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Mittwoch, ton 16. Januar 1929

DK ^Vberhesflsch« ZrUung" er- schrtnt sechsmal wöchentlich. De- ^gspreis monatlich 2 DM. au«, schließ!. Zustellungsgebühr, durch htePost2-25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallend« Rummeru wird kein Ersa» ge» leistet. Verlag b. Dr. §. -iheroth» Druck der Untb.-Buchdruckerei d. Job. Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Rr 5015. Sprechzeit hSr Redaktion von 1011 ueb »1,11 Uhr.

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Nr. 13 64. Jadrg. Marburg a. Salm

Der Anzeigenpret« »UrLgt ft* »en 10 gespalt. Zetlenmtlltmeter 0.08 SM, kleine Varanzeig« 0.06 SM, amtlich, und auS- vLrtiqe Anzeigen 0.10 GM. Sri schwierigem Satz sowie bet Platz- Vorschrift 50*1» Aufschlag. Sa mmelan, eigen 100 R, Ab­schlag. Reklamen der Millina 0,40 GM Jeder Rabatt gilt als Varrabatt. Ziel 5 Tage. Gelege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die GeschäftSstell« nnd Zusendung der Angebot«. Cr füüunqsort Marburg.

t Gold mark = '/»»Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der Thronwechsel in Afghanistan

Wie öS zur Abdankung tarn Die Rebellen sehen dm stampf fett

London, 15. Ian. Wie der amtliche englische Funkdienst meldet, hat sich Aman llllah im Flugzeug nach Kandahar be­geben, wo er von seinaer Gattin Suraja erwartet wird. Kandahar ist noch afgha­nisch, es liegt ungefähr 100 Meilen von der indisch-afghanischen Grenze entfernt, so daß sich der König noch immer in per­sönlicher Gefahr befindet. Es ist wahr­scheinlich, das, er versuchen wird, über die Grenze in ein sicheres Asyl zu flüchten. In diesem Zusammenhang wird bereits Paris genannt.

Wie aus Kabul gemeldet wird, werden die Nachrichten darüber, datz König Aman Allah nach Europa abgeflogen sei, von der 'afghanischen Regierung als falsch bezeich­net. Aman llllah befindet sich in Kanda­har, und habe bisher noch keine Erlaub­nis von der Regierung, das afghanische Gebiet zu verlassen. Der neue König, Inayat llllah, verständigte Aman llllah, das; die Genehmigung für das Verlaßen des afghanischen Gebietes vom Kronrat und dem Rat der Mullah demnächst er­teilt werden würde. Die afghanische Poli- jsei hat Anweisung gegeben, darauf zu ach­ten, datz alle afghanische Frauen den Schleier tragen.

Noch keine Ruhe in Afghanistan.

Englische Meldungen bestätigen, datz die Abdankung Aman Ullahs die Auf- stände in Afghanistan nicht beendet hat. Der Sonderberichterstatter der JDa i l y Mail" in Lahore meldet seinem Klatt, Aman llllah habe in der letzten Zeit zahlreiche Warnungen erhalten, datz sein Leben in Gefahr sei. Er habe eine Entscheidung getroffen, die Afghanistan in weiteres Unglück stürzen kann. Englische Kreise in Indien seien der Auffasiung, datz sich auch der britische Gesandte in gro­ßer Gefahr befinde, nachdem der Einfluß Aman Ullahs beseitigt sei. Der neue Herr-

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König Aman llllah hat seine Reform- xestrebungen gegen das Widerstreben der überwiegend konservativen Bevölkerung Namentlich der reaktionär-orthodoxen Geistlichkeit, nicht durchsetzen können. Trotz der scheinbaren lleberwindung des Auf­standes wurde er durch wachsenden Wider­stand zur Abdankung zugunsten seines luteren Bruders, des Prinzen Inayat

(im Bild) gezwungen.

scher besitze anscheinend nicht die starke Persönlichkeit seines Bruders. Zn Indien kei bereits die Rede davon, datz während der nächsten zwei Jahre keinem Europäer das Betreten afghanischem Boden erlaubt werde. Der Vertreter der afghanischen Regierung in Karatschi, ein persönlicher Freund des neuen Königs, habe erklärt, die Thronbesteigung stelle wahrscheinlich den Versuch dar, Zeit zu gewinnen, um die Aufständigen zur Niederlegung der Waffen zu veranlassen.

ließet die Ereignisse, die der Abdankung Aman Ullahs vorausgingen, werden fol­gende Einzelheiten berichtet:

Die Truppen Aman llllahs wurden am Sonntag von den Rebellen hart bedrängt und gezwungen, das Tal von Kohedaman

Z« den Rücktrittsabsichten Parker Siliert» erklärt dasJoeineV\ datz die Reparationskommission diese Nachricht weder bestätigt noch dementiert. Man hebt hervor, es sei zweifehast, ob Parker Gilbert sein Amt vor Beendigung der Arbeiten des Sachverstävdigenaus- schusses niederlegen werde.

