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DonmrWS, den 24. Samm 1929

Die »Oberhessisch« Bettung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Ve- zngspret« monatlich 2 GM. ans- schließ!. ZustelluvgSgebühr, durch dt«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streiks. Maschtnendefekle »der elementarer Lreignisie ausfallend« Nummern wird kein 6tfc» ge» leistet. Verlag b. Dr. §. Hiherrth. Druck der Unib.-Vuchdrnckrrei b. 5oh. Bug. Koch, Mark« 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. n. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5016. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und 1,11 Uhr.

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Goidmark sa/^»Dollar-

Anzeiger für (das frühere kurheffifchej Oberhesse»

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Sine Bombe auf eine KavaAeris Schwa-ron

ZdlgkMmrtS RMMüMiS Ni mMSMttl Munge« 2 SWrrr, 12 Mmm getötet

Severins für die große Koalition

SrfuNtti für den WrlamkntarismuS

forbert worden sei, nach Afghanistan zu- rückznkehren. Nadir Khan werde von vie­len Stämmen geachtet und unterstützt, da er für die Amnestieforderung der Stämme verantwortlich gewesen sei, die die afgha­nische Regierung im Kampf gegen Indien im Jahre 1919 unterstützt hätten. Ob Nadir Khan zurückzukehren bereit sei, fei fraglich. Auf wen immer schließlich die Wahl fal­len werde, wcchrscheinlich sei jedenfalls, daß auch die Herrschaft Habib Al­lahs, oder wie er allgemein genannt wird, Vachai-Sakao, in Kabul ihrem Ende entgegengehe.

.^Daily Telegraph" meldet aus Peschawar:

Bei Hebungen vo» Bombenflugzeugen hat sich hier ein schwerer Unglücks­fall ereignet. Infolge eines Mitzver- ständnisies geriet eine Schwadron indischer Kavallerie auf das Gebiet, das für Hebungen der Flugzeuge abgesperrt war.

Eine abgeworfene Bombe fiel unter die Reiter und tötete zwei indi­sche Offiziere und 12 Mann.

Ein Offizier und 14 Mann wurden ver­wundet. Eine Untersuchung ist einge­leitet.

Daily Expreß" zufolge wurden bei dem Unglück auch 16 Pferde getötet.

ßu dem Unglück wird weiter gemeldet: Zwischen Peschawar und Fort Zamrud, fm Eingänge zum Knyber-Patz, befindet ich ein großer Uebungsplatz. Bor !wei Tagen richteten die britischen L u f t- streitkräfte an den Platzoffizier das Ersuchen, den Platz für ihre Uebungen zur Verfügung zu stellen. Dem Ersuchen wurde stattgegeben und gleichzeitig Vereinbarun­gen getroffen

für eine gemeinsame Hebung von Kavallerie. Tanks und Infanterie.

Bei Ankunft einer Schwadron des indi­schen Kavallerie-Regiments wurde dem befehligenden Offizier mitgeteilt, daß BombenLbungen im Gange seien. Der Platzoffizier gab darauf den Lufstreitkräften ein Signal:Werft keine Bomben ab". Eine Maschine, die in 1300 Meter Höhe flog, ver­wechselte wegen des außerordentlich unsichtigen Wetters das Signal und ver­standAlles klar". Eine Bombe wurde darauf abgeworfen, die mit­ten in den 200 Meter breiten Kreis der indischen Kavallerie fiel und solch furcht­bares Ergebnis hatte.

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Dir AMngchKaft Aman MW fl. London, 24. Ian. Nach Mel­dungen aus Pefchawar sollen Karawanen aus Russisch-Turkestan, die mit modernem Kriegsmaterial ausgerüstet sind, über oie Grenze nach Afghanistan gezogen sein. Nach den gleichen Meldungen sollen die aufrichtigsten und mächtigsten Stämme in Afghanistan sich für Aman Allah ausgesprochen haben und sich ihm im Kampfe gegen die Aufständischen zur Ver­fügung stellen. Es heißt in den Berichten weiter, daß Aman Allah während der Zell des Kampfes um Kabul nur unterlegen sei, weil eine Antersiützung der großen Stämme Duranis und Ghllsais und andere Stämme westlich von Kabul, die sich wäh­rend dieser Zeit auf langen Karawanen- Reisen nach Persien und Turkestan be­fanden, nicht möglich war. Als sie von der Niederlage Aman Allahs gehört Hüt­ten, seien sie sofort in die Heimat zurück­gekehrt, um die Armee Aman Allahs zu Unterstützen. Die Armee Aman Allahs sei jetzt 7000 Mann stark.

