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Donnerstag, »en 7. SebriM 1929

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Anzeiger für (das frühere knrhefsifche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen fSr Stadt und Kreis Marburg.

Die Große Koalition vefchritert

Maliter von Sutzrard erklärt seinen MMrttt - Der EtnignagwvrWag abgelebat

1t Berti«, 7. Febr. Die Koalitio«»- ,erha»dlungen find «unmehr endgültig Zescheitert. Der tintige Zentrumsminsfier ». GnLrard bat fich nach dem Scheitern der Berhandlungen rnm Reichskanzler begeben and seine« Rücktritt überreicht. Diese Entwick­ln«« trat ein, nachdem das Zentram den B e r- handlnngsvorschlag des Reichs- laazlers als ungenügend abge- 'lehnt und gleichzeitig ein befristetes Ulti- matum a« den Reichskanzler gerichtet batte, da» von der Deutschen Bolksvartei als un- «««ehmbar erklärt wurde.

Bei einer Fraktionssttzung der S. P. D. Gourde beschlossen, daß der Reichskanzler and die übrigen Mitglieder des Kabinetts auch weiter im Amte bleiben sollen.

Der Bermittlungsvorschlag, den Reichskanzler Müller

in der Besprechung am Vormittag gemacht hat, soll angeblich dahin gehen, datz grundsätzlich der Anspruch des Zentrums auf drei Ministersitze im Reichskabinett anerkannt wird, daß ferner der Anspruch der D. V. M3, auf zwei Ministerien in Preußen grundsätzlich ebenfalls anerkannt wird. Di« D. V. P. soll es begrüben, datz der Vorsitzende der Zentrumspartei, der Abgeord­nete Kaas, sich verpflichtet hat, allen seinen Einfluß aufzubieten, um eine Erweiterung der Regierung in Preußen zu erwirken. Endlich soll dem Zentrum im Reich zunächst ein wei­terer Sitz im Kabinett und zwar das Justiz­ministerium sofort zufallen, das dritte Mini­sterium aber erst, wenn die Erweiterung der Regierung in Preußen erfolgt ist.

B e r l i«, 8. Febr. Die Zentrumsfrak- tio« des Reichstages trat $u einer Sitzung zusammen. Nach eingehender Besprechung kam die Fraktion z« folgendem Ergebnis: , 1. Der Vorschlag des Reichskanzlers Müller, und der an der Besprechung mit ihm teilgenommene« Minister stellt eine Verschlechterung der früheren Vorschläge dar und ist für das Zentrum unannehm­bar.

2. Eine Gleichzeitigkeit der Umbildung der Regierungen im Reich »nd in Preußen lehnt die Zentrumsfraktion des Reichstags im Augenblick aus zwingenden sachlichen Grün­de « a b. Die drei Minister, die das Zen­trum im Reich für fich in Anspruch nimmt, find umgehend zu bestellen.

3. Unter der Voraussetzung der Er­füllung des Punttes 2 ist der Parteioor- fitzende, Abgeordneter Kaas, bereit, die Zentrumsfraktion des Preußischen Land­tages zu bitten, der D.B. P. zwei Sitze znzugestehen. Wenn diese Verhandlungen nicht noch am Mittwochabend bis zehn Uhr znm Erfolg führen, wird der Reichs- verkehrsminister von Euärard von der Zentrumsfraktion aus der Reichsregie- ruug zurückgezogen werden.

'

Die Berliner Prefie zum Rücktritt von Euörards.

(t. Berlin, 7. Febr. DieGer- Han i a" schreibt zu der Demission von Kuärard: Das Zentrum tritt nach Igjähri- ßer verantwortungsvoller Arbeit aus der Regierung aus. Es ist gewohnt, feine Schritte abzuwägen und es wird diese Gewohnheit auch in der kritischen völlig ungebundenen Stellung beibehalten, die Wit von nun an zum Kabinett Müller ein-

nehmeu. Zn der Freiheit, hie wir ge­wonnen habe«, erachten wir es als not­wendig, die Schritte dieses Kabinetts ge­nau im Auge zu behalte«.

DieDeutsche Allgemeine Zei­tung" erklärt: Die Schuld an diesem be­dauerlichen Ausgang langwieriger Be­mühungen trägt nicht die Deutsche Volks­partei, die Schuld liegt vor allem beim Zentrum, genauer gesagt bei der preußischen Zentrumsfraktion, die sich der Reorganisation der preußischen Re­gierung aus bestimmten poittschen Grün­den widersetzte.

Der Vorwärts gibt einen Kommen­tar des Sozialdemokratischen Prefie- dienstes wieder, in welchem betont wird, daß die Unsicherheit des Bestandes der Reichsregierung wenige Tage vor dem Beginn der für Deutschlands Zukunft so ungeheuer wichtigen Arbeit der Repara- ttonssachverständigen erhöht worden sei. Wir nehmen an, so fährt der Sozialdemo- krattsche Presiedienst fort, daß der Rück- ttitt Eu^rards fürs erste keine Eesamt- krifis heraufbeschwören wird.

