SienAng, ten 12. Februar 1929
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der Bertras von Rsm «Mrzeichmt
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sagte, er habe absichtlich so wenig verlangt, um dadurch zu zeigen, daß der Tatet mit seinen Kindern unterhandle, und um ihnen die Prüfung leicht zu machen Ferner habe er die Besorgnisie wegen einer gröberen Gebietsabtretung Hintangebalten und Klagen gegen dieses Abkommen von vornherein ent» kräsien wollen. Dadurch habe er auch be
Rom, 11. Febr. Das von vatikanischer Seite airsgegebene Kommunique hat folgenden Wortlaut:
Heute 12 Ahr mittags wurde im Papstsaale des apostolischen Lateranpalastes ein Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und Ztalien unterzeichnet, mit dem die römische Frage beigelegt wird und ein Konkordat zur Regelung der religiösen und kirchlichen Verhältnisse in Ztalien ab- geschloss-n wird. Mit dem Vertrag zugleich wurde auch unterfertigt eine Finanzkonvention. Bevollmächtigt waren Kardinalstaatssekretär Easparri und Ministerpräsident Mussolini. Bei dem feierlichen Akt waren Monsignore Borgon- gini-Duca. der Sekretär der Kongretion für kirchliche Angelegenheiten, sowie der Unterstaatssekretär im Staatssekretariat Pizzardo zugegen, ferner Advokat Pacelli als Rechtsbeistaud des Heiligen Stuhles. Für Ztalien waren der Zujtizminifter Rocco, der Staatssekretär für Aeuheres Erandi und Unterstaatssekretär im Ministerratspräsidium Giuhta zugegen.
Die Unterzeichnung dieses historischen Vertrages, dessen Bedeutung von der römischen Presse in Extrablättern und, soweit die Zeitungen schon vorlagen, in umfangreichen Leitartikeln gewürdigt wirb, spielte sich für die Außenwelt in sehr schlichten Formen ab. Als gegen 11 Ubr die Automobile des Kardinalssiaats- sekretürs und Mussolinis sowie ihrer Begleitung vor dem Lateran vorfuhren, waren außer den Journalisten und Photographen nur etwa 700—800 Zuschauer im Regen auf dem Lateran-Patz versammelt. Nach der Unterzeichnung, die im Konzil- Saal erfolgte, mußte sich Kardinalsstaatssekretär Eesparri, der leidend ist, sofort wieder zu Bett begeben.
Der „Osservatore Romano" veröffentlicht einen
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Ueberblick über die Berhandlungs- geschichte,
Vie vor etwa zwei Jahren auf Anregung Mussolinis begann und über 200 Zusammenkünfte erforderte. Ein anderes römisches Blatt faßt die Bedeutung des Tages dahin zusammen, daß die endgültige Anerkennung und Heiligung der Einheit und Macht der italienischen Nation nunmehr erfolgt sei. Eo sei auf die Ausschaltung der unnötig..! Feindschaft hin, die die intimsten Seelen des Staats- körpers bisher angegriffen habe. Die wahre Trennung zwischen Kirche und Staat gestatte dem katholischen Papst und dem König, dieses großen in der Entwicklung begriffenen Volkes in der berühmtesten Stadt der Stadt nebeneinander zu bestehen. Das Blatt weist ferner auf die Bedeutung hin, in der Hauptstadt Italiens die geistige Gewalt des Oberhauptes der katholischen Welt zusammenzufassen. Das Wunder der Einigung sei jedoch nur durch den Faschismus möglich gewesen, dessen Glaubensbekenntnis in die vier Begriffe: Cott, Vaterland, König und Familie zu- fammenzufasfen sei.
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Papst Pius zur Aussöhnung mit Italien.
Rom, 11. Febr. Wäbrend heute mittag tm Lateran der Aussöbnungsaki mit Italien unterzeichnet wurde, hielt der Papst eine Rede an die römischen Stadipfarrer, die ibm vom Kardinal Pamsili im Vatikan vorgestellt wurden. Sn dieser Rede führte Papst Pius XI. B. a. aus, der neue Frieüensschtüh zwischen ßtalien und dem Heiligen Stuhl garantiere dem Papst wahre und volle Souveräni
tät, wie sie ihm auf Grund seines Amtes gebühre. Das ju gleicher Zeit unterzeichnete Konkordat mit Italien regele die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien, die so lange Zeit im argen gelegen hätten. Der Papst ging dann auf die Kri - t i k ein, die von italienischer und ausländischer Seite an seiner Haltung in dieser Frage geübt worden sei. Diese Kritik, so erklärte er, richte sich gegen seine Person, denn er allein sei für das Geschehene verantwortlich Zuerst sei gefragt worden, ob der Pavst nun die anderen Mächte bitten werde, ihre Zustimmung zu erteilen oder Garantien für die neue Lage Mi geben. Hierzu erkläre er. daß er den befreundeten Mächten Mitteilung von dem Geschehenen gemacht habe doch ohne eine Zustimmung und ohne Garantien su verlangen. Diele Garantien könnten dem Heiligen Stuhl eher durch den göttlichen Beistand und durch die loyale Haltung des italienischen Volkes zuteil werden. Die heutige geographische Karte beweise, wie wenig die Garantien irdischer Mächte zu bedeuten hätten. Weiter besprach der Papst den Entwurf, daß er zu viel oder wenig verlangt hätte und
ft. Bitterfeld, 12. Febr. Gestern abend kurz vor Mitternacht fuhr der Schnellzug «ach lleberfahren des Haltesignals in Gräfenhainischen in der Station Burg Kemnitz auf den Schlafwagenzug Berlin—München auf. Der vordere Dell eines Schlafwagens wurde zum Teil eingedrückt. Wie verlautet sind 1 Toter und 20 Schwer- und Leichtverletzte zu beklagen.
