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Äbechessische
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Anzeiger für (das frühere knrhesfifche) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.
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Nach den Verhandlungen während des ganzen Freitags wird in parlamentarischen Kreisen die Situation für das Zustandekommen der Erohen Koalition in den Wandelgängen günstig beurteilt. Darüber, dah das Zentrum im Reiche drei Ministerposten erhält, das Berkehrs- ministerium, das Justizministerium und das Ministerium für die besetzten Gebiete, scheint bei allen Beteiligten Einstimmigkeit vorznliegen. Die Deutsche Bolkspar- tei wird ihre beiden Ministerien gleichfalls behalten und es wird in parlamentarischen Kreisen angenommen, dah dir Demokraten ans den Zustizminist<;r verzichte«.
Da auch in Preutzen die Parteien über- eingekommen find, wird mit einer schnellen Lösung der Frage der Erohen Koalition gerechnet. Auch die Tatsache, dah Reichskanzler Müller beabsichtigt, eine Besprechung mit den Führern aller in Frage louimenden Regierungsparteien abzuhalten, wird dahin gedeutet, dah einer baldigen Erohen Koalition keine ernsthaften Schwierigkeiten mehr gegenüberstehe«.
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Gestern nachmittag nahm, wie das Nachrichtenbüro des Bdz. hört, der Zentrumsvorstand einen Bericht seiner Unterhändler über die augenblickliche Lage entgegen. Der Standpunkt des Zentrums ist unverändert, dah die Lösung der Krise schnell erfolgen muh und zwar mit Rücksicht auf die bevorstehenden Reparationsverhandlungen in Paris in den allernächsten Tagen. Deshalb kann nach Auffassung des Zentrums auch
nicht auf die Umbildung der preuhifche« Negierung gewartet werden, die wegen der Konkordatsfrage und anderer strittiger Fragen noch Wochen in Anspruch nehmen könnte. Auch im Reiche verlangt das Zentrum eine genaue Formulierung gewisser Fragen in Erinnerung daran, dah früher manchs Pauschalabmachungen nachher verschieden ausgelegt worden sind. Es hat aber dem Reichskanzler erklärt, dah es zur Bildung der Erohen Koalition bereit sei, wozu allerdings auch noch die Vereinigung der Personalfragen gehört. Wenn im Reiche die Lösung erreicht ist, so erwartet das Zentrum von den anderen Parteien,
in Loyalität darauf zu vertraue«, dah es auch für Preuhcn die gegebenen Konsequenzen darausziehen wird.
Sollte die-Lösung der Koalitionsfrage im Reiche scheitern, so ist bestimmt damit zu rechnen, dah das Zentrum seinen Minister von Euärard aus dem Reichskabinett zurückzieht.
Gesamtdemisfion der Reichsregierung nur nach einem Mihtrauensvotum.
Der Sozialdemokratische Parlaments- ßienst, der sich heute ausführlich mit den Verhandlungen über die Bildung der Großen Koalition beschäftigt, kommt auch auf die Taktik des Zentrums zu sprechen und sagt: Die Drohung, den Verkehrsminister v. Guerard' aus dem Kabinett zurückzuberufen, wenn nicht sehr bald eine Klärung erfolge, wird fetzt Immer deutlicher und nachdrücklicher ausgesprochen. Wenn diese Drohung wahr gemacht würde, so wäre das für die Gestaltung der politischen Verhältnisse im Reich sicherlich nicht angenehm Aber eine Gesamtdemission der Regierung Müller .
würde es nicht zur Folge haben. Die Negierung würde zunächst Weiterarbeiten und es darauf ankommen lassen, ob das Zentrum sich entschließen könnte, sie im Reichstag kurz vor Beginn der Reparationsverhandlungen durch einen Mi h - trauensvotum zu stürzen.
Die Verhandlungen in Preuhen.
Die Besprechung des preuhischen Ministerpräsidenten Braun mit den Vertretern der Regierungsparteien im Landtag dauerte etwa eine Stunde. Das Zentrum erklärte, es halte an seiner Forderung dreier Ministersitze, die es bisher im Kabinett hat, fest. Von sozialdemokratischer Seite wurde betont, dah man eine Beteiligung an der Regierung
verlange, die der Gröhe der Fraktion entspreche. Das würde bedeuten, dah die Sozialdemokraten, wenn auch in vorsichtiger Form, ihrerseits ein w e i - ter es zu ihren bisherigen zwei Portefeuilles anfordern. Die Demokraten erklärten sich bereit, Opfer zu bringen, wiesen aber darauf hin, dah sie nicht die einzigen sein wollten, die in der neuen Koalition verlieren. Ministerpräsident Braun wird heute dem neuen Vorsitzenden der Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei, Stendel, von dem Ergebnis der Besprechungen Mitteilungen machen. Auher- dsm wird heute eine gemeinsame Besprechung der Vertreter der Zentrumsfraktion des Preuhischen Landtages mit den Führern der Zentrumsfraktion des Reichstages stattfinden.
