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Donnerstag, ton 10. Sanuar 1929

®tt ^Vbihessisch« Stihtng" «

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Marburg «.Lahn

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die deutschen Sachverständigen ernannt i

RkWbmkvrMont Dr. Schacht mb Gcncralbirrttrr Dr. SW ErWmtlglirdrr: Bankier Melchior und Direktor Satti

Berlin. 9. Ja«. Die Reichs« t-egierun« hat die Durchführung der Genfer Vereinbarung vom 16. Sept. 1928 Mb flcmä'g dem Sechsmächte-Abkommen vom 22. Dezember 1928 zu deutschen Mit­gliedern desAusschusses von unab- hängigen Finanzsachverständigen für die Ausarbeitung von Vorschlägen für eine vollständige und endgültige Regelung des Reparationsvroblems" Herrn Dr. Hjal­mar Schacht und Herrn Dr. Albert Bögler ernannt: als Ersatzmänner werde» Herr Dr. Carl Melchior und Herr Ludwig Castl zugezogen werden.

Parker Gilberts Besprechungen

in Washington.

Rewyork Herald" meldet aus Washington das Gerücht, der General­agent für die Reparationszahlungen, Par­ker Gilbert, habe in der Unterredung, die er vorgestern abend mit Schatzsekretär Mellon und Staatssekretär Kellogg gehabt hat, erklärt, dah

Poincar^ zu gegebener Zeit die Rati­fizierung des französisch-amerikanischen

Schuldenabkommens beschleunigen würde.

Das Blatt fügt hinzu, Parker Gilbert sei seit seiner Ankunft in Amerika in bestän­diger telephonischer Verhandlung mit Patts geblieben. Er habe zwar Coolidge noch nicht gesehen, aber vor seiner Be­sprechung mit Mellon eine Konferenz mit Hoover gehabt. Die amerikanische Regierung betrachte die ganze Kriegs­schuld- und Reparationsagelegenheit als sehr heikel und wünsche deshalb an­scheinend, daß

die Tätigkeit Parker Gilberts gauz im Hintergrund bleibe.

Die Besprechungen, an denen Parker Gil­bert teilnehme, umgebe das strengste Ge­heimnis. Es sei auch vorläufig keine offi­zielle Mitteilung in dieser Angelegenheit zu erwarten.,

Der deutsche Botschafter in Patts, Herr von Hoesch, weilt in diesen läget in Ber­lin. Er hat vor seiner Abreise eine Aus­sprache mit dem französischen Außenmini­ster Briand gehabt. Daß er den näch­sten Zug benutzte, um nach Berlin zu fahren, hat in der Pariser Presse viel Be­achtung und lange Kommentare gefunden. In Berlin hingegen stellte man anfäng­lich die Reise als eine Berichtsreise hin, wie sie jedesmal nach bestimmten Zeitab­ständen erfolgt. Welche Bedeutung mag der Reife nun tatsächlich zukommen?

l Die Beantwortung ist nicht schwer. Zn der Hand des Botschafters von Hoesch haben die sämtlichen Vorverhandlungen Über das Sachverständigen-Komitee ge­legen, seidem im September in dem Gen­ier Communigu^ der sechs Mächte die Ein­berufung des Sachverftändigen-Komitees beschlossen war. Während dieser ganzen Monate hat der Botschafter aber nicht Ee- legenfjeit gehabt, persönlich Dr. S t r e s e - ln a n n oder dem Reichskanzler über die Einzelheiten dieser Verhandlungen zu be­richten. Auch die aus jährlichen fdjrift« lichen Berichte können aber eine solche persönliche Berichterstattung nicht ersetzen. Da nun diese Verhandlungen abgeschlossen und, die Ernennung der Sachverständigen bevorsteht, die Ministetten mit dem Sam» üreln von Material für die Sachver­ständigen beschäfttgt sind, den Sachver­ständigen selbst die grundlegende Richt-

Dr. Schacht

linien mitgeteilt werden müssen, mutz diese persönliche Information durch den Führer der Vorverhandlungen endlich erfolgen. Datz Botschafter von Hoesch auch dem Reichspräsidenten Vortrag halten wird, ist ein Brauch, der allgemein üblich ist, wenn ein auf auswärtigem Posten tätiger Dip­lomat nach Berlin kommt.

