Nr. 15
Oberdesfische Zeitung, Marburg a. L.. Freitag, den 18. Jan«« 1929
Seite 3
Wie's so zugeht
In Berlin jagen sich die Sensationen mit iffenartigei Geschwindigkeit. Der Verein Vjmmertteu“, der in Lackschuhen und Zylinder die Zimmerleute in Schlapphut und Manchesterhosen verprügeln , zu , müssen glaubte, ist schon fast in Vergessenheit geraten durch Frau Lisa Mayer, die so, schön dirigieren kann. Eigens aus Wien ist sie gekommen, um an der Spihe der Philharmoniker ihre neueste Symphonie mit dem raumoersprechenden Titel „Kokain" vorzuspielen. Ihr liebender Gatte aber war der Ansicht, das Interesse für seine musikalische Frau sei nicht grotz genug, und so ist er auf den Trick verfallen, eine Heiratsannonce auf- zugeben, in der eine sich einsam fühlende hinge Dame lockte. An die vielen, die sich dann als die Geeigneten meldeten, hat er dann die bekannten kleinen Brieflein geschrieben, die den Betreffenden ein Redez- vous in dem Konzert der ihm selbst angetrauten Dirigentin gaben.
deutenden beruflichen Wert des jüngeren Aussehens alternder Personen hinweist.
Datz das Aussehen aber nicht immer ausschlaggebend ist, mutzte noch kürzlich ein älterer Herr auf einer kleinen pommerschen Station erfahren. Er fuhr den Kutscher seines Gastgebers grob an, weil er ihn so lange habe warten lassen. „Was, Sie haben mich nicht gleich erkannt? Herr N. hat Ihnen doch sicher eine genaue Beschreibung von mir gegeben!" — „3a, erwiderte treuherzig der Kutscher, aber es gibt doch so viele kahlköpfige Mummelgreise mit roter Nase."
Ob diese neue Verjüngungsmethode auch ein Radikalmittel für rote Nasen ist? Datz dieser Kutscher höflich ist, kann man übrigens gerade nicht behaupten, und datz Höflichkeit überhaupt zu suchen ist, davon wcitz auch der Berliner Pelzmärder Lorbach zu er
zählen. In Berlin ist jetzt das Sechs- Tage-Rennen fälig gewesen. DasSechs« Tage-Rennen ist ein Paradoron: auf dem „Olymp" des Sportpalastes trifft sich btt „Unterwelt" der Rcichshauptstadt. Die Polizei weitz das natürlich. Diesmal gelang es ihr, einen ganz schweren Jungen, den Pelzmarder Lorbach, kurz nach der 2-Uhr- Nacht-Wertung abzufangen. Er war matzlos empört. Er hatte die Entspurts nicht gesehen! Woraus man ersieht, datz unsere Kultur nur eine Schcinkultur ist.
Unhöflich sind auch die, Türken zu nennen, aber sie haben wenigstens auf der Suche nach neuen Steuerguellen gelernt. Bet jeder Ta nzveranstaltung wtrd in Zukunft zunächst auf die Eintrittskarte eine gewöhnliche Briefmarke in Höhe von 15 Prozent des Eintrittspreises geklebt: ferner wer- i ben 10 Prozent für bie Armen abgeführt, I 15 Prozent für bie Stabtverwaltung zum
Das ist ’ne hübsche Arbeitsteilung: Die Gattin macht Musik wie boll. Der Gatte ohne Uebertilung, Macht recht mit List bie Säle voll. Der Muse köstliche Geschenke Verschafft bie Gattin: „Kokain", Der Gatte, ber mischt Liebestränke Mit ganz befonb’ren Garantien...
Die Gattin bänbigt bas Orchester
Und hält auf künstlerisch’ Niveau: Der Gatte dient ihr treu als bester Und Künstler-Impresario.
Sie müht sich um Gedankentiefe
Und schöpft aus reinsten Seelenquell'n: Er schreibt indessen Liebesbttefe An sieben Dutzend Junggesell’n.
Sie komponiett mit stets erhöhter
Pulszahl in höchster Nervengual:
Er lockt mit gold'nem Eheköder Die blöden Opfer in den Saal. Das nennt man Wirkung auf die Maste, Das nennt man Zukunft der Musik. Sie wird berühmt — und er macht Kasse! Gesegnet sei bet neue Trick!
