eine Sitzung abgehal­ten, die von 11 Uhr bis 12 Minuten vor ein Uhr dauerte. Ein Communiqu^ wurde nicht ausgegeben. Wie verlautet, erstreckte sich die Diskussion auf

die Auswirkung der Auslandskredite auf die deutsche Wirtschaft

Rach demJournal , des Debats« soll Dr. Schacht eine Schätzung des Betrags der geliehenen Kapitalien gegeben und sich über die Verteilung auf die verschie­denen Industrie- und Handelszweige aus­gesprochen haben. Auch habe man den Umstand besprochen, daß in Deutsch­land der Zinssatz besonders hoch sei, woran sich die Frage knüpfe, ob es sich nur um einen spezifisch deutschen Fall handele oder um eine allgemeine Zinsbewegung in der Welt. Rach dem .Temps" soll Dr. Schacht den fährltchen Zinsendienst für die im Land in der Zeit von 1924 bis 1928 aufgenommenen An­leihen auf ungefähr 1 Milliarde E-K ge­schätzt haben, also eine Summe, deren Transfer man zu den 2,5 Milliarden G-tt der normalen Dawesannuttät hinzu- rechnen müsse.

Weitaus gefährlicher ist natürlich Die Verkoppelung der RäumungS- mit der Re­parationsfrage, was das gesamte besetzte Debiel, d. h. die zweite und dritte Zone, deren Räumung erst im Jahre 1935 fällig ist, anlangt. Bekanntlich steht die deutsche Regierung auf dem Standpunkt, dah sie auf die sofortige und vollständige Räu­mung des besetzten Gebietes, also der zwei- ten und dritten Zone, einen juristischen unD moralischen Anspruch und es daher nicht nötig hat, sich diese Räumung durch irgendwelche Konzessionen aus anderem Gebiete zu erkaufen. Dieser Standpunkt schließt natürlich eine Zustimmung der deutschen Regierung zu den vomOeuvre enthültten neuen französischen Plänen von vornherein aus. Aber auch gesetzt den theoretischen Fall, die deutsche Regierung würde sich mit einer Verkoppelung der Räumungs- und Beparattonsfrage einver­standen erklären, so wäre das Projekt der Oeuvre", zweifellos das letzte, mit dem

ÜMMNthMbM!

Die französische Presfe fetzt ihre Ver­suche, die ReparattonSfrage mit der Räu­mungsfrage zu verquicken und dadurch auf den Dang der Sachverständigenverhand­lungen einen Druck auszuüben, mit ge­steigerter Energie fort.Wan träumt in Berlin davon, so schreibt derQuotidien". daß die Arbeiten der Sachverständigen­kommission schließlich die Befreiung des Rheinlandes herbeiführen und die deut­schen Schuldenverpflichtungen erleichtern werden, ohne dah die Alliierten ihrerseits dafür eine besondere Gegenleistung von Deu^chland erhalten. Wir haben die Pflicht ehrlich zu sagen, daß das in Ber­lin nur ein Traum ist. Ausführlicher äußert sich noch die ZeitungOeuvre, in der es heißt:Während die Sachver­ständigen beraten, werden in Perlin zwi­schen der deutschen Regierung und den Botschaftern Oer alliierten Staaten Der- hanolungen beginnen, die sich nnt der früheren Räumung des Rheinlandes be­schäftigen sollen. Diese Verhandlungen werden fortschreiten, wenn in Paris Fort- schritte zu verzeichnen sind und sie werden stillstehen, wenn man in Paris an einen toten Punkt gelangt. Die französische Re­gierung wird die Räumung der zweiten Zone in Betracht ziehen, sobald die Kom­merzialisierung der deutschen ReparationS- schuld durch die Sachverständigen als mög­lich erklärt wird. Die vollständige Räu­mung des Rheinlindes würde von den alli» ierten Regierungen und auch von der fran­zösischen Regierung bewilligt werden, wenn diese Operation sich nicht sofott in vollem Umfange ausführen läßt, in einzelnen Etappen, die den Etappen der Kommerzia­lisierung entsprechen.

Räumung der zweiten ziehen, sobald die Sachverständigen Die Kommerzialisierung der deutschen Repara­tionsschuld als möglich bezeichnen. Das Blatt scheint dabei völlig vergessen zu haben, daß die Besatz ungssrist für die zweite Zone spätestens im Januar 1930 vertragsgemäß abläuft. Spätestens bis zu diesem Termin muß die zweite Zone ohne­hin geräumt werden und die uns von die­sem Termin ttennende Zeitspanne ist im Vergleich zu der gesamten Besatzungsdauer wirklich so gering, daß man ihren Ablauf in Deutschland mit Ruhe abwarten kann. Einige Monate später oder früher spielen hier wirklich keine Rolle mehr und es kann uns in Deutschland infolgedessen herzlich gleichgültig sein, von welchen Umständen die französische Regierung es abhängig machen will, ob sie die Räumung dieser Zonein Bettacht ziehensoll oder nicht.

Anzeiger für (das frühere knrhessische) Oberhesfen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

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