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Mittwoch,

KN 9. Januar 1929

2* ^>b«rh<sfis-d« Sdhntg" «t- sechsmal ioLchkntltch. 53e- jngifteW monatlich 2 GM. aus. fcMieBl. Zustellungsgebühr, durch znPost2.2S GM.Für etwa infolge Atreils, Maschinendefekt« oder ^ementarer Lreignisse ausfallend« Kümmern wird kein Ersatz g«- [tiflet. Verlag b. Dr §. -itzeroth. frtui der Unib.-Buchdructere, v.

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Marburger ragrsamtztt

Sesiischr

LlmörtztiLmg

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Rr.7 64. stabrg. Marburg a. Lahn

Der Anzetgenpret« delrLgt fSi den 10 gespalt. Zeilenmtlltmrt», 0.08 GM klein« Daran,ei^en 0.08 ®9Xn amtlich« und aus­wärtig« Anzeigen 0.10 GM. Del schwierigem Satz sowie bei Platz» Vorschrift 50*/, Aufschlag. Sammelanzetqe» 100 */, Auf­schlag. Reklamen der Millim. ,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Darrabatt. Ziel 5 Tag«. D«l«g« werden berechnet, ebenso Auskunft durch di« Grschäftsst«!!« und Zusendung der Anqebodi. Gr» küllungeort Marburg.

I Goidmark = '/^»Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Reparationen als gutes Geschäft

SN Rollt Wer Gilberts 922 Mlllldnen la 4 Monaten

fleterte im leichten Seldverttenea

Das Büro des Generalagenten für Reparationszahlungen veröffentlicht eine Leberficht über die verfügbaren Gelder ggb vorgenommen Transfers im 5. An- «itätsiahre bis zum 31. Dezember 1928. Der Gesamtbetrag der eingegangenen -leparatioasgelder betrug in diesen 4 Monaten des 5. Annuitätsjahres 497 671,52 Goldmark, der Gesamtbe­trag der vorgenommenen Transfers 1 720271 539,59 Goldmark, davon wurden |s ausländische Währung überführt »94 724 752,35 Goldmark. Zm Monat De­zember allein gingen 184,8 Millionen ein, eon denen 110,5 in ausländische Währung irausferiert wurden. Bon den Haupt- «parationsglaubigern erhielten im De- s zember Frankreich 90,5 Millionen, Eng­land 39,5, Italien 15,3 und Begien 9 \ | Millionen Goldmark. An die Vereinigten Staaten von Amerika wurden 7,3 Mill, darunter 4 Millionen für die rückständige« vesatzuugskosteu geleistet.

Man kann an Reparationen ein gutes Geschäft machen. Die Reparationsskandale verschiedener Länder sind noch in Erinne­rung. Doch nicht davon soll hier die Rede sein. Auch wer lediglich sein Geld als Dar- - leben für die Reparationsanleihe zur Ver­fügung stellte, tat das nicht allein, um l Deutschland zu helfen, sondern verdiente daran nicht schlecht.

Wer im Besitz von Stücken der Dawes-An- , leihe ist, hat zum Beispiel in den letzten Tagen wieder ein halbes Prozent verdient. Der optimistisch gefärbte Jahresbericht Parker Gilberts hat nämlich die Wirkung ge­habt, den Wert der Dawes-Anleihe von 1924 um 0,5 Prozent zu erhöhen.

: Doch das fällt nicht so sehr ins Gewicht. Die Reparationsanleihe ist seinerzeit zu einem Zeichnungskurs von 92 Prozent ausgegeben worden. Der Besitzer solcher Anleihestücke wird also bei der Rückzahlung für 92 ein­gezahlte Mark 100 Mark zurückerhalten. Tat­sächlich ist er aber schon jetzt jederzeit in bet Lage, seine Anleihestücke wegen derer gu­ten Verzinsung für mehr als den Rückzah­lungskurs von 100 Prozent zu verkaufen.

Die Dawes-Anleihe ist nämlich trotz ihres hohen Betrages nicht nur eines her beftverzinsten, sondern auch eines der festeste^ Papiere an den Weltbörsen.

