Mittwoch,
KN 9. Januar 1929
2* ^>b«rh<sfis-d« Sdhntg" «t- sechsmal ioLchkntltch. 53e- jngifteW monatlich 2 GM. aus. fcMieBl. Zustellungsgebühr, durch znPost2.2S GM.Für etwa infolge Atreils, Maschinendefekt« oder ^ementarer Lreignisse ausfallend« Kümmern wird kein Ersatz g«- [tiflet. Verlag b. Dr §. -itzeroth. frtui der Unib.-Buchdructere, v.
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Marburger ragrsamtztt
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Reparationen als gutes Geschäft
— SN Rollt Wer Gilberts — 922 Mlllldnen la 4 Monaten
fleterte im leichten Seldverttenea
Das Büro des Generalagenten für Reparationszahlungen veröffentlicht eine Leberficht über die verfügbaren Gelder ggb vorgenommen Transfers im 5. An- «itätsiahre bis zum 31. Dezember 1928. Der Gesamtbetrag der eingegangenen -leparatioasgelder betrug in diesen 4 Monaten des 5. Annuitätsjahres 8ß 497 671,52 Goldmark, der Gesamtbetrag der vorgenommenen Transfers 1 720271 539,59 Goldmark, davon wurden |s ausländische Währung überführt »94 724 752,35 Goldmark. Zm Monat Dezember allein gingen 184,8 Millionen ein, eon denen 110,5 in ausländische Währung irausferiert wurden. Bon den Haupt- «parationsglaubigern erhielten im De- s zember Frankreich 90,5 Millionen, England 39,5, Italien 15,3 und Begien 9 \ | Millionen Goldmark. An die Vereinigten Staaten von Amerika wurden 7,3 Mill, darunter 4 Millionen für die rückständige« vesatzuugskosteu geleistet.
Man kann an Reparationen ein gutes Geschäft machen. Die Reparationsskandale verschiedener Länder sind noch in Erinnerung. Doch nicht davon soll hier die Rede sein. Auch wer lediglich sein Geld als Dar- - leben für die Reparationsanleihe zur Verfügung stellte, tat das nicht allein, um l Deutschland zu helfen, sondern verdiente daran nicht schlecht.
Wer im Besitz von Stücken der Dawes-An- , leihe ist, hat zum Beispiel in den letzten Tagen wieder ein halbes Prozent verdient. Der optimistisch gefärbte Jahresbericht Parker Gilberts hat nämlich die Wirkung gehabt, den Wert der Dawes-Anleihe von 1924 um 0,5 Prozent zu erhöhen.
: । Doch das fällt nicht so sehr ins Gewicht. Die Reparationsanleihe ist seinerzeit zu einem Zeichnungskurs von 92 Prozent ausgegeben worden. Der Besitzer solcher Anleihestücke wird also bei der Rückzahlung für 92 eingezahlte Mark 100 Mark zurückerhalten. Tatsächlich ist er aber schon jetzt jederzeit in bet Lage, seine Anleihestücke wegen derer guten Verzinsung für mehr als den Rückzahlungskurs von 100 Prozent zu verkaufen.
Die Dawes-Anleihe ist nämlich trotz ihres hohen Betrages nicht nur eines her beftverzinsten, sondern auch eines der festeste^ Papiere an den Weltbörsen.
Sieben der guten Verzinsung haben die Inhaber der Anleihestücke also noch einen erheblichen Kapitalgewinn gehabt.
Das führt dazu, baß auch die Tilgung her Dawes-Anleihe sich von der gewöhnlichen. Tilgung solcher Anleihen unterscheidet. In der Regel geschieht nämlich die Tilgung dadurch, baß der Schuldner am offenen Markt von seinen Anleihen aufkauft (bie er dort । billiger als zum Rückzahlungskurs erhält), I Und bann vernichtet. Die Treuhänber ber I Dawes-Anleihe waren aber wegen bes über I 100 Prozent liegenden Kurses nicht in der 1 Lage, auf diese Weise die Anleihestücke für l ®en zu tilgenden Teil zu erwerben. Der ! Aevarationsagent teilt in seinem Bericht mit. i «atz nur in Italien für 401 500 Lire und m Amerika für 23 000 Dollar Anleihestücke ®°n den Treuhändern aufgekauft werden t «mnten.
