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Der bekannte Historiker Hans Delbrück wendet sich in einem offenen Brief in der „®. 2l. Z." gegen die Ausführungen, die Minister Severing am Sonntag in Hamburg vor dem Reichsbanner über Wilhelm II. gemacht hat. Die Verteidigung Wilhelms II. fei Pflicht nicht nu r der historischen Wissenschaft, sondern auchder deutschen Politik, denn die ungerechten Anklagen gegen den Kaiser seien letzten Endes auch Anklagen gegen das deutsche Volk. Delbrück schreibt abschließend: „Kaiser Wilhelm hat kriegerische Worte gebraucht. Das war bedauerlich. Poin- care und Genossen aber haben Taten getan, die denKrieg nicht nur herbeiführen muhten, sou- dernauch sollten. Für die moralische Stellung des deutschen Volkes in der Well ist .es von der größten Bedeutung, daß dieser Anterschied allen Völkern der Erde zum Bewußtsein gebracht werde. Ich leugne nicht, daß die Sozialdemokratisch« Partei ein gewisses Parteiinteresfe hat, die alte kaiserliche Regierung zu tadeln, aber dieses Parteiinteresse solltehin- ter dem nationalen Interesse Deutschlands, die volle Wahrheit über den Kriegsursprung zu ergründen und zu verbreiten, zurücktreten. Parteikampf muß sein, aber an dieser Stelle müßte das deutsche Volk eine Einheitsfront bilden. Ich denke, Herr Minister, in diesem Wunsch müßten Sie mir beistehen."
Stahlhelmführer Major a. D. Wäninger f
München, 30. Jan. Der bayerische Landesführer des Stahlhelm, Maior a. D. Wäninger, ist Dienstag an einer schweren Lungen- und Rippenfellentzündung gestorben. Wäninger hat die Stahlhelmbewegung in Bayern von Anfang an geführt.
Neuer Fraktionsvorsitzendcr der Demokraten.
Berlin, 30. Ian. Die demokratische Reichstagsfraktion hat in der Sitzung vom 29. Januar Dr. Haas zum Borsitzenden der demokratischen Fraktion und die Mitglieder des Vorstandes Frau Dr. Bäumer, Dr. Fischer, Dr. Meyer und Schneider gewählt.
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Anzeiger der amtlichen Vekanntwachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Am Verlauf der KoalitionSverhand- htngen hatte der Reichsverkehrsminister von Guörard am Millwoch nachinittag eine Unterredung mit dem Reichskanzler Müller. Minister von Guerard hat in dieser Unterredung nochmals mit Nachdruck die Forderungen des Zentrums vertreten, die auf eine sofortige Arnbil düng der Reichsregierung bei entsprechender Berücksichtigung des Zentrums hinauSlaufen. Reichskanzler Müller hat diese Forderung grundsätzlich als berechtigt anerkannt, aber gebeten, vorerst die Erfüllung dieser Forderungen zurückzustellen, bis er den Versuch gemacht habe, entsprechend den Wünschen der Deutschen Volkspartei ein« gleichzeitige Ambildung der Regierung in Preußen zu erreichen. Wie aus Zentrums- ? kreisen verlautet, herrscht beim Zentrum nach wie vor die Auffassung, daß eine sofortige Ambildung der Reichsregierung erforderlich sei, auch dann, wenn eine gleichzeitige Erweiterung der Regierung in Preußen im Augenblick nicht zu ermöglichen wäre.