Sieben der guten Verzinsung haben die In­haber der Anleihestücke also noch einen er­heblichen Kapitalgewinn gehabt.

Das führt dazu, baß auch die Tilgung her Dawes-Anleihe sich von der gewöhnlichen. Tilgung solcher Anleihen unterscheidet. In der Regel geschieht nämlich die Tilgung da­durch, baß der Schuldner am offenen Markt von seinen Anleihen aufkauft (bie er dort billiger als zum Rückzahlungskurs erhält), I Und bann vernichtet. Die Treuhänber ber I Dawes-Anleihe waren aber wegen bes über I 100 Prozent liegenden Kurses nicht in der 1 Lage, auf diese Weise die Anleihestücke für l ®en zu tilgenden Teil zu erwerben. Der ! Aevarationsagent teilt in seinem Bericht mit. i «atz nur in Italien für 401 500 Lire und m Amerika für 23 000 Dollar Anleihestücke ®°n den Treuhändern aufgekauft werden t «mnten.

Bisher sind 111800000 Goldmark t Dawes-Anleihen getilgt worden, für die die Zeichner seinerzeit rund 103 Millio­nen Reichsmark bezahlt haben.

j ^Die Provisionen, bie bie mit ber Ausgabe Dawes-Anleihen befaßten Banken (einer* erhielten, finb natürlich noch von ben Prozent des Zeichnungskurses a b 3 u

L1 (b e n. Auch die Banken wurden für die Vermittlung des Geschäftes anständig be- toblt.

Denn nun jetzt «in großer Teil der Dawes-Schuld kommerzialisiert, d. h. aus tia« politischen Schuld in eine Privat­

schuld mit festen Anleiheftücken umge- wandelt werden würde, so würde das wieder durch die Banken, in erster Linie durch die amerikanischen Banken, erfol­gen müssen.

Sie würden bei einer so großen Transaktion, wie sie bisher noch nicht dagewesen ist. sogar die größten Provisionen aller Zeiten einstreichen. Es würde sich also die Reise, die z. B. im Oktober der amerikanische Weltbankier Morgan nach Paris und Lon­don zur Besprechung des Kommerzialisie­rungs-Planes unternommen hat, sehr gut rentieren.

Wenn man nach dieser Feststellung nun weiß, daß allgemein mit dem

Eintritt des jetzigen Reparationsagenten

Parker Gilbert in das Bankhaus Morgan

Die radikale Kammerfrak- tio« hat einstimmig beschlossen, für die Priorität der in ihrem Rame« eingebrach­ten Tagesordnung, durch die die Znter- pellationsdepatte über die allgemeine Po­litik der Regierung abgeschlossen werden sollte, zu stimmen. Zn dieser Tagesord­nung wird erklärt, daß die radikale Frak­tion wegen der Zusammensetzung der Re­gierung nicht für die Regierung stimmen könne. Außerdem wurde be­schlossen, gegen die Bertrauens- tagesordnung zu stimmen, die der Ministerpräsident annehmen wird und zwar unter Fraktionszwang.

M a t i n" schreibt zur innerpolitischen Lage und zu der morgen beginnenden Interpellations-Debatte in der Kammer in einem anscheinend inspirierten Artikel u a.: Die Radikalen haben in ihrer gestri­gen Sitzung die Fahne der Auflehnung enthüllt. Sie haben beschlosien, gegen das Kabinett zu stimmen. Aber dies ist bereits mehrfach geschehen. Man fragt sich in den Wandelgöngen des Parlaments, ob sie taktisch klug gehandelt haben, ihre Bat­terien so früh zu demaskieren, bevor man noch die Ausführungen des Minister­präsidenten gehört hat.

Zweifelsohne hoffen die Radikale« darauf, daß sie bei ihrer Offensive

Schutzes. Umso mehr Interesse zeigt sie an dem sinkenden groben Reparationsgeschäft.

Nunmehr versteht man es, wenn ein großer Teil der amerikanischen Zeitungen bie beutschen Einwänbe ara-n ben Bericht Gilberts bamit abtut, biefer B'richt sei doch garnicht so schlimm, benn er sei doch sehr wob! geeignet, in Amerika eine günstige Auffassung für bie Unterbringung deutscher Reparationsbonds zu schaffen.

