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t Soldmark --- '/»»Dollar.

Anzeiger für ldas frühere knrheffifche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

SchMlls MllWnlmgM in Bayern Bisher 4 Tote und 6 Verletzte

ft. Regensburg, 30. Jan. Von der Reichseisenbahndirektion Regensburg wird mitgeteilt:

Am 30. Januar um 1,50 Uhr vor­mittags stieß D. 155 auf Eüterzug 7 037 in Station Sünching, der Strecke Platt- lingRegensburg auf. Der dem Pack­wagen folgenden Personenwagen 3. Klaffe des D.-Zuges wurde teilweise zusammen­gedrückt. Zn beklagen sind 3 Tote. 1 Schwerverletzter und 7 Leicht­verletzte, deren Namen bisher noch nicht festgeftellt find. Die Verletzten find im Krankenhaus Sünching geborgen. Das Lokomotiv-Personal und der Zugführer des D. 155 find unverletzt.

D. 155 hatte von Passau 80 Minuten Verspätung und sollte den Eüterzug 7037 in Sünching überholen. Da der Eüterzug 7037 zu der Zeit als D. 155 die vorge­legene Station Radldorf durchfahren, die Station Sünching noch nicht erreicht hatte, war für D. 155 die Durchfahrt durch Sta­tion Radldorf durch Haltestellung des Ausfahrtstgnals Richtung Sünching ge­sperrt. Der Lokomotivführer des D. 155 beachtete die Haltestellung des Signals nicht und fuhr in Radldorf durch. Er überfuhr auch das auf Halt stehende Ein­fahrtsignal und stieß auf den gerade in Sünching in Einfahrt befindlichen Eüter­zug 7037 auf. D. 155 beachtete auch nicht die Haltesignale des ihm von Sünching her entgegen fahrenden Stationsperfonals, das von der fignalwidrigen Durchfahrt des D. 155 von Radidorf her fernmünd­lich verständigt war. Bereits um 2.16 Uhr ging von Regensburg der erste Hilfs­zug und um 2.43 Uhr ein zweiter Hilfs­zug mit Hilfsmannschaft und Sanitäts­personal an die llnfallstelle ab. Ein wei­terer Hilfszug traf von Straubing her baldigst in Sünching ein.

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ft. Regensburg, 30. Jan. Von den Toten des Eisenbahnunglücks bei Sünching sind bisher zwei identifiziert worden. Es sind dies der Hütten-Jn- genieur M a u e r e r aus Hatzenberg in Steiermark und der Goldschmied Siegfried Nachtigall aus Wien. Die Leiche einer Frau konnte noch nicht identifiziert wer­den. Schwer verletzt wurde der Kaufmann S ch k o l n i k aus Berlin. Er ist inzwi­schen seinen Verletzungen erlegen, so daß sich die Zahl der Toten auf vier erhöht. Unter den Leichtverletzten be­findet sich auch der S o h n des letztgenann­ten, der ledige Kürschner Abraham Schkolnik aus Berlin. Die Zahl der Ver­letzten beträgt 6, wie die Reichseisenbahn­direktion Regensburg berichtigend mit­teilt. Auster Schkolnik sind unter den Verletzten Maria Windler, Tischlers­gattin aus Schalding, wohnhaft in Wei­ßenbach, Bezirks-Hauptmannfchaft Feld­kirch (Oesterreich), ferner Frau Elisabeth Stoiber, Hilfsarbeitersgattin aus Zi- gelau bei Linz, Karl Fröhlich, Betriebs­

leiter der Firma Böhler, Stahlwerk Hastenberg, Restaurateur Rebelreder aus Eraz und Johann Gehorsam, Kaufmann aus Charlottenburg.

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stommuMenlürm im Reichstag

Berlin, 29. Jan. Im Reichstag wurde heute die erste Beratung des Steuer- vereinheitlichungsgesehes fortge­setzt. Die Redner des Zentrums, der Deut­schen Bolkspartei und der Demokraten be­grüßten zwar die Vorlage an sich, weil eine Vereinheitlichung des Steuerwesens dringend notwendig sei. Alle drei Redner aber hat­ten an den Einzelheiten des Gesetzentwurfes mancherlei auszusetzen; vor allem wurde be­dauert, daß die in den ersten Referenten­entwürfen enthaltene Tendenz zur Sen­kung der Real steuern nicht mehr in der jetzigen Regierungsvorlage enthalten sei. In der Ausschußberatung dürfte es also noch lebhafte Auseinandersetzungen mit der Regie­rung über die einzelnen Bestandteüe des Ge­setzes geben. In der Mittwoch-Sitzung, die um 3 llhr beginnt .dürfte die erste Beratung der Vorlage beendet werden. Auf der Ta­

gesordnung steht weiter die zweite Beratung des Wartestandsbeamtengesetzes.

