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VtecheMche Zeitung, Marburg *. L, Montag, beit 28. Januar 1SB9

Die Tagung der WilMaftsMtei

Fieber zu Bett liegt, nahm seine Tochter Vik­toria den ganzen Tas über die Pflichten der Sausfrau wahr.

Dankschreiben des früheren Kaisers an die niederländische Regierung.

Haag, 26. Jan Anläßlich seines 70. Ge­burtstages hat der frühere deutsche Kaiser ein Schreiben an den niederländischen Minister be6 Innern, Dr. Kan, gesandt, in dem er der Kö­nigin der Niederlande und dem niederländi­schen Volke seinen tiefgefühlten Dank für die ihm in Holland gewährte Gastfreundschaft zum Ausdruck bringt und beste Wünsche für das Wohlergehen des niederländischen Volkes und die Zukunft des niederländischen Staatswesens ausspricht.

Amerika zum 70. Geburtstag des ehemaligen deutschen Kaisers.

N e w y o r k, 26. Jan. Die amerikanischen Zeitungen nehmen großes Interesse an dem Geburtstag des ehemaligen deutschen Kaisers. Bemerkenswert ist, daß die feindliche Stim­mung gegen den Kaiser mehr und mehr ver­schwunden ist. Die großen Tageszeitungen bringen Bilder des Kaisers und die Interviews von United Preß und Associated Preß, die in Newnork einen sehr günstigen Eindruck hinter­lasten haben. Die Blätter beschränken sich mit Ausnahme der Hetzvresse aus die Schilderung des Kaisers als eines Privatmannes.

(In der Soonabendausgabe ist uns in dem ArtikelZum 70. Geburtstag" ein sinnentstel­lender Druckfehler unterlaufen. In Zeile 9 von unten muß es heißen: Der neue Herrscher, selbständig und hoch st redend (nicht hoch­trabend).

Berlin. 27. 3oit Die Deich-partei das Deutschen Mittelstandes trat heute im Preußi­schen Landtag unter auhero-rdeutlich zahl- veicher Beteiligung ceeft allen Teilen des Reiches zu ihvem 10. ordentlichen Partei­tag zusammen. Der Parteivorsitzende, Aerchs- tagsabgevrdneter Drewitz, begrüßte die Erschienenen, hieß besonders die Freunde auS dem Saargebiet und die Vertreter der Vruder- partei in der Tschechoslowake: willkommen und teilte mit, daß kne Mittelstandsvereinigung der Schweiz Glückwünsche übersandt habe. Der Redner wies dann auf die wirtschaftliche Rot hin, mit der daS deutsche Volk zu kämpfen habe, und bedauert«, daß Parteizank und Parlelintevessen eine Einheitsfront deS deut­schen Volkes gegen alle seine Widersacher im Westen und Osten nicht zugelassen hätten. Mit dem Wohlergehen der Ration sei auch daS Wohlergehen des deutschen Mittelstandes unlösbar verknüpft. Wenn der Mittelstand im neuen Deutschland dasselbe Recht erhalten wolle wie die anderen, so müsse er ein Macht­faktor sein.

Als erster Redner des Tages sprach Reichs- tagSabgeordneter Prof. Dr. Bredt über Ruhen- und Kulturpolitik". Bei den kom­menden Verhandlungen über die Revision des Dawesplans, so führte der Redner aus, ver­lange die Partei in erster Linie eine Aufrecht- erhaltuna des Transfrrschutzes, au Herden: eine Zurückführrmg der Lasten auf ein tragbares

Die Feftlichkeiteu in Doorn

Sankschreibrn Wilhelms ll. an die nledrrlSndiiche Regierung

Beileid de« Reichspräsidenten rum Tode der Fürstin Bülow.

Berlin, 26. Jan. Anläßlich des Ab­lebens der Fürstin Bülow hat der Reichs­präsident dem Fürsten Bülow telegraphisch sein herzliches Beileid ausgesprochen.