Im Reichstag hielt sich am Mittwoch übrigens hartnäckig das Gerücht, daß i Reichskanzler Müller 6 e r e its eine Anterredung mit dem preußischen Ministerpräsidenten Braun gehabt und die Erweiterung der preußischen Regierungskoalition durch die DVP. gefordert habe. Ein Erfolg war aber nach Oer Aeberzeugung maßgebender preußischer Parlamentarier von einer solchen Besprechung von vornherein nicht zu erwarten, da Ministerpräsident Braun kaum von seinem schon öfter präzisierten Standpunll abgehen dürste. Braun ist nämlich der Meinung, daß die Initiative zur BildungderGro- hen Koalition vom Reiche ausgeh e n müsse, und daß Verhandlungen über die Große Koalition in Preußen erst dann möglich seien, wenn diese Partei- konstellatton im Reiche zum mindesten sich gefestigt hätte, sodaß man ein weiteres „gedeihliches Zusammenarbeiten zwischen Sozialdemokratie und Deutscher DolkSpar- tei“ in beiden Parlamenten erwarten könnte. Braun hat in diesem Zusammenhang auch mehrfach erllärt, daß er nicht zur Einleitung von Verhandlungen mit der Volkspartei berechtigt sei, sondern, daß dies Sache der Regierungsparteien sein müsse, die ja mit der Deutschen Volkspartei zusammenarbellen sollten. Man kann also feststellen, daß die Besprechungen zur Ambildung der Reichsregierung auch heute keinenSchritt vorwärts gekommen sind.
Bursstteden in Frankreich
Paris, 30 Jan. „Matin" stellt fest, daß gewisse Verhandlungen in den Wandelgängen der Kammer eine Bestätigung seiner vor einigen Tagen gebrachten Jn- ; formation darstellen, wonach hinter den Kulissen Besprechungen im Gange seien, ;Mm für die Zeit der Reparationsverhandlungen einen Burgfrieden zwischen den Karteien zustande zu bringen. Diese Nachricht sei auch niemals dementiert worden. Sicher, so schreibt das Blatt weiter, würde es allgemeine Freude auslösen, wenn in der politischen Atmosphäre eine Entspannung gerade in der Stunde eintreten würde, in der ganz Frankreich M hinter seine Regierung scharen sollte, nm den Agitatoren im Elsaß zu beweisen, wie falsch ihre Behauptungen sind und um die Aufgabe der Liquidierung des Krieges einem autea Ende zuzuführen.
Staatssekretär z. D. von Rheinbaben über die Reparationsverhandlungen.
ff. Halle, 31. Jan. Auf Einladung des Wirtschaftsausschusses der Deutschen Volkspartei sprach Mittwoch abend Staatssekretär z. D. Freiherr von R h e i n b a b e n, M. d. R., über „die bevorstehenden Reparationsverhandlungen". Er führte u. a. aus: Die Vorbereitungen der deutschen Politik seien gut, sowohl in den Ressorts wie in der Auswahl der wirtschaftlichen Persönlichkeiten. Sie würden wohlgerüstet in die Verhandlungen hineingehen, bei denen wir schließlich allein der Eläubig.erfront gegenüberstehen dürften. Die deutsche These sei ganz klar.
Ganz selbstverständlich mühten die Annuitäten herabgesetzt werden und der ganz unbillige Wohl- fahrts-Zndex fallen.
Bei der Frage der Korn ine rziali- s i e r u n g wegen der Ueberführung der politischen in eine private Schuld müsse sehr vorsichtig überlegt werden, ob nicht unter Umständen Vorteile für Deutschland herauskommen könnten. Selbstverständlich werde Deutschlands These aufrecht erhalten, daß die interalliierten Schulden vorerst nichts mit den Reparationen zu tun haben. Aber selbst wenn wir die alliierten Schulden insgesamt übernehmen, so würden wir nur Summen gegenüberstehen, die erst
Trotzki aus MM ausgewiesen Kommt« nach SentMm»?
Kowno, 30. Jan. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist das Schicksal Trotzkis noch unbestimmt. Bon gutunterrichteter Seite wird mitgetellt, daß das politische Büro der Kommunistischen Partei Trotzki vorgeschlagen hat, dis Sowjetunion zu verlassen und sich nach dem Auslande zu begeben. Trotzki hat. seine Zustimmung dazu gegeben, wird sich aber noch entscheiden, in welchem Lande er leben will.