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Newyork, 1. Febr. Der Kampf um die Flottenvorlage geht im amerikanischen Senat mit aller Schärfe weiter. Die Erklärung des Präsidenten, den Kreuzer- Neubau auch ohne Befristungsklausel sofort nach Annahme des Gesetzes zu veranlassen, hat nicht beruhigend gewirkt. Von den Anhängern der Vorlage wird geltend gemacht, dah sie über eine Mehrheit für'die Zeitklausel verfügen, die bekanntlich verlangt, die Schiffe innerhalb dreier Jahre auf Kiel zu legen Die Abstimmung über das Flottengesetz ist voraussichtlich Montag nachmittag zu erwarten.
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Beträchtliches Aussehen hat in politischen Kreisen die Rede des Senators James A. Reed hervorgerufen, in der er den Ausbau der Flotte verteidigte.
Er wandte sich darin gegen den „Internationalismus", den er als
Verrat bezeichnete.
In dem heutigen mechanisierten Zeitalter würde fedes Volk, das sich nicht auf einen Krieg vorbereite, früher oder später trotz aller Friedensverträge sich ernsten Verwicklungen gegenübergestellt sehen. Er wies auf die Kriegsvorbereitungen, die überall zu beobachten seien.
„Hört das Sausen der Oefen", bemerkte er, „in denen die Panzerplatten der aro- hen Kriegsschiffe geschmiedet werden, hört den Chor der gewaltigen Hämmer, die die Kiele der Dreadnoughts strecken.
Denkt a« die Flotten Englands, Frankreichs «nd Japans, denkt an die Heere Rnhlands, Italiens «nd Polens.
Sind das Vorbereitungen für eine Friedenszeit? Wir brauchen eine ebenbürtige Flotte nicht nur zum Schutze unseres Ilebersee-Handels, sondern zur Sicherheit unseres Landes. Wir leben in einem Zeitalter des Wettstreits. Die
Selbstverteidigung ist die beste Sicherheit
auf Erden. Wer wehrlos ist, wird das Opfer sein. Die erste Pflicht der Flotte ist es, Amerika zu schützen. Wir wollen unsere Sicherheit zu einer Gewißheit gestalten. Wir wollen unsere Ohren den Reden der Internationalisten verschließen, die uns allzuoft zu Fehlern verführt haben.
Die niedrigste Form eines Lebewesens ist derjenige Börger eines Landes, der mehr an den Internationalismus als den Nationalismus denkt.-
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Berlin, 1. Febr. Die 3. Beratung des Warte st andsbeamtengesetzes in der heutigen Reichstagssitzung bat mit der Ablehnung der Vorlage geendet. Bei der namentlichen Schlutzabstimmung wurde die für das verfassungsändernde Gesetz notwendige Zwei- drittel-Mehrheit der Abstimmung nicht erreicht. Für das Gesetz wurden 250 Stimmen, dagegen 122 abgegeben und 40 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung, meist Abgeordnete der zur Regierungskoalition gehörigen Bayerischen Volksoarter und des Zentrums (der frühere Reichsiinanzministcr Dr. Köhler stimmte, für die Vorlage). Geschloffen haben gegen das Gesetz gestimmt die Deutschuatio- nalcn. deren Abänderungsan iräre auf volle Anrechnung der Wartezeit und gegen die ZWangspcnsionierung der Sechzigjährigen ab- gelehnr woroen waren, die Nationalsozialisten und die Kommunisten. Durch die Stim- enthaliung der B. V. P. und des einen Teals des Zentrums ist also die Regierung von den eigenen Parteien im Stich gelassen worden.
Die dann folgende zweite Beratung der .Handwerksnovelle konnte noch nicht zu
Ende geführt werden und wird erst ht der nächsten Woche ihre Fonsetzung finden. Die bisherigen Redner, auch der Vertreter der Deutschnationalen, haben sich zustimmend ge- äutzert.
