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Freitag, len 4. Januar ISN

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Anzeiger für (das frühere kurhesfische) Oberhessen

to.3 64. Jahrg. Marburg a. Lahn

Der Auzdgenxrd« betrjgt ftb den 10 gespalt. ZeUenmilltmeter 0.08 GM klein« Baranzeig« 0.06 ®OT amtliche und ans» WLrtiq« Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» dorschrift 50°,, Aufschlag. Sammeian,eigen 100 *l, Auf­schlag. Reklamen de« Milli». 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« varrabalt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet.ebenso Auskunft durch di« Geschäftsstelle und Zusendung der Angeb^a Er­füllungsort Marburg.

t Goldmark = '/»»Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die erste Kritik am Giwret Brricht

Amerikas SanbtlSaltM ivricht von einer ungeweW Mmn Stile btt btutitbtn UirifchM

Das Handelsamt in Washington ver- Sfsentlicht den Bericht des Handels- i a t t a ch e e des amerikanischen General- | koniulats in Berlin über die deutsche Wirtschaftslage im zweiten Halbjahr 1928. Dieser Bericht ist weit weniger optimistisch gehalten als der Bericht Parker Gilberts. In dem Bericht des Handelattachees wird festgestellt, daß Deutschland unter einer ungewöhnlich schweren Wirtschaftskrise leide, die Deutschland diesmal besonders empfindlich treffe, empfindlicher als vor Jahresfrist. Der Bericht geht dann ein auf die bekannten Gründe dieser Krise, wie die Aussperrung in der Eisenindustrie usw. Die Reichsbank habe es bisher, so heißt es in dem Bericht weiter, vermieden, den Diskontsag herabzusetzen, da sie davon eine Zurückziehung des auf Grund kurz­fristiger Darlehen ins Land gekommen ausländischen Geldes befürchte, wodurch die deutsche Währung ungünstig beein- slußt werden müßte, zumal die passive Handelsbilanz und die vorjährigen Repa­rationszahlungen diesmal nicht durch langfristige Ausländsanleihen ausgegli­chen seien. Der Bericht findet jedoch in der Presie wenig Beachtung.

Newyork World" weist in einer Be­sprechung des Reparationsberichts darauf hin, daß dieser Bericht nur die Zeit bis zum 31. Januar 1928 decke.

Die Berichterstattung Gilberts be­ziehe sich mithin auf einen Zeitab­schnitt, in dem die Zahlungen um 30 v. H. niedriger waren, als die gegen­wärtigen Höchstzahlungen.

Es sei die Frage, ob Deutschland in guten und schlechten Zeiten ohne wirtschaftliche Schwierigkeiten die Höchstzahlungen werde leisten können. Es könnten dadurch nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Gläubiger-Staaten unglückliche Ergebnisse entstehen. Die Erfüllung der Repara- tionstionsverpflichtungen sei bisher durch riesige Ausländsanleihen unterstützt wor­den. Der Dawesplan mache erst jetzt die richtige Probe durch. Die weiteren Be­richte der Newyorker Morgenpresse unter­streichen die einmütige deutsche Kritik des Gilbert-Berichtes, sowie die glänzende Aufnahme, die der Bericht in Paris ge­funden hat.Newyork Times" erklärt, Gilbert würde, wenn er heute in Paris anwesend wäre, bemerken können, daß er

eiste Art französischer Nationalheld sei, Auffallend ist das Fehlen von Washingtoner Meldungen, was darauf schließen läßt, daß die Washingtoner Re­gierung Weisung gegeben hat, vor der Ankunft Parker Gilberts in Newyork nicht in die Aussprache hineingezogen zu wer­den. Nach Meldungen englischer Blätter wird jedoch in Washington kein Zweifel darüber gelasien, daß die Haltung der amerikanischen Regierung in der Schul­denfrage unverändert sei. In diesem Zu­sammenhang werde auch davor gewarnt, an dem Besuch des Reparationsagenten in Amerika zu große Hoffnungen zu knüpfen. Der Meinungsaustausch des Repara­tionsagenten mit Coolidge und Hoover, wwie einer großen Anzahl amerikanischer Finanzleute werde die Weiterentwicklung der Reparationsfrage von Bedeutung stin: die grundsätzliche Haltung Amerikas werde dadurch jedoch nicht verändert werden.

