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SeasMnd, ton S. Stimm 1929
Nr. Zi 64. zchrg. Marburs tu 8nbn
Der «njetgenjw« MMgt 1* b,n 10 grspall. Setlenmiatmct« 0.08 SM„ (leint Saran,«ig« 0.06 GM" amtlich« und au* vLrttq« Anzeigen 0.10 SM. Sei schwierigem Sa» sowie bei Pia»- dorschrift 50°l, Aufschlag. — Caminelan,eigen 100 *1» ®*f* schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Zeder Rabatt gilt al« S-rrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebot». 6t* küllungsort Marburg.
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Redaktion von 10—11 und
*1,1—1 Uhr.
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen BrLanntmachnngen siir Stadt und Kreis Marburg.
Dom. 8. Febr. Qn den politischen Gesprächen der Ewigen Stadt nimmt das Interesse für die Losung der römischen Frage immer mehr zu. Während die Zeitungen noch über diese Frage schweigen, wird von geistlicher Seite immer wieder darauf hm- gewiesen, dah das Gebiet des neuen päpstlichen Staates kaum mb er den jetzigen vatikanischen Besitz hinausgehen werde. Man rechnet allerdings bestimmt damit, dah die Strahe mit den an ihr liegenden Gebäulichkeiten, welche hinter St. Peter herum zu den Museen des Vatikans führt, in das Territorium einbegriffen sein wird. In diesem Falle lägen höchstwahrscheinlich der Campo Santoh der Deutschen, das Museum von St Peter und der Palast des Hl. Offiziums im neuen Staat. Gegenüber den Bemerkungen, daß in diesem Falle die GesamL- schaften und Doffchaften keinen Platz haben würden, um sich in diesem Territorium niederzulassen, wurde von derselben Sei^ erfrort, daß das auch nicht notwendig sei, weil die Doffchaften und Gesandffchasten dort bleiben würden, wo sie seien. Dabei bleibt die Frage offen, was in einem Kriegsfall geschehen würde und ob die Doffchaften dann den italienischen Doden verlassen mühten.
1 Da Nachrichten über Einzelheiten der Lösung von beiden Seiten vorläufig nicht gegeben werden, sind alle diese Gerüchte, die aus Gesprächen in der Ewigen Stadt entstanden sind, mit Vorsicht aufzunehmen.
Wie die „Germania" aus Rom meldet, ist zur feierlichen Papstmesse am Krö- nungstage die Teilnahme des schwedischen Königs angesagt. Beim Empfang des Fürsten Colonna am Dienstagnachmittag soll zum ersten Mal seit der Einnahme Roms die sogenannte „Weihe Gesellschaft' des QuirinalS sich mit dem Kardinals» kollegium und der sogenannten schwarzen Aristokratie treffen.
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Wiens Ansicht.
Wien. 8. Febr. Die Wiener Blätter bezeichnen die Versöhnung zwischen Vatikan und Quirinal als ein Ereignis v o n weltgeschichtlicher und weltpolitischer Bedeutung, dessen Tragweite noch gar nicht abzusehen sei, und als großen (Erfolg Mussolinis, den er dadurch erreicht habe, daß er dem Vatikan die von den liberalen italienischen Regierungen verweigerte Souveränität für den Vatikan und em kleines anstoßendes Gelände zugestanden habe.
Die katholische Reichspost nimmt nach den Mitteilungen des Vatikans als gewiß an, daß die territoriale Souveränität und die vollständige Unabhängigkeit des Papstes von jeder fremden Gewalt, wiederhergeitellt werde. Wie umfangreich diese Souveränität sei, fei eine Frage zweiter Ordnung. Christus habe die Kirche als freie, von jeder irdischen Gewalt unabhängige Organisation geschaffen. Es liege daher in ihrem Wesen, daß auch das Haupt der Kirche unabhängig und frei lei. Deshalb sei es die Sehnsucht der katholischen Welt gewesen, daß es der Weisheit des Papstes und der Einsicht der italienischen Regierung gelingen werde, einen Ausweg aus der schwierigen Lage zu finden.
Die Neue Freie Presse erklärt, Mussolini habe die letzte dem Faschismus widerstehende Festung auf friedlich em Wege eingenommen. Der Papst sei nickt mehr der das Mitleid seiner Gläubigen anrufende Gefangene, sondern werde freizügig sein. Wie in. längst vergangenen Zeiten könne er wieder in goldener Karope, begleitet von Schweizergarden, durch die Straßen der Ewigen Stadt fahren oder an hohen Feiertagen unter dem Baldachin der Prozessionen schreiten, Reisen auch in an'oere Länder unternehmen und dem Kult durch Entfaltung höchsten Prunks dienen. Die Macht der Kirche werde allerdings dadurch kaum eine Vergrößerung erfahren.