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DerDaily Expreß" berichtet aus Ka­rachi, daß König Aman Allah vor sei- Abd-uluna tnwobl oa Lrllllche wie

an die russisch« Regierung herangetreten sei und beide um Hilfe im Kampf gegen die Rebellen ersucht habe. Beide Re­gierungen hätten erwidert, daß sie sich in die Angelegenheiten Afghanistans nicht einmifchen und somit keine Truppen ent­senden könnten. Der Sonderberichterstat­ter desDaily Telegraph" in Peschawar meldet, daß in den afghanischen Stämmen vielfach der Wunsch bestehe, einen neuen König an Stelle Habib Allahs zu erhalten. Aussichten habe Nadir Khan, der im dritten afghanischen Krieg eine große Rolle gespielt und jetzt aufge-

Aeber die Notwendigkeit, der Reichs­regierung eine feste Basis zu geben, schreibt Reichsinnenminister Severing in einer sozialistischen Zeitschrift u. a.: Man hat den heutigen Zustand der 49prozentigen Koalition schon häufig damit zu beschönigen gesucht, daß die Regierung ja arbeiten könne in dem sicheren 'Bewußtsein von den Parteien ihrer Mitglieder kein Miß­trauensvotum zu erhalten. In diesem Zu­stand könnte man, ohne die Interessen des Reiches zu gefährden, in normalen Zeiten Vielleicht die Geschäfte führen, also ver­walten. In einem Zeitabschnitt aber, in dem jeder Tag zu gesetzgeberischen Maß­nahmen drängt, ist dieser Zustand eine Gefahr für das Ansehen des Parlamen­tarismus, und damit für den Parlamen­tarismus selbst.

Eine Koalition, in der alle Parteien der Regierung gegenüber freie Hand behal­ten wollen, ist keine Koalition.

And eine Regierung, die ihre Gesetze nicht mit einer sicheren Mehrheit durchbringen kann, ist keine Koalitionsregierung und wird sich auf die Dauer ebenso sehr in ihrer Initiative gehemmt fühlen, wie der einzelne Minister. And darum ist die Forderung, die Große Koalition zu schaffen, nichts anderes als die Forderung, einen Zustand zu beseitigen, der, je länger er andauert, umso stärker die Gefahren vermehrt, die in der Versumpfung

Kein Motetat in Preußen

Berlin, 23. Jan. Wie das Nachrich­tenbüro des V, D. Z. von unterrichteter Seite erfährt, haben sich bei Prüfung der Frage, ob im preußischen Landtag der Etat für 1929 noch vor dem 1. April er­ledigt werden soll oder ob ein Notetat aufgestellt werden müßte, die Stimmen für Vermeidung des Notetats erheblich vermehrt, so daß anzunehmen ist, daß im Laufe des Donnerstag sowohl die Frak­tionen wie der Aeltestenrat sich für ord­nungsmäßige Erledigung des Etats für 1929 vor dem 1. April entscheiden werden. Dabei hat die Ueberlegung den Ausschlag gegeben, daß nach Artikel 64 der preu­ßischen Verfassung das Staatsministerium ohne Etatsgesetz im neuen Haushaltsjahr nur die bestehenden Einrichtungen weiter führen kann, daß aber die neuen Fonds, neuen Beamtenstellen und besonders die einmaligen Ausgaben einschließlich der vielfach vorgesehenen ersten Bauraten vom Landtag im Notetat bewilligt werden müßten. Ministerpräsident Braun wird in der sozialdemokratischen Fraktion dafür eintreten, daß seine Partei sich dem Stand­punkt, den Etat zu erledigen, anschließt. Es ist anzunehmen, daß die übrigen Ka­binettsmitglieder bei ihren Pateien ent- prechend verfahren.

unseres politischen Lebens liegen.

Wie verträgt sich dieser Standpunkt des Ministers Severing mit der Haltung der sozialdemokratischen Partei, die in der Panzörkreuzerfrage und bei der Be­handlung des Haushalts sich in einer Weise freie Hand" behielt, die den Parlamen­tarismus in den schlimmsten Mißkredit bringen mußte.

Die Fraktion der Bayerischen Vollspartei gegen die Erhöhung der Biersteuer.

Berlin, 23. Ian. Die Reichstagskor­respondenz der Bayerischen Volkspattei ver­öffentlicht über die am Mittwoch stattge­fundene Fraktionssitzung folgende Mitteilung: Die heutigen Beratungen der Reichstags- frattion der Bayerischen Volkspattei in der Fortsetzung der Besprechungen der durch die Steuervorlage gegebenen politischen Lage er­gaben eine einmütige Auffassung der Frak­tion über den Ernst der Situation. Die Fraktion hält eine Erhöhung derBier- steuer und damit des Bierpreises für un­tragbar, und zwar aus politischen, witt- schaftlichen und wegen der daraus sich ergebenden Nebenbelastung der breiten Volks­schichten insbesondere auch aus sozialen Gründen. Die Fraktion billigt die vom Reichspostminister Dr. Schütz! im Kabinett eingenommene Stellung und behält sich die politischen Konsequenzen vor.

Erna« tote .Hmmrrtreu"

Ein ähnlicher Vorfall wie seinerzeit am Schlesischeck Bahnhof spielte sich gestern abend im Norden Berlins ab. Nach dem Vorbild derJmmertreu-Leute fuhren gegen 11 Uhr vor ein Lokal in der Duncker Straße plötzlich drei Kraftdroschken vor. Den Wagen entstiegen etwa zehn bis zwölf Mann, die in das Lokal erndrangen und mit mehreren dort sitzenden Gästen Streit anfingen. Es kam zu einer Schlägerei, in deren Verlauf auch ein Schuß abgefeuert wurde, der aber sein Ziel verfehlte. Die Polizei war auf den Ueberfallalarm als­bald mit einem größeren Aufgebot zur Stelle, so daß die Streitenden getrennt werden konnten, ehe es zu einem ernsteren Blutvergießen kam. Mehrere der An­greifer konnten verhaftet werden. Nach den bisherigen Ermittlungen scheint es sich um einen vorbereitenden Rachezug zu bandeln.

