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EmerbSlssemmterMmis, tzmdwiMaft mit die Arbeiter^ schäft w den etflMcn
goit Landwirt und Bürgermeister Günther, jjt d. R., Wüstwillenroth (Kretz ©elnfrutfen).
Mein Grundsatz ist und bleibt:
Derjenige Arbeitnehmer, welcher beim besten Killen zur Arbeit keine Derdirnstmöglichkeit finden kann, mu6 Unterstützung erhalten in hem Mähe, dah weder er noch seine Familie geift, dah er keinen Arbeitsverdienst bat.
Grundbedingung ist und bleibt jedoch: Der gute Wille, zu arbeiten, muh vorhanden sein. <us diesem Gedanken heraus ist auch die deutsche Ardeitslosenrursorge entstanden.
Dah jedoch dieses Gesetz in seiner heutigen Fassung solche verderbliche Wirkung sür unsere deutsche Wirtschaft nach sich ziehen würde, hat der Gesetzgeber nicht oorausgesehen, obwohl es an warnenden Stimmen nicht gefehlt bat. Deshalb muh heute, nachdem sich herausgestellt bat, daß dieses Gesetz in seiner Auswirkung der deutschen Wirtschaft schweren Schaden bringt und besonders die Aufrechterhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe sehr in Frage stellt, darüber ein offenes Wort gesprochen werden.
Ich weih wobl, dah derjenige, welcher den Mut findet, die Dinge so zu schildern, wie sie beute liegen, sich heftigen Angriffen von gewisser Seite aussetzt. Erohe politische Partcie" halten nur dadurch ihre Wählermassen beisammen, dah sie immer weitergebende Anträge auf diesem Gebiete stellen und jeden anders Denkenden, welcher auf die verderhliche Wirkung dieser Anträge binweist, in Wort und Schrift be'ämpfen. Maßgebende Persönlichkeiten aus diesen Reihen sind jedoch davon überzeugt, dah die deutsche Wirtschaft und das deutsche Volk, welches unerschwingliche Kriegslasten zu tragen bat. sich diesen Lurus, welchen sich reiche Länder nicht gestatten, nicht erlauben kann. Gerade die grobe Zahl von Zuschriften, welche ich aus Arbeiterkreisen erhalte, heweist mir, dah bei unseren tüchtigen, fleihigen Arbeitern dieses Gesetz und seine heutige Auswirkung viel Aerger und Mihbilligung hervorruft Diese Zuschriften enthalten fast immer die Worte:
„Es ist unerhört, dah wir wöchentlich hohe Erwerbslosenbeiträge von unserem Lohn bezahlen müssen und andere faulenzen auf unsere Kosten, verdienen hintenrum noch Geld, so dah sie sich besser stehen, als wir, die wir bestrebt find, das ganze Jahr au arbeiten."
Welche nachteiligen Folgen hat dieses Gesetz für die deutsche Landwirtschaft und die Är- heiterschast in den Städten?
Es wird wohl niemand di« Tatsache bestreiten wollen oder können