• Das Neue Wiener T a g b l a t t nennt U.n Crrfnfn hpr T'.inTnmn.ie "TOnHnlinis viel-
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Völkerbund verhalten werde. Es scheint, als ob man in englischen Regieningskrelfcn dieser Angelegenheit eine grundsa.niche Bedeutung beimesse. Denn der ^^^!taat würde aufgrund seiner geistigen Macht wahrscheinlich Forderungen tm Völkerbund stellen, die ihm aufgrund seiner geringen weltlichen Bedeutung kaum je zugebilligt werden wurden. Dieses Problem wird offenbar, schon jetzt in Völkerbundskreiien ernsthaft erörtert, und man muß sogar damit rechnen, daß die englische Regierung m dieser Frage eine gewisse Sonderstellung einnimmt.
leicht den bedeutendsten des faschistischen Regimes.
Kirchenstaat und NMerbunö
Berlin, 8. Febr. Die scheinbar endgültig vollzogene Einigung zwischen dem Vatikan und dem Quirinal über die sogenannte römische Frage hat in der ganzen Wett berechtigtes Aufsehen hervorgerufen., Mer.wur- digerweise wird von englischer Seite schon seu mehreren Tagen die Frage geprüft, wie sich nunmehr der neue Kirchenstaat zum
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König Viktor Emanuel III. - Minister- I Präsident Mussolini, der bei dem Versah- |
uunasioerk ein kluger und gemägigrer Vermittler war — Papst Pius XI.
fprüche auf zwei Ministersitze aufrecht erhalten und das Angebot nur eines Ministersitzes (des Kultusministeriums), mit dem sich heute früh auch die fozialdeuro- kratifche Landtagsfraktion einverstanden
Ergebnislose Ser ,Mwn in PMM WsrrMdkW rdkk AkStbsl an Ne dmiM BoMarfoi
Berlin. 8. Febr. Zm preußischen Landtag hat am Freitag unter der Leitung des Ministerpräsidenten Braun eine Aussprache zwischen den Vertretern der Regierungsparteien und de» Vertretern der Deutsche« Volkspartei stattgefunden. Durch die Aussprache sind die Verhandlungen um die Erweiterung der Regierung in Preußen sachlich nicht weitergekommen. Sowohl von Zentrumsseite wie auch von der Sozialdemokratie wurde mit Nachdruck erklärt, daß eine Verkoppelung der Regierungserweiterung in Preußen mit der Regierungsumbildung im Reiche unter keinen Umständen wiederholt werden dürfe. Von allen Seiten, einschließlich der Sozialdemokratie, wurde jedoch betont, daß sie nach wie vor grundsätzlich die Herstellung der Großen Koalition als erforderlich betrachten. Bon dem Sprecher des Zentrums wurde erllärt, daß die preußische Zentrumsfraktio« auf den aus- drücklicheir Wunsch des Parteivorfitzenden Kaas bereit gewesen war, auf einen Mr- nistersttz zu Gunsten der Deutschen Volkspartei zu verzichten. Durch den Mißerfolg der Verhandlungen im Reich sei aber für die Zentrumsfraktion des preußischen Landtages eine neue Lage geschaffen. Infolgedessen sei das Angebot an die Deutsche Volkspartei, einen Sitz an sie abzutreten, für das Zentrum hinfällig geworden. Die Sozialdemokraten ließen erklären, daß sie im Falle eines Freiwerdens eines der drei bisher vom Zentrum besetzten Ministerien Anspruch auf vier Ministerien erhebe» müßte«. Die Deutsche Volkspartei ließ erklären, daß jie ihre Un
erklärt hatte, ablehne» müfie.
Wie freilich weiter zum Trost mitgetellt wird, klang durch die Verhandlungen aber doch der Wunsch durch, daß man trotz der vorhandenen Gegensätze „schließlich doch noch zu einer Verständigung kommen" werde, und daß die aufgestellte« Forderungen schließlich „nicht das letzte Wort darstellten. Die Verhandlungen sollen demnächst fortgesetzt werden, der Zeitpunkt ist jedoch noch nicht festgesetzt.
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Eine Erklärung des Abg. v. Euörard.