Nach einer Feststellung bes „Tag" hat übrigens bieser geschickte Ehemann ben Versuch, heiratslustige Männer burch Bestellung ins Konzert seiner Frau, Lisa Mayer, zu locken, schon vor etwa einem halben Iaht auch in Wien mit Erfolg angewanbt. Damals leisteten ber Aufforberung etwa 100 heiratslustige Herren Folge. Nach ber ersten Pause verlieben viele ben Konzertsaal, boch . ohne batz es zum Skanbal kam. — Junggesellen, bie haben mal ein gutes Herz!
Der Gatte ber Lisa Mayer versteht es {ebenfalls, auf Kosten anderer Geld zu machen. In Wien scheint man überhaupt erfinderisch zu sein, denn aus derselben Stadt kommt die Kunde von einer neuen Verjüngungsmethode, die jedoch nicht eine Verjüngung bes ganzen Körpers, sondern nur eine solche der Haut zum Ziele hat. Die alternde Haut wird durch Diathermie mit Hilfe von Elektroden, die an das Gesicht wie eine Maske und an die Hände wie Handschuhe angelegt werden, zur Erneuerung gebracht. Bei Anwendung der Methode kommt es zu einer Erweiterung der Arterien in der Haut und damit zu einer guten Durchblutung und Auffrischung des erlahmenden Stoffwechsels. Der Erfinder, Dr. Last, legt in der „Medizinischen Klinik" den Hauptwett seiner (Erfindung nicht auf bie eitle Verschönung, sondern auf die Vorteile in sozialer Beziehung, indem er auf den be-
Unglückslahr, »et „Siojefflr
Der englische Ozeandampfer „Majestic' der einstige deutsche Dampfer „Bismarck", hatte auf seiner Ueberfahrt nach Amerika schweres Wetter zu bestehen. Durch eine Sturzwelle, die mehrere tausend Tonnen Master in das Schiff ergoh, wurden viele Passagiere verletzt und ein Koch getötet.
Die Räume bei 3. Klasse wurden völlig verwüstet. In ben tiefer gelegenen Mannschaftskabinen, in benen bas Master zwei Meter hoch stanb, mutzten acht Mann eine Stunbe lang schwimmen, bis sie gerettet werben konnten. Der Inhalt von 5 000 Postsäcken würben verborben.
Ausbau ber hygienischen Anlagen unb noch weitere 10 Prozent gehen allgemein an ben Fiskus.
Den Gegensatz zur Türkei pflegt man in 3 a p a n jetzt bie Höflichkeit. Kürzlich fanb auf allen japanischen Eisenbahnen eine sogenannte Höflichkeitswoche statt. Wie „3apan Chronicle" berichtet, waren währenb bieser Woche alle japanischen Bahnangestellten vom Gepäckträger bis zum Präsidenten verpflichtet, ein gleichmäßiges angenehmes Lächeln zur Schau zu tragen, Gepäckstücke ufro. recht vorsichtig unb zart zu behandeln, sowie sich höllich vor jedem Fahrgast zu verbeugen. Gleichzeitig aber wandten sich die Eisenbahngesellschaften auch an das Publikum, das auf Flugblättern, Handzetteln ufro. gebeten wurde, das Eisenbahnpersonal freundlich zu behandeln und ihm seinen Dienst zu erleichtern. Wie verlautet, ist diese „Höf- lichkeitswoche" ein voller Erfolg gewesen, so- datz man sich entschlossen hat, sie in jedem 3ahre einmal zu veranstalten.
3n Rutzland werden inzwischen wieder Brotkarten ausgegeben. Ei i Riesenreich, geschaffen dazu, die Kornkammer ber Welt zu sein, kann nicht einmal seine paar Stabte ernähren. Dabei waren bie Ernten besriebi- genb. Vielleicht liegt es baran, bah ber Manismus unb ber Bolschewismus behaupten, auf „wissenschaftlichen Grundlagen zu beruhen". Es ist damit wie mit der ge- gclungenen Operation, bei der der Patient, unwissenschaftlich, wie er nun einmal ist, tot geht. Der Bolschewismus ist schon richtig — aber die Russen lind falsch. Und falls die Katten nicht helfen, was sie versprechen, liegt es bestimmt am Brot — nicht an den Karten. Die beruhen nämlich auf wissenschaftlich errechneten Grundlagen... Die Staatsanwaltschaft ist wieder anderer Ansicht. denn sie hat zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, weil He glaubt, datz der Brot- mangel nur auf Privatspekulationen zurückzuführen ist. Auch das soll Vorkommen!
s—r.