Völlig daneben gehen jedoch die Pariser Vermutungen, als ob der Besuch Hoeschs auch den Zweck habe, die Verhandlungen über dieFeststellungs- und Ausgleichs­kommission" einzuleiten. Es mag zwar zu- tressen. wenn in der letzten Unterredung des deutschen Botschafters mit Briand diese Frage vom französsischen Autzenminister angeschnitten worden ist. Für Deutschland

3m Ha uptausfchuß des preußischen Landtages totes in der fortgesetzten Aus­sprache zum Landwirtschaftshaus- halt

Abg. Diester (Deutsche Fraktion) unter Bezugnahme auf den Bericht des Aepara- tionsagenten aus den Ernst der Lage hin. Der Aedner erklärte sich mit Rückst ht aus dte er­höhten Zissern der Diehproduktion gegen das Gefrierflttschkvntingent, wandte chch gegen die Einfuhr polnischer Schweine und gegen die Festsetzung eines Schweinekvntingents un polnischen Handelsvertrag.

Abg. Skjelöerup (Komin.) ktttisiette, dah aus Mitteln der Girozentrale übergroße Kredite der Industrie zugeführt würden.

Abg. Wachhorst de Wente (Dem.): Wenn erhöhte Zölle sich alS notwendig er­weisen, so solle man sie so gestalten, wie es beim Zuckerzoll der Fall sei. Der Aedner äußerte sich srchann zu der sog. Auffang» organisalion. Die Preuhenkosse könne nicht so billig Güter kaufen, da der Landwirt fie zu allzu niedrigen Preisen nicht aus der Hand geben f&nne. 3m übrigen müßten aufgekaufte Güter der Siedlung zugefühtt werden. Das würbe zum mindesten 500 Mill. Kredite kosten. DaS könnten die preußischen Finanzen nicht leisten.

Abg. v. Detten (Wittschaftspattei) for­derte sowohl eine Erhöhung der Zölle wie eine Aationali'ierung und Standardisierung in der Landwirtschaft, Großbetriebe und 'Dauern mühten zusammenhalten. Ebenfalls seien alle Sozialisierungsgedanken abzulehnen.

Abg. Heilmann (Svz.) beklagte, dah der Landwirt, sobald er das Wort ,Soziali­sierung" höre, auch von solchen Vorschlägen > nichts Wissen wolle, die chm selbst den.größten

Dr. Vögler

iüfcawv....

liegt aber gar keine Veranlaffung vor, sich zur Zeit mit dieser Angelegenheit zu be­fassen. Wenn Herr von Hoesch, wie das den Anschein hat, in Paris die Gründe da­für dargelegt hat, warum der letzte Be­richt des Reparationsagenten in Deutsch land so starke Kritik fand und fintrn mutzte, so wird er ebenso wahrscheinlich in Berlin auch über die Auffassung der Pariser amtlichen Kreise hinsichtlich der Reparationsfrage Näheres berichten kön­nen. Irgendwelchen weiteren Fragen, als der uns auf den Nägeln brennenden Frage der Reparationsregelung gilt aber der Besuch des Herrn von Hoesch in Berlin nicht. Diese Fragen werden in Berlin nur ganz nebenbei zur Erörterung gelangen.

Nutzen bringen. Es sei bedauerlich, dah es der Landwirtschaft an Männern fehle, die über die notwendige Tüchtigkeit verfügen, um den Organisationsgedanken tatsächlich durch­zuführen.

Abg. Schmelzer (Ztr.) verlangte Förde­rung der Siedlung. Zunächst müsse aber die Landwirtschaft rentabel gemacht werden. Die Steuerpolitik müsse das glatte Land berück­sichtigen und nicht dre Grohstädte bevorzugen.

Abg. 3versen (D. Vpt.) fordert die Um­stellung der seitherigen Politik auf die Stärkung des 3nnenmarktes. Wenn man Qualitätsware Herstellen wolle, müsse man auf eine bessere pädagvgi'che Durchbildung des Lehttörpers an den landwirtschaftlichen Schulen bringen.

Abg. Diel (Zentrum) trat für Erlassung von Wintzerkrediten gemäß den letzten De- schlüsten des Landtages für die frostgeschädig­ten Gemeinden ein und empfahl einen Antrag gegen Wiedereinführung der Weinsteuer und der Gemeindegetränkesteüer. Am Donners­tag soll der 3ustizhaushatt beraten werden.