Satter Sübttt In New Nock

P arker Gilbert erklärte bei feiner Ankunft an Bord derBerengana" den Pressevertretern, er komme ganz in­offiziell zu seinem üblichen Weihnachts- ^such nach Amerika, werde sich mehrere «lge in Rewhork aufhalten und sodann

Watbinaton und LouiSville Weiter­

reisen. Im ganzen werde er etwa 14 Tage in den Vereinigten Staaten bleiben und dann zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit nach Berlin zurückkehren. Der Rückweg nach Berlin werde wahrscheinlich über Pa r i S führen. Für die Dauer seines Aufenthalts m Amerika seien keine Konferenzen vorgesehen. Auf die Frage, ob er Coolidge, Schatzsekretär Mel­lon und andere in Washington sprechen werde, antwortete Gilbert:Vermutlich!" Er wiederholte jedoch, daß alle etwaigen Besuche und Besprechungen ganz inoffiziel­len Charafter tragen würden. Gilbert lehnte es ab, seinen Jahresbericht zu er­örtern, und erklärte, er habe noch keine Kommentare gelesen. Die Prefsevertreler wiesen auf die deutschen Kommenta e des Berichtes hin und besonders auf die Kritik, die von deutscher Seite an den Fetstel­lungen des Berichtes hinsichtlich der Aus­

Die englische Presse veröffentlicht weitere Berichte ihrer Vertreter in Berlin, Paris und Newyork über die Ausein­andersetzungen, zu denen der letzte B e - richt des Reparattonsagenten geführt hat. Parker Gilberts Erklärungen bezüglich des ungünstigen Eindrucks eines Berichtes in Deutschland bei der Ankunft in Newyork haben in England die gegen­teilige Wirkung ausgelöst. Die Ueber- zeugung von der deutschen Zah­lungsunfähigkeit, die durch den Bericht getroffen wurde, wird durch private Meldungen aller Art bestärkt, die eine günstige Entwicklung auf einzelnen deutschen Wirtschaftsgebieten, so hinsicht­lich des Wiederaufbaues der deutschen Handelsflotte, feststellen. Wie immer der spätere Eindruck des vollständigen Be­richtes sein mag, der in den letzten Tagen angerichtete Schaden wird hierdurch nicht wieder gut gemacht werden können.

Die HaltungGroßbritanniens bei den bevorstehenden Reparations- beprechungen wird am heutigen Freitag noch einmal i n einem Leitartikel der Time s" umschrieben. Darin wird fest- gestellt, daß die Fähigkeit Deutschlands, seine Reparationsverpflichtungen zu er­füllen, noch für einige Zeit daran ab­hängen werde, im Auslände zu bor­gen. Die Verschuldung Deutschlands an die Vereinigten Staaten schätzt das Blatt auf etwa sieben Milliarden Mark und meint, daß im Hinblick auf die unge­regelten deutschen Reparationsverpslich- tungen

in den letzten Monaten bereits eine deutliche Zurückhaltung des amerikani­schen Geldmarktes gegenüber Deutsch­land feftzustellen gewesen sei.