SedtfdmlmutirhNtn
X Einen Lehrauftrag zur Vertretung bes erkrankten Professors ber praktischen Theologie D. Huvfeld an ber Universität Rostock ei« hielt der Oberkirchcnrat D. Beruh. Goesch, Studiendirektor bes Predigerseminars m Schwerin.
X Der durch das Ableben des Profestors Julius Kögel an der Universität Kiel erledigte Lehrstuhl ber Neutestamentlichen Theologie ist Pros. D. Dr, Hans Windisch an der Universität Leiden (Holland) angeboten worden.
X Zum Rektor ber Universität Tübingen ist für bas Amtsjahr 1929 30 ber Professor ber Geologie unb Paläontologie Dr. Edwin Hennig gewählt unb vom Staats« präfibenten bestätigt worben.
X Die badische Universität Freiburg zählt nach vorläufiger Feststellung im, laufenden Wintersemester 3165 immatrikulierte Studierende, davon 249 Theologen, 892 Angehörige der rechts- und staatswisienschaftlichen Fa kultät, 884 Mediziner, 557 Angehörige der philosophischen Fakultät und 583 Angehörige der naturwistenschaftl.-mathematischen Fakultät (darunter 93 Chemiker, 41 Pharmazeuten und 127 Forstwirtschaftler).
X In Karlsruhe ist ber emerit. erb. Professor ber theoretischen Mechanik an ber dortigen Technischen Hochschule Eeh. Sufrat Dr. phil., Dr.-Jng, b. c. Karl Heun im Alter von 70 Jahren gestorben.
X Zu nichtbeamleten außerordentlichen Pro- fesioren sind ernannt worden die Privatbozen« ten Dr phil. Martin Winkler in ber philosophischen Fakultät ber Universität Königsberg, Dr. theol et jur. Franz (bescher in ber rechtswissenschaftlichen Fakultät bet Universität Köln und Dr. theol.' Josef Greven m der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn.
X In der Fakultät für allgemeine Wissenschaften der Technischen Hochschule in 93 re 5« lau ist der Privatdozent für Mathematik unb Vermessungskunde Dr. Edwin F e y e r zum nichtbeamteten außerordentlichen Profesior er- nannt worden.
X In der Fakultät für Bauwesen der Technischen Hochschule in Berlin ist der Privat« dozent für Eisenbahn- und Tunnelbau, Regierungsbaumeister a. D. Dr. iur., Dr.-Jng. Ernst Randzio zum nichtbeamteten außerordentlichen Profesior ernannt worden.
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Kunst und WWMnsi
— „Karl und Anna" eine mißglückte Frankfurter Uraufführung. Wie aus Frankfurt ge- melbet wirb, brachte die mit vieler Spannung erwartete Uraufführung von Leonhard Franks „Karl und Anna" dem in letzter Zeit viel geprüften Frankfurter Schauspielhaus eine neue Enttäuschung. Wohl konnten Autor unb Regisseur am Schluß wiederholten Hervorrufen Folge leisten, aber bas kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß beide nicht verstanden haben, dem an und für sich trefflichen Rovellenstoff Franks bei ihrer Bühnenbear. beitung wirksames Leben einzuhauchen. Von Anfang an lag eine gewisse Monotie über der ganzen Handlung, noch verstärkt durch die forcierte langsame Sprechweise aller Beteiligten und die innere Abwehr eines Teils des Publikums gegen ein heute überwundenes Thema.
= Professor Vidal t. 3n Paris ist im Alter von 67 Jahren ber berühmte Spezialist für Nierenkrankheiten, Professor Fernanb Vibal, gestorben.
— Charlie Chaplin heiratet zum drittenmal. Aus Los Angeles wird gemeldet: Charlie Chaplin bat sich mit Georgia Hate, bie im Film „Eolbrausch" bie weibliche Haupt' rolle spielte, verlobt. Charlie Chaplin wird sich jetzt zum drittenmal verheiraten.
