Montag, toi 14. SUMM 1929
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesfen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Sachverftän-iven Amerikas
Swen Nrung und Pierpont Morgan — Man rechne« m# einer «etlweisen stommerrialisierung
j Washington bestreitet jedwede Erklärung Coolidges. Bezüglich der Pressestimmen über die Ansicht des Präsidenten der Vereinigten Staaten zur Reparationsfrage wird der amerikanischen Botschaft in Berlin aus Washington ge- drabtet:
. „Der Präsident hat keine Erklärungen über seine Ansicht bezüglich der Aufgabe des Eachverständigen-Äusschusies gegeben: er hat weder seiner Meinung über die Höhe der Summe Ausdruck gegeben, noch darüber, auf wie hoch sich die von Deutschland zu leistenden Jahreszahlungen belaufen werden. Er hat keinerlei Er- Lärungen abgegeben, aus denen derartige Rückschlüsie gezogen werden können.
। Nach dem uns vorliegenden authentischen Text haben die Erklärungen, die vorgestern in Washington beim Presseempfang im Weihen Hause zur Reparationsfrage abgegeben wurden, in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut:
Der Präsident ist der Meinung, datz die letzte Sachverständigenkonferenz, deren Vorsitz General Dawes führte, einen er« wieseaermahen brauchbaren Plan zur Regelung der Reparationen aasgearbeitet hat, und er glaubt, datz die Ausführung dieses Planes erfolgreich gewesen ist. Daher meint der Präsident, datz eines der Dinge, die in erster Linie berücksichtigt werden müssen, die Endsumme ist, die Deutschland zahlen soll. Wenn rnan z« der Erkenntnis kommt, datz Deutschland auch weiterhin die 2%, Milliarden zahle» soll, die ungefähr einer Summe von 265 Millionen Dollars jährlich entsprechen, dann ist, wie der Präsident die Dinge sieht, die einzige Frage, die in Erwägung zu ziehen ist, wie lange Deutschland fortsahrea soll, diese Summe zu zahle«. Wenn ein Grund gefunden wird, die Jahreszahlungen abzändern, dann würde das eine andere Frage sein. Rach Ansicht des Präsidenten soll die Konferenz der Sachverständigen einbernfen werden zu dem Zewck, eine gerechte Entscheidung zu treffen zwischen Deutschland unter Berücksichtigung seiner Zahlungsfähigkeit und den anderen beteiligten Ländern einschlietzlich Japans.
Pierpont Morgan und Owen Young die Vertreter Amerikas?
Einer Privatinformation des „New- york Heralds" zufolge werden John Pierpont M o r g a n und Owen Y o u n g die amerikanischen Vertreter auf der Pariser Konferenz der allterlen und deutschen Sachverständigen zur Lösung des Reparations-Problems sein. Thomas Nelson Perkins wird als VoUvertreter sowohl für Morgan wie für Young dienen. Trotz der hervorragenden Stellung Morgans als eine der gröhten Persönlichkeiten in der Finanzwelt wird er in der amerikanischen Delegation, die von Young geführt wird, nur einen zweiten Platz einnehmen.
Der „N e w y o r k H e r a l d" will aus sicherster Quelle wisien, dah die Reparationskommission Morgan, Young und Churchill zur Uebernahme des Sachver- ständigen-Amtes aufgefortert habe und die drei genannten Sachverständigen angenommen hätten. Man nimmt an, dah Präsident Coolidge am Montag die offizielle Ernennung ankündigen wird. Die drohte Bedeutung wird die Ernennung Morgans wegen der wahrscheinlichen Ausgabe von deutschen Reparations- b.onds beiaemeüen. <* ‘
Morgan glaubt an die Lösungsmöglichkeit der Reparationsfrage.
Die Verhandlungen Parker Gilberts in Amerika haben nach Meldungen aus N e w y o r k einen befriedigenden Verlauf genommen. Die Tatsache, dah in unterrichteten Kreisen in Newyork neuerdings die Ernennung von Pierpont Morgan und Owen Young zu amerikanischen Sachverständigen als sicher gilt, kann als günstiges Zeichen gewertet werden. Die wahrscheinliche Ernennung Pierpont Morgans kommt überraschend, da sein Name in diesem Zusammenhang bisher nicht genannt wurde. Obwohl die Haltung der amerikanischen Regierung unverändert ist, glaubt man in mah- gebenden amerikanischen Kreisen nicht,
dah Morgan oder Young die Vertretung Amerikas im Sachverständigen-Ausschuh übernommen hätten, wenn sie von vorne herein überzeugt waren, dah diese Arbeiten zu nichts führen würden.
Die Ernennung Morgans und die
Reparations-Anleihepläne.
Der Newyorker Korrespondent der „Dailp News" schreibt, die Ernennung Pierpont Morgans zum amerikanischen Reparations-Sachverständigen wird die unbegründeten Gerüchte zerstreuen, dah Kellogg sein Votum gegen die Flüssigmachung einer deutschen Anleihe tn Amerika gegeben habe.