Die Kommunisten hatten sich auch in der heutigen Sitzung redlich Mühe gegeben, die sachlich trockene Beratung durch em biß­chen Lärm zu würzen. Bei Beginn der Sitzung protestierte der kommunistische Abg. T o r g l e r unter allerlei Ausfällen gegen den Reichstagspräsidenten und den Aeltesten- rat dagegen, daß sein Fraktionsgenosse Blenckle, der jüngste Abgeordnete des Hauses, gestern im Anschluß an eine stürmisch verlau­fene Erwerbslosenversammlung von zwei Po- lizeioffizicren verhaftet worden sei. Er ver­langte die sofortige Beratung eines Frei- lassungsantrages. Er wollte das wenigstens verlangen, aber das mußte erst nachher der Kommunist Stoecker den Abgeordneten er­zählen. Herr Torgler selbst hatte sich näm­lich dem Elockensignal des Präsidenten nicht gefügt, und ihm wurde deshalb das Won entzogen. Es gab noch allerlei Lärm, ms der kommunistische Antrag dem Eeschafts- ordnungsausschuß überwiesen worden war. Am Schluß der Sitzung aber konnte, der Präsident mitteilen, daß Herr Blenckle über­haupt nicht verhaftet, sondern bereits nach dem Abschluß einer polizeilichen Sistierung wieder der Sitzung beiwohnte. Es war also viel Lärm um fast nichts.

MllitöeWtt NuW in Spanien

Madrid, 29. Ian. Die Regierung gibt bekannt, daß ein Aufstand, der für die letzte Nacht geplant war, allenthalben erfolg­los blieb. Nur in Ciudad Roal meuterte das Artillerieregiment, besetzte die Gendar­meriekaserne, stellte Geschütze in den Straßen auf und hielt die Züge an. Es sind Maß­nahmen zur Unterdrückung der Aufstands­bewegung getroffen worden.

fk. Paris, 30. Jan. Zu den Meldun­gen über die Aufstandsbewegung unter ge­wissen Truppenteilen der spanischen Armee berichtetJournal" ergänzend aus Madrid, daß die Bewegung in zahlreichen Garnisonen gleichzeitig ausgebrochen sei und auch in der Flotte Unterstützung gefunden habe. Die ersten Nachrichten über die Meuterei beim ersten leichten Artillerie-Regiment in Ciudad Roal sind nach diesen Berichten vorgestern früh beim Ministerpräsidenten eingetroffen. Primo de Rivera hat sofort mit seinen Ministerkollegen über die erforderlichen Maß­nahmen beraten. Der Chef der Militär­flieger ist beauftragt worden, mit einem Geschwader nach Ciudad Roal zu fliegen und Proklamationen abzuwerfen, in denen die Soldaten aufgefordert werden, den meu­ternden Offizieren den Gehorsam zu verwei­gern und den Anordnungen der Regierung zu folgen. Außerdem wurden auf Befehl des Kriegsministers drei Bataillone der

Madrider Garnison alarmiert unter Be­fehl des Generals Orpaz. General Or- paz soll Anweisung erhalten haben, möglichst durch gütliches Zureden die militäri­schen Truppenteile zum Gehör- sam zurückzuführen. Ein Teil der Aufständischen sei auch bereits wieder m die Kasernen zurückgekehrt. Die Bewegung soll auch in Madrid, Sevillia, Valencia und und Barcelona geplant gewesen, aber bereits in den Anfängen gescheitert sein. Die Gou­verneure der anderen Provinzen außer Roal haben erklärt, daß in ihren Bezirken alles ruhig sei. In Bibao sollen die dort liegen­den Infanterie-Regimenter geplant haben, die Garnison zu verlassen, um sich der Be­wegung anzuschließen. Die Regimenter sind auch ausgerückt, haben aber bereits nach kurzer Zeit ihre Absicht wieder aufgegeben. Nach demJournal" handelt es sich bei der Bewegung um Rückwirkungen der Maßnah- nahmen, die nach den Vorgängen in der Artillerieschule von Segovia getroffen wor­den sind, ebenso ein Dekret über das Avan­cieren in der Marine habe an verschiedencnFlot- tcnstationen, besonders in Ferral, tiefgehende Unzufriedenheit ausgelöst. Die Verbindung zwischen Madrid und der Provinz, die in­folge der Vorgänge eine Zeit lang unter­brochen war, soll inzwischen wieder herge­stellt sein.

Nerönbemngcn in der teatschen

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Wer wird Reichsgerichtspräsident?

Der Nachfolger für den 2kichsgerichts- präsibenten Dr. Simons, der mit dem 31. März aus dem Reichsdienst scheidet, soll etwa Mitte Februar ernannt werden. Die Boss. Ztg." will wissen, daß der Mini­sterialdirektor im Reichsjustizministerium.

B e r l i n, 29. Jan. Der Reichspräsident hat den Gesandten Dr. Roland Köster im Auswärttgen Amt zum deutschen Ge­sandten in Oslo, den Vertteter Deutsch­lands in Griechenland, Dr. Renner, zum deutschen Gesandten in Helsingfors und den Vertteter Deutschlands in Al- banien, Dr. v. K a r d o r f f, zum deutschen Gesandten in Achen ernannt. Außerdem hat der Reichspräsident den Generalkonsul Dr. Roh zum deutschen Generalkonsul m in Pretoria ernannt.