Bhucu, der Mlenbük
Skizze aus ber Urzeit von Karlheinz Runeck.
«Bhure, ber uralte riesige Bär, lag blinket nd in ber matten Nachmittagssonne. Das dichte, zottige Vlietz hing ihm in braunroter Fülle um ben gewaltigen Körper. Die steinen. flugen Augen waren halb geschlossen, ohne batz ihnen aber beshalb irgeub eine Bewegung in ber Autzenwelt entging. Wie bas anbaltenbe zornige Brummen verriet, befanb ber regungslose Riese sich in bent- bar schlechtester Laune. Sein Wohlbefinben war seit gestern ganz erheblich gestött. Zwar trug er schon seit langem die Erkenntnis mit sich hemm, batz ein Leben um so einsamer wirb, je länger es bauert; aber ber gestrige Tag hatte biete anspruchslose Philosophie auf eine hatte Probe gestellt. Bhura, sein Weib, war ben heimtückischen Wesen zum Opfer gefallen, bie seit kurzem bie weiten, steinigen Abhänge bes Gebirges mit ihren braunen, fast haarlosen Körpern Deren« statteten.
Einer ber Unholbe, ein Junger noch, nach dem ganz spärlichen Haarwuchs zu schlietzen, hatte Bhura, als sie ahnungslos burch bas Gestrüpp trabte, seinen schweren Steinstotz en ben Sdjäbel geworfen unb ihr bann ben langen Ast, ben all biete unheimlichen Wesen en ber Äorberpfote trugen, burch ben Leib gerannt. Fauchenb unb schmerzlich brem« kenb war Bhura zusammengebrochen unb oerenbet.
Schon vor ihr hatten vier ber Genossen das Leben eingebüht unter ben furchtbaren Schlägen ber schweren Steine, bie ben fremden, sonderbaren Eindringlingen mit einem kurzen Ast an ber einen Pfote festsahen, bis die Klötze sich plötzlich lösten unb mit furchtbarer Wucht durch bie Luft sausten, um »er«
schmetternb ben Schädel ober bie Schulter eines Tieres zu treffen. Räuber waren cs, gewalttätige, verruchte Unholbe, bie kein Tier verschonten, bie morbeten, um ben Ee- morbeten zu verzehren, wie Rhao, ber Löwe, unb Bherri, bie Paniherkatze.
Aber Rhao unb Bherri waren bie weniger Schlimmen. Ihrer gab es im ganzen nur vier, unb sie alle holten ihre Rahreng in ber freien Ebene, von Ghalka, ber Antilope, unb Phista, bem schmalen Rentier, bie sich bott zu ungezählten Scharen ihres leichtsinnigen Lebens freuten. Anders die fremden Unholde. Sie zählten ohne die Weiber mehr Köpfe, als vier Bären an ben Pfoten Zehen trugen, unb sie erschlugen alles, was ihnen bes Verzehrens wett schien.
Das mutzte aufhören, schon um ber jungen Generation willen, beren Schicksal besiegelt war, wenn die Fremden blieben unb sich weiter vermehrten. „Hochgänger" nannte Bhuru sie im stillen nach ihrem eitlen, selbstgefälligen Gang, zu bem sie nur bie Hinterbeine gebrauchten, währenb ihnen in ben Dorberpfoten Wurfast unb Steinklotz sahen.
Brummend legte Bhure d-n gewaltigen Schädel tief auf die Pfoten und dachte nach.
Als bann bie Sonne enblich ihr mattes Nebelauge schloh unb finster unb brohenb bie will) zerklüfteten Zacken ber Berge sich vor bie letzte Tageshelle schoben, ba trotteten vier riesige Körper in braunrotem Wollpelz zu. an besten Futz bie „Hochgänger" ihr Lager hielten. Bhure führte ben stummen Zug, unb ihm folgten bie brei ältesten unb stärksten Bären bes Tales, gewaltige Kämpen wie er selbst, benen Gefahr unb Schrecken unbekannte Dinge waren. Am Felshang brannte ein Feuer, flackernd in ber unsteten Luft ber hereinbrechenben Nacht, unb barem satzen bie „Hochgänger", Männer Weiber unb Kinber. mit bet Zubereitung bes Nachtestens beschäftigt, besten Hauptteil, eine junge
Antilope, am langsam sich brehenben Spietze über ben Flammen briet. Kurze, abgerissene Worte belebten bie Stille, mischten sich mit bem Prasseln bes Feuers unb bem leisen Zischen ber von bem Braten in bie Glut fallenben Fettropfen unb verschluckten bas Geräusch, bas Bhures unb seiner Genossen schwere Fütze auf bem wirren Felsgeröll bes holprigen, abschüssigen Bobens verursachten. Die kleinen, klugen Augen waren jetzt ganz geöffnet unb spiegelten in zuckenben Lichtem ben Feuerschein toiber. Wie grünlich- golbene Blitze stachen sie aus bem Dunkel ber Nacht zu ben Menschen hinüber, bie nichts« ahnenb bes stärkenden Bratens harrten.