Man darf in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, dah Parker Gil­bert, wenn auch nicht offen, so doch vrr- fteckt, die Möglichkeit angedentet hat, dah der Transfer-Schutz aufgehoben werden könnte, wenn es jetzt zu einer neuen Reparationsregelung käme.

Wir wollen sicher nicht bestreiten, dah der Reparationsagent subjektiv glaubt, in seinem letzten Bericht die Lage Deutschlands lonal und korrekt geschildert zu haben. Man tomnrt nach diesen Auslassungen aber doch unwillkürlich dazu, die Frage zu stellen, wie weit in bie enbgültige Regelung ber Repa­rationsfrage ber Snterefienitreit, ber in Ame­rika zwischen ben beiden Gruppen von An­leihegläubigern (amtliche Anleihe und freie Anleihe) geht, hineinspielt.

gerechnet wirb, sobald die bisherige Repara­tionsregelung aufhört, so ergeben sich noch weitere aufschlußreiche Erkenntnisse.

Reben der amtlichen Dawes-Anleihe hat Deutschland freie Anleihen in noch viel größeren Beträgen in Amerika ausge­nommen.

Die amerikanischen Gläubiger dieser An­leihen haben ein Interesse daran, dah der Transfer-Schutz bleibt, durch ben bie beutsche Währung unter allen Umständen gesichert unb bamit ben privaten Gläubigern praktisch ein Vorrang ihrer Anleihe gefiltert ist.

Die Morgan-Gruppe hat sich wenig mit diesen freien Anleihen befahl.

Sie hat also ke in besonderes Inter­esse an der Aufrechterhaltung des Transfer-

etttett Teil der Gruppe L o u ch e u r für ihre Seite gewinne«.

Zweifelsohne rechnen sie auch darauf, dah Poincarä durch die Opposition der Linken veranlaht werden könnte, das Kabinett umzubilden. Aber das ist eine chimärische Hoffnung.

Man kann sämtliche Gerüchte über eine bevorstehende Umbildung mit aller Form dementieren.

Wenn was unmöglich erscheint das Ministerium sich in der Minderheit be­finden sollte, so würde es zurück- treten. Wenn es, was vorauszusehen ist, die Mehrheit erhalten sollte, werde es seine Pflicht tun! Frankreich steht vor internationalen Verhandlungen von be­trächtlichem Interesse, die zu einem guten Ende zu führen Poincarä alles aufbieten wird. Er wird also, falls nicht ein Vo­tum der Kammer im anderen Sinn ent­scheidet. erst dann, wenn dieses Werk voll­bracht ist. seine Aufgaben als beendet an­sehen und daran denken können, sich aus eigenem Entschluß zurückzuziehen. Zweifels­ohne wird Poincarö dies morgen in feinen Erklärungen zum Ausdruck bringen. Zm übrigen erwartet man, dah die De­batte nur zwei Sitzungen in Anspruch nimmt und am Freitag abend die mit grober Spannung erwartete Abstimmung stattfindet, die über bas Schicksal des Kabinetts entscheiden wird.

Stern Stieße $6nfi Aleraaters

Belgrad, 8. Jan. Eine heute nach­mittag erschienene außerordentliche Aus­gabe des Amtsblattes veröffentlicht vier weitere Berfasiungsgesetze. Durch die bei­den ersten Gesetze tre-oen die Organisation und Die Sfitaten deS Staatsrates.. des Derwaltungsgerichtes und des obersten staatlichen Rechnungshofes abgeändert. Das wesentliche der neuen Ge ehe besteht darin, dah das Recht der Skuplcstttna, bei Ernennung der Mitglieder der ol ersten Behörden BorschlSge zu unterbreiten, ab- geschafft und die Unabhängigkeit der Richter hegte, der Beamten aufgeho­ben wird. Das dritte aus 62 Paragra­phen bestehende Gce; betreffend die Ge­richte, enthält eine weitgehende Abände­rung der bisherigen Gesetze, die die Ge­richte betrafen. Die Richter teerten nach Vorschlägen des ZustizministerS durch den König ernannt.

