Donnerstag, tcn 1<. Znnuar 1929
ffc ^Vberhefstsch« Stlhmg" «• «*rint jcch«mal wichenllich. Ve- «,g«prei« monatlich 2 GM. au«. -Kließl- Zustelluna«qebübr, durch ^Post2-25 GM.Für «Uva infolge Atrrik«. Mafchinendefett« oder Elkmcnlarer Ereigntfle ausfallend« Kummern wird kein Lrfal, ««- i^stet. Verlag v. Dr. §. KiUervth. Druck der Unid.-Duchdruckere> b. geb. Ang- Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Rr. 55. «ostscheckkontv: Amt Frankfurt u. M. Nr. 5015. — Sprechzeit bet Redaktion von 10—11 und
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Nr.tt «4. Mr/ Marburg a. Lahn
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhefsen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Wieder schwerer Landesverrat
örvrners FloNeadenksKrtft in London veröfsenMt Ko war nut einigen Minlslem und ReWiagsabgeordnelen bekannt
Zn der gesamten politischen Welt des und Auslandes bildet augenblicklich die in der Ianuarnummer der englischen Zeitschrift „Review o f Reviews" «folgte Veröffentlichung des
Geheimdokumentes des Reichswehr- Ministers Eroener
rat Begründung seiner Panzerkreuzervorlage eifriges Gesprächsthema. Dabei ist es etwa nicht die auf vorerst noch unbekannten Schleichwegen möglich gewordene Publizierung des völlig harmlosen und deshalb auch wenig sensationellen Inhaltes der Denkschrift, was in den maßgebenden deutschen Regierungskreisen Erregung hervorgerufen hat. Viel bedauerlicher ist die Tatsache, daß es überhaupt zu einer solchen Andiskretion kommen konnte. Auf welche Weise? Von unterrichteter Seite wurde gestern mitgeteilt, daß
nur den Mitgliedern des Reichskabinetts. anf besondere« Wunsch einigen
im Grenzgebiet erwähnt und über die Verteidigung Ostpreußens gegen einen polnischen Einbruch ausgeführt, in einem solchen Falle würde eine Versorgung Ostpreußens mit Mannschaften und Munition nur auf dem Seewege möglich sein. Die deutsche Kriegsflotte werde hierzu nur in der Lage sein, wenn sie in der Ostsee gegenüber Polen das Uebergewicht habe.
Gegenwärtig besitze sie es, werde es aber in Zukunft vielleicht nicht mehr besitzen, wenn sie mit einer polnischen, durch französische Schiffe verstärkten Flotte z« rechnen haben werde.
Der polnische Hunger nach Ostpreußen und Oberschlesien sei kein Geheimnis.
Offenbar wollten sich die Polen ein Sprungbrett für einen Einfall schaffen. Für diesen Fall müsie die Seeverbindung nach Ostpreußen von der Reichsmarine gesichert werden. Die Aufgaben der Flotte beschränkten sich dabei durchaus auf die Landesverteidigung. Die alten Linienschiffe seien aber auch für diesen Zweck völlig untauglich.
Der Reichskanzler beim Reichspräsidenten.
Der Reichskanzler hat gestern vormittag eine Unterredung mit dem Reichspräsidenten gehabt, die man in unterrichteten Kreisen auf die Veröffentlichung der Denkschrift des Reichswehrministers durch die Review of Reviews zurückführt.
Schmre GAWataltrophe
Länderregierungen und einigen Reichstagsabgeordneten je ein Exern- der genannten Denkschrift zur Kenntnisnahme zur Verfügung gestellt worden war. Die Vermutung liegt also nahe, daß irgendeine Person aus diesem Kreise entweder fahrlässigerweise oder gar mit Absicht die gerade in Wehrfragen erforderliche Diskretion nicht gewahrt hat. Jedenfalls wäre es unter diesen Umständen von großer Wichtigkeit, zu erfahren, welche Abgeordnete und Mitglieder der Länderregierungen in den Besitz dieses Dokumentes gelangt sind, wie aucy feftge- stellt werden müßte, ob keines der ausgegebenen Exemplare fehlt. Sind sämtliche Exemplare noch vorhanden, so bleibt natürlich immer noch die Möglichkeit, daß eines der Dokumente abgeschrieben oder photographiert worden ist. Mag der Fall nun liegen, wie er will, sicher ist, daß man es mit einem unerhörten Skandal zu tun hat, der die zuständige Amtsstelle zu erhöhter Sorgfältigkeit in der Wahrung nationaler und staatlicher Belange veranlassen muß. Diese Sorgfalt scheint hier nicht in genügendem Maße beobachtet worden zu sein. Ein solcher Vorgang läßt sich auch damit nicht entschuldigen, daß vielleicht (das wäre doch nicht ausgeschlossen!) eines der Exemplare irgendwo aus, Versehen liegen blieb und auf diese Weise in unrechte Hände gelangen konnte, die das Dokument eventuell zu Geld gemacht haben. Im übrigen wird man den Fortgang der inzwischen eingeleiteten Untersuchung abwarten müßen, bevor man sich ein abschließendes Urteil erlauben kann. Bösartige chauvinistische Elemente des Auslandes werden natürlich die Gelegenheit wieder einmal benützen, um gegen Deutschland zu Felde zu ziehen, doch wird man mit gutem Gewissen die Frage stellen dürfen, ob denn eigentlich etwas in der Denkschrift steht, was irgendwie auf geheime militärische Pläne Deutschlands schließen ließe.
