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Sette 4

Oderhessisch« Zeitung, Marburg a. L., Sonnabend, den 12. Fanuar iszg

Nr. 10

Marburger Nabtzeituag

Die Glietebahn

Frost lieh die Erd« erstarren. Schnee hat den Boden geglättet. Und schon fällt man in des Wortes verwegenster Bedeu­tung an allen möglichen und unmöglichen Stellen über die ewig verbotene und ewig neu erstehendeGlitschbahn". Wie aus der Erde gestampft, von bewegungssiichtigen Kinderfüßen, ist sie da, hier, wie überall. Mag es nun Glitschen, Schiftern, Eliseken, Schlindern, Schlüsseln in der Klangmale­rei des Volksmundes oder schulmeisterlich um- und unverständlichEtsbahnschlagen" heißen. Auf alle Fälle ist es immer und überall frische, befreiende Iugendlust, un­vergängliches Freiluftturnen, desien Er­finder keine Geschichte kennt. Die Erwach­senen selbst freuen sich über dasunver- nllnfftge" Treiben, falls sie nicht gerade vorher unabsichtlich, aber gründlich mit der vom Schnee fürsorglich verhüllten Elitschbahn körperlich aneinander geraten sind und nun sich sehr leicht begreif­licher Zorn entlädt auf die um so mehr verflixten als meist unerreichbaren Jun­gens. So kann es denn geschehen, dah die gemeingefährlichen Gebilde gewisien- loser kleiner Staatsbürger durch Be­streuen gefahrlos gemacht werden. Und so manch«knorke" Elitschbabn, die der Stolz der Erbauer und der Neid der weniger vom Glück begünstigten Nacbbarsftnder war, muh dann in Staub und Asche trau­ern.

Aber allen Gewalten zum Trotz ent­stehen immer wieder neue Elitschbahnen, bis der Wettergott alles in Wehmut zer­fließen läßt. Unwiederstehlich muh doch die Lust sein am Dabingleiten über die spiegelglatte Bahn. Es ist jenes Lustqe- fchenk des Winters überhaupt, das auch für die Erwa-^ene ewig neu und reizvoll bleibt: das Woblaefühl des Gleitens und Schwebens, die Freude an der Eeschwin- digkeitssteigerunq. die Genugtuung über das Meistern der Schwerkraft und ein bihchen prikelnde Monneangst. Und wer nacki langer Pause wieder einmal das Glitschen versucht, und wer den Anfänger beobachtet hat bei seiner Furcht vor dem Hinfallen und Ausqelachtwerden, dem braucht niemand mehr zu beweisen, dah etwas wonnige Angst dabei ist. Bei kri­tischenFällen" ist Zweifelhaft das Allein­sein ein Vorzug. Docb Späh macht es erst in froher Gemeinschaft. Trotz des mehr oder minder heftigen Gedränges um den -(ersten Platz herrs-bt meist im allgemeinen Ordnung und Berträntiibkeit. Ja mitun­ter erreicht beimManns-baftsglltschen" in langer Reibe die sicbtbare Gemein- schastftcbkeit aucb einen hoben Grad inne­ren Derbundenseins. Es gibt recht haus­backene und durchsichtige Gründe, warum fes aut und woblgetan ist. wenn die hu­stend Freude findet an dieser Kunst. Im Winter ist da» Kind mehr ans Haus ge­bunden. Da brausten aber, über der ver­schneiten Erde, ist staubfreie Luft. Luft ist das tägliche Brot für die kleinen Lun­den. Doch Stubenluft ist Alltagsbrot, frische Luft ist Sonntagsbrot und Minter- Juft das nahrhafteste Brot, ein rechtes

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Di Konzertabend des gottbegnadeten Künst' <«r» hier dari man mal wieder diesen Aus­druck gebrauchen bedeutete für jeden Be­scher ein Erlebnis, das mau nicht nur wäh­lend der Aufführung bat, sondern auch mit nach Sause nimmt. Feuermanns künstlerische Auffassung ist erschöpfend, die Darstellung klar ünd lebendig von der ersten bis zur letzten Note, die überlegene Beherrschung aller tech­nischen Hindernde ist staunenswert und be­merkenswert zi^Hkeich, dah er selbst im Rausche des Virtuosentums nicht die musikalische Wurde auher acht läht, nicht nur äuherlich wirkt und der Anerkennung und dem Dank feiner Zuhörer durch freundliche Zugabe ent- tzegenkommt.

