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Mntoa, «n 4. Mnmr 1929

Die ^Vberhessische Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be- ^«gSpreiS monatlich 2 GM. an«, schließl. Zustellungsgebühr, durch di«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte oder elementarer Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Ersatz ge- leistet. Verlag t>. Dr. §. Hitzeroth. Druck der Unib.-Buchdruckere, d. tzoh. Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. «. Rr. 56. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 W* »fei1 Uhr.

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Nr. 29 54. Mrg. Marburg o. ton

Der Anzeigenpret« deträgi ftt de» 10 gespult. Zeilenmillimetee 0.08 GM., kleine Daran,eigen 0.06 GM amtlich, und aus­wärtige Anzeige» 0.10 SM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz- Vorschrift 50"!. Aufschlag. kamrnelanzeigen 100 *1» Auf­schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg» Verde» berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebot». Er­füllungsort Marburg.

t Goldmark = '/«»Dollar.

Anzeiger für ldas frühere knrheffifche) Oberhesse«

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

M MMden der Ncvarnliensöachverslüiiblgtn

Wie bei einem Mrdednndel: Die Alltterlen fordern, DeutsKlnnd tolfigt rot, Amerika entscheidei

Gut unterrichtete Kreise i« Paris fiud. wie derNewqorker Herald" zu berichte« weis;, der Ansicht, datz der Eachverständigen-Ausschntz die Höhe der deutschen Zahreszahlunge« voraussichtlich auf etwa 2 Milliarde« Sold, mark herabsetzen werde. Der Betrag werde «icht die runde Summe von 2 Milliarde« betragen, sondern möglicher­weise 1,8 oder 2,2 Milliarden Mark. Die Sachverständigen würden bei der Bestim- m»«g mehrere Methoden anwenden, die dene« eines Ps-rdekaufs sehr ähnlich

ICICTU

Die Alliierten unter Führung der Franzose« würden die Aus­rechterhaltung der gegenwärtigen Leistung vorschlagen, während die Deutschen vielleicht einen Betrag oo« 1 bis 1% Milliarden Mark als tragbar bezeichnen würden.

So werde man z« handeln anfangen, was bis zur Erschöpfung andauern könne. Das Matt meint, die europäischen Sach­verständige« würden angesichts der hoch gespannten Erwartungen ihrer Länder nur sehr widerstrebend Zugeständnisse machen. Sollten die Verhandlungen auf einen toten Pantt gelangen, dann wür­den wohl die europäischen Sachverständi­gen die amerikanischen Vertreter Y o « n g «nd Morgan bitten, durch ein K o m - promitz eine Entscheidung zu treffen. Darauf sei auch der Wunsch zurückzu- führe«, Young den Vorsitz der Verhand­lungen zu übertragen. In der Frage der Dauer der Zahlung könnten schlieh- lich Voraussagen nicht gemacht werden.

Man rechne damit, datz die Deutschen einer höheren Jahresleistung zustim­men würden, wenn die alliierten Re­gierungen Zugeständnisse in der An­zahl der Jahresraten nachte«.

Allgemein werde angenom/ne«, dah der Wohlstands-Index von den Sach­verständige« aus dem Reparationspro- blem ausgeschaltet werde, desglei­chen sei damit za rechnen, dah die Transferklausel verschwiude. Da es sich um eine endgültige Entschei­dung handeln soll, werde es sehr schwierig sein, eine« Bericht fettig z« stellen, der das ganze Problem auch für die ^»nbe- guernen« Regierungen annehmbar mache.

Sollten die deutschen Delegierten die Rheinlandfrage anschneide«, so würde« die Franzosen antworten, dah die Tages­ordnung diesen Punkt nicht vorsehe und dah sich der Ausschuh in Paris mit ge­nügend anderen schwierigen Fragen zu befasse« habe.

Dagegen sei es wahrscheinlich, dah die Vertreter der Deutschen und der alli­ierten Länder die Frage der Räu­mung gleichzeitig, aber auherhalb der Ausschuhberatung, behandel« würde«.

Allgemein sei man der Anschauung, datz der Abschlutz eines Räumungsplanes von groher Tragweite sür die Zugeständnisie der Alliierten den Deutschen gegenüber i» der -Smttzationsf tage Jein würde.

Swen Anng unktmtgS

Vor der Einschiffung der amerikani­schen Sachverständigen aus derAqui- tania" überreichte Owen Young den Presievertretern eine mit der Schreib­maschine geschriebene Erklärung, die aus­führt:

Vor fünf Jahren habe ich folgende Er­klärung abgegeben, und ich bitte sie jetzt wiederholen zu dürfen:

Ich betrachte die Fragen, die durch un­ser Komitee geregelt werden sollen, ledig­lich als kaufmännische Fragen, und ich hoffe, dah sie in diesem Geiste und mit dem festen Entschluß in Angriff ge­nommen werden, rasch zu einer förder­lichen Antwort zu gelangen".

In Antwort auf eine Frage wieder­holte Owen d'Young, schätzungsweise

dürsten die Arbeiten der Reparations- konferenz nicht weniger als zwei auch «icht mehr als drei Monate in An­spruch nehmen.