Mau glaubt jetzt, datz eine erhebliche Ausgabe von Reparatious-Obligati-
Wnnre und -le Sppellllon
MrWimmm fiter teS Ergebnis ter KammeraWnmmng
Das Ergebnis der Kammerabstimmung wird von den meisten Blättern als ein Ereignis bezeichnet, das man erwartet hatte und das keinen überrascht habe. Jedoch bewahrt die Presse über die Frage, ob das Kabinett Poincarä durch die Abstimmung dauerhaft geworden ist, volle Zurückhaltung.
Der „Quotidien" schreibt: Die Sitzung bauert an, mit etwas mehr Bitterkeit auf der Rechten und auf bei Linken. Die Rechte erregt, die Linke verletzt, beide aber in der Erwartung einer demnächstigen neuen Gelegenheit zu einer Auseinandersetzung.
Die „E r e N o u v e l l e" schreibt: Poin- carä war ehemals der Minister des Burgfriedens, auch der nationalen Einigung. Die Umstände haben ihn heute zu einem Mann der konservativen Union gemacht. Man kann das bedauern, muh es aber feststellen. Jetzt ist die Diskussion geschlosien, im Lande wird sie jedoch fortgesetzt werden.
Die „V o l o n t 6“ schreibt: Frankreich besitzt keine Regierung, die in der Sage ist, sich kühn mit der allgemeinen Reorganisation der Nation zu beschäftigen. Es besitzt einfach einen Verwaltungsrat, der entschlossen ist, Handlungen Reformen zu nennen, die im gewöhnlichen als laufende Geschäfte bezeichnet werden.
Auch die „V i c t o i r e" ist mit dem gestrigen Verlauf der Kammerdebatte unzufrieden. Nach ihrer Ansicht geht Poincarö heil aus der Schlacht hervor, aber nicht vergröbert.
Der „F i g a r o" schreibt: Die Kammer bringt eben die Tendenz zum Ausdruck, die die Wähler kundgegeben haben. Sie ist gewählt worden gegen das Kartell der Linken, zur Sicherung unserer finanziellen und unserer groben öffentlichen Interessen. Die Re
gierung muh nunmehr alle Konseguenzen aus einer Abstimmung ziehen, die ihr gestattet, zu wollen und zu handeln.
Das „Echo de Paris" meint, die grobe Niederlage, die die Gegner der Regierung erlitten hätten, würde für eine gewisse Zeit ihre Führer matt setzen.
Der „Matin" zieht aus der.gestrigen Debatte die Folgerung, dah nach einem solchen Erfolg, wie ihn die Regierung gestern davongetragen habe, sie von nun an sicher sei, dah sie die grohen auhenpolitischen Aufgaben, die ihr gestellt seien, zu Ende führen könne.
3m „Povulair e“ schreibt Lson Blum, Poincars habe gestern bewiesen, dah er sich auf einem falschen Wege befinde und dah seine Regierung auf einer unsicheren Plattform aufgebaut sei. Es gebe also keine Regierung mehr, es gebe keine Mehrheit mehr. Aber es gebe jetzt eine Opposition, was vielleicht das Wesentlichste der gestrigen Demonstration gewesen 1«.
Austritt von vier Abgeordneten aus der radikalen Fraktion.
Paris, 13. Jan. Vier von den sechs Abgeordneten der Radikalen, die bei der Abstimmung über die Vertrauenstagesordnung für die Regierung Poincarö für das Kabinett gestimmt haben, und zwar Emile Dorcl, Guilhaumon, Gasparin und Auguste Briu- net sind, um dem Ausschluß aus der Partei zuvorzuiommen, aus der radikalen Kammerfraktion ausgetreten. Sie begründen ihren Schritt mit der feindseligen Haltung, die die Fraktion gegenüber der Regierung angenommen hat und sind der Fraktion der unabhängigen Linken beigetreten.
Graf o. Kanitz in de» Reichswirtschaftsrat berufen.
Anstelle veS verstorbenen Geheimrats Dr. Maximilian Kemper ist Reichsmii.ister a. D. Graf v. Kanitz alS Mitglied des vorläusigrn Aeichswittschastsrates einberusen worden. Mahgebend für die Entscheidung der Reichs- vegierung war die Rücksicht auf eine stärkere Vertretung der Landwirtschaft insbeson'.ece der in einer Krise befindlichen ostpreuhstchen Landwirtschaft im vorläufigen AevHSwirt» schastsrat^
darauf, datz die Stellungnahme der Vereinigten Staaten zu den internationalen Fragen wenigstens durch die Einreichung und Veröffentlichung des Berichtes des Autzenausfchusies klar gelegt werde. Auch sie sind jedoch für o'orbehaltlose Annahme des Kellogg-Paktes.
onen einen wesentlichen Teil des neuen Planes bilden wird, der von den Sachverständigen in Pari» <mfge« stellt werden soll.