Der Abg. v. Euä rard nimmt zu der parteiamtlichen Erklärung der Deutschen Volkspartei. worin unter anderem gesagt wird, die Ablehnung der Forderung der Deutschen Volkspartei auf gleichzeitige und gleichmäßige Regelung der Zusammensetzung der Regierungen in Preußen und im Reich durch das Zentrum berühre umso eigenartiger, als dieses Verlangen nicht nur von den übrigen beteiligten Parteien, sondern auch vom Zentrum selbst bereits vor Weihnachten und erneut in der Besprechung am Mittwoch als berechtigt anerkannt sei, Stellung. Er er- klärt, daß diese parteiamtliche Auslastung den Tatsachen nicht entspreche. Er habe in der Besprechung der Minister im Gegenteil die Forderung der Deutschen Volkspartei aus gleichzeitige und gleichmäßige Regelung der Zusammensetzung der Regierungen im Reich und in Preu- Qariiduifl liebe Sette _2j
Auf noch Paris
Das neue Jahr steht im Zeichen des ent- scheidenden Endkampfes um die sogenannte Reparationsfrage — das größte unter den aktuellen Problemen mindestens der europäischen Politik. Der „Aufmarsch" zu diesem Kampf, der sich wie üblich auf dem diplomatischen Feld abspielte, war mit dem Jahre 1928 vollzogen und nach langem Hm und Her der Auftrag an die Sachverständigen, die nun zunächst in Aktion treten sollen, formuliert und veröffentlicht worden, weien wir uns darüber klar, daß die Geschäftigkeit der Minister und Botschafter seit dem 16. September, an dem in Genf von den „sechs Mächten" der Beschluß zu einer „vollständi- gen und endgültigen Regelung des Reparationsproblems" gefaßt wurde, nur ein Vor- spiel war — veranstaltet zu dem Zweck, den Hauptkampf in möglichst günstiger taktischer Stellung zu beginnen! Seien wir uns ebenso darüber klar, daß die in der ersten Hälfte des Februar in Paris beginnenden Sachver- Itänbiaenberatungen auch nur ein Teil dieses Hauptkamp es sein werden — obwohl ihnen die Anwesenheit des Wettbankiers Morgan besonderes Gewicht verleiht.
Hinter dem gemeinsam erteilten Auftrag an die (Experten wurden jedenfalls die feindlichen Linien in der Schlacht um die Reparationen erst recht sichtbar. P o i n c a r e, der sich bei der Lösung der letzten französischen Kabinettskrise in kluger Voraussicht kommender Dinge die Führung in diesem Kampf Vorbehalten hat, war aufrichtig genug, gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Auftrages für die Sachverständigen noch einmal seinen Standpunkt mitzuteilen. In einer Havas-Meldung erinnerte er an eine Rede, die er am 28. Oktober 1928 in Caen gehalten hatte und in der er Frankreichs Forderungen zur „Endlösung" kurz folgendermaßen umriß: Wir müssen soviel von Deutschland erhalten, daß wir nicht nur alle unsere Kriegsschulden damit bezahlen können, sondern daß uns darüber hinaus auch noch eine „gerechte Entschädigung" verbleibt.
Keine üble Schanze, die der französische Oberfeldherr im Reparationskampf da aufgeworfen hat! Zunächst stellt er die Verbindung zwischen dem Reparationsproblem und der Schuldenfrage her, von der nicht nur wir, sondern vor allen Dingen die Amerikaner nichts wissen wollen. Und dann steckt er das Ziel der französischen Wünsche so weit, daß es überhaupt nicht mehr recht zu sehen ist und weit über den Versailler Vertrag hinausgeht! Denn dieser Vertrag erkennt in seinem Artikel 232 ausdrücklich an. daß „die Hilfsquellen Deutschlands nicht hinreichend sind, um die vollständiae Wiedergutmachung aller Verluste und Schäden zu gewährleisten" — nämlich jener Verluste und Schäden, die, wie der vorhergehende Artikel 231 behauptet, den Alliierten und Assoziierten „durch den Angriff Deutschlands" erwachsen sind. Selbst die berüchtigten Schuldparagraphen des Versailler Diktats ziehen also Deutschlands Leistungsfähigkeit in Betracht — Poincar« aber will als einzig maßgebendes Moment nur Frankreichs Bedürfnis gelten lassen!
Dieser Marschrichtung Poincarss gegenüber gibt es für Deutschland nur eine Position: die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, die der französische Ministerpräsident als quantitö negli» geable behandeln zu können glaubt, muß scharf in den Vordergrund gerückt werden — wie dies der Reichsaußenminister in einer Rede im Reichstag am 19. November, die kürzlich ebenfalls wieder in Erinnerung gebracht worden ist, getan hat. Wir können, so hat Dr. Stresemann damals unter Beifall von allen Bänken ausgeführt, als endgültige Regelung der Reparationsfrage nur eine Lösung anerkennen, die Deutschlands Leistungsfähigkeit nicht übersteigt — das heißt, die Zahlungen vorsieht, die auf die Dauer aus eigener Wirtschaftskraft und ohne Gefährdung der Lebenshaltung des deutschen Volkes nicht geleistet werden können.
Der Hinweis auf unsere Leistungsfähigkeit darf aber nicht die einzige Rüstung sein, mit der wir in den Kamps um die Reparationen gehen. Wie steht es denn mit der A n er» tennung unserer bisherigen Zahlungen? Soweit sie nach dem Dawes- Plan erfolgt sind, kann darüber kein Zweifel bestehen, denn diese Summen stehen auf Heller und Pfennig im großen Buch des Herrn Parker Gilbert. Aber wir haben nicht erst seit 1924, wir haben schon seit dem Waffenstillstand Tribute gezahlt, und über die Leistungen in diesen ersten fünf Jahren be-