Die Wiedergabe der Komvofitionen in form­vollendeter Schönheit zog den Hörer ganz in den Bann einer echt künstlerischen Individua­lität, die sich nicht nur im geistigen Eftasien des Tonwerks, sondern in feinsinnigster Aus­legung der Details offenbarte. Seine ungemein leichte Hand wußte auch das dünnste Piano, auch in Stakkatis bei feinster Phrasterung zu durchdringen das Forte ohne Schärfe wunder­voll zum Ausdruck zu bringen und die massiveren Tonformen wie sie die Brahms- sonate E-moll (Werk 38) ausweist, das Svröde, das ihr zuweilen anhaftet, zu nehmen. Sprach sich hier das Streben nach festem Umrih, nach Plastik und wirksamer Kraftenftaltung (auch bei dem Begleiter Aug. Wagner) aus, so ging er im gefühlsmäßigen Erfassen des romanft- schen, lyrischen Inhalts der Schubertschen Ar- peggione-Sonate und sehr liebenswürdigen Mozart-Andant, im Steigen und in der Aus­deutung der melodischen Phrase bis an die äußerste Grenze. Hier war alle Liebe und ganzes Verständnis am Werke, das mit melo­discher Fülle und tönender Grazie vorüberzog.

DieSonate von Hindemith in 5 Teilen" mutet fast wie eine Grotcslltudie an, die an­fangs etwas aufgeregt, mit Doppelgriffen stark untermalt, in ein Selbstbcsinnen übergeht, so­zusagen in eine Art Selbstgespräch, um bann mit allerlei Figuren von Tremulos und Stakkatis in groteskem Sprunge zu enden. Der

10 Jahre Volkshochschule

25 Vorlesungsreihe 756 Hörer im letzten Quartal

Diese drei Momente rechtfertigen wohl ein kurzes Wort dankbarer Besinnung und ermutigen zu einem ruhigen Ausblick in die Zukunft.

Nach dem Wortlaut des Aufrufs, der im Dezember des Jahres 1918 zur Gründung einer Volkshochschule in Marburg anregte, sollte dieselbe eine stattliche Abschlußhalle für die Ausbildung der Mehrzahl unserer Be­völkerung und gleichzeitig ein lockendes Tor zu Wissensgebieten werden, die vermehrte Zeit und eine erhöhte Schwungkraft des Geistes voraussetzen müssen. Er schloß mit den Worten:Fort mit allen Bedenklich­keiten! Ein hohes Ziel fordert Mut, Ver­trauen und Opfersinn. Die Volkshochschule ist ihren Mitgliedern Glaubens- und Her­zenssache. Das Bewußtsein einer Gemein­samkeit des geistigen Strebens und Besitzes, des geistigen Ringens um eine kulturelle Einigung des Volkes verbindet die Glieder der Volkshochschule und erhebt eine bloße Bildungsorgani'ation zur Kulturbewegung."

Der Mut zur Aufstellung von Forderun­gen, die eine Erneuerung der Volkskraft durch Erziehungsmaßnahmen bezwecken, wird leicht aufgebracht, wenn eine Nation in schweres Unheil verstrickt ist: denn es kann aus diesem Beweiskraft entnehmen und stärkeren Wider­hall aus den Trümmern hervorlocken. Man sieht in solchen Augenblicken auch nicht gleich alle Schwierigkeiten, die der Ausführung des Planes in geldlosen Zeiten entgegenstehen. Wenn damals das Vertrauen der Gründer auf eine opferwillige Unterstützung des Un­ternehmens durch Behörden, Gönner und Freunde enttäuscht worden wäre, dann wäre die Bewegung vielleicht bald in sich selbst zusammengebrochen, wie das in vielen an­deren Orten geschah, ein Häuflein schwelender Asche neben sonstigen Ueberresten gutgemein­ter, aber fehlgeschlagener Veranstaltungen. Aber die freudige Zuversicht der Volkshoch­schulfreunde schlug Funken in den Seelen vieler Menschenfreude und führte dem zarten Kinde ihrer Liebe auf der einen Seite immer wieder arbeitsfrohe und opferwillige Dozen­ten und auf der anderen Seite lernbegierige Schüler zu.

