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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Bertrauensvvtmn für Pormare
Sie Raiionaie Union bleibt bis zur Lötung der Reoaralionstrage belieben
P a r i s, 11. Ian. Die Kammer setzte beute tie am Freitag begonnene Diskussion über die Zntervellationen betr. di« allgemeine Politik der Regierung fort.
Als erster Redner ergreift
der radikale Abg. B e r t o d
bas Wort, um anfänglich von Undank zu svre- chen, den die R a d i k a l e n für ihre loyale Haltung in den letzten beiden Jahren geerntet hätten. Trotzdem sei die Partei bereit, die Regierung in den kommenden internationalen Verhandlungen zu unterstützen. 2n der Frage der Missionen wolle man niHr unerbittlich bleiben, aber man wolle nicht, dah die Säten- gesetze in Frage gestellt würden. Ein weiteres Problem, das die Aufmerksamkeit der Radikalen in Ansvruch nehme, sei die Liquidation des Krieges. Seine politischen Freunde seien der Ansicht, dah
bte ernste Frage der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland gelöst «erde» müsie.
In Deutschland ist man geneigt, anzunehmen, ba6 die Verzögerung die sich in den letzten beiden Jahren in der auswärtigen Politik zeigte, .zuriickzufübren ist auf die Einführung neuer .Elemente in die Regierungsmehrheit. Bertod fahrt fort, die Radikalen wollten wisien, ob ‘bk varlamentarische Mehrheit einig gehe mit der Mehrheit des Sandes, die links gerichtet sei, oder ob die varlamentarische Mehrheit sich beherrschen lassen wolle von einer linksfeindlichen Gruppe.
Die Radikalen wollten nicht die geduldeten Mitarbeiter der Regierung sein, ober wenn sie Mitarbeiten sollten, müsie ein Programm vorhanden sein. Die Frage der Beibehaltung der Saiengesetze, die Reform des Steuerwesens sowie die Frage der Rationalisierung der französischen Wirtschaft, alle diese Fragen könnten nicht nach den Wünschen der Rechtsparteien gelöst werden. Poincare sei es gewesen, der die Radikalen in die Opposition stedrängt habe, sie würden jetzt ihr Programm verteidigen.
Die Rede löst starken Widerspruch bei der Fraktion Marin und der ihr nahestehenden Fraktion Maginot aus, findet aber _ ostentativen starken Beifall bet den Sozialisten und Radikalen.
Ministerpräsident P o i u c a r e
ergriff nach Bertod sofort das Wort. Ein grober Teil seiner Rede wird damit ausgefüllt, dab er in allen Einzelheiten die
* Geschichte feiner parlamentarischen Tätigkeit vom Juli 1926 ab
darstellt. Er erinnert vor allem daran, welschen gefährlichen Zustand er vorgefunden habe, als er die Regierung der Einigkeit bildete. Die Verzögerung die Deutschland dadurch berbeigeführt habe, dab es mit den Reparationszahlungen im Rückstand 'blieb (?), hätte eine Serie von Anleihen nötig gemacht, so dab der Frank entwertet wurde. Durch den beschleunigten Sturz des Franken sei er ans Ruder gekommen. Poin- car4 zählt dann auf, was er vollbracht habe, um das Vertrauen in die Währung wieder herzustellen. Weiterhin spricht er von den Wahlen im Mai und von den Stabilisierungsgesetzen, die die neue Kammer angenommen habe, damit die nationale Wirtschaft wieder auf solide Grundlage gestellt werden könne. Poincare fährt fort, das notwendige spätere Werk der Konsolidierung der Sage habe das Ministerium der nationalen Einigkeit nicht fortsetzen können wegen des Verhaltens der Radikalen auf ihrem Kongreb in Angers. Er betont nochmals, dab er die Gesetze Über die Missionen auf besonderen Wunsch Brtands ein» gebracht habe.
Der sozialistische Abg. Grumbach will zu .einer Aeuberung Poincares über die El s a b - frage antworten. Poincare verweigert dies. Es entsteht ein ungeheurer Börm aber Poincare bleibt fest und sagt,
'«et weisere sich, die elsässische Frage mit der Frage der allgemeinen Politik vermengen zu lasie».
fcßürbe er anders bandeln, so würde er eine Ungeschickte eine unglückliche Politik betreiben, bk^lläglitbe Resultate ergeben müsie. Poin
care fährt bann fort, er babe sich in vollen Verbanblungen befunben, sowohl mit dem deutschen als auch mit dem englischen Botschafter und Parker Gilbert, nachdem er vorher bereits mit Winston Churchill und dem belgischen Minister verhandelt babe. Man babe ihm gesagt, diese Verbandlungen dürfe er nicht unterbrechen. Daher habe er rasch eine Regierung gebildet, deren Zusammensetzung nicht so gewesen sei, wie er sie gewünscht hätte, deren Programm aber das Programm des letzten Kabinetts geblieben sei. Die Tatsache, dah die internationalen Sachverständigenberatungen beginnen, sei von Wichtigkeit. Der Generalagent für die Reparationszahlungen habe den Sachverständigen eingehende Details über die Loge Deutschlands gegeben. Eine sofortige Krise werde einer neuen Regierung gestatten, diese Angelegenheit in die Hände zu nehmen, aber
später würde eine Unterbrechung bet Verhandlungen verhängnisvoll fein.