Bisher sind 111800000 Goldmark t Dawes-Anleihen getilgt worden, für die । die Zeichner seinerzeit rund 103 Millionen Reichsmark bezahlt haben.
j ^Die Provisionen, bie bie mit ber Ausgabe Dawes-Anleihen befaßten Banken (einer* erhielten, finb natürlich noch von ben Prozent des Zeichnungskurses a b 3 u •
L1 (b e n. Auch die Banken wurden für die Vermittlung des Geschäftes anständig be- toblt.
Denn nun jetzt «in großer Teil der Dawes-Schuld kommerzialisiert, d. h. aus tia« politischen Schuld in eine Privat
schuld mit festen Anleiheftücken umge- wandelt werden würde, so würde das wieder durch die Banken, in erster Linie durch die amerikanischen Banken, erfolgen müssen.
Sie würden bei einer so großen Transaktion, wie sie bisher noch nicht dagewesen ist. sogar die größten Provisionen aller Zeiten einstreichen. Es würde sich also die Reise, die z. B. im Oktober der amerikanische Weltbankier Morgan nach Paris und London zur Besprechung des Kommerzialisierungs-Planes unternommen hat, sehr gut rentieren.
Wenn man nach dieser Feststellung nun weiß, daß allgemein mit dem
Eintritt des jetzigen Reparationsagenten
Parker Gilbert in das Bankhaus Morgan
Die radikale Kammerfrak- tio« hat einstimmig beschlossen, für die Priorität der in ihrem Rame« eingebrachten Tagesordnung, durch die die Znter- pellationsdepatte über die allgemeine Politik der Regierung abgeschlossen werden sollte, zu stimmen. Zn dieser Tagesordnung wird erklärt, daß die radikale Fraktion wegen der Zusammensetzung der Regierung nicht für die Regierung stimmen könne. Außerdem wurde beschlossen, gegen die Bertrauens- tagesordnung zu stimmen, die der Ministerpräsident annehmen wird und zwar unter Fraktionszwang.
„M a t i n" schreibt zur innerpolitischen Lage und zu der morgen beginnenden Interpellations-Debatte in der Kammer in einem anscheinend inspirierten Artikel u a.: Die Radikalen haben in ihrer gestrigen Sitzung die Fahne der Auflehnung enthüllt. Sie haben beschlosien, gegen das Kabinett zu stimmen. Aber dies ist bereits mehrfach geschehen. Man fragt sich in den Wandelgöngen des Parlaments, ob sie taktisch klug gehandelt haben, ihre Batterien so früh zu demaskieren, bevor man noch die Ausführungen des Ministerpräsidenten gehört hat.
Zweifelsohne hoffen die Radikale« darauf, daß sie bei ihrer Offensive
Schutzes. Umso mehr Interesse zeigt sie an dem sinkenden groben Reparationsgeschäft.
Nunmehr versteht man es, wenn ein großer Teil der amerikanischen Zeitungen bie beutschen Einwänbe ara-n ben Bericht Gilberts bamit abtut, biefer B'richt sei doch garnicht so schlimm, benn er sei doch sehr wob! geeignet, in Amerika eine günstige Auffassung für bie Unterbringung deutscher Reparationsbonds zu schaffen.
Man darf in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, dah Parker Gilbert, wenn auch nicht offen, so doch vrr- fteckt, die Möglichkeit angedentet hat, dah der Transfer-Schutz aufgehoben werden könnte, wenn es jetzt zu einer neuen Reparationsregelung käme.