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Der Reichspräsident emfing gestern die Präsidenten des Reichslandbundes, Reichs­minister a. D. Schiele, die Reichstags­abgeordneten Hepp und Bethge sowie die Direktoren des Reichs-Landbundes von Sybel und Kttegsheim. Die Herren er­statteten dem Herrn Reichspräsidenten ein­gehenden Bericht über die überaus ernste Lage der Landwirtschaft und erbaten feine Unterstützung für die von ihnen zur Be­hebung der Schwierigkeiten angeregten Hilfsmatznahmen^^ ' "

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Wert Vorschläge zur Seiciligungjbcr Notlage

Ar Sachverständigen

In allen Ländern hat es große Dchwie» rigkeiten gemacht, für die ReparationSkom» Mission die nötigen Sachverständigen aus­findig zu machen. Selbstverständlich htt auch in Deutschland manche komplizierte Ueberlegung angestellt werden müssen, um die Männer des Schicksals zu bestimmen, die jetzt an der großen Entscheidung über die Neuregelung der Reparationen Mit­wirken sollen. Die alte Reparationskom- Mission, die mit Dem Frieden zugleich in Erscheinung trat, war wie dieser ein Pro­dukt des Sieges und der Siegerlaune. Die Sachverständigen, die jetzt gufammentieien, werden unter einer ande en Firma ar­beiten. von der wir wünschen wollen, daß auch ein anderer Geist dahinterstel en möge. Der Name dieser neuen Firma ist einiger­maßen lang: Ausschuß von unabhängigen Finanzsachverständigen für Die Ausarbei­tung von Vorschlägen für eine vollständige und endgültige Regelung des ReparattonS- problems. Auch schon um die einzelnen Worte dieser Ueberschttst ist politisch ge­rungen worden. Es sollen Finanzsachver­ständige und nicht Politiker zusammen- treten; diese Sachverständigen sollen un­abhängig von ihren heimischen Regie­rungen sein; sie sollen freilich nur Vor­schläge machen und nicht endgültige Ent­scheidungen treffen; waS man von ihnen erwartet, ist nicht weniger, als die end­gültige Lösung der großen internatio­nalen Schicksalsfrage, die mit dem Worte Reparationen" bezeichnet wird, und von der in großen und kleinen Ländern für Jahrzehnte hinaus die finanzielle, kul­turelle und politische Lage bestimmt wird. Das alles steckt in dieser sorgsam zu­sammengestellten Aeberschrist. Kein klei­nes Amt fürwahr, das ein Sachverständiger als Mitglied dieser Konferenz auf sich nehmen muß.

Für Deutschland sind der Reichsbank­präsident Dr. Schacht und der bekannte Schwerindustrielle Dr. Vögler ernannt worden. Die Kabinettssitzung, die darüber die Entscheidung getroffen hat, ist sich wohl bewußt gewesen, daß sie mit einer solchen Wahl für bestimmte Interessen Die Bahn zur 'Beeinflussung der Reparationskonfe­renz freimachte. Der Reichsbankpräsident, der das entscheidende Wort über die deutsche Finanzpolitik vielleicht noch mehr als der Reichsfinanzminister zu sprechen Hal. gehörte selbstverständlich in die Kom­mission hinein. Reichsfinanzminister kom­men und gehen. Parlamentsmehrhei.en wandeln sich. Der oberste Beamte Cer Deutschen Reichsbank Dagegen bleibt und leitet die Diskontpolitik und reguliert Den Strom der ausländischen Anlechen. Da kann chm weder Parlament noch Minister viel Dreinreben. Da sammelt er aber auch in stetiger ununterbrochener Arbeit Er­fahrungen, Die kein anDerer zu Den Be­ratungen Der Konferenz würDe beisteuern können. Er wird umgekehrt aus Der Teil­nahme an Den Reparationsverhandlungen Informationen gewinnen. Die ihm für seine fernere Reichsbankpolitik von größtem Werte sein Dürften. Er toirD Den GraD Der Deutschen Kreditfähigkeit im AuSlande so­zusagen an Der Quelle ftuDieren können, und Die persönliche Fühlungnahme mit Den beDeutenDften Finanzautoritäten des Aus- lanDeS bei einer so großen praktischen Auf­gabe toirD hoffentlich zur materiellen Ver­ständigung zwischen Deutschland und Dem AuSlande für alle Zukunft einiges bei­tragen.

Wit Dr. Vögler, dem Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke, kommen Die wichtigsten deutschen WirtschaftSinteresjen zu Wort. In unserem Industtiegebiet im Westen pocht nun einmal Die Hauptlebens- aDer unserer wirtschaftlichen Existenz. Von ihrer Gesundheit hängt letzten Endes jede Möglichkeit von Reparationszahlungen ab, zumal es sich bei diesen ja nicht bloß um geldliche, sondern auch um Direfte, ma- ,.terielle Leistungen handelt. Deutschland