Auf alle anderen Fragen über die Arbei­ten der Konferenz verweigerte Young die Antwort, lehnte es auch ab, über dre letz­ten Zeitungsmeldungen zu diesem Thema zu sprechen. Owen Young wird von Stuart Crocker als Berater begleitet Stuart Crocker hat in dieser Eigenschaft Owen d'Young auch bei der ersten Re­parationskonferenz begleitet. Außerdem befindet sich in Youngs Begleitung der frühere Teilnehmer von Dillon Read u. Co., Ferdinand Everstadt. Owen Young erklärte, er sei besonders erfreut darüber, daß Everstadt ihn begleite, da dieser der deutschen Sprache mächtig sei.

BSBä

Der Stand der Keallttonsderhandlunsen es geht schon Witte lm*mtr

Die Besprechung des preußischen Wr- nisterpräsioenten Braun mit dem Führer der Landtagsfraktion der Deutschen Volks­partei, 216 g. Stendel, fand am Sams­tag nachmittag im Gebäude des Staats­ministeriums statt und war nur von kurzer Dauer. Ministerpräsident Braun unter­breitete dem Abgeordneten Stendel das Ergebnis seiner Verhandlungen mit den Verttelern der preußischn Regierungspar­teien, die am Freitag stattgefunden hatten. 2lbg. Stendel erklärte, er werde seiner Fraktion berichten und am Montag dem Ministerpräsidenten eine Antwort zukom- men lassen. Vor allem ist, wie das VDZ.- Düro hott, die Frage der Ressort- Verteilung zu lösen. Ob und wann weitere Verhandlungen der Regierungs­parteien unter Hinzuziehungen der Deut­schen Volkspartei zu Beginn der kommen­den Woche stattfinden werden, dürfte sich erst am Montag entscheiden.

Rach Beendigung der Reichstagssitzung erschien Sonnabend der preußische Mi­nisterpräsident 23 r a u n im Reichstage. Er hatte sofort eine längere Besprechung mit dem Reichskanzler Müller über die

Frage einer gleichzeitigen Bildung der Großen Koalition im Reiche und in Preu­ßen. An der Besprechung nahmen später -auch der Reichsfinanzminister Dr. Hil- ferding und der preußische Finanzmi­nister Dr. Höpker-Aschoff teil.

Noch keine Entschließung des Zentrums.

Die Reichstagsfrattion des Zentrums hielt Sonnabend eine kurze Sitzung ab, in der aber nur die Parteiführer über den Stand der Koalitionsverhandlungen be­richteten. Irgendwelche Beschlüsse wurden nicht gefaßt, namentlich auch nicht über Die etwaige Zurückziehung des Dettrauens- mannes des Zenttums, v. Guerard, aus der Reichsregierung. Aus Zentrumskreisen verlautet jedoch, man erwarte eine Ent­scheidung der Fraktion für Montag abend, spätestens aber für Dienstag.

Rach dieser Fraktton^itzung hatte Reichskanzler Müller eine kurze Unter­redung mit den Zentrumsführern Dr. Stegerwald und Esser, die aber lediglich informatottschen Charatter hatte. Der Reichskanzler verlieh dann bald nach 3 Ahr den Reichstag.

Ein neuer Ausstand in Nalentia

Paris, 3 .Febr. Haoas meldet aus Ceret: Reisende, die von der spanischen Grenze kom­men, berichten, daß ein Teil der Garnison von Valencia sich erhoben habe und die Lage im allgemeinen als ernst angesehen werde.

DasJournal" meldet aus Henüaye, nach Bettchten aus zuverläsiiger Quelle hät­ten die nach der Meuterei in Cindad Real zum Tode verurteilten drei höheren Offiziere Selbstmord begangen. $on den übrigen ver­hafteten Offizieren sind sechs ffeigelassen wor­den, die anderen werden als politische Gefan­gene behandelt. Das Militärgericht bemüht sich, die Untersuchung möglichst zu beschleuni­gen und hat bereits zahlreiche Persönlichkei­ten, darunter den Präsidenten der Provinz, einen Delegierten des Finanzministers und den Postdirektor vernommen. Die Zivilbe­hörden von Cindad Real sind vom Innen­minister zur BerichterstattLmg. nach Madrid berufen worden.

Der fünfte Wg von Afghanistan

Mi Achmed Khan erklärt Aman Mlah den Krieg.

K a i r o, 2. Febr. Wie aus Bombay berich­tet wird, hat Ali Achmed Khan Flugblätter an die Vertreter der Stämme verteilen lasten, in denen er erklätt, daß er sich »um K ö n i g v o n Afghanistan ausrufe. Er werde fofott den König Aman Ullah und den Prinzen Omar Khan benachrichtigen, daß sie den Kampf um den afghanischen Thron einstellen und sich vom politischen Leben rurückziehen sollten. Ali Ach­med Khan setzt di« Verfolgung der Sffeitkiäste Sabib Allahs fort. Einige Anhänger tzabib Ullahs wurden gefangengenommen und er­schoßen. Nach bisher unbestätigten Bettchten aus Kabul soll Sabib Ullah bereits m die Berg« geflüchtet sein.