Matschek gab eine Erklärung ab, in der es heißt, daß seiner Ansicht nach Oie Re­gierung nicht geeignet sei, die kroatische Frage einer Lösung entgegenzufuhren.

Mi einen Deutschen an die Franzosen »erraten

Mainz. 8. Ian. Vor dem französischen Militärgericht wurde heute gegen den 31- jahrigen Versorgungsanwärter L o e h I aus Wiesbaden, den 33jährigen Wein­händler Knoeß, den 31jährigen Wein­bauvolontär Gerhard, den 28jährigen Studenten Goertz aus Oppenheim und den 19jährigen Praetkowski aus Dienheim bei Offenheim verhandelt. Die Angeklagten, die dem Stahlhelm ange­hören, werden beschuldigt, Z e i t j ch r i s. ten des Stahlhelms verteilt und zum Besuch einer Versammlung des im besetzten Gebiete verbotenenStahl­helms"" aufgefordert zu haben. Der An- geschuldiate Loehl war zur Verhandlung nicht erschienen. Die Beweisaufnahme ergab,' daß die Angeschuldigten in Oppen­heim am Tage, an dem die Versammlung stattfinden sollte,

durch einen Deutschen an die fran­zösischen Behörden verraten

worden sind. Loehl hatte in Oppenheim eine Stahlhelmgruppe unter dem Namen Wanderlust" gegründet, deren Vorsitz der Angeklagte Knoeß führte. Die bei­den erklärten, daß sie. frühere Frontsol­daten, nur ihre Pflicht als Deutsche erfüllen wollten, nicht aber gegen die Be­satzung feindliche Absichten aehegt hätten. Die drei übrigen Angeschuldigten sagten aus, daß sie, als sie vom Verbot des Stahlhelms erfuhren, sofort aus der Ortsgruppe ausgetreten seien. Das Ge­richt verurteilte Loehl und Knoeß zu je acht Tagen Gefängnis unter Ge- Währung von Strafaufschub und zu je 70 RM Geldstrafe, Gerhard, Goertz und Praetkowski zu je 25 RM. Geldstrafe.

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Ser dünWe Schon »re dem ReiMerM

Leipzig, 8. Ian. Vor dem 4.Straf­senat des Reichsgerichtes begann heute unter dem Vorsitz des Senatspräfidenterr Lorenz der

Spionageprozeß gegen ben dänischen Hauptmann Hary Lembourn und die Kontoristin Helene Stegemann ans

Berlin.

Hauptmann Lembourn war im Verlaus seiner militärischen Ausbildung u. a. vom 1.11.1921 bis 1.11.1923 zur französi­schen Armee abkommandiert und in dieser Zeit verschiedenen Regi­mentern in Straßburg und Metz sowie der Kriegsakademie zugeteilt. Entgegen anders lautenden Zeitungsnachrichten war er jedoch nicht während des Welt­krieges bei der französischen Armee. Im Wort! 1924 wurde Lembourn zum drit­ten dänischen Infanterie-Reaiment nach Tandern versetzt, wo er, nachdem er einen abermaligen viermonatlichen Kur­sus in Versailles absolviert hatte, als Hauptmann und Kompagniechef die L Kompagnie des 2. Bataillons führte. Lembourn ist Vorstandsmitglied des Dänischen Offiziersvereins. Weiter war er Instruktionschef der jüti- schen Grenzwehr und Sekretär und Kassierer der Alliance F r a n c a i s e i n T o n d e r n. die sich nach seiner Angabe jedoch hauptsächlich mit französischer Sprache und Literatur befaßt hat.

Festgenommen wurde Lembourn am 24. Juni 1928 bei einem Ausflug des Offizierskorps nach Westerland auf

Sylt.

Seit dieser Zeit befindet er sich in Unter­suchungshaft. Nach dem Erösfnungsbe- ichluß sind beide Angeklagten verdächtigt, versucht zu haben, 'Nachrichten, deren Ge­heimhaltung im Interesse der Landes­verteidigung erforderlich war, an eine ausländische Regierung gelangen zu las­sen und dadurch die Staatssicherheit ge-

Holurares letzte Aufgabe

Rach ter Revaratioaö und Echultenregelung wird er zornMreten