Für die Neuregelung der Reparations­frage bestände daher gewisse Gründe. Ob­wohl es zweifelhaft sei, ob der gegen­wärtige Augenblick sich für einen solchen Versuch besonders eigne, könne man doch sagen, daß die britische Regierung gut ge­tan habe, sich ohne Einschränkung an dem Versuch der Erzielung einer Endregelung zu beteiligen. Zur Frage der Feststellung der deutschen Leistungsfähigkeit sagen dieTime s", es sei zwar richtig, daß die deutsche Wirtschaft nur auf g e - borgten (Selbe brühe. Die Beschrän­kung der ausländischen Kreditgewährung auf wirklich produktive Zwecke würde aber nicht als ein ernstes Hindernis für die Zahlung größerer jährlicher Reparations­verpflichtungen anzusehen sein. Die ver-

landSanleihen geübt werde. Gilbert meinte lächelnd, die deutschen Kommentare beruh­ten wahrscheinlich auf einer hastigen Durch­sicht seines Berichtes, und erklärte, der deutsche Text deS Jahresberichts liege noch nicht vor, werde aber vorbereitet. Hütte der deutsche Text vorgelegen, so fügte er hinzu, so würden die deutschen Kommen­tare wahrscheinlich anders lauten. 'Was im Jahresbericht über die Ausländsanleihen gesagt werde, besage alles, was darüber zu sagen sei. Auf die Frage, ob er der Sachverständigen - Kommission irgendwelche Vorschläge unter­breiten werde, erklärte Gilbert, dies sei nicht seine Sach«. Aus die weitere Frage, ob er ersucht worden sei, Vorschläge zu unterbreiten, lehnte Gilbert eine Beant­wortung ab, indem er erklärte, dies fei eine Sache, die nur die verschiedenen Re­gierungen angehe.

hältnismäßig kurze Erfahrung mit dem Dawes-Plan sei allerdings noch

kein Beweis dafür, daß die volle Jahresrate für eine längere Zeit geleistet werden könne.

Es sei jedoch ziemlich klar, daß Deutsch­land wohl in der Lage sein werde, ange­messenen Forderungen seiner Gläubiger nachzukommen. Nachdem Deutschland ein­mal in Verhandlungen etngetreten sei, müsse es hierzu auch bereit sein. Zum Schluß setzen sich dieTime s noch ein­mal mit den bekannten Forderungen Eng­lands auseinander und meinen, daß auch Poincarö im ganzen eine durchaus reale Einschätzung der Lage bewiesen habe. Es könne angenommen werden, daß Frank­reich nicht auf Forderungen bestehen werde, die eine Endregelung geführten könnten, wodurch das allgemeine Wirt­schaftsleben erneut der Ungewißheit aus­geliefert würde.

Bemerkenswert ist hierbei besonders die Feststellung derTimes", daß Deutschland, nachdem es einmal an den Verhandlungen teilgenommen habe, nun auch auf dem einmal beschrittenen Wege weitergehen müsse.

Der Reparationsbericht Parker Gilberts wird auch weiter in der Pariser Presse als ein Triumph der Alliierten gefeiert. In Paris bezeichnet man ihn als das schönste Reujahrsgefchenk und das offiziöse Brüsseler Blatt stellt fest,Belgien wäre verrückt", wenn es jetzt in eine Herabsetzung der deuffchen Zahlungen ein­willigen würde.

Kürzt pMscht Rcköungtn

Die beiden Führer der bäuerlich-demo­kratischen Koalition, Maffchek und Pri- bitfchewitsch, sind vom König zur Audienz nach Belgrad berufen worden.

An der Berliner Döffe wurde der Pri­vatdiskont wiederum um ein Achtel v. H. ermäßigt.

Der ftühere Reichstagsabgeordnete Prof. Schwarz ist in Paris eingetroffen, um in Fragen des deutsch-französischen Schüler­austausches zu verhandeln.

Der Reichsarbeitsminister hat am Don­nerstag den am 21. Dezember gefällten Schiedsspruch für die Werstindustrie für verbindlich erklärt.

König Aman Allah hat den Oberbefehl über seine Streitkräfte seinem Kriegs­minister übergeben.