Abtranspott von Ausländern aus Kabul.

fir. London, 4. Febr.Daily Mail" bettchtet aus Lahore: Britische Flugzeuge be­förderten 23 Personen, darunter eine deutsche I Frau, aus Kabul nach Peschawar.

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Ein Schreiben Dr. Stresemanns.

Genf, 2. Febr. Zur Minderheitenfrage veröffentlicht das Generalsekretariat des Völ­kerbundes soeben folgende Mitteilung:

Der Generalsekretär des Völkerbundes hat einen Bttef des deuffchen Ratsmitgliedes Dr. Stresemann erhalten, in dem in Ueber- einstimmung mit der von Herrn Dr. Sttese- mann in der Ratssitzung vom 15. Dezember in Lugano abgegebenen Erklärung darum er­sucht wird, folgende Frage auf die Tagesord- nung des Rats zu setzen:

Die Garantie des Bölkebundes für die Be- stimmungen zmn Schutze der Minderheiten.

Infolgedessen hat der Generalsekretär diese Frage auf die vorläufige Tagesordnung der nächsten Ratssitzung, die am 4. März in Gens beginnt, gesetzt.

Wie man weiß, ist anderersetts auf Antrag des kanadischen Ratsmitgliedes Dandurand die Frage des bei Minderheitenpetttionen an- zugebenden Verfahrens" auf die Tagesordnung der 54. Ratstagung gesetzt worden.

Mußen und Bayern

sei

In einer Pressekonferenz gab der preußische Ministerpräsident Dr. Braun eme Grila« rung ab, in der er auf dm Äußerungen ant- wartete, die nach ernein Bericht derMun- diener Telegrammzeitung der bayerische Mi­nisterpräsident Held und dre bayerischen Minister Dr. Schmelzte und Gurtner vor Pressevertretern gemacht haben.

Ministerpräsident Braun betonte einlet* tend, daß er die Vertraulichkeit der Ver- Handlungen aufgeben müsse, nachdem die bayerischen Minister sie nicht gewahrt hatten. Er gab dann einen Ueberblrck über dre Konferenz, in der unter dem Vorsitz des Reichskanzlers im Januar dre zwischen dem Reich und den Ländern schwebenden.Finanz- fragen behandelt worden sind. Mimsterpra- sident Braun gab emen Ueberblick über dre Forderungen, die die Ländervertreter gegen das Reich geltend gemacht haben. Dre Ver­treter Bayerns hätten dabei durchzusetzen versucht, daß ihre Ansprüche vor allen an- deren rangierten und demgemäß unter Aus­schaltung der Vertreter der Länder, me an bcr Postabfindung und der BiersteuerabfiN- düng nicht interessiett seien, erledigt werde« müßten. Dagegen wandten sich dre Ver­treter anderer Länder, auch .Preußen, Um

müßten. Dagegen wandten sich dre Ver­treter anderer Länder, auch Preußen. Um zu einem praktischen Ergebnis zu kommen, schlug der preußische Ministerpräsident vor, die Regelung der Rechtsentschadrgungen für den Uebergana der Eisenbahn auf das Reich bis zu dem Zeitpunkt hinauszuschreben, wo die Reichsbahn wieder unter die freie Ver- waltungsgewalt der Reichsregierung kommt.

Da schon diesem ersten Vorschlag, bei dem Preußen, das ja einen Anspruch von fast fünf Milliarden Restentschädigung hat, am meisten aufgab, Widerspruch von den Ländern entgegengesetzt wurde, hat Preußen den Vorschlag nicht weiter verfolgt, sondern vorgeschlagen, die Reichsregierung möge nach der Aussprache auf der Konferenz einen Vor­schlag ausarbeiten, der ihr im Hinblick auf die Reichsfinanzen tragbar erscheine. Ueber Liesen Vorschlag sollte dann in einer dem­nächst einzuberusenden Konferenz der Lander erneut beraten werden. Ministerpräsident Braun erklätte weiter, es sei unrichtig, daß Preußen auf der Konferenz die allergrößten Schwierigkeiten gemacht habe, indem es neue Forderungen in die Debatte warf. So habe es einen neuen Anspruch für verlorengegange- ' nes Staatsvermögen in Höhe von 3 Vs Mil­liarden erhoben. Diese Forderung ist aber bereits im Jahre 1919 geltend gemacht und vom Reichskabinett anerkannt worden. Auch ist bereits eine Abzahlung hierauf geleistet worden. Bayern habe zwar die Post abge­treten. die Preußen bereits 1867 ohne Ent­schädigung hingegeben t)abe,_ dagegen habe Preußen jetzt wertvolle Vermögensobsekte wie Forsten, Domänen und Bergwerke, die ihm jährlich erhebliche Erträge abwarfen, zu­gunsten des Reiches verloren, dem sie au Reparationskonto gutgebracht sind.

Auch die Behauptung des bayerischen Mi- * nisterpräjidenten, Bayerns Gegner sei