Wir wollen sicher nicht bestreiten, dah der Reparationsagent subjektiv glaubt, in seinem letzten Bericht die Lage Deutschlands lonal und korrekt geschildert zu haben. Man tomnrt nach diesen Auslassungen aber doch unwillkürlich dazu, die Frage zu stellen, wie weit in bie enbgültige Regelung ber Reparationsfrage ber Snterefienitreit, ber in Amerika zwischen ben beiden Gruppen von Anleihegläubigern (amtliche Anleihe und freie Anleihe) geht, hineinspielt.
gerechnet wirb, sobald die bisherige Reparationsregelung aufhört, so ergeben sich noch weitere aufschlußreiche Erkenntnisse.
Reben der amtlichen Dawes-Anleihe hat Deutschland freie Anleihen in noch viel größeren Beträgen in Amerika ausgenommen.
Die amerikanischen Gläubiger dieser Anleihen haben ein Interesse daran, dah der Transfer-Schutz bleibt, durch ben bie beutsche Währung unter allen Umständen gesichert unb bamit ben privaten Gläubigern praktisch ein Vorrang ihrer Anleihe gefiltert ist.
Die Morgan-Gruppe hat sich wenig mit diesen freien Anleihen befahl.
Sie hat also ke in besonderes Interesse an der Aufrechterhaltung des Transfer-
etttett Teil der Gruppe L o u ch e u r für ihre Seite gewinne«.
Zweifelsohne rechnen sie auch darauf, dah Poincarä durch die Opposition der Linken veranlaht werden könnte, das Kabinett umzubilden. Aber das ist eine chimärische Hoffnung.
Man kann sämtliche Gerüchte über eine bevorstehende Umbildung mit aller Form dementieren.
Wenn — was unmöglich erscheint — das Ministerium sich in der Minderheit befinden sollte, so würde es zurück- treten. Wenn es, was vorauszusehen ist, die Mehrheit erhalten sollte, werde es seine Pflicht tun! Frankreich steht vor internationalen Verhandlungen von beträchtlichem Interesse, die zu einem guten Ende zu führen Poincarä alles aufbieten wird. Er wird also, falls nicht ein Votum der Kammer im anderen Sinn entscheidet. erst dann, wenn dieses Werk vollbracht ist. seine Aufgaben als beendet ansehen und daran denken können, sich aus eigenem Entschluß zurückzuziehen. Zweifelsohne wird Poincarö dies morgen in feinen Erklärungen zum Ausdruck bringen. Zm übrigen erwartet man, dah die Debatte nur zwei Sitzungen in Anspruch nimmt und am Freitag abend die mit grober Spannung erwartete Abstimmung stattfindet, die über bas Schicksal des Kabinetts entscheiden wird.
Stern Stieße $6nfi Aleraaters
Belgrad, 8. Jan. Eine heute nachmittag erschienene außerordentliche Ausgabe des Amtsblattes veröffentlicht vier weitere Berfasiungsgesetze. Durch die beiden ersten Gesetze tre-oen die Organisation und Die Sfitaten deS Staatsrates.. des Derwaltungsgerichtes und des obersten staatlichen Rechnungshofes abgeändert. Das wesentliche der neuen Ge ehe besteht darin, dah das Recht der Skuplcstttna, bei Ernennung der Mitglieder der ol ersten Behörden BorschlSge zu unterbreiten, ab- geschafft und die Unabhängigkeit der Richter hegte, der Beamten aufgehoben wird. Das dritte aus 62 Paragraphen bestehende Gce; betreffend die Gerichte, enthält eine weitgehende Abänderung der bisherigen Gesetze, die die Gerichte betrafen. Die Richter teerten nach Vorschlägen des ZustizministerS durch den König ernannt.
Matschek gab eine Erklärung ab, in der es heißt, daß seiner Ansicht nach Oie Regierung nicht geeignet sei, die kroatische Frage einer Lösung entgegenzufuhren.