Havas berichtet aus Newyork zu den Gerüchten über den Rücktritt Parker Gil­berts: Nach derNewyork Herald Tri­büne" soll Parker Gilbert beabsichtigen, seinen Posten als Generalagent für die Reparationszahlungen niederzulegen, so­bald er dem Sachverständigenausschutz sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen übergeben habe. Das Blatt erklärt, der Rücktritt würde ein ziemlich ernstes Problem darstellen, denn Parker Gilbert verdanke seinen Posten Owen Young, der seinerzeit sich das Vorrecht vorbehalten habe, Parker Gil­berts Nachfolger zu ernennen.

Parker SUbert und die Wahl Morgans.

Chicago Tribüne" meldet aus Washing­ton, datz man dort annehme, datz die Wahl

ständischen, mit denen sie einen Waffen­stillstand abschlosien. Aman Ullah befand sich gestern noch in Kabul. Der afghani­sche Generalkonsul in Defi teilt mit, datz zwischen Aman Ullah und seinem zum König gekrönten Bruder Inayat Ullah ein freundschaftliches Verhältnis herrsche. Der neue König habe während der Re­gierung Aman Ullahs das Leben eines Privatmannes geführt und sich mit den Regierungsangelegenheiten nicht beschäf­tigt. Er besitze das Vertrauen der mohammedanischen Geistlichkeit. Ueber die persönliche Sicherheit der in Kabul wei­lenden Ausländer hat man dort seit den hier eingegangenen Meldungen keine Be­sorgnis.

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Berlin, 15. Ian. Der HauptauS- fchuß des preußischen Landtages setzte am Dienstag die Vorberatung des Haushalts des Ministeriums des Innern fort.

Llbg. von Eampe (D. Vpt.) meint, auch diesmal fehle zur Verwaltungsreform die Fühlung den Parteien, so daß selbst > die Regierungsparteien gegeneinander ge»

zu räumen. Im Laufe der Nacht drang der Befehlshaber der Rebellen, Bafcha- sakao. in das Tal von Kabul ein und um­zingelte die ungefähr 5 Km. westlich von Kabul gelegene Ortschaft Debkopek. Diese Ortschaft, in der sich das Hauptquartier der Truppen des Königs, eine starke Be­satzung und einige Geschütze befanden, wurde von den Aufständischen genommen. Die Aufständischen setzten ihren Vormarsch auf Kabul fort und besetzten nach vorheri­ger Beschießung den die Hauptstadt be­herrschenden Hügel. Nunmehr faßte Aman Ullah den Beschluß abzudanken und sein Bruder wurde in der üblichen feierlichen Weise zum König gekrönt. Die Partei­gänger Aman Ullahs und die religiösen Führer in Kabul begaben sich zu den Auf-

Morgans zu einem der Sachverständigen so gut wie. vollständig auf Bemühungen Parker Gilberts in letzter Stunde zurück­zuführen sei, der, wie in den dortigen Kreisen angenommen werde, als General­agent für die Reparationszahlungen zu- rücktreten werde, um in die Firma Morgan u. Co. einzutreten.

Die Frage des Vorsitzes im Sachver- ständigen-Ausschusses

Der Autzenpolitiker desJournals" schreibt: Der Vorsitz im Reparations-Sach- verständigen-Ausschutz kann von keinem der hauptsächlich interessierten Länder übernommen werden, da sie alle ihre Dis­positionen frei halten müßen. Der Vor­sitzende hat die Rolle des Schiedsrich­ters zu spielen. Um diese wirklich spie­len zu können, braucht er Unabhängigkeit und Nachdruck. Lediglich die Amerikaner besitzen diese beiden Vorteile und sie be­sitzen auch die Ueberlegenheit, die sich aus den Tatsachen ergibt, daß man ihre Hilfe nachsuchen mutzte, um einen wesentlichen Punkt des Versailler Vertrages zu regeln, von dem sich die Vereinigten Staaten frei gemacht hatten.

redet und Bedenken geäußert hätten. Eine Instanz, entweder der Oberpräsident oder der Regierungspräsident, müsse ausgcschal- tet werden; er persönlich sei für Aus­schaltung des Oberpräsidenten.

Abg. Dr. von Kries (Dntl.) erklärte die Bereitschaft seiner Fraktion zu posi» tiver Mitarbeit an der Derwaltungsreform. Er Persönlich halte die Abschaffung des Regierungspräsidenten und die Kommunalisierung des Landrates für zweckmäßig.