Wollte die Volkshochschule ihren Beruf vollständig erfüllen, so durfte die von den

Hörern zu entrichtende Gebühr für leinen Weiterstrebenden eine unübersteigbareSchranke bilden. So erklärt sich ungezwungen die ab­sichtlich niedrig gehaltene Festsetzung der Zu- tiittsprei'e. Die Folge hiervon war aber na­türlich der Umstand, daß die Dozenten be­sonders in den ersten Jahren für ihre schwie­rige Arbeit als Gegenleistung nur ein sehr niedriges Honorar erhalten konnten, was freilich ihre Arbeitsfreudigkeit nicht beein­trächtigt hat. Neben den Dozenten, die mit Absicht aus den verschiedensten Berufen ent­nommen wurden, haben unsere gute Sache ganz besonders auch staatliche und städtische Behörden, die Universität und andere hiesige Lehranstalten dadurch gefördert, daß sie für dieselbe nicht nur ihre Unterrichtsräume, son­dern auch ihre Sammlungen fast unentgelt­lich zur Verfügung gestellt haben.

Auf diese Weise ist es möglich gewesen, die ganze Einrichtung aus dem (Erträgnis der Hörgebühren zu finanzieren: nur wäh­rend der bösen Inflationszeit mußten die Stadt und der Kreis helfend eintreten.

Es sind wieder bessere Zeiten gekommen. Aus den anfänglichen 91 Hörern sind tm letzten Quartal 756 geworden, und es be­steht die begründete Aussicht, daß das heute veröffentlichte Programm eine weitere Er­höhung der Besucherzahl bringen wird. GoethesFaust", dessen unsterbliche Kraft und Schönheit gerade vor 100 Jahren zum erstemnale aus der Bühne der strebenden Meillchbeit Erlösung kündete, wird gewiß in vielen Seelen einen Widerhall wecken. Auch Lessing, der vor 200 Jahren, am 22. Januar, ins Leben trat, wird sicher, freundlich geleitet von Mozart und Beetboven, als würdigster Wegbereiter der Klassiker des 18. Jahrhun­derts zu feinen bisherigen Freunden und Bewunderern viele neue gewinnen. Was sonst noch in Vorträaen oder in schulmäßi­gen Arbeitsgemeinschaften geboten wird, kann hier nicht im Einzelnen aufgezählt und ge­würdigt werden. Es sei nur noch darauf hingewie^en, daß in den Beiträgen zur deut­schen Volks- und Dialektkunde auch der Hu­mor mit Kraft, Urwüchsigkeit und Innigkeit zu seinem Rechte kommen wird. Kommt, hört und wachset voll Freude dem Lichte reiner Erkenntnis entgegen!

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Beifall galt weniger diesem Kuriosum, sondern bejahte wohl nur wieder die Kunst des Spie­lers, dem bei Beendigung der Hindemithschen Sonate" es könnte auch Etüde dastehen ein mit dem Publikum verständnisvoll ge­tauschtes Lächeln im Gesicht stand.

Ein Allegro spirituoso von dem französischen Kammermusikkomponisten Senallie entzückte durch die galante, muntere Geläufigkejt, mit der es wiedergegeben wurde. Als offizielle Schlußnummer standenVariationen" von Tartini. Hier kam bei reifster Künstlerschaft und dem persönlichen Anteil des Cellisten der glänzende Schwung der Figuren der Varia­tionen mit einer Trefflichkeit und Plastik heraus, die in der Verschiedenheit der Form­setzung ebenso eindrucksvoll wirken mußte, wie die lebendige Frische.