Doorn, 27. Jan. Dor der Besitzung des ehemaligen deutschen Kaisers versammelte sich heute morgen eine zahlreiche Menschenmenge, unter der sich neben Einwohnern von Doorn viel ausländische und holländische Journal'sten und Photographen, aber auch zahlreiche Neu­gierige aus der weiteren Umgebung des Ortes Doorn befanden. Um 9 Uhr trafen erwar­tungsgemäß die ersten Gäste in Automobilen auf Saus Doorn ein, woraus zahlreiche weitere Automobile mit den in den umliegenden Ho­tels und Prtvathäusern untergebrachten Fa­milienmitgliedern des ehemaligen Kaisers folgten. Alle etntreffenden männlichen Be­sucher befanden sich in großer Paradeuniform und zwar entweder in Feldgrau oder in der früheren Friedensuniform. Um %10 Uhr, als alle Gäste vollzählig versammelt waren, nahm der ehemalige Kaiser die Glückwünsche seiner Familie entgegen. Um 10 Uhr fand ein Got­tesdienst statt, den der Hofpredtger Dr. Vogel von der Friedenskirche in Potsdam hielt, wobei er das Wort aus dem ersten Römerbrtefe zugrunde legte:Ich schäme mich des Evangeliums vor Christo nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben." Um 13 llbr versammelten sich sämtliche Gäste zur Mittagstafel, bei der der frühere König von Sachsen einen kurzen Trinkspruch auf den ehemaligen Kaiser aus­brachte. Den Nachmittag verbrachte die Fa­milie des Kaisers unter sich. Um 20 Uhr ver­sammelten sich sämtliche Gäste zur Abendtafel, woran sich eine musikalische Abendunterhaltung anschloß. Hierbei brachte der Kammersänger Staegemann, begleitet von dem Pianisten Zeller, mehrere Lieder zum Vortrag. Da die Gemahlin des ehemaligen Kaisers noch mit

Deutsches Reich

Keine Mietserhöhung.

Berlin, 26. Jan. Gegenüber den im­mer wieder auftauchenden Gerüchten über eine bevorstehende Mietserhöhung stellt der Reichsarbeitsminister in einem Rund­schreiben an die Landesregierungen fest, da» eine Erhöhung der gesetzlichen Miete von der Reichsregierung nicht in Aussicht genommen sei.

Die amüiche Srotzhandelsindexziffer vom 23. Januar 1929.

Berlin, 26. Ian. Die auf den Stich­tag des 23. Januar berechnete Erotzhan- delsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 139,0 gegenüber der Vorwoche (138,7) um 0,2 v. H. gestiegen Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe um 0,8 v. H. auf 132,2 (131,2) angezogen. Dis Indexziffer für Kolonial­waren war r t 124,9 unverändert. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist mit 133,9 gegenüber der Vorwoche (134,1) leicht zurückgegangen, während diejenige für industrielle Fertig­waren mit 158,6 keine Veränderung aus­weist.

Tod bet Fürstin Bülow.

Rom, 26. Jan. Di« Fürstin Bülow ist im Alter von 80 Jahren hier gestorben.

Maß. In kultureller und religiös« Beziehung bekenn« sich die Partei zum Gedanken der christlichen Weltanschauung. 3n der Außen­politik wie in der Innenpolitik gelte Die Losung: Ein gesunder Mittelstand m einen gesunden Vaterlandes

In Vertretung des am Erscheinen verhinder­ten sächsischen Finanzministers Weber er- läuterte dann der Parteivorsitzende Drewitz kurz die Haltung der Wirtschaftspartei zur Finanzpolitik. Er wandte sich gegen die neuen Steuerpläne des Reichsfinanzministers Dr. Hilf«ding und forderte, die Regierung möge deS Steuervereinheitlichungsgesetz zurückziehen und statt dessen den endgültigen Finanzaus­gleich vorlegen, bei dem den Ländern und Gemeinden das Zuschlagsrecht zur Einkommen­steuer gegeben werden müsse. Rur auf diese Weise fei ein Abbau der viel zu hohen Real­steuern möglich.

Sodann sprach Reichstagsabgeordneter Mollath über das ThemaWirtschaft und Sozialpolitik". Der Mittelstand sei in den letzten Jahren durch übermächtige groh- kapitalistssche Wirtschaftszusammensassungen auf das schwerste bedroht worden. Der Redner ging in diesem Zusammenhang auf die Aus­dehnung der WarenhauSkonzerne und der Konsumvereine. In der Sozialpolitik sei eine Tendenz zur Lleberspannung der Sozialaus­gaben vorhanden. Äotwendig sei vor allem ein Abbau der Sozialversicherungsbeiträge.