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Die Sowjetunion hat inzwischen Schritte unternommen, um ausfindig zu machen, welches Land bereit sei, Trotzki aufzunehmen. Der Plan, Trotzki nach der Türkei übersiedeln zu lassen, wurde von ihm selbst abgelehnt. Trotzki beabsichtigt, nach Europa abzureisen. Trotzki soll den Wunsch ausgesprochen haben, nach Deutschland überzusiedeln. Die Reichsregierung werde der Einreise Trotzkis keine Schwierigkeiten bereiten, wenn
Trotzki als einfacher Ausländer in Deutschland leben und sich den deutschen Gesetzen unterwerfen wolle. Trotzki beabsichtige, in einer Provinzstadt Deutschlands Aufenthalt zu nehmen und sich einer Kur zu unterziehen. Trotzki werde keinen Diplomatenpaß erhalten, sondern mit einem gewöhnlichen Sowjetpaß die Grenze überschreiten. Hinsichtlich der Lebenshaltung Trotzkis im Auslande hat die Partei sämtliche Verpflichtungen übernommen und Trotzki gestattet, seine Frau und zwei Kinder mit aus Rußland fortzunehmen unter der Bedingung, daß sie nie wieder nach Moskau zurückkehren. Von der Kommunistischen Partei wird die Ausweisung damit begründet, daß eine Einmischung Trotzkis in die politischen Kämpfe innerhalb der Partei zu diesem Schritt gezwungen hat. Zm Znteresie der Einheit der Sowjetunion müße deshalb unbedingt die Ausweisung erfolgen.
1940 auf 1,6 Milliarden anwachsen und niemals 2,5 Milliarden erreichen könnten.
Den Wiederaufbauforderungen der Franzosen und Belgier könnten wir unsere Wiederaufbauforderungen entgegenstellen.
Wenn im Reichstag von dem Vertreter einer führenden Partei ausgesprochen wurde, „lieber ein klares nein, als ein verfälschtes ja", so meint der Redner, es werde nicht einfach für Deutschland sein» die Verhandlungen abzubrechen. Zum Schluß wies der Redner nachdrücklich darauf hin, daß in der Form von wirtschaftlichen und finanziellen Verhandlungen in Wirklichkeit ein ganz großer politischer Machtkampf in der nächsten Zeit beginnen werde.
Schachts Pariser Besprechung.
Berlin, 30. Jan. Reichsbankpräfi- dent Dr. Schacht, der nunmehr wieder nach Berlin zurückgekehrt ist, hatte am Dienstag erneut Besprechungen mit dem französischen Sachverständigen für die Reparationskonferenz, fermentier und Moreau. In gut unterrichteten französischen Vankkreisen versichert man, daß im Laufe der Besprechungen keine konkreten, die Reparationen betreffenden Fragen angeschnitten wurde«
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Di« Rcächsreg:erung bereitet bekanntlich eine neue gesetzliche Regelung der Kleinrentnerfürsorge vor. Heber die Absichten der Regierung ist noch wenig bekannt geworden, sie hat sich lediglich bereit erklärt, die vom Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages geäußerten Wünsche, die insbesondere die Bestimmung des Personenkreises der Bezugsberechtigten bestrafen, bei ihrer Reuregelung zu berücksichtigen. Inzwischen finden überall Versammlungen der Rentner statt, in denen es oft sehr stürmisch zugeht. Auf einer solchen Versammlung tarn es am Dienstag im Lehrer- vereinshaus in Berlin zu stürmischen Auseinandersetzungen. Die Vertreter des Reichstages die in der -Versammlung spräche::, muhten sehr heftige Zwischenrufe über sich ergehen lassen. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die deutschen Rentner von den politischen Parteien dringend die Erfüllung der zahlreichen Versprechungen erwarten, da die angeblichen Schwierigkeiten eines Rentnerversorgungsgesetzes durchaus nicht so schwierig wären, wie die Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums sie darstelle. Auch die Frage des Rentnerversorgungsgesetzes sei eine Frage der nationalen Ehre. Die Rerrtner, forderten lediglich ihr gutes Recht, wenn sie aus der drückenden Fürsorge und aus der Degradi- rung zu Menschen zweiter Klasse befreit werden möchten. Es wurde im Anschluß an die Versammlung eine Abordnung bestimmt, die allen Parteien im Reichstag die Forderungen de» Renrner versönlich unterbreiten soll.
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General 5eye
der Chef der Heeresleitung, feiert am 31.
Januar seinen 60. Geburtstag.