Zum Schlüsse schlugen die Wogen der Be­geisterung hoch und riefen den Künstler immer wieder aufs Podium, worauf er eine Zugabe (Wiegenlied von David Povverl l?|) folgen liefe, das wie ein Wirbelwind und wie ein Trippeln kleiner Mäuschen über die Saiten huschte und mit geradezu phänomenaler Verve und Geläufigkeit zum Vortrag kam.Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich!" -

In August Wagner haben wir nicht nur den aussezeichneten Begleiter, sondern auch den Solisten schätzen gelernt. Er bat das technische Können für ein charaktervolles Gestalten am Klavier in hohem Maße und die Att, wie er auslegt, zeugt von seltener Echtheit und Innerlichkeit des Fühlens und Verstehens. Als Begleiter bot er dem Solisten vollkommenste Stütze und gab Vor-, Zwischen- und Nachspiel eine ebenso sinnige wie bedeutsame Unter­malung.

In jeder Gabe offenbarten die Künstler herrlich den Inhalt des Werkes, standen mit Wärme und musikalischer Einsicht dahinter und lenkten die Aussprache, so daß wir alle Ton- hilder durchsichtig vor uns sahen und den Atem mitfühlenden Nachschasfens spürten. Beim Abschied nach der Zugabe brauste noch einmal anhaltender Jubel und Begeisterung durch den Saal. r^nm.

Brot des Lebens, dem sich als Kraft- und Freudespender das lustige Winterturnen und die Wintersonne zugesellen. R.

Indexziffern nach Dr. Moritz Elsaß. Am 1. Januar 1929 stellen sich die Indexziffern über die Kosten der Lebens­haltung auf 147,2. Das bedeutet 3,3 Punkte ober 2,3 Prozent mehr als cm 1. Januar 1928. Innerhalb eines Jahres sind die Kosten für die Nahrung um 1 Prozent, für die Wohnung um 2 Prozent, für Kleidung und Heizung untie 9 Prozent gestiegen. Die Kaufkraft der Mark beträgt zur Zeit, an den Lebenshaltungskosten gemessen. 68, und wenn man die Wohnung außer Betracht läßt, 65Vs Dorkriegspfennige. Seit der Sta­bilisierung der Mark, also innerhalb der letz­ten fünf Jahre, ist eine Steigerung der Le­benshaltungskosten um 24,5 Punkte, das sind genau 20 Prozent, eingetreten. In der gleichen Zeit haben sich die Reallöhne (und zwar der Durchschnitt von gelernten und un­gelernten Arbeitern, 1914 = 100 gesetzt)

von 80,8 auf 106,6 erhöht. Die Real­löhne sind also seit Januar 1924 um 32 Prozent gestiegen. Doch ist daran zu er­innern, daß zu Beginn des Jahres 1924 die Reollöhne außerordentlich niedrig und hinter benienigen ber Vorkriegszeit stark zurückge­blieben waren. Der soziale Wohlstandsinder hält Ende November auf 95%, Der Ka- pitnlinber steht auf 76V«, der Inder des Massenwohlstandes auf 1041/«. In den letz­ten Monaten war die Veränderung mithin nur unbedeutend.