Berlin, 6. Febr. Bei der Eröffnung der heutigen -Sitzung des Reichstags gedachte Präsident L o e b e in einer Ansprache der Tat­sache, daß heute vor 10 Jahren in Weimar die Nationalversammlung zusammengetreten ist. Von der Rechten und noch mehr von den Kom­munisten kamen Zwischenrufe, als Loebe das Werk der Nationalversammlung rühmte.

Der Reichstag nahm dann in zweiter Lesung das Gesetz zur Entlastung des Reichsgerichts nach den Beschlüssen des Ausschusses an. Der Ausschuß hat freilich die Regierungsvorlage so grundlegend geändert und beschnitten, daß der Reichsjustizminister Koch erklärte, er halte die jetzige Vorlage für unzureichend und werde nach ihrer Annahme bald eine neue Vor­lage einbringen, um den unerträglichen Zu­ständen beim Reichsgericht abzuhelfen.

Für die dann folgende

zweite Beratung des Kellogg-Paktes hatte der Auswärtige Ausschuß eine Ent­schließung vorgelegt, in der die Reichs­regierung ersucht wird, bei den Regierungen der Vertragspartner und beim Völkerbund auf allgemeine Abrüstung und auf Ausbau der Möglichkeiten zur friedlichen Beilegung der Gegensätze zwischen den Völkern und zur friedlichen Wstellung offenkundiger Ungerech­tigkeiten hinzuwirken. Die Ausführungen der Redner der Sozialdemokraten, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartei und de: Demokraten waren auf den Ton dieser Ent­schließung gestimmt. Alle begrüßten den Kel- log-Pakt als einen Fortschritt auf dem Wege zur friedlichen Verständi­gung der Völker, aber alle betonten auch, wie schlecht vereinbar mit diesem Friedens­dokument die jetzige Stellung Deutschlands gegenüber den übrigen Mächten sei.

Solange noch fremde mllitärische Besetzung in Deutschland sei, solange die Berpflichtung zur Abrüstung von den anderen Mächten nicht erfüllt werde, solange schließlich auf friedlichem Wege eine Beseitigung der offen­baren Ungerechtigkeiten des Versailler Ver­trages nicht gewährleistet sei, solange fehle dem Kellogg-Pakt der rechte Inhalt.

Die Kommunisten wollten wieder einmal ihre Rede gegen den Pakt durch eineBom-

Morgen KabtmttWum

Berlin, 6. Febr. Das Reichska­binett wird voraussichtlich morgen vor­mittag zusammentreten, um die durch den Rücktritt des Reichsverkehrsministers von Euörard geschaffene Lage zu beraten. Außerdem wird dann der Re i ch s k a n z- l e r dem Reichspräsidenten, wie üblich, Bericht erstatten. In unterrichteten politi­schen Kreisen, die den Regierungsparteien nahestehen, beurteilt man die Situation dahin, daß der Rücktritt des Ministers von Euörard keine Krise des Ee- samtkabinetts hervorruft, sondern das Kabinett weiter im Amte bleibt.

Di« Koalitionsoerhandlunge« i« Preußen gehen weiter.

fk. Berlin. 7. Febr. Wie dieBofi. Ztg." erklärt, haben die Verhandlungen über die Umbildung des Preußischen Ka­binetts durch Einbeziehung der Deutschen Volkspartei durch den Rücktritt von Guärards nichts geändert. Heute soll eine gemeinsame Besprechung des preußischen Kabinetts mit der Deutschen Volkspartei stattfinden.

ben"-Sensation verstärken. Sie schleppten eine riesige loZentimeter-Granate auf den Tisch des Hauses, die nach ihrer Behauptung illegal in Bochum hergestellt sein soll. Gegen den Pakt sprachen auch die Vertreter der Deutschnationalen, der Na­tionalsozialisten und der Christl.-nat. Bauern­partei. Nach Ablehnung eines natsoz. Aende- rungsantrages wurde in zweiter und dann auch in dritter Lesung, hier in namentlicher Slbstimmung

mit 287 gegen 127 Stimmen dar Kellogg- Pakt angenommen, ebenso die Ausschußentschließung.

Eine Entschließung der Deutschnationalen, in der die Zurückweisung der Kriegsschuldlüge verlangt wird, wurde abgelehnt. Die Ver­treter der Deutschen Volkspartei und des Zentrums begründeten die Ablehnung damit, daß im Ausschuß ausdrücklich die Verquickung der Kriegsschuldlüge mit dem Kellogg-Pakt abgelehnt worden sei.