Der Korrespondent sagt, man rechne damit, datz Obligationen im Werte von 2y2 Milliarden Mark aus den amerikanischen Markt gelangen würden und datz der Erfolg gesichert sei, wenn Morgan hinter der Sache stehe.
Die Vereinigten Staaten und der Kellogg-Pakt.
Washington, 13. Jan. Präsident Coolidge hat gestern mit den Senatoren Curtis und Borah, sowie Staatssekretär Kellogg längere Besprechungen gehabt, die den Zweck verfolgten, die Rattfizierung des Kellogg-Paktes zu beschleunigen. Borah wird im Senat den Antrag stellen, datz von morgen ab die Redezeit beschränkt wird. Die Senatoren Moses Linudam und etwa 20 andere bestehen. _
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Der kürzlich vom Dechtsausschuh b«S Reichstages gefaßie Beschluß, den Schutz des Reiches nur den beim Reich akkreditierten diplomatischen Vertretern zuzuerkennen, hat erneut die Aufmerksamkeit auf den diplomatischen Posten Frankreich» in München gelenkt. Es ist an sich eine ganz gewöhnliche Maßnahme, daß ein auswärtiger Staat in einem Lanke mehr als eine diplomatische Vertretung unterhält. Frankreich hat sich die Errichtung einer besonderen Gesandtschaft in München in Versailles ausdrücklich ausbedungen. Die Begründung, die man damals dafür gegeben hat, wurde wohl von keiner Seite ernst genommen. Es zeigte sich jedenfalls bald nach Besetzung dieses diplomatischen Postens, tvelches seine eigentliche« Aufgaben sein sollten. Man weist heute in einem Teil der französischen Presse darauf hin, dah man in Frankreich lange Zeit seine Hoffnung auf eine Zerschlagung des Deutschen Reiches, auf den deutschen Par- tikulariSmus gesetzt hatte, der seine stärkste Vertretung in Bayern fand und von dem man annahm, daß es bei einiger geschickter Politik möglich sein würde, Südkeutsch- land von dem übrigen Deutschland zu kennen.
Der Hauptexponent dieser französischen politischen Richtung war der französische Gesandte Dard, dessen hochverräterisches Treiben in München schließlich zu seiner Abberufung führte. Ihm konnte deutscherseits nachgewiesen werden, daß er mit gewissen Kreisen pfälzischer Separatisten in Verbindung gestanden hatte, deren Hauptziel es sein sollte, die Pfalz von Bayern zu trennen. ES arbeiteten hierbei der Gesandte Därd und der französische General, de Metz, Hauptdelegierter für die Pfalz, Hand in Hand, da General de Metz sich bekanntlich in besonderem Maße für die Schaffung eines autonomen Pfalzstaates eingesetzt hatte. Die von ihm ausgehende Bewegung wurde mit der am 18. Mai 1919 einmütig von den politischen Parteien der Pfalz dem Regierungspräsidenten von, Speyer, von Winterstein gegenüber abgegebenen Erklärung ein Ende bereitet, in der die Pfälzer die unlösliche Zugehörigkeit der Pfalz zu Deutschland betonten.
Der französische Gesandte Dard spielte ferner in jenen Plänen eine Rolle, die von dem französischen Major Richert auS- gingen und die bekanntlich durch Provozierung eines Patsches auf die Loslösung Bayerns vom Reich hinausliefen. Sie1 wurden in dem bekannten Fuchs-Machau- Prozeh ziemlich restlos aufgedeckt. Das von Frankreich mit diesen durch ben Münchener Gesandten geförderten Pläne erstrebte Ziel konnte aber nicht erreicht werden, weil der deutsche PattikulariSmus nicht auf die Trennung der einzelnen Stämme hinausgeht, sondern die Erhaltung der verschiedenen Stammeseigenheiten zum Ziele hat. Trotzdem sind die französischen Hoffnungen «och nicht restlos aufgegeden worden. Dor allem spielt dabei die österreichische Frage eine gewisse Rolle. Während des Ruhrtrieges ist bekanntlich das französische Bemühen hervorgetreten, unter Abtrennung des Aheinlandes vom Reich und einer Abspie.igung Bayerns einen rheinisch - bayer.sch - österreichischen Staat zu schaffen, wobei man das konfessionelle Moment als den Kitt anscch, der hier den französischen Z.elen zum Erfolg verhelfen sollte.
Aber auch darin hat man sich gründlich getäuscht. Die wieie.holt zum Ausdruck gekommene Gesinnung der rheinischen Bevölkerung für ein einheitliches deutsches Reich mußte auch die lebten französischen Hoffnungen auf eine Zerschlagung des Reiches zerstöten.
In Frankreich hat man auch längst erkannt, dah es sich hinsichtlich angeblich bestehender separatistischer Befkebungen in Bayern einer fallen Hofffnung hinge- aaaen hat. Amso unbeg.e.slicher ist eS.