Wi« schon gesagt liegt bet Hauptein- wand gegen den Bau des Kanaltunnel« nicht in der Kostenfrage, sondern in Be­denken englischer Militärkreise. Führende englische Militärs glauben, daß ein solcher Tunnel es einer feindlichen Macht ohne. weiteres erlauben könnte, sich bet engli­schen Tunnelmündung zu bemächtigen, zu­mal ein Angriff ohne vorherige Warnung eingeleitet wird. Sehr interessant ist es feftzustellen, dah sich in militärischen Krei­sen Englands auch Persönlichkeiten vor­finden, die in dem Bau eines solchen Tun­nels eine Verstärkung des Schutzes der englischen Landesverteidigung sehen. Sie behaupten, dass ein solcher Tunnel Eng­land gegen jede llnterseeblockade schützen könnte. Man ersieht also aus diesen Er­örterungen, datz selbst in den militätischen Kteisen Englands die Ftage des Füt oder Widet noch nicht entschieden ist. Daß sich in diesen Kreisen eine solche Debatte über­haupt anspinnt, ist immerhin ein Anzei­chen dafür, dass man jetzt dem Plan nicht mehr die grundsätzliche Ablehnung gegen­überstellt, wie es in früheren Jahren un­bedingt der Fall war.

rßiAmi»

Die Bergung bet Opfer be« Bergwerks- «uglücks in Westvirgina.

ft London, 28. Ian. Nach den letz­ten Berichten aus Kingston in West­virginia find von den durch eine Explosion in bet Pocahantosgtube eingeschlossenen Bergleuten 14 Leichen an die Ober­fläche gebracht worden. Man glaubt, dah noch etwa 16 weitere sich in dem Schacht befinden.

Die Auflösung bet Deutschen Partei in Sflb» slawien.

Belgrab, 26. Jan. Wie aus Neu­satz gemeldet wird, ist die Verordnung über die Auflösung der Deutschen Partei gestern abend dort eingetroffen. Die Auflösung der Zentralorganisation bet Partei, sowie die Beschlagnahme des Parteiarchivs und der Patteikassen^ sowie die Sperrung der Pariei­lokalitäten rst heute vormittag erfolgt.

Gerüchte über ein geplantes Attentat auf

. Hoover.

»ashington, 26. Jan. Die amt- ltchen Stellen verbreiten ein Dementi der sensationellen Gerüchte, wonach ein Komplott zur Ermordung Hoovers aufgedeckt worden [tin soll. Ebenso wird bestritten, daß nach bet Ankunft Hoovers in Miami mehrere Verhaftungen vorgenommen worden seien. Man gibt zwar zu, daß drei verdächtige Per­sonen durch die Lokalbehörden in Miami Derbaftet, aber nach der Abreise Hoovers wieder freigelassen worden sind, ertlärt aber, es handele sich um eine Vorsichtsmaßregel, wie sie häufig ergriffen werde, wenn der neugewählte Präsident auf Reisen sei.

Dt. ftis. i* U. S. A.

Rewyork, 26. Jan. Dem Senat des Staates Nebraska liegt zurzeit ein Gesetz­entwurf vor, wonach Lehrer, die über bte bes Frisierens unterrichten, einen Uni« oersitätsgrad (also ungefähr entsprechenb bem deutschen Doktorgrad) besitzen müssen, bevor sie den Unterricht aufnehmen können. Die- tentgen dagegen, die die Kunst des Frisierens erlernen wollen, müssen zum Mindesten das Abschlußzeugnis einer höheren Schule auf« weifen können.

Sie Wüten Brüter

Darts, 26. Jan. DasPetit Journal" be- nchtet aus Straßburg, daß bte Brüder Glaus > Mattern Zorn von Bulach, die sich seit i ans euer Zett stark bekämpfen, gestern vormit- lae vor dem Untersuchungsrichter erschienen, weil Mattern gegen Claus eine Klage wegen Wilddieberei eingereicht hatte Im Laufe der Vernehmung kam es zwischen den beiden Brü­dern nicht nur zu einem heftigen Wortwechsel sondern auch zu Handgreiflichkeiten, so daß der Untersuchungsrichter die Gerichtsvolizei alar­mieren mußte, um die fttettenden Brüder zu trennen.

Möglichkeiten zur Verminderung der ihr ouf- erlegten Steuerlast bisher unausgenutzt ge­blieben sind. In einer erheblichen Erweite­rung des Kreises der Realsteuerpflichttgen, insbesondere auch in der Hinzuziehung der öffentlichen Betriebe zu Reichs-, Landes- und Gemeindesteuern, in einer anderweitigen, den Lebensnotwendigkeiten der leistungsschwachen Gemeinden besser gerecht werdenden Vertei­lung der Reichsüberweisungen ist der Weg zur Erreichung dieses Zieles unter anderem gegeben.