In der Abstimmung wurde insbesondere der Antrag auf Einrichtung des Grenz- fondS in Höhe von 15 Millionen angenommen, ebenso der weitere An­trag. der sich gegen die Anweisung an die Sparkassen richtet hinsichtlich der Aeber- Sung von Sparkassenmitteln zum Giro» ehr. Annahme fand auch der Antrag der Regierungsparteien, wonach der Hauptausschuß die Dringlichkeit der Verwaltungsreform bejaht und das Staatsministerium ersucht, die Vorlage möglichst bald dem Landtage zur Beschluß­fassung zuzuleiten. Am Mittwoch soll der Haushalt des Ministeriums des Innern mit dem Polizeietat in der Vorberatung abgeschlossen werden.

Wtrffl Parker Alberts?

Mm rttfmtt mit stimm Eintritt in »ns Sans Morgan

Aman ttltaft

In Südslawien sah sich ein König ge­nötigt. die parlamentarische Verfastung des Landes für einige Zeit außer Kraft zu setzen, um diktatorisch erst einmal Ordnung im Staate zu schaffen. In Afghanistan, allerdings ein Reich, an dem der Maß- »stab der südslawischen Verhältnisse nichj angelegt werden kann, mußte ein König auf den Thron verzichten, weil er ein großer Freund des europäischen Parla­mentarismus war, zu modern, zu fort­schrittlich, der Denkungsart seines Volkes fast ein Jahrhundert voraus.

Seltsam: Cs gibt in ganz Europa wohl keinen Monarchen, der sich einer solchen Volkstümlichkeit erfreuen konnte wie ge* raße Aman Llllah, der Herrscher des ganz abgelegenen asiatischen Reiches. Es gaB wohl auch keinen Monarchen, über den in dem letzten Jahre so viel geschrieben wurdq wie über diesen königlichen Gast fast alley europäischen Regierungen. Es lag in dem Willen, in der zielstrebenden Arbeit Aman Allahs etwas, was zu einer besonderen Aufmerksamkeit, jo fast zu einer Bewunde­rung seiner Persönlichkeit, zwang. Er, der Asiate, war ein Bejahet der euro­päischen Kultur, ihr Bewunderer, in seinem Land ihr Prophet, und dies gerade in einer Zeit, wo diese europäische Kultur umwäl­zenden Erscheinungen ausgesetzt ist.

Aman Allah war in Rom, Paris, Lon­don und Berlin. Was er dort sah, durch persönlichen Augenschein kennen lernen und erfassen konnte, wurde für ihn fast zu einer Selbstverständlichkeit. Diese Selbstver­ständlichkeit seiner Erkenntnisse war viel­leicht letzte Arsache seines tragischen Schick­sals. Aman Allah sah nur das Ziel, weniger die Hindernisse. Er legte an die Verhältnisse seines Landes einen Maßstab an, der verfehlt war. Was er fördern wollte, war nicht eine Entwicklung, sonders die sofortige Herstellung eines Enlwick* lungsstandes. Der Irrtum des Königs lag also im Tempo. An diesem Irrtum muhte er scheitern. »

Wenn sich in der Persönlichkeit Amay Allahs zu der unbedingt vorhandenen Energie und Zielstrebigkeit auch ein star­kes taktisches Empfinden, eine kühle ^Be­rechnung der Möglichkeiten, kurz gesagt diplomatische Feinfühligkeit gesellt hätte: wäre die Tragödie seines Herrschertraumes vielleicht vermieden worden. Sein Kampf gegen die Macht der Priesterkaste war aij und für sich schon gewagt. Völlig verfehlt war jedoch fein Versuch, gleichzeitig rnij diesem Kampf auch Reformmahnahmen durchzudrücken, die das religiöse Empsin- den seines Volkes selbst verletzen muhten. Die Institution des Schleiers ist in Af­ghanistan Jahrtausende alt. Man kann eine jahrtausende alle Sitte, zumal wenn sie mit religiösen Empfindungen verbunden ist, nicht von einem zum anderen Tag diktatorisch aufheben.

Da jede Kultur das Produtt eines Ent­wicklungsprozesses ist, so ist für ihr Werden dieser Entwicklungsprozeß das Wesent­lichste. Diesen hat Aman Allah geleugnet. Er hat dittatorisch für fein Land eine; Kultur" festgelegt. Aber sie blieb in den Erlassen des Königs, das Volk selbst ver­stand sie nicht. Vielleicht hätte sich Aman Allah militärisch halten können, wenn nicht sein Kampf gegen die Priesterkaste, gegen die aufständischen Stämme, gegen die zahl­reichen Thronprätendenlen durch das Kul­turprogramm des Königs belastet gewesen wäre. Dieses Programm verstanden auch die nicht, die seines Thrones Stütze sein wollten. So war es den Priestern nicht schwer, den religiösen Fanatismus auch in die Reihen zu schleudern, die sich anfangs um Aman Allah scharten. So kam es, wie es kommen muhte: Der Entwicklungs­prozeh siegte, Aman Allahs verfehlte Mis­sion scheiterte.

Der Thronwechsel in Afghanistan wird sich auch in der Gestaltung der Weltpolitik auswirken müssen. Spielt doch gerade Af­ghanistan die Rolle des schützenoen Walles