Dr. Bumke, in Aussicht genommen ist. Die Ernennung liegt verfassungsmäßig in den Händen des Reichspräsidenten, dem das Reichskabinett seinen Vorschlag macht.

Für den Anschlutz.

toten, 29. Jan. Das Organ des Oesterreichisch-deutschen Volksbundes, der Anschluß", teilt mit, daß mehr als zwei Drittel der Nationalrate und Bundesräte aller deutschen Parteien in den letzten Wochen ihre Unterschrift unter die Kund­gebung gesetzt haben, die daran festhält, daß Deutsch-Oestereich ein Bestandteil der deutschen Republik ist. Damit sei der Be­weis erbracht, daß das deutsche Bolk von Oesterreich jeden Tag in der Lage sei, ver- fasiungsmäßig den Anschluß durchzn- führen.

Ätfte Annexion Ionisch- Lslasrlkns?

Von Gouverneur z. D. Dr. Heinr. Schnee, Mitglied des Reichstages.

Exz. Dr. Schnee war der letzte Gou­verneur von Deutsch-Ostafrika. Er ist also der berufene Mann, die englischen Bestrebungen zur Annexion Deutsch- Ostafrikas zu beurteilen.

Bereits seit längerer Zeit sind Anzeichen dafür hervorgetreten, daß die englische Re­gierung darauf ausgeht, die Mandatver­waltung Deutsch-Ostasrikas in eine An­nexion umzuwandeln. Schon vor Jahres­frist hatte ich im Reichstag in der Sitzung vom 1. Februar die Aufmerksamkeit auf die Entsendung der Hilton-Poung-Kom- misston durch die britische Regierung ge­lenkt, welche mit der Prüfung der Frage einer engeren Vereinigung des oftafri- kanischen Mandatsgebiets mit den angren­zenden engischen Kolonien in Ostafrika be­auftragt war. Ich hatte dabei darauf hingewiesen, daß nach den Ausführungen von englischer offizieller und nichtoffi­zieller Seite der wirkliche Zweck die Vor­bereitung der Annexion des Mandatsge­bietes sei. Der Reichsaußenminister Dr. Stresemann hatte darauf erwidert, daß die Vorgänge bisher eine bestimmte Ent­schließung der großbritannischen Re­gierung nicht erkennen ließen,' es sei selbst­verständlich, daß die deutsche Reichsregie­rung die Entwicklung mit Aufmerksamkeit verfolge; die Reichsregierung würde sich einer Aenderung der Mandatgrundagen jo wie sie in der Völkerbundssatzung und der Satzung des Versailler Vertrages ent­halten seien, gegebenenfalls mit Nachdruck widersetzen!

Die Hilton-Young-Kommission ist be­reits seit Monaten nach England zurück­gekehrt. Die Veröffentlichung ihres Be­richtes ist aber erst jetzt erfolgt. Er ent­hält den Vorschlag der Vereinigung des Mandatgebiets Tanganyika-Territory, wie Deutsch-Ostafrika jetzt von den Englän­dern genannt wird, mit den angrenzenden englischen Kolonien Kenya und Uganda unter einem Oberkommissar, der später in einen dauernden Eeneralgouverneur um­gewandelt werden soll.

Die Ausführung des Vorschlages würde praktisch die Annexion Deutsch- Ostasrikas bedeuten. Eine solche Zu­sammenlegung des Mandatsgebiets mit den angrenzenden englischen Kolonien un­ter einem Generalgouverneur, dem übri­gens noch eine kleine beratende Körper­schaft zugeteilt werden soll, würde es un­möglich machen, späterhin das Mandats­gebiet wieder herauszulöfen. Daß das in der Tat der Zweck des Vorgehens ist, lasten englische Aeußerungen klar er­kennen. So erklärte der Gouverneur der Kenyakolonie Sir Edward Grigg bereits am 30. August 1927 in der gesetzgebenden Versammlung in Nairobi, daß die Mög­lichkeit der Vereinigung des Tanganyika Tertttory mit den angrenzenden Gebieten unter schweren Opfern erkauft sei;wenn jetzt, da alle Verbindungsglieder in eng­lischer Hand seien, sie nicht in eine Kette von dauernder Stärke und dauerndem Wert zusammengeschmiedet würden, so wären die Opfer vergeblich gebracht". Der East African Standard" erklärte da­malsdie Sicherung Tanganyidas für alle Zeiten als integralen Bestandteil des Britischen Reiches" als Hauptziel. Diese Sicherung soll, wie aus anderen englischen Aeußerungen hervorgeht, insbesondere auch dagegen erfolgen, daß eine künfttge englische Regierung evtl, beabsichtigen könnte. Deutsch-Ostafrika an Deutschland zurückzugeben.

Von allen diesen Dingen steht nichts in dem umfangreichen Bericht der Hilton- Poung-Kommission. Begründet werden darin die Vorschläge der Vereinigung des Mandatsgebiets mit den englischen Kolo-