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Mittag, toi 7. Smmar!W

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Anzeiger für (das frühere kurhefsische) Oberhessen

to.5 64.3nteg. Marburg a. Lahn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

MMärdiktatue m Fugoftamen

Die BrrsaffMg lmfgehsbrn

Belgrad, 6. Ian. Die neue Regie­rung hat um 11 Ahr den Eid auf die Verfassung geleistet. Präsident und Mini­ster des Innern ist Divisionsgeneral und Kommandeur der Königlichen Garde Peter Z i v k o w i t s ch, die auswärtigen Angelegenheiten hat Marinkowitsch, Verkehrminister ist Korosetfch, Kriegs- und Marineminister General Hadjitsch.

Eine Proklamation des Königs Alexander

König Alexander hat eine Prokla­mation an sein Volk erlasien, die u. a. besagt: Meine und des Volkes Er­wartungen, daß die Entwicklung unseres innerpolitischen Lebens Ordnung und Konsolidierung in der Lage des Landes mit sich bringen würde, haben sich nicht erfüllt. Die ungesunde politische. Situation im Staate ist nicht nur für das innere Leben und seinen Fortschritt, sondern auch für die Regelung und Entwicklung der auswäügen Beziehungen unseres, Staates sowie für die Stärkung unseres Prestiges und unseres Kredites im Auslande nach­teilig.

Durch politische Leidenschaften ver­blendete Männer haben mit dem Par- . lamentarismus allmählig einen sol­chen Mißbrauch getrieben, da'g er ein Hindernis für jede gedeihliche Arbeit des Staates wurde.

Weit entfernt, den Geist nationaler und staatlicher Einheit zu entfalten und zu stärken,, beginnt der Parlamentarismus in seiner jetzigen Gestalt geistige Desorgani­sation und nationale Uneinigkeit hervor­zurufen. Ein Mittel gegen dieses Uebel zu suchen in einer Aenderung der parla­mentarischen Regierung, wie sie bisher ge­handhabt wurde, oder in neuen Mahlen für die gesetzgebenden Körperschaften hieße kostbare Zeit mit fruchtlosen Versuchen zu verlieren. Ich bin überzeugt, dah alle Serben. Kroaten und Slowenen meine treuesten Helfer bei meinen zukünftigen Bemühungen sein werden, die nur dabin gehen, in kürzester Zeit zur Schaffung von Einrichtungen zur Verwaltung und Orga­nisation des Staates zu gelangen, die den allgemeinen Vedürfnisien des'Volkes und den Interesien des Staates am besten ent­sprechen.

Infolgedessen habe ich beschlossen und bestimmt, daß die Verfassung des Kbnigsreichs vom 28. Juni 1921 nicht in Kraft bleibt.

Alle Gesetze des Landes bebakten ibre Gültigkeit, soweit sie nicht durch einen Er­last von mir im Notfälle aufgehoben wer­den. Neue Gesetze werden künftig auf die­selbe Meise veröffentlicht werden. Die am 11. Dezember 1927 gewählte Skufi­sch ti n a wird aufgelöst.

Sie königliche Semit

Das im Amtsblatt veröffentlichte Gesetz über die königliche Gewalt und die oberste Verwaltung des Staates bestimmt:

Das Königreich der Serben. Kroaten und Slowenen ist eine Erbmonarchie.

Der König besitzt alle Gewalt im Lande.

Er erläßt und veröffentlicht die Gesetze, er­nennt die Beamten, bestimmt über die Be­förderungen im Heere und befehligt die Streitmacht. Ferner steht ihm das Recht der Amnestie und der Begnadigung zu. In allen Beziehungen zu fremden Staaten vertritt er den Staat.

, Das Gesetz enthält weiter Bestimmungen über das königliche Haus, über Einsetzung und Tätigkeit der Regentenschaft im Falle einer Abwesenheit, Erkrankung oder Min­derjährigkeit des Königs und setzt ferner folgendes fest: Der König ernennnt den

Die Emvfchtina «ufgrlöst Mit res Mrlammiariömvö

Ministerpräsident und die Minister, die seinen Anweisungen entsprechend handeln, da die Minister den Treueid dem Könige leisten.