* Volksnot und Alkoholis- m u s. Der Marburger Bezirksverein gegen den Alkoholismus veranstaltet am 14. und 15. Januar im Philippshaus einen Lehrgang gegen den Alkoholismus. # => werden sprechen: Prof. Mezger (Marburg) überAlkohol und Staatsrecht", Med.- Rat Giese (Marburg) überAlkohol und Arzt". Sanitätsrat Dr. Bonne überAlko­hol und Volkswirtschaft" und Prof. Nie- bergall überAlkohol und Erziehung". Ferner werden in einer Schülerversamm­lung der oberen Klassen der Marburger Schulen Prof. Niebergall und Sanitätsrat Dr. Bonne-Adendorf (Hann.) sprechen. Den Abschluß bildet ein Lichtbildervortrag vott Sanitätsrat Dr. Bonne:Wie kommen mir aus unserer heutigen Armut wieder heraus?" Schon in der Studienzeit er­regte Georg Bonnes dichterische Bega­bung in Leipzig Professor Hildebrands Auf­merksamkeit, ber besonders sein Talent für das schlichte Volkslied bewunderte und nach Kräften förderte. Seine ganze dichterische Begabung stellte er in den Dienst seines deutschen Volkes, das er in Not und Elend versinken sgh. Getragen von seinem umfang­reichen Wissen und Können, schaut Bonne von seiner hohen Warte über all bas klein­liche Parteigetriebe hinweg, auf das eine große Ziel seines Lebens: des deutschen Vol­kes Gesiinduna! Aber nicht nur in Hunder­ten von Schriften, Aufsätzen, Broschüren und Büchern hat Bonne für dieses Ziel gekämpft, sondern auch durch sein ganzes Leben hat er bewiesen, daß die Ursachen aller Not, die er seit Jahrzehnten klar erkannte, mit einigem guten Willen behoben werden können. Am leidenschaftlichsten und eindringlichsten tönt sein Aufruf zum Nacheikern auf diesem. Wege, aus seinem 1910 erschienenen von berDeut­schen Dichter-Gedächtnisstiftung preisgekrön­ten Kulturroman:Im Kampf um die Ideale" (Verlag Ernst Reinhardt. München). Großes Aufsehen erregte damals das Buch, das heute nochvon erstaunlicher Eegen- wartsbedeutung" ist.

* Gliederung ber Deutschen ReIchspost. Dem Reichsvostmlnlsterium untersteben nach einer Mitteilung der Deut­schen Beamtenbund-Korresoondenz direkt das Reichsvostzentralamt, die Versorgungsanstalt der DRP. und 45 Obervostdireklionen. Diesen 45 Obervostdtrektionen wiederum untersteben 19 Postscheckämter, 93 Telegravben-Bauämter und 4 sonstige Aemter. Außerdem unterstehen den Postämtern noch 802 Postanstalten, 11 112 Postagenturen, 20 180 Post- und Telegraoben- hilfsstellen und 12 351 gemeindliche, öffentliche Feriisocechstellen.

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Und Nathanael sprach zu Phi­lippus: Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und siehe es. Je­sus sah Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, ein rechter Jsraeliter, in welchem kein Falsch ist." Cs ist dem Setlanb nichts erspart geblieben von allem, was Men­schen auf Erden zu erleben haben, von der bitteren Passion ist hier am Anfang seiner Laufbahn noch nicht die Rede, aber es be­ginnen schon die kleinen menschlichen Schwächen sich gegen ihn auszuwirken, bereit Kette bis nach Gethsemane nicht abreißt, wo er von ben Getreuesten verlassen. Diese Geschichte hier könnte man überschreiben: Jesus und der Klatsch.

Heble Nachrede hat sich später viel gifti­ger am Heiland vergriffen, aber hier geht es schon los: Er ist aus Nazareth, das ge­nügt. Der NatI ;ael roirb's garnicht ein­mal so böse gemeint haben: er rebel nach, was man überall erzählt. Wenn er nicht aus einfacher Gedankenlosigkeit spräche, so würde er vielleicht nicht der Aufforderung seines Freundes folgen: Komme und sieh. Und nun will 'es die Fügung, daß der Meister seine häßlichen Worte gehött hat, und es ist für uns von besonderer Bedeu­tung, wie Jesus ihn nun aufnimmt. Wie ist das gemeint: Siehe ein rechter Jsraeliter, in welchem kein Falsch ist? Das ist in der Tat kejn eindeutig Wort. Es klingt rote em Lob, aber hätte der Heiland dazu einen An­laß? Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir aus diesem Satze einen ganz leisen, feinen Humor heraushören. Das ist bei Jesus garnicht so ungewöhnlich. Ms ihn die Widersacher mit der Zinsfrage fangen wollen:Gebet dem Kaiser, was des Kai­sers ist, und Gott, was Gottes ,st.". Als sie das arme Sündenweib lieblos steinigen wollen:Wer unter euch ohne Fehle ist, der werfe den ersten Stein." In beiden Fällen eine Abfuhr der Gegner, bei der über ber tiefen Treffsicherheit ein ganz feines Lächeln gelegen haben mag. Hmnor ent­waffnet, und hier entwaffnet em Wort das elende Gerede, das der Nathanael nach­sprach.