Die Sonnabendsitzung des Reichstags, die schon um 11 Uhr beginnt, ist der Außen- Politik gewidmet. Auf der Tagesordnung stehen der deutsch-litauische Handelsvertrag, das Finanzabkommen mit Rumänien und der Kellogg-Pakt. Wie aus Berlin gemeldet wird, wird die Sitzung durch eine längere
Rede Dr. Stresemanns zum Kellogg-Pakt eröffnet werden. Außerdem werden die Außenpolitiker der großen Parteien dazu das Wort nehmen.
Stendel Vorsitzender der Deutschen Volkspartei-Fraktion im Landtag.
Tie Fraktion der Deutschen Volkspartei im Preußischen Landtag erledigte die seit Ende des vorigen Jahres schwebende Frage der Neuwahl ihres Fraktionsvorstandes. Ter bisherige Fraktionssührer, Abg. Dr. v. Campe, wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Erster Fraktionsvorsitzender wurde Wg. Stendel, Stellvertreter der Abg. SLwarzHaupt.
Kamps gegen dir Lüge
Arn 2. und 3. Februar werden die 30000 Kriegervereine im Deutschen Reiche Kundgebungen gegen Die Kriegsschuldlüge veranstalten. Diese Kundgebung, die nicht ausgeht von politischen Parteien oder Gruppen, sondern von einer Organisation, die für die großen vaterländischen Rotwendigkeiten des deutschen Volkes in allen seinen Schichten kämpft, soll zeigen, daß Deutschland, vertreten durch drei Millionen seiner Verteidiger im Weltkriege, niemals die Schmach und Schande des aufgezwungenen Versailler Schulddiktates vergessen wird, und niemals bereit ist, die Auffassung über die unerhörte Angerechtigkeit der Friedensbedingungen aufzugeben.
Die Kriegsschuldlüge ist zweimal im Versailler Vertrage festgelegt. In seiner Einleitung erhält sich die unwahre Behauptung, daß der Weltkrieg seinen Arsprung in der Kriegserklärung Oesterreich-LlngarnS an Serbien vom 28. Juli 1914, in der Kriegserklärung Deutschlands an Rußland vom 1. August 1914 und an Frankreich am 3. August 1914, sowie in dem Einmarsch in Belgien habe.
Im 231. ArtikeldesVertrages wird dann weiter erklärt, dah Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Schäden und Verluste verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.
Die Wiedergutmachungsverpflichtung Deutschlands wird also abgeleitet von seiner alleinigen Kriegsschuld.
Der Vorwurf dieser Kriegsschuld des deutschen Volkes wird noch erhärtet durch den der Vertragsunterzeichnung vorangegangenen Bericht der „Kommission der alliierten und assoziierten Regierungen z,r Feststellung der Verantwortlichkeit der Ar- Heber des Krieges und die aufzulegenden ©trafen“ vom 29. März 1919, in dem ausgeführt wird, dah der Krieg von den Zen- tralmächten, der Türkei und Bulgarien mit Vorbehalt geplant worden ist, und dah er das Ergebnis von Handlungen sei, die von diesen Mächten in der Absicht begangen wurden, ihn unabwendbar za machen.
Die schon im November 1918 aufgestellte und seitdem durch unsere Staatsmänner immer wiederholte Forderung, die Kriegsschuldfrage durch eine internationale Kommission prüfen zu lassen, ist von der Entente immer wieder abgelehnt worden, um nicht den eigenen Völkern und der Welt die Tln- zulänglichkeit des gesamten auf die Voraussetzung der deutschen Kriegsschuld auf- gebauten Vortrags vor Augen zu führen und um- nicht Deutschland, das moralisch durch diese Schuld auf das schwerste belastet bleiben soll, in das befreiende Licht der Wahrheit zu rücken. Darum muh von Deutschland aus dorthin Aufklärung werden, wo man den Völkern die Wahrheit vorenthält.
Bei der heutigen politischen Konstella- tton, bei der tiefen Verwurzelung des Versailler Derttages in der gesamten Weltwirtschaft können wir damit nicht rechnen, daß der Aufhebung des Schuldparagraphen die Aufhebung der uns damit auf» erlegten Lasten auf dem Fuße folgen wird. Die Befreiung auch von den unerttäglichen materiellen Verpflichtungen des Vertrages aber wird um so eher kommen, je schneller Deutschland von dem moralischen Druck der Kriegsschuld befreit ist.
Die Attenpublikationen beweisen Deutschlands völlige Anschuld. Sie sind aber totes Wort, wenn wir lebendigen Zeugen der Zeit sie nicht beleben.
Denn die Beschuldigung, den Krieg verursacht zu haben, ist nicht allein das, was man uns vorwirft. Der Kriegsschuld- Paragraph ist durch die Willkür der Entente noch auf em Gebiet ausgedehnt worden.