Paris ohne tot und Strom

^tu. Paris ,6. Febr. Der größt« Teil der Stadt Paris wurde am Mittwoch vormittag um 9% llbr infolge eines Kurzschlusses des elektrischen Stromes beraubt. Der Zwischen­fall bat sich in dem Elektrizitätswerk von St. Ouen zugetragen, wo Hochsvannungskabel in einer unterirdischen Leitung in Brand ge­rieten. Dicht« Rauchwolken stiegen auf und hinderten die Feuerwehr mehrer« Stunden lang, in die Kabelgänge einzudringen, lln- glücklicherweise herrschte dichter Nebel in der Stadt, so datz sich die Störung trotz der Tages­zeit in den 14 betroffenen Stadtteilen beson­ders unangenehm bemerkbar machte. Auch in den Abendstunden waren die Leitungen noch nicht in Ordnung gebracht, so daß man sich durch Abnahme von Strom aus anderen Linien für die lebenswichtigen Betriebe be­helfen mutzte. lieber die Ursache der Störung sind die verschiedensten Gerüchte im Umlauf, von denen das folgende festgebalten zu werden verdient. Danach soll die Verdunkelung der Stadt Paris ein Werk der Kommu­nisten sein, die angesichts der am Donners­tag in der Kammer zu beratenden Dringlich- keitserklärung des Mandates ihres gefangenen Genossen Marty ein kleines Zeichen ihrer Machtprobe geben und die Kammer einjchück- tern wollten.

ilitai

Der Kslloggvakt tm Reichstag angenommen

A7 Stimm« dafür, 127 dagegen Bomben-Sensation der

Zum Tode Freiherr e. KnefeldS

Ein deutscher Ozeanflieger hat seinen letzten und größten Start vollendet. Den Start in die Unendlichkeit, der kein Zurück kennt, kein Heute, kein Morgen. Das plötzliche Ableben Günther Frhr. v. Hüne- felds hat überall in der Welt, nicht nur in Deutschland größte Trauer ausgelöst. Denn es starb ein Kommender, nicht ein Voll­endeter. HünefeldS Flug über den Ozean, seine geglückte Flugreise über die Konti­nente bis in das Innere Ostasiens waren gewiß grandiose Leistungen. Aber was hätte die Energie, die Zielstrebigkeit und Anbeirrbarkeit des kaum Sechsunddreißig­jährigen dem deutschen Volke und der Menschheit noch geben können? Die Frage kann man beantworten, wenn man diess kurze Heldenleben überblickt. Dieses Leben, das nur von einem einzigen Willen durch­pulst war, man könnte sagen von der felsenfesten Aeberzeugung zur Tat. Eine Aeberzeugung mag schon manches in sich schließen. Wer die Tat erst ist die Krö­nung. Dieser Wille, diese Aeberzeugung zur Tat war das Grundmotiv des Lebens HünefeldS. Eine glühende Vaterlandsliebe drängt einen schwächlichen, kranken Körper zur Pflichterfüllung :r+ Kr'""

alle eilen zu den Waffen. Hunejelo wno aber vom Heeresdienst zurückgewiesen, weil seine schwächliche Körperanlage den Stra­pazen des Feldzuges nicht gewachsen er­scheint. Hünefeld zwingt es. Er meldet sich als freiwilliger Motorradfahrer und eilt an die Flandernfront, an die vorderste Linie. Er wird schwer verwundet. Aber er hat es gezwungen. Der Zusammen­bruch Deutschlands weckt in dem Wieder­genesenen die Idee des Wiederaufstieges» eine Idee, die im Herzen eines Hünefeld sofort zur Tat werden muß. Er sieht die schreckliche Verlustliste im Wettbewerb der Mächte um den Ostwestflug, sieht das Grandiose dieser Idee, die für ihn zur deutschen Idee wird und schließlich zur deutschen Tat. Ein Hermann Köhl lenkte wohl das Flugzeug über die Wellen des Ozeans, aber der Geist, der es werden ließ, der die Motore anpeitschte, der das Ziel schafft, heißt Hünefeld. Damals nur Passagier" wird er trotz Kranöheit und Operation zum wirklichen Flieger. Er sitzt schließlich am Steuer des Flugzeugs, das Ostasien erreicht, eine Tat vollendet, die nur erscheint, weitere Taten folgen zu las­sen. Äeue Taten, neue Plane, Ziele, um neue Ziele erstehen zu lassen, etwas an­deres kannte das Sehnen eines Hünefeld nicht. Etwas anderes fühlte es auch nicht, als der kranke Körper des Sechsunddreißig- jährigen sich vor einigen Tagen den Mes­sern der Chirurgen überantworten muhte. Einem Größeren hat der Anbezwingliche sich jetzt gebeugt: dem Tode.

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Beileid Hindenburgs und der Reichsregierung

Berlin, 6. Febr. Der Reichspräsi- iLejit bat an die Mutter des verstorbenen