Ein echter Israelit. jawohl, die Israe­liten sprachen über Nazareth, rote Nathanael es getan. In dieser Antwort Jesu liegt eine verdiente Zurechtweisung auf alle Fälle, aber auch eine Milde liegt darin, kein Schelten, kein unnötiges Schwernehmen eines, wenn auch verantwortungslos, so doch nicht in sehr böser Absicht hingeworfenen Wortes. Es spricht ein tiefes Durchschauen des Nathanael aus dem Worte Jesu, der Erfolg ist ja auch offensichtlich eine tiefe Demütigung, wie sie aus der erstaunt-verlegenen Frage klingt: Woher kennest du mich? Und als ihm der Heiland auch darauf die Antwott nicht schul­dig bleibt, da steigt in dem eben noch schwer (Betroffenen etwas ganz anderes und wichtigeres auf, das unwiderstehliche Verlan­gen nach Gemeinschaft mit diesem bis ins Mark schauenden Nazarener, emmündend in bas Bekenntnis: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel. Es ist an sich eine ganz kleine Episode aus dem Leben des Herrn, rote sehr aber spricht doch gerade aus ihr jene demütigende und befreiende Macht, mit der er seine Jünger an sich band, und mit der er auch immer wieder uns bindet, sobald wir mit unseren kleinen Menschlich­keiten ihm nahen! Diek.

* Vom Militäranwärterver­ein Marburg. Der Militäranwärter­verein Mar^ hielt am Sonntag den 6. Januar 1929 im Vereinslokal (Bopps Terrasse) seine diesjährige General­versammlung ab. Zu dieser hatte sich ein großer Teil der Mitglieder, auch solcher von Auswärts, haupsächlich von Wetter eingefunden. Der bisherig« I. Vorsitzende, Kamerad Fink wurde ein­stimmig wiedergewählt. Ebenso der I. Schriftführer Korad Kaiser und der I. Kassierer Kamerad Gamb. Als II. Vor­sitzender wurde Kamerad Otter neuge- wählt. Zweiter Schristsührer ist Kamerad Ferdinand Schmidt und II. Kassierer Kamerad Bätz. Als Beisitzer wurden die Kameraden Liebetraut, Geist, Hilberger, Bonn, Henning und Fritz Schmidt ge­wählt. Für 25jährige treue Mitglied­schaft konnte den Kameraden Franke und Wimmer aus Kirchhain und den Kame­raden Bonck und Henke in Marburg die goldene Vereinsnadel verliehen werden. Ebenso für 10 jährige Mitgliedschaft die silberne Vereinsnadel den Kameraden Scherer, Ermisch, W. Hofmann, K. Lau­terbach und Pies. Der Verein als Glied seines Bundes erstrebt den Zusammen­schluß aller Aufnahmefähigen Personen und den Schutz der durch die Vordienstzeit seiner Mitglieder erworbenen Rechte. Er sorgt für die Stärkung und Pflege des Standesbewutztseins, für die Belehrung und Beratung seiner Mitglieder in beruf­lichen Aegelegenheiten und Verbesserung ihrer wirtschastlichen Lage. Ihm liegt außerdem die Pflege des geselligen Ver­kehrs seiner Mitglieder ob. Leider gibt es in Marburg und Umgebung noch sehr viele Militäranwärter, welche unseren Reihen noch fern stehen. Wir wollen hosfen. daß auch diese den Wert des Be­stehens unseres Bundes bald erkennen lernen und den Weg zu uns finde» mögen.

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