Mi einen Deutschen an die Franzosen »erraten
Mainz. 8. Ian. Vor dem französischen Militärgericht wurde heute gegen den 31- jahrigen Versorgungsanwärter L o e h I aus Wiesbaden, den 33jährigen Weinhändler Knoeß, den 31jährigen Weinbauvolontär Gerhard, den 28jährigen Studenten Goertz aus Oppenheim und den 19jährigen Praetkowski aus Dienheim bei Offenheim verhandelt. Die Angeklagten, die dem Stahlhelm angehören, werden beschuldigt, Z e i t j ch r i s. ten des Stahlhelms verteilt und zum Besuch einer Versammlung des im besetzten Gebiete verbotenen „Stahlhelms"" aufgefordert zu haben. Der An- geschuldiate Loehl war zur Verhandlung nicht erschienen. Die Beweisaufnahme ergab,' daß die Angeschuldigten in Oppenheim am Tage, an dem die Versammlung stattfinden sollte,
durch einen Deutschen an die französischen Behörden verraten
worden sind. Loehl hatte in Oppenheim eine Stahlhelmgruppe unter dem Namen „Wanderlust" gegründet, deren Vorsitz der Angeklagte Knoeß führte. Die beiden erklärten, daß sie. frühere Frontsoldaten, nur ihre Pflicht als Deutsche erfüllen wollten, nicht aber gegen die Besatzung feindliche Absichten aehegt hätten. Die drei übrigen Angeschuldigten sagten aus, daß sie, als sie vom Verbot des Stahlhelms erfuhren, sofort aus der Ortsgruppe ausgetreten seien. Das Gericht verurteilte Loehl und Knoeß zu je acht Tagen Gefängnis unter Ge- Währung von Strafaufschub und zu je 70 RM Geldstrafe, Gerhard, Goertz und Praetkowski zu je 25 RM. Geldstrafe.
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Ser dünWe Schon »re dem ReiMerM
Leipzig, 8. Ian. Vor dem 4.Strafsenat des Reichsgerichtes begann heute unter dem Vorsitz des Senatspräfidenterr Lorenz der
Spionageprozeß gegen ben dänischen Hauptmann Hary Lembourn und die Kontoristin Helene Stegemann ans
Berlin.
Hauptmann Lembourn war im Verlaus seiner militärischen Ausbildung u. a. vom 1.11.1921 bis 1.11.1923 zur französischen Armee abkommandiert und in dieser Zeit verschiedenen Regimentern in Straßburg und Metz sowie der Kriegsakademie zugeteilt. Entgegen anders lautenden Zeitungsnachrichten war er jedoch nicht während des Weltkrieges bei der französischen Armee. Im Wort! 1924 wurde Lembourn zum dritten dänischen Infanterie-Reaiment nach Tandern versetzt, wo er, nachdem er einen abermaligen viermonatlichen Kursus in Versailles absolviert hatte, als Hauptmann und Kompagniechef die L Kompagnie des 2. Bataillons führte. Lembourn ist Vorstandsmitglied des Dänischen Offiziersvereins. Weiter war er Instruktionschef der jüti- schen Grenzwehr und Sekretär und Kassierer der Alliance F r a n c a i s e i n T o n d e r n. die sich nach seiner Angabe jedoch hauptsächlich mit französischer Sprache und Literatur befaßt hat.
Festgenommen wurde Lembourn am 24. Juni 1928 bei einem Ausflug des Offizierskorps nach Westerland auf
Sylt.
Seit dieser Zeit befindet er sich in Untersuchungshaft. Nach dem Erösfnungsbe- ichluß sind beide Angeklagten verdächtigt, versucht zu haben, 'Nachrichten, deren Geheimhaltung im Interesse der Landesverteidigung erforderlich war, an eine ausländische Regierung gelangen zu lassen und dadurch die Staatssicherheit ge-
Holurares letzte Aufgabe
Rach ter Revaratioaö und Echultenregelung wird er zornMreten