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In derDeutschen Presse", dem Verbandsorgan der deutschen Journa­listen, nimmt Heinr. Hamann- Schles­wig noch einmal das Wort zu dem Kapi­telFreiheit und Verantwortlichkeit der Presse", wobei er auch das Vorgehen der Behörden gegen dieO b e r h e s s i s ch e Zeitung" besonders erwähnt. Der Schwerpuntt seiner Ausführungen liegt in dem letzten Absatz, der von dem Versuch amtlicher Stellen spricht, durch wirtschaft­liche Maßnahmen ein Verlagsunterneh- men auch dann zu schädigen, wenn die angeblichen Verstöße der Zeitung nicht ausreichen, um den verantwortlichen Re­dakteur gerichtlich zur Verantwor­tung zu ziehen. Das war ja auch in der Angelegenheit derOberhessischen Zei­tung" bei Fall, wo bie höchste juristische Instanz gegen die preußische Regie­rung entschieden hat und somit die Stel­lungnahme des verantwortlichen Redak­teurs unterstrich, während doch der Zei­tung die amtlichen Anzeigen entzogen wurden, wodurch allerdings die wirt­schaftliche Schädioung nicht erreicht wurde. Im übrigen spricht der Aufsatz !r «ch selbst:

.Eine äußerst wichtige, wenn nicht gar die wesentlichste Seite der Bedrohung der Freibeit der Presse von außen hex sehe ich in der Einstellung mancher Be­hörden. Weizn man den Aeußerungen amtlicher Stellen und Persönlichkeiten glauben dürfte, hätte gerade die Etaats- leitung an einer freien und unabhängigen Presse das arößte Interesse. Und "eine solche Auffassung entspräche auch tatsäch­lich dem wohlverstandenen Sinn eines freien und geordneten Staatswesens.

Leider sieht aber in vielen Fällen die Praxis erheblich anders aus als die Theorie.

Ich sehe hier ganz ab von den sogenann­ten amtlichen Kreisblättern. Das ist eine Frage für sich, die hier später einmal grundsätzlich erörtert werden mag. Hier soll lediglich von freien unabhängigen Zeitungen die Rede sein, die sich in keiner Weise gegenüber Außenstehenden, also auch nicht gegenüber den Behörden und der Staatsleitung gebunden haben. Nun ist ja allgemein bekannt, daß seinerzeit derO b e r h e s s i s ch e n Zeitung" die amtlichen Anzeigen entzogen wurden, weil sie nach Auffassung des Regierungs­präsidenten nicht genügend behörden- sromm war und sich in irgendeinem Falle eine abfällige Kritik erlaubt hatte. Dies Damoklesschwert der Entziehung amtlicher Anzeigen hängt aber mehr oder weniger über jeder Zeitung. Ja, solche Ein­wirkungsversuche gehen noch weiter. In den Druckereien verschiedener Zeitungs­verlage werden amtliche Drucksacken wie Formulare, Amtsblätter usw. hergestellt. Tas gibt in manchen Fällen erwünschte Gelegenheit, auf die nachgeordneten Amtsstellen dahin einzuwirken, daß fär­ben Fall, daß sich eine Zeitung nickt nach Wunsch verhält, d. h. also frei und offen Kritik übt, dem Verlag der Druckauftrag entzogen wird.

Diese Haltung einiger Behörden stellt wohl den stärksten, zugleich aber auch den unberechtigsten und unsittlichsten Versuch zur Knebelung der Freiheit der Presie dar.

Amtliche Anzeigen und Bekanntmachun­gen werden doch nicht der Zeitung zu Ge­fällen aufgegeben, sondern zur Unterrich­tung des Publikums. Es ist also Pflicht der verantwortlichen Behörden, diese Aufträge lediglich nach sachlichen Ce= icktspunkten zu vergeben. Der Anzeigen­teil ist Angelegenheit der geschäftlichen Leitung. Also wird der Versuch gemacht, durch wirtschaftliche Maßnahmen indirekt die Freiheit der Schriftleitung einzu- engen. Genau so verhält es sich bei der

Zur Fortsetzung der Verhandlungen verpflichtet!

Bemerkenswerte AuMrungen der