Segen Ne SteumrMmg

Die landwirtschaftlichen Spitzenverbänbe gegen bte neuen Steuervorlagen und bas Steuervereinheittichungsgesetz.

erlin, 26. Jan. Die im Reichsaus­schuß der beutschen Landwirtschaft zusam­mengeschlossenen Spitzenorganisattonen haben folgenden Beschluß gefaßt:

..Die deutsche Landwirtschaft muß ange- fayjs ihrer gegenwärtigen Notlage ihre schärfsten Bedenken gegen die neuen Steuer» Vorlagen zur Deckung des Defizits im Reichs­haushalt äußern. Schon bisher konnten die Sintern seitens der Landwittschast zum großen Teil nur durch (Eingriffe in die Ver- diogenssubstanz gezahlt werden. Die Land» wirtschaft muß daher die durch Erhöhung der Vermögens- und Erbschaftssteuer ent­stehenden Neubelastung ablehnen, und sie ist auch als Urerzeugerin nicht in der Lage, der beabsichtigten Erhöhung der Bier- und Branntweinsteuer zuzustimmen.

Auch der Entwurf des Steuervereinheit» ichungsgesetzes birgt in der jetzigen Fassung ne Gefahr wci erer Steuererhöhungen in ich, und wir lehnen daher auch diesen Ent- ourf in der vorliegenden Fassung ab. Bei »ieser Gelegenheit muß die Landwittschast darauf aufmettsam machen, daß erhebliche

Sll Srtelmier Irvtelmor» aufgeklärt

Breslau, 27. Jan. Der Doppelraub­mord in der Rächt zum 16. d. M. in dem Srotzerschen Schanklokal in der Frankfurter Straße hat seine Ausklärung gesunden. Die beiden Täter sind ermittelt. Der eine von ihnen, der stellungslose Kellner Oskar Breuer, der sich in Breslau ohne polizei­liche Anmeldung aufhielt, ist bereits verhaftet. Die Anregung zur Tat ging von ihm aus .Er hat vorher mehrmals das Dchanklokal aus­gesucht und sich dabei mit den Geflogenheiten bet Schankwirtin und der Oettlichkeit vertraut gemacht. Er wußte auch den Aufbewahrungs- ott der Geldkaseite. Sein Mittäter, der frühere Verkäufer und Bürogehilf« Fritz.D t e l u f, ist mit ihm erst 8 Tage vor Weihnachten bekannt Crden. Dieluf entstammt einer achtbaren lie und hat eine gute Ausbildung ge- nvfsen. Während Breuer mehrmals wegen Eigentumsdelikte vorbestraft ist, kommen auf das Konto von Vieluf Vorstrafen wegen Er­pressung und Diebstahls sowie ein Raubüber­fallversuch im Februar ö. 3. auf das Leih­haus Schlesien unter Anwendung einer Schuß­waffe. Die Aburteilung wegen diesen ver- uchlen Raubüberfalles war noch nicht er« olgt, da es Vieluf gelang, aus der Unter» uchungshcfft zu flüchten. Um die Ueberfüh- rung in ein Krankenhaus zu erzLängen, hatte er in der Untersuchungshaft Teile eines Löffels verschluckt. Tatsächlich kam er dann ins Krankenhaus, wo er nach erfolgter Opera­tion die Flucht ergreifen konnte. Rach den Feststellungen der Kriminalpolizei, bte durch das Gestärckmis Breuers bestätigt werden, hat Dieluf sofott noch der Tat Breslau in einem Auto vettassen. Er fühtt auch die geraubten

Gegenstände bei sich tat ta der Käsest, vorgefundenen Geldbetrag hatten sich Seiht geteilt Inzwischen find die beiden in dq Stafette befindlichen Brieftaschen in der Räh, de» Bahnhofs Prieborn (Är. Strehlen) a» einem Feldrain gefunden worden.

ilnvelitislte ragk-imchkWm.

Di« Ermittlungen über die Lohngelb. . Unterschlagung auf Zeche Königsborn.

Dortmund, 26. Jan. Blättermel. düngen zufolge verhaftete die Kriminal­polizei in Unna die mit dem Lohngelb, hiebe Dünisch verwandten Brüder Sehl unter dem Verdacht, an dem Lohngelddieb­stahl auf Zeche Königsborn mitbeteiligt gewesen zu sein. Bei dem jüngeren Sehl wurde ein 50-Reichsmark-Schein gefunden, den Sehl sich erspart haben will. Er konnte aber einwandfrei nachgewiesen werden, daß der Schein von dem Lohn- gelde stammt. Bei einer erneuten Durch­suchung der Wohnräume der in Haft be- findlichen Frau des flüchtigen Dänisch wurden von der Landjägeret in Alten- högge weitere viertausend Reichsmark in 50-Reichsmark-Scheinen vorgefunden.