Auf Grund des Gesetzes zum Schutze des Staates sind alle oolitischen Parteien, di« auf religiösen und nationalen Drundlaaen beruhen, aufgelöst. Damit werden die kroatische Dauern- oartei und die mobammedanische Partei in Bosnien und Herzegowina aufgelöst. Zuwider­handelnde werden mit Strafen bis'»u 1 Jahr Zuchtbaus und 1000 Dinar Geldstrafe belegt.

Zustimmung in Agram.

ff. Belgrad, 7. Ian. Aus der Pro­vinz, besonders aus Agram eingetrof- fene Meldungen besagen, daß die Meldung von der Bildung der neuen Regierung mit grösttsr Sympathie in allen Kreisen aus­genommen worden sei. Alle Agramer Zei­

tungen kommentieren das Belgrader Er­eignis der letzten Nacht. Das Blatt Nowostl" verbreitet eine Sonderausgabe unter dem TitelEs leben der König", welche die Handlung des Königs begrüßt, da sie die Einheit der Nation aufrecht er­hält und die Zukunft des Landes sichert.

Die Aufnahme der Dorsänge in Jugoslawien hi der französischen Presse.

Die gesamte Pariser Morgenpresse be­zeichnet das Vorgehen des Königs Alexan­der von Jugoslawien als einen Staats­streich, wobei zum Teil betont wird, daß dem König angesichts der gegenwärtigen Zustände nichts anderes übrig bliebe.

Echo de Paris" vergleicht das Vor­gehen des König« mit dem von Pasitsch, der seine Diktatur Jahre hindurch mit

Der Krieg in der Luft

MlM und vOUWNWllyMN

IN Frankfurt a. M. tagt zur Zeit eine von der Jnternatwnalen Frauenliga für Friede und Freiheit einberuse.re Konferenz, die sich mit dem Problem der modernen KrieaS- nrethoden und des Schutzes der Zivilbevölke- ntno beschäftigt. Die Konferenz trägt starken internationalen Charakter. Es sind Delegierte aus Frankreich, Enaland, Holland, Belgien Amerika, der Schweiz, den Aordstaaten. der Tschechostowakei erschienen. Eire ganze Reche anerkannter Wissenschaftler aus Deutschland und dem Auslande sind für Vorträge über die Art der modernen Kriegführung ge­wonnen worden. Für die Erledigung des Programms finh vier Hauptgruppen ge­bildet worden. In ei rer Gruppe wird vom modernen Giftgaskrieg, von der Umänderung der chemischen Fabriken in Giftgasfabriken, vom Gaskrieg und vom internationalen Recht gesprochen. Eine andere Gruppe behandelt die 2lbrüstun-gsfrage. Die vierte Gruppe be­fahl sich mit dem außerordentlichen wichtigen Thema des Schutzes 'ter Zivilbevölkerung. Der Professor an der Berliner llniverfität Dr. Lewin sprach in seinem ersten Vortrag über das in diesem Zusammenhang besonders wichtige ThemaDerififtrmgsgefabr durch Gase". Dieser Gelehrte ist der Anficht, daß der Giftgaskrieg insbesondere deshalb grenzen­los unmenschlich ist, weil es ein Gegengift flSffen Giftgase, das unter normalen Ver­hältnissen verwendbar wäre, ni ht gibt; nur PhoSgen könne durch Lauge bekämpft werden. Man war überhaupt in Fronkfutt sehr skeptisch hin'ihtlich der Wirksamkeit bestimm­ter Luftschutzmasmahmen. Man h elt es für falsch, der Bevölkerung die Musivn" vor­zugaukeln, dah ein wirksamer Schutz möglich sei. Aun ist diese Frage bekanntlich schon seit langem etwas umstritten. Cs hat kürz­lich ei re öffentliche Au -ei nander^etzung zwi­schen dem früheren Direttionsmitglied bei den Ztrnkers-Werken Sachfenberg und dem ehe­maligen DerkehrSminister Dr. Kröhne, der llch augenblicklich im deutschen Luftschutz be­stätigt, über die Frage stattgefunden: gibt

es praktisch einen Luftschutz öder nicht. Dr. Kröhne bejahte die Vor Wendigkeit und die Möglichkeit einer Luftabwehr in Ausfüh­rungen, denen wir Folgender entnehmen:

Sie Wirkung von Luftangriffen kann zur Zeit beim Fehlen jeder Gegenwirkung tat­sächlich deswegen verheerend sein, weil die anzugreifenden Objekte besonders hochgradig empfindlich find. Da die Gefährdung einer Stadt proportional zur Dichte der Bebauung und zur Höhe der Häuser wächst, ist durch Auflockerung der Bauweise ei re wirksame Minderung der Gefahr mögllch. Aiefen- bomben gegen weiträumige f'a hgebaute Sied­lungen wären zwecklos, da ihre Wickung zum gröhten Test verpuffte. Geeen klei'ere Sprengbomben kann die Widerstandsfähig­keit der Häuser ohne untragbar teure Maß­nahmen wesentlich gesteigert werden. Die Gefahr, dost mit der St-i -erung der Leistungen der Flugtechnik auch die Wirkung der Luft­waffe großer wird, säht Dr. Krohn« nicht sehr groß ein. Es sei im Gegenteil wahr­scheinlich, bah das Rifiko für den Angreifer selbst mit dem Ausbau der Abwehr und des Luftschutzes rascher wächst als die Wirkung der Angriffe. Wie stark aber die Wirkung der Luftangriffe mit dem Ausbau der Ab­wehr- und Schutzmaßnahmen abnimmt, belegt Dr. Kröhne mit einigen Zahlen aus dem Weltkrieg. 1916 wurde das deutsch« SSei- matgebiet 96 Mal aus der Luft angegriffen. Etwa 450 Tote und 1350 Verwundete fielen den abgeworfenen 1800 Bomben zum Opfer. Am Jabre 1918 stieg di Zeahl der Anatifie auf 353. Etwa 8000 Bomben wurden geworfen, die Zahl der Toten und Verwundeten sank aber auf 240 bezw. 960.

Merkwürdigerweise schätzt Dr. Kröhne die Gasgefahr nicht sehr hoch ein. Er beruft sich auf die Anficht chemischer und medizinischer Sachverständiger und erklärt, die Ga^aefahr sei trotz gelegentfi ^er dhantastischer Alarin- rufe .nicht unüberwindlich."

einem demokratischen Aufputz umgeben habe, auf den Alexander verzichtet habe. Er habe geglaubt, daß es besser wäre, ganze Arbeit zu leisten und sich von jeder Bedrohung durch Inttiguen und von jeder Kontrolle zu befreien. Offensichtlich habe die Diftatur in Italien, Spanien, Por­tugal und in der Türkei die Maßnahme des Königs angeregt.

»Avenir" schreibt u. o. Es liegt mir fern, die Ereignisse in Südslawien mit unseren eigenen zu verg'e.Hen, aber wer macht sich nicht klar, daß in der Lage des Parlamentarismus eine Baisse eingehe ten ist?

Gaulois" erklärt, eine Negierung ohne Skupschtina ist besser als eine Skup- schttna ohne Regierung.

Londoner Stimmen zur Umwälzung in Belgrad.

Die Londoner Morgenblätter sind sich einig, datz das Dekret des Königs im Zusammenhang mit dem vom Militär entscheidend beein- fluhten Kabinett die Errichtung einer star­ken Militärdiktatur bedeutet. Der Einfluß des Königs Llerander gilt aber als entscheidend, da alle in dem Kabinett vertre­tenen Generale als Vertraute des K ö - n i 8 s bezeichnet werden. Der Eindruck des Kabinetts als Ganzes ist nicht ungünstig, da sowohl die serbischen Elemen.e wie die drei >n der Regierung vertretcncn Kroaten als fähige Männer gelten. Hebet die künftige Politik des neuen Kabinetts hört der Belgrader Kor- ressondent derT i m e s", daß sie in erster Linie daran! gerichtet sein wird, die Eifer­süchteleien zwischen den verschiedenen Teilen der Ration zu beseitigen oder zu vermindern.

Große Soaiiticn?