Heute noch müsie die Kammer sagen, ob sie der jetzigen Regierung zu folgen gedenke.
Nach einer Pause setzt Poincare seine Rede fort, um zu erklären: „Wir müssen die Ausgaben beschränken und die Einnahmen vermehren. Was die letzteren anlangt, ist das Problem der
Steuerreform
hervorzuheben. Auch eine Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion sei erforderlich. Die Anempfehlungen der internationalen Wirtschaftskonierenz würden berücksichtigt werden Man müsie die Zolltarife beschränken und gegen jede willkürliche Schließung der Grenzen sich auflehnen. Die Elektrifizierung des flachen Sandes muh durchgeführt werden.
Nach Meldungen aus Paris haben sich die amerikanischen Bankiers gegen eine Kommerzialisferuckg ausytfpro* chen. „Daily HeraId" berichtet ergänzend, daß die amerikanischen Finanzleute dem Reparationsagenten Parker Gilbert mitgeteilt haben,
der amerikanische Markt könne die Menge der Obligationen nicht aufnehmen, die nötig feie«, um Reparationen ans einen Zeitranm von etwa zwanzig Zähren zn fundieren.
Wie verlautet, entspricht diese Ansicht der Bankierkreise der offiziellen Anschauung in Washington.
Der neugewählte Präsident Hoover soll den Einspruch der Finanzleute bestätigt habe«.
Hoover habe sich immer ausländischen Anleihen widersetzt, wenn sie nicht produktiven Zwecken dienten. Präsident Coolidqe soll es im allgemeinen für besser gehalten haben, wenn die Reparationsfrage ohne die amerikanische Beteiligung gelöst würde, sei aber andererseits der Meinung gewesen, es würde als ein Akt der Unfreundlichkeit angesehen, wenn die Regierung die Erlaubnis für die Teilnahme der amerikanischen Sachverständigen verweigere.
Präsident Coolidge soll der Ansicht sei«, dah sich die ganze Frage nm die Festsetzung des von Deutschland zu zahlenden Eadbetrages drehe, und,
wenn Deutschland weiterhin 2,5 Milliarden jährlich zahle« kann, einfach darum, wie lange es die Zahlung der Zahresleistungen fortzusetze« hätte. Zede Bemühung, die Reparationen mit de« Kriegsschulden zu verbinden oder die Kriegsschulden herabzusetzen, sei von der amerikanischen Regierung st e t s abgelehnt worden.
Roch mehr als die Meinung der Bankiers soll die Ansicht der amerikanischen Geschäftswelt der Unterbringung einer neuen großen Reparations-Obligationsausgabe in Amerika entgegenstehen.
ft. Washington. 12. Jan. Im Weihen Hause wird erklärt, daß keine neue Entwickelung in der Frage amerikanischen Reparationssachverständi- gen zu verzeichnen sei, deren Auswahl und Ernennung überdies Sache der europäischen Regierung sei.
Der Dawes-Pla« habe sich soweit bewährt.
Die Experten hätten nunmehr die Lage nachzuprüfen und
entwedrr die gegenwärtige« Zahl««» ge« zeitlich z« beschräake« oder der
Höhe «ach «ea festzusetzea.
Sollte eine neue Verteilung in Frage kommen, werde Amerika, das jetzt 2y47o erhalte, diesbezügliche Verhandlungen auf diplomatischen Wege, nicht aber durch die Sachverftändigen-Konferenz führen.
Amerika gegen -le Kommerziattslerung
Ser AnWrmmN ist für die toligttfientn Mi mftmhmeWs
Vertrauensvotum für PoincarS.
Paris, 12. Ja«. Mit S25 gegen 251 Stimmen sprach die Kammer der Regierung dadurch das Vertrauen aus, dah sie für die Tagesordnung Sibille (Liaksrepublikaner) stimmte, die vo« Poincare angenommen war, und die lautet: „Die Kammer billigt di« Erklärung der Regierung, spricht ihr das Vertrauen aus, lehnt jeden Zusatz ab und g e h t z n r Tagesordnung Über".