40 000 Mark Diebesgut gefunden.

Ein Kommando der Bochumer Kriminal- Polizei grub in dem Ott Bögge am Ufer der Seide einen Betrag von 40 000 Mark, be­stehend aus Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig­markscheinen, aus, der in Einmachgläsern ver­graben war und einen Teil der 250 000 Mark Lohngelber bilbet, bie, wie berichtet, vor einigen Tagen auf ZecheKönigsborn" bei Bochum von bem Zechenoberwachtmeister Dünich aus bem Tresor der Zeche entroenbet würben. Einer ber unter bem Verdacht der Mittäterschaft verhafteten beiden Brüder Söhle hatte gestanden, daß er auf Anwei­sung des flüchtigen Dünich diesen Teil des geraubten Geldes vergraben habe. Diese Angabe hat sich nun als richtig herausge­stellt. Die beiden Brüder Sohle leugnen nach wie vor, an der Tat selbst beteiligt gewesen zu sein.

$«e Einbruch i» Postamt.

Berlin, 26. Jan. Der dreiste Einbruch im Postamt in der Französischen Straße beschäf­tigte gestern den ganzen Tag hindurch die Ber­liner Kriminalpolizei und die Kriminaldienst- stellen der Postbehörden. Zahlreiche Personen wurden im Laufe des gestrigen Tages von der Polizei vernommen. Die gestohlenen Postwett- ^ichen sollen lautB. T." noch bedeutend höher als bisher angenommen sein. Der Wett dürfte annähernd eine Million Mark betragen. Die Polizei hat dann noch gegen Abend an mehreren Stellen in der Stadt Durchsuchungen vvrgenommen, die aber ohne Erfolg waren.

Wied« ein Autounglück durch einen Hirsch.

P r a g, 26. Jan. Auf bet Dlankioder Land­straße ereignete sich ein schweres Autounglück. Vor dem nach Rakonitz vettebrenden Autobus sprang plötzlich aus dem Walde ein Damhirsch. Der Ebauffeur bremste so statt, daß bet Wagen einen statten Ruck erhielt und einen steilen Ab­hang hinunterstürzte, wobei er sich zweimal überschlug. Von den 16 Passagieren wurden 8 schwer und 8 leicht verletzt.

Haftbefehl gegen Manasse Friedländer erlassen.

Berlin, 26. Jan. Nach Abschluß der Heu. Ligen Vernehmung erließ Landgerichtsrat' Kloffel gegen Manasse Friedländer, der seinen Bruder und dessen Freund am Donnerstag abend erschossen bat, Haftbefehl, wei et der vor­sätzlichen Tötung in zwei Fällen dringend ver­dächtig erscheine. Hebet den Haftentlassungs- antrae des Verteidigers wird erst nach Eröff­nung der Voruntersuchung entschieden werden.

Derhaftungen im Löwenbergschen Millionen­betrug.

Berlin, 26. Ian. (DU.) Wie die Nachtausgabe" benchtet ist es der Krimi­nalpolizei gelungen, den zweiten Proku­risten des Berliner Bankhauses Löwenberg, den 30jährigen Ewald Montag, der in der Stubenrauchstraße in Lichterfelde wohnte, in einem Pensionat im Zentrum der Stadt zu ermitteln und festzunehmen, sowie den Privatchauffeur des geflüchteten Mittichabers und Prokuttsten Rappaport namens Rege zu vechasten. Der be- trügerische Bankier Dr. Lewin, der Zn- Haber der Firma Löwenberg, und Rappa­pott selbst halten sich immer noch pe.r- borgen.

Schweres Betriebsunglück.

Zwijnd recht b.Dortrecht, 26. Ian. Bei einer Kesselexplosion in den hiesigen Iürgens-Oelwetten find zwei verheiratete Arbeiter durch umherfliegende Teile bet» art schwer verletzt worden, datz ste gleich darauf starben. Ein dritter in der Nähe arbeitender Werksangehöriger blieb wie durch ein Wunder unverletzt.

Flammentod in der Laub»

Berlin, 26. Ian. In einer Lauökn» kolonie bei Berlin-Wittenau geriet ver­gangene Nacht eine Laube in Brand. Bei den Löscharbeiten fand man die Leiche de» Besitzers, eines Monteurs Sokolka. Man vermutet, daß Sokolka den Ofen seiner Laube überheizt und seine Kleidung Feuer gefangen hat.