Mit dem Anfang des neuen Jahres hat in der Presse wieder eine lebhafte Dis-' kussion über die Frage der Großen Koa- lttion eingesetzt. Ileberraschenderweis« geht der Auftakt zu diesen Auseinandersetzungen von einem ziemlich weit rechtsstehenden Blatt, derDeutschen Allgemeinen Zei­tung", aus. In mehreren, sich folgenden Artikeln fordett das Blatt die sofortige Wiederaufnahme der Koalitivnsverhand- hingen hauptsächlich mit der Begründung, daß die kommenden Reparationsverhand- lungen eine stabile Regierung notwendig machten. Es glaubt weiter mitteilen zu können, daß die Verhandlungen unmittel­bar nach der Rückkehr des Reichskanzlers, von seiner Urlaubsreife, also etwa am 15. Januar, beginnen würden.

Ein Aeberblick über die Stimmen anderer Blätter, die sich gleichfalls mit dem Koa- litionSrhema befassen, zeigt jedoch, daß die DAZ." mit ihrer optimisttschen Äuffaf- sung ziemlich allein steht. So schreibt z. B. die volksparteilicheMagdeburgische Z. . ing":Wir teilen den Optimismus derDAZ." nicht, glauben vielmehr, küß vor Ende Januar mit solchen Verhand­lungen nicht zu rechnen ist. ES ist be­kannt, daß zur Deckung des Defizits auch die Diersteuer herangezogen werden soll. KoalitianSverhandluggen mit der Baye- nschen Volkspartei unter dem Zeichen einer beabsichtigten Diersteuererhöhung würden vermullich recht langwierig sein/

Auch die demokratischeDossische Zei­tung" neigt der Ansicht zu, daß die Bil­dung einer Regierung der Drohen Koali­tion besser erst nach der Einigung über den Etat und die Frage der Deckung seines Defizits versucht werde und dah ein Ver­such. die Etat- und Deckungsfrage zur Drundlag« der Koalitionsverhandlungen zu machen, leicht das Zustandekommen der Koalition überhaupt verhindern könnte. Richt ganz so weit geht das Zentralorgan des Zentrums, dieGermania". Es er­kennt zwar an, daß die mit dem neuen Etat verbundenen finanzpolitischen Fra­gen im Hinblick auf die außerordentlich schwierige Deckungsfrage eineungünstig« Belastung der KoalitionSverhandlungen" bedeuten würden, meint dann aber, daß der Gesichtspunkt, das Reich habe ange­sichts der Reparationsverhandlungen ein Höchstmaß von Autorität nötig, doch den Vorrang" haben müsse vor den erst­erwähnten Bedenken.

Schließlich auch noch die Dortmunder Tremonia" wegen ihrer auffallend Pessi­mistischen Beurteilung der KoalitionSauS- sichten besonders erwähnt. Da« genannte führende Blatt des westfälischen Zentrums schreibt:Versuche, die Große Koalition zustande zu bringen, haben sich im ver­gangenen Jahre als vergeblich erw'esen und für das neue Jahr haben sich die Aus­sichten keineswegs gebessert."

In der Tat sind die Aussichten, daß die Große Koalition noch in diesem Monat zustande kommt als äußerst gering anzu­sehen. Wir haben schon darauf hingewie­sen. daß in den nächsten Wochen alles dar­auf ankommt, die Autorität der Reichs- regierung angesichts der bevorstehenden Reparationsverhandlungen in jeder Be­ziehung gestärtt werden muß. Damtt ist aber nicht gesagt, daß unter diesem Ge­sichtspunkt nun die Große Koalition gebil­det werden muß. Die letzte ausenpolitische Debatte im Reichstag hat auch dem Aus­land gezeigt, daß das gackze deutsche Volk cchne Unterschied der Parteien in dieser Frage hinter der Reichsregierung fie>t. ES wird auch hier wie bei allen entscheidenden politischen Fragen sehr viel auf bie Hal­tung des Zentrums ankommen. Die 3en* trmnsfraktion hat sich vor den WeihnachtS- fcrien nicht mit der Frage von eoenti.etien Reuverhandlungen über die Große Koa­lition im Januar befaßt. Es gab vor Weihnachten nach wie vor große Kreise in der Zentrumsfraktion, die eine festere Bin­dung an die Regierung nicht für wünschens­wert hielten. Wie weit durch die in­zwischen eingetretene Entwicklung der Re-