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ßtnfationftnttomgtn aus Maa
Paris, 11. 3an. Wie Havas zu dem Vorgehen Tschanglueliangs ge;en di« Banking- regierung in der Mandschurei weiter erfährt, hat der japanische Generalstabsches aus Tokio einen offiziellen Bericht erhalten, wonach __
Tangjutjng, der ehemalige DenerokstcibS- chef Tschangtsolins, heute früh durch einen Schuß getötet worden ist. 3n Tokio, fo heißt es in der Havasmeldung weiter, herrscht Beunruhigung und man hält die Lage für gefahrdrohend. Einzelheiten über den Tod TangjutingS seien noch nicht bekannt.
ft Lond on, 12. Jan. Rach einer Meldung deS .Daily Telegraph" aus Schanghai ist die Lage in Mulden ernst. Die Anhänger der Hingerichteten Gemälde haben sich in die japanische Zone geflüchtet. Die junge Nankingpartei habe gegenwärtig in Mukden die Oberhand. Tcmgjutinss-Partei fei jedoch mächtig und DergeltungS.natznahmen seien möglich.
Weshalb langiuting erschossen wurde.
JL Tokio, 12. Jan. Tschangsueliang be- ndet die Erschießung TangjutingS damit, baß Tangjuting 20 Millionen Dollar Arsenalgelder unterschlagen und ein Komplott zu feinem (TsangschueliangS) Sturze geschmiedet habe.
Peinliche zvilmnßnnhmen ststn Deutschland
ft. Warschau, 12. Jan. „Erpreß Paranny" weiß zu berichten, daß am Freitag zwei wichtige Besprechungen zwischen Dr. Herme» nnd dem polnischen Bevollmächtigten stattgefunden haben. Trotz erschöpfender Aussprache sei es nicht gelungen, eine Einigung in Bezug auf das weitere Verhandlungsprogramm zu erzielen. Der Aufnahme konkreter Verhandlungen ständen noch verschiedene Schwierigkeiten entgegen. Man hofft, daß es gelingen werde, diese Schwierigkeiten am heutigen Sonnabend z« beseitigen.
Der polnische Ministerrat hat am Freitag den Beschluß gefaßt, seinen Ausfuhr» zoll auf polnisches Rohholz zu erhöhens Diese Maßnahme richtet sich unmittelbar gegen Deutschland.
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Nie Berliner Srlvveevidemle
In einer Aussprache mit Vertretern bet Presse sagte Professor Hoffmann, der Direktor des Hanptgesundheitsamtes der Stadt Berlin n. a. noch: Ja den Berliner Krankenhäusern waren seit dem 1. Januar im ganzen 48 Todesfälle an Grippe zu - verzeichnen.
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1,7 Millionen Arbeitslose
Berlin, 11. Jan. Die Zunahme der unterstützten Arbeitslosen hat sich auch in der zweiten Hälfte des Monats Dezember fortgesetzt; die weitere Steigerung ist zu einem großen Test auf die kalte Witte r u n g, im übrigen auf konjunkturelle Einflüsse zurückzuführen. Zn der Arbeitslosenversicherung betrug die Zunahme der Hauptunierstüt- AungSenrpfänger in der Berichts?eit 31. v. H. gegenüber 26,2 v. H. in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember und 27,9 v. H. in der Zeit vom 16. bis 30. November. Die Zahl. der Hauptunterstützungsempfänger stieg von rund 1 300 000 auf 1 702 000, d. i. um 402 000. Don dem Zuwachs entfallen auf die männlichen Hauptunterstützungsemp- fänger 356 000 (Zunahme 34,5 v. H.), auf die Frauen 46 000 (Zunahme 17,4 v. H.). Am 31. Dezember 1927 wurden in der Arbeitslosenversicherung rund 1 188 000 HaupturtterstützungSenHifänger gezählt. Die diesjährige Zahl übersteigt somit die des Vorjahres um 514 000 oder um 43 v. H. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Krisen- unterstühung stieg in der Berichtszeit von rund 116 800 auf 127 400, d. i. um 10600 oder um 9 v. H. Don dem Zuwachs entfallen auf die Männer 8 600, auf die Frauen 1900. Verhältnismäßig ist die Zunahme bei den männlichen und weiblichen Hauptunterstützungsempfängern fast gleich.
Wohnnng^wangswirtschaft bleibt.
Berlin, 11. Jan. Der WohnungS- auSschuß des preußischen Landtages führte Freitag die Abstimmung über die einzelnen Anträge zur Woh« nangSloirtschaft durch. Er nahm dabei Anträge an. die eine F r e i st e l l u n g für Neubauten von Grundbuchkosten, Derwallungsgebühren und Wertzuwachs st euer für bestimn.tea Fristen fordern. Erleichterungen sollen Neubauten auch bei der kommunalen GrunderwerbSsteuer sovxe der Grundver- mögenSsteuer gen.ejen. Schließlich wurde beschlossen, für die folgenden Jahre ein Wohnungsbauprogramm mit Fj- nanzierungSplan aufzu st eilen. Die übrigen Anträge auf Lockerung der W o h n u n g s z w a «gsw irisch a f t wurden abgelebnt.