Die Brand-Katastrophe in Konstantinopel.

fk. K o n st a n t i n o p e l, 24. Jan. Die Verluste der Versicherungsgesellschaften bei der Brandkatastrophe werden bisher auf etwa 100 000 Pfund geschätzt. Der Eesamtschaden sowie die Zahl der ver­brannten Häuser steht noch nicht fest.

3mmct «sch Ne 112 Milliarde«

In einem Artikel, der sich mit der Re­gelung der deutschen Reparationsschuld beschäftigt, schreibt der offiziöseExcel- s i o r" u. a., es sei ein Irrtum zu glau­ben, daß der Dawes-Plan, wi» es die deut­schen Zeitungen zu verstehen geben, für die Jahre 1928 und 1929 eine feste Jah­resleistung vorsehe. In den folgenden Jahren könne vielmehr die deutsche Zahlung durch das Inkraft­treten des Wohlstands-Index erhöht werden.

Es fei ferner ein Irrtum zu glauben, daß der Dawes-Plan übet die 37 Jahre hinaus, welche der Amorti­sations-Periode der Eisenbahn- und Industrie-Obligationen entsprechen, keine deutschen Zahlungen vorsehe.

Die Amortisation betreffe weder den Haushaltsaufschlag, der sich auf 1,25 Milli­arden Eoldmark für das Normaljahr stelle, noch die Verkehrssteuer, die 290 Mil­lionen Eoldmark ausmache.

Bon 1884 ab könne der Wohlstands- Index die beiden Arten der Zahlung erhöhen.

Schließlich sei es ein Irrtum zu glauben, daß der provisorische Dawesplan in irgend einer Weise die endgültige Fest­setzung der deutschen Schuld be­stimme.

Der Plan läßt den Grundsatz der Schuld bestehen, der auf 132 Mil­liarden Goldmark festgesetzt ist.

Nur gegen eine garantierte Kommerziali­sierung der gesamten deutschen Schuld würden die Alliierten Veranlassung neh­men, eine endgültige Herabsetzung dieser Gesamtschuld ins Auge zu fassen.

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Der Schutz ter RoWfarbm

Berlin, 23. Jan. Der Strasrechtsaus- schuß des Reichstags nahm am Mittwoch un­ter dem Vorbehalt, eventl. Lurch Beschlüsse des Unterausschußes Zusätze hinzuzufügen, die Paragraphen 16ll 161 und 162 an, welche Ge­fängnis- bezw. Geldstrafe vorschen für Fälle, in denen jemand Schriftstücke oder andere be­wegliche Sachen, die sich in amtlicher Ver­wahrung befinden, beschädigt oder der amt­lichen Verfügung entzieht. Ebenso wurden die Paragraphen 163 und 164 angenommen, die die Verletzungen amtlicher Siegel und amt­licher Bekanntmachungen betreffen.

8 165 bedroht die Beschimpfung der Reichs- oder Landesfarbe« und die Ser* letzung von Hoheitszeichen mit Gefäuguis- oder Geldstrafe.

Abg. Dr. R o s e n f e ld (Soz.) wies als Be­richterstatter darauf bin, daß § 165 gegenüber dem Revublikschutzgesetz gewiße Strafmilde­rungen enthalte Die Rechtsprechung koegen Beschimpfungen der Farben Schwarz-rot-gold sei im höchsten Mabe bedauerlich. Was ge­denke die Reichsregierung zu tun, um dem Unfug ein Ende zu machen?

Abg. Dr Emminger (Bayerische Volks- parteif erklärte als Mitberichterstatter, daß die Farben der Republik geschützt werden müß­ten. Aber

es müsse doch stets unterschieden werden, ob ein« Beschimpfung der rev>Mikanischen Farben vorliege oder lediglich der Farben des Reichsbanner».

Abg. Dr. Hanemann (Dntl.) führte aus, daß eine Strafbestimmung, wie sie die Vor­lage »um Schutze der Reichsfarben bringe, in keinem anderen Staat bestehe. Sie sei in einer Zeit in dem Republikschutzgesetz geschaf­fen worden, in der die Befürchtung ym den Bestand der Republik und deren Farben be­sonders lebhaft gewesen sei Wenn diese Be­stimmungen aufrecht erhallen werden sollen, dann sei unverständlich, weshalb nicht auch die Landesfarben geschützt werden sollten.

Ein Regierungsoertreter erklärte, daß b*# Reichsinnenminister Urteile^ soweit sie aus bet Presse oder auf andere Weise bekannt seien, jederzeit nachprüfen laste. Falls Urteile un­terer Gerichte nach Ansicht des Innenministers nicht im Einklang mit dem Gesetz stände«.