ff. Bitterfeld, 12. Febr. Zu dem schweren Eisenbahnunglück werden noch folgende Einzelheiten bekannt:
Die erste Meldung, daß bei dem Unglück ein Toter und 20 Schwer- und Leichtverletzte zu beklagen sind, bestätigt sich. Nachdem
die Aufräumungsarbeiten vorläufig beendet sind, hat sich herausgestellt, daß sämtliche Verunglückte mit dem Leben davongekommen sind. Es wurden 3 Reisende und 1 Beamter schwer verletzt und 14 Personen leicht verletzt.
Das Unglück ereignete sich einige 100 Meter vor dem Bahnhof Burg Kemnitz. Der Der Schnellzug D. 70 hatte, nachdem er offenbar das Ausfahrt-Signal von Gräfenhainichen übersehen hatte, D. 238 erreicht und fuhr mit großer Wucht auf den letzten Wagen auf. Das Unglück ereignete sich um 23.18 Uhr. In Kraftwagen waren Rettungsmannschaften aus Wittenberg sowie die Feuerwehr aus Zschornewitz in 10 Minuten zur Stelle. Die Schwerverletzten wurden sofort in Krankenwagen ins Krankenhaus Earlsfelde gebracht, während sich die Leichtverletzten in private ärztliche Behand-
Sielle gebracht, aber in Erwartung näherer Einzelheiten nicht oder nur kurz besprochen.
Die ..Germania" führt unter der Üeber- schrift /Das Weltereignis der Christenheit" aus: Mit der Unterzeichnung der Verträge zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung hat sich ein Ereignis von weltumspannender Bedeutung vollzogen: Der fast 60iä6rige Kampf zwischen den geistlichen und weltlichen Spitzen Roms bat durch eine Regelung ihr Ende gefunden, welches ein altes Unrecht am Papsttum wieder gutmacht und auch Italien bedeutende Vorteile gewährt. Die deutschen Katholiken begrüßen in Gemeinschaft mit der gesamten katholischen Welt dieses Weltereignis mit inniger Genugtuung. Es wird dem Heiligen Vater seine volle Souveränität zurückgegeben und dadurch seinen Handlungen und Kundmachungen eine noch höhere Bedeutung verliehen.
wiesen,
daß ihn kein weltlicher Herrschaftsruhm
geleitet habe.
sondern daß er sich mit dem erforderlichen Mindestmaß für seine geistliche Unabbänglich- feit begnüge. Zudem müßte man sich bewußt sein, daß dieses kleine Gebiet unendliche Kunstschätze bewahre und besonders auch den Leib des heiligen Petrus, wodurch das Gebiet überaus kostbar werde.
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Die Berliner Presse zur römischen Frage.
hing begaben. Der Betrieb wird eingleisig aufrechterhalten.
Die Strecke wird durch die Trümmer des Packwagens und durch die schwer beschädigte Lokomotive noch auf längere Zeit blockiert. Abgesehen von dem Packwagen sind die D- Zugwagen von den beiden Zügen verhältnismäßig glimpflich davongekommen, woraus sich auch die geringe Zahl der Schwerverletzten erklärt.
Die Namen der Schwerverletzte« sind: Dr. Fritz Bolle aus München, Dr. Mar Pohl aus Berlin-Friedenau, ein Amerikaner namens Zenner, dessen genaue Adresse noch nicht ermittelt worden ist. Der vierte Schwerverletzte ist der Zug- f ü h r e r des D.-Zuges 70, Katz-Berlin. Von den 14 Leichtverletzten stammen 12 aus Ber- Llin und je einer aus Ulm und Triest.
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Bier Eisenbahnarbeiter getötet.
tu. Breslau, 11. Febr. Montag nach, mittag ereignete sich in der Whe des Bahnhofs Breslau-Mcolaitor ein s ch w e - rer Eisenbahnunfall, dem vier Eisenbahnarbeiter zum Opfer fielen. Ein Trtebivagenzug fuhr in eine aus sechs Mann bestehende Kolonne von Eisenbahn- Unterhaltungsarbeitern, von denen vier sofort getötet tourten. Die Kolonne hatte offenbar infolge der durch den außergewöhnlichen Frost besonders starken Dampfentwicklung eines auf dem etwas tiefergelegenen Nachbargleis fahrenden Zuges da» Herannahen tes Triebwagens nicht gesehen und durch die Ohrenschützer auch nicht hören können.