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Nach einem von W. T. B. verbreiteten Auszug erinnert die Denkschrift an die Besitzergreifung von Fiume durch Italien, von Wilna durch Polen und von Stemel durch Litauen und sagt: „Zu ledern dieser Fälle war der Zweck des Einfalls, eine vollendete Tatsache zu schaffen, und seine Wirkung war, daß die Besitzergreifung des Gebietes zu einer gesicherten Inbesitznahme wurde. Das Verhalten Aalens ist ein weiterer Beweis dafür, daß dieser Fall tatsächlich eintreten kann." Weiter wird unter anderem die militäri- lche Ausbildung polnischer, ziviler Vereine,
Mw M BassWM ertrunken
Hongkong, 18. Za«. Der Dampfer „Hsinwah" ist zwischen Shanghai und Hongkong in der Nähe von Waglan auf einen Felsen gelaufen und gesunken. Zwanzig Passagiere konnten in einem Rettungsboot die Küste erreichen, sechs weitere Personen, darunter der zweite Offizier des Schiffes, wurden von einer Fischerdschunke ausgenommen. Man befürchtet, daß von den 400 Personen, die sich einichließlich der 103 Manu Besatzung an Bord des von dem dänischen Kapitän Jensen geführten Schiffes befanden, sonst niemand mit dem Leben davon gekommen ist, die Zahl der Toten also über 350 beträgt. Unter de« Pasiagiere« befanden sich etwa 30 Frauen und Kinder jedoch keine Europäer. Unter den 26 Geretteten befinden sich vier Pasiagiere. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß einige lleber- lebende sich an die Küste der benachbarten Inseln retten konnten. Die Nachforschungen werden durch das stürmische Meer erschwert.
3um Untergang des chinesischen Dampfer« „Hsinwah".
Paris, 16. San. lieber den Untergang des chinesischen Dampfers „Hsinwab" berichtet Haoas aus Hongkong, eine Dschunke habe den dänischen Kapitän der „Hsingwab", Sensen, einen Esten, und zwei Chinesen in erschöpftem Zustande ausgenommen. Ein Passagier habe ausgesagt, daß der Dampfer nach der Ausfahrt aus Swaiau mit schwerer See zu kämpfen hatte. Es habe nur ein Rettungsboot ausgesetzt werden können. Der Dampfer sei sofort gesunken.
Ein Rettungsboot gekentert
A m st e r d a m, 16. San. Mittwoch morgen wurden bei Hock van Holland Notsignale des dänischen Dampfers „SBalla" gehört. Das Dampfrettungsboot „Prinz der Niederlande" fuhr aus, um der Mannschaft Hilfe zu bringen. Gegen 2 Uhr funkte die „Dalka", daß das Rettungsboot im Sturm umgeschlagen sei und die Bemannung von acht Personen hilflos auf dem Wasser treibe. Eine an die „Valka" gerichtete Bitte, an die Mannschaft Hilfe zu senden, wurde mit „Unmöglich" beantwortet. Von Land aus hatte man nichts sehen können. Sn Hoek van Holland herrcht grobe Bestürzung. Die acht Mann des Rettungsbootes waren alle verheiratet.
Skfunbones Neffen für Polen
Die gesamte Warschauer Presie veröffentlicht die aus englischer Quelle stammende Eröner-Denkschrift in großer Aufmachung. An die Stelle der vorläufig noch fehlenden Kommentare treten Ueber- schriften wie »Demaskierung der deutschen Riistungspläne", «Ein Schlag für die deutsche Politik", „Die deutschen Panzerkreuzer gegen Polen", „Geheime deutsche Rüstungen".
Steeg erklärt . . .
ff. London, 17. Jan. Der Korrespondent der «Review of Reviews", Wickham Steeg, gab gestern abend eine E r - klärung darüber ab, wie die deutsche Denkschrift über den Panzerbau i u feinen Besitz gekommen sei. Er sagte: Die Denkschrift ist nicht ein geheimes Dokument, aber sie ist sehr wichtig. Die ganze Sache war eine deutsche militärische Erklärung, die den Parteiführern vertraulich übergeben
wurde. Sie ist durchaus authentisch und sie ist nicht gestohlen worden.