Dann ein Heller flaut. Khaju hatte ihn ausgestotzen, Bhuras junger Ueberroinbcr. Es war sein letzter Ruf, benn urplötzlich richtete sich bicht vor ihm Ähurus Riesengestalt vom Boben auf. Eine rasche Bewegung bes Tieres, unb Khaju flog mit zerschmettertem Sdjäbel gegen bie Felswanb, bie bei bem harten Anprall einen bumpfen Ton gab. Geschrei unb roilbes Brummen unb Fauchen erfüllten ben Platz unb hallten taufenbfältig von ben umliegenden Sängen zurück. Stein« hämmer schmetterten hernieder; Speere flogen, von nervigen Fäusten geschleudert, in wollige Vließe; Gelenke brachen unter zermalmenden Prankenhieben; das Feuer zerstob in alle Winde, auseinander gezerrt von stampfenden Fußen unb Tatzen.
Bhure, besten schwer geworbenes Blut durch den Sieg über den Mörder seines Weibes ois zum Sieoepuntt erhitzt war, wütete mit Eebih unb Pranken in bem Häuflein ber Verhaßten. Ein Ohr war ihm abgeschlagen; in langen Fetzen hing ihm bas Wollflietz über bie Augen, so batz er kaum noch sah, wohin er sich roanbte. Ein furchtbarer Hieb zenleischte seine linke Schulter, aber unverändert stark unb frisch blieb seine Kraft, gleich mächtig seine Wut, als ihm bislang
nichts geschehen. Mit ungeschickter Bewegung schob er bie hinbernben Hautfetzen übet bie Stirn zurück, um besser sehen zu können. Das rinnenbe Blut machte ihn leichter, jünger, entfachte Zorn unb Mut aufs Doppelte.
Da sah er vor sich eines «Hochgängers junges Weib am Boben liegen. Schlank unb braun lag sie auf bem hatten Felsboben. Ihr langes Haar wallte tief hinab über Brest unb Hüften. Die Augen waren in Schreck unb zorniger Angst weit geöffnet.
Schwerfällig unb ein Brummen höchster Freude ausstotzenb, lietz sich Bhure auf bie Dorberpranken nieberf allen, willens, mit einem einzigen zermalmenben Bitz ber Verhaßten Hals zu zerfteischen.
Da trafen ihn ihre Augen, unb burch ben Körper bes riesigen Tieres lief ein Zucken, denn hinter bem bunkel glühenben Wiber- schein der erfterbenben Flammenglut, bie sich im Blick ber wehrlosen Feinbin spiegelte, lauerte etwas Sonderbares, lauerte das große Geheimnis, bas bie schmächtigen unb boch so furchtbaren Feinbe umgab und ihnen selbst über den Beherrscher bes Gebirges Gewalt verlieh, über ben Bären, bem kein Feind sonst ohne Zittern entgegen zu treten wagte. Tiefer als der schroffste Abgrund waren die Augen und ihre Strahlen blendender als ber Sonne hellstes flicht.
Ein rieselnbes Grauen schüttelte Bhures ©lieber, benn er ahnte plötzlich, batz selbst tausenb seinesgleichen ber „Hochgänger" rätselhaftes Geschlecht nicht mehr ausrotten würben.
Da senkte er ben Stopf, zu Tobe traurig.
Schmetternb fuhr ein schwerer Steinhammer gegen sein rechtes, noch unverletztes Ohr.
Die Welt versank in ein graubüjteres flicht.
Bhure war tot