Die Deutsche Diplomatische-Po- litische Korrespondenz spricht von einem Ereignis von welthistorischer Bedeutung. MÜ der Wiederherstellung einer vollen Souveränität des Papstes über ein Territorium wird der Vatikan neben einer geistlichen zu einer weltlichen Macht, der die Teilnahme an allen Vorgängen des internationalen Lebens in der gleichen Form, wie jeder anderen souveränen Regierung, frei« siebt. Das gilt z. B. von der Beieiligung am Völkerbunde und von der Teilnahme an internationalen Verträgen. International bat die Lösung z B- die Konsequenz, daß die Botschafter und Gesandten beim Vatikan nunmehr gegenüber Italien wirklich exterritorial werden. Auch Italien gewinnt durch diese Lösung an politischem Prestige und beseitigt einen Zwitterzustand, der trotz allmählicher Auflockerung und Einebnung der Widerstände (Fortsetzung stehe Serie 2.)
8et dm Wahlen Euvm-MalmetN
Das Jahr 1929 bringt für Belgien die großen Wahlen zu den beiden gesetzgebenden Körperschaften, zu der Kammer und zu dem Staat. Da Eupen-Makmedy im Mittelpunkt zahlreicher innen- und außenpolitischer Probleme Belgiens steht, so wird der Ausfall der Wahlen in die» s e m annektierten deutschen Ländchen von besonderem Jnteresie sein. Mehr aber noch Dürfte der Ausfall der Wahlen in EupenMalmedy selber Beachtung finden Denn wie sah das Bild nach den letzten Wahlen im Jahre 1925 aus? Nachdem die Versuche einer deut« schen Einheitsfront mit einem überparteilichen deutschen Kandidaten an der Spitze gescheitert waren, traten die beiden großen Eupen-Malmedyer Parteien getrennt in den Wahlkampf. Die Sozialdemokraten brachten ihren Kandidaten, den Brüsieler Rechtsanwalt Dr. Somerhausen durch, während die Katholische Partei Eupen-Malmedys mit der Katholischen Partei Belgiens zusammen- gfng, wobei ihr Kandidat, Rechtsanwalt Dr. Jenniges-Veroiers, der, obwohl Altbelgier, das größte Vertrauen bei den katholischen Eupen-Malmedyern besaß, an angeblich „sichere" Stelle gesetzt wurde Nach den Wahlen erhielt Dr. Jenniges, obwohl er in Eupen-Malmedy die genügende Stimmenzahl erhalten hatte, auf Grund des sehr verwickelten Listenverbindungssystems das Mandat nicht, sondern die Eupen-Malmedyer Mandate erhielten die Abgeordneten der belgischen Katholischen Parteien, David und Wi- nandy. Wie haben nun diese drei Abgeordneten die Interessen Eupen-Mal« medys vertreten? Dr. Somerhausen, obwohl nicht gebürttgter Eupen-Malmedyer, hat die Interessen seiner deutschen Volks- genosien nach besten Kräften zu vertreten gesucht, wurde aber, wenn es darauf ankam, vom größten Teil seiner Parteige- nosien im Stich gelasien. Die Abgeordneten David und Winandy und auch der Senator für Eupen-Malmedy Esser-Ey- natten haben stillschweigend das den Eupen-Malmedyern zugefügte Unrecht anerkannt und abgesehen von einigen materiellen und sonstigen Angelegenheit ten, dort wo es um höchste politische Belange ging, unter dem Jubel ihrer Partei gegen sie gearbeitet. Die Hoffnungen der Eupen-Malmedyer für die nächste Wahlen gehen dahin, daß diesmal als ihre Vertreter solche Männer in die Kammer und den Senat einziehen, die als geborene Eupen-Malmedyer und unabhängig von jeder engeren Parteibildung, die unverlierbaren Ansprüche auf Abstimmung und Kulturfreiheit der belgischen Volksvertretung immer wieder vorhalten werden. Die Welt soll es immer wieder erfahren, daß es eine deutsche Minderheit von 60 000 Seelen gibt, die von Belgien im Siegesräusche annektiert und entrechtet wurde. Es muffen Männer gewählt werden, die. ohne an Parteirücksichten gebunden zu sein, wirklich auf Abstellung von allerhand Mißständen dringen, die sogar von einem Teil der alles andere als deutschfreundlichen belgischen Presse zugestanden werden müssen.
Kein Wechsel in der Leitung der Botschaft in London.
Berlin, 11. Febr. Eine Berliner Zeitung bringt die Meldung, daß in der Leitung der deutschen Botschaft m London ein Wechsel bevorstehe. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, trifft diese Meldung nicht zu.
Fürst Johann II. von Liechtenstein t.
Prag, 11. Febr. Fürst Johann II. von Liechtenstein ist Montag auf seinem Schloß Feldberg ^Tschechoslowakei) im 89. Lebensjahr gestorben. Er hat mehr als 70 Jahre regiert. Fürst Johann war wegen Zeines großen Reichtums bekannt.
Die Nachricht von der Unterzeichnung des Vertrages »wischen dem Vatikan und Italien wird von den meisten Blättern an erster
Schweres SifendahrmnsM bei Bitterfeld
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