Sie ist i« der übliche« Weise in meinen Besitz gekommen von einem Manne, zu dem ich Vertrauen habe.
Ich habe die Ueberzeugung erlangt, daß sie authentisch ist. Die innere Ueberzeugungs- kraft spricht so stark für die Echtheit, daß kein verantwortlicher Journalist zöger« würde, das Dokument zu veröffentliche«. Das Dokument ist nicht so geheim geblieben, wie gewünscht worden war. Zn der Meldung, daß von den deutsche« amtliche« Stellen eine Untersuchung angeordnet worden sei, bemerkt Steeg: „Soweit ich i« Frage komme, könne« sie soviel ««tersuche» wie sie wolle«."
Besserung im Befinden Fochs.
Paris, 16. San. Heute abend haben die Marschall Fach behandelnden Aerzte eine leichte Besserung tm Befinden des Kranken festgestellt.
®6 lfl Aman Nab?
ft. London, 17. 3an. liefet das Schicksal des König« Aman U l l a h liegen noch immer keine Nachrichten vor.
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General Beech abgefetzl
ft. London, 17. San. Der Oberste Rat der Heilsarmee teilte nach einer Nachtfitzung in den frühen Morgenstunden mit, dab mit 55 gegen 8 Stimmen eine Entschliehung angenommen worden ist, in der General Vooth als körperlich unfähig bezeichnet wird, die Leitung der Heilsarmee weiter zu behalten. Das Ergebnis der Abstimmung kann als eine volle Rechtfertigung der Zusammenberufung des Obersten Rates angesehen werden. Am kommenden Freitag werde sich der Oberste Rat mit der Frag« der Nachfolgeschaft von Booth befaßen.
General Booth verweigert den Rücktritt.
ff London, 17. San. General Bootb wiederholte in einem Snterview mit einem Vertreter der „Daily Mail", dab er sich nicht absetzen lasse. Er sagte, er werde sein geringes Privatvermögen dazu verwenden, um seine Stellung zu verteidigen.
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Parker Gilbert bleibt - aber tote lange?
Nach einer Meldung bei „Newyork Times" aus Louisville in Kentucky erklärte Parker Gilbert zu den Gerüchten, wonach er sich von seinem Posten als Generalagent für die Reparationszahlungen nach dem Zusammentritt des Sachverständigenausschusses zurückziehen werde, er höre die Nachricht, daß er zurücktreten werde, zum erstenmal. Er glaube, daß diese Erklärung genüge. Parker Gilbert sagte weiter, er werde noch drei Tage in Louisville bleiben und am 26. Januar auf dem Dampfer „Paris" von Newyork aus die Rückreise nach Deutschland antreten.
Die verlockende« Angebote vo« große« Bankhäuser«.
„Newyork Ser alb" ergänzt die Mel- düngen über die Rücktrittsabsichten fParter Gilberts dahin, daß seine Tätigkeit als Reparationsagent bei den amerikanischen Bankiers solchen Beifall gesunden habe, daß Parker Gilbert zahlreiche verlockende Angebote erhielt.
Parker Gilbert bekommt gegenwärtig ' ein Gehalt von 50000 Dollar jährlich, das im Vergleich mit dem Einkommen, das er als Teilhaber einer großen Bankfirma haben könnte, unbedeutend ist und schätzungsweise mindestens eine Million Dollar jährlich betragen würde. Daß Parker Gilbert Fl- nanzmann und Jurist sei, und in seinen Be- Ziehungen zu Deutschland und den amu taten alliierten Stellen einen bemerkenswerten Takt bewiesen habe, soll der Grund für die verlockenden Angebote sein.
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Das Verfahren zur Ernennung der amerikanischen Mitglieder des Sachverständigen- Ausschusses hat, wie das „Echo de Pa- ris" erfährt, am vergangenen Montag begonnen, als der englische Botschafter in Washington, Howard, seinen Kollegen von Frankreich, Belgien, Italien, Japan und Deutschland die Wahl von Pierpont Mor- gan und Owen Boung oorgeschlagen habe. Gleichzeitig habe die englische Regierung er« klären lassen, daß ihr die beiden Persönlichkeiten genehm seien. Am Dienstag hätten Frankreich und Deutschland, am Mittwoch Belgien und Italien ihre Zustimmung erteilt. Jetzt werde Howard Pierpont Morgan und Owen Poung ein offizielles Angebot unterbreiten. Wenn die Einwilligung Morgans und Owen Poungs oodiegt, wurde die Reparationskommission und die deutsche Regierung, nachdem sie sich versichert hätten, daß seilens der Washingtoner Regierung keine Bedenken beständen, die Ernennung der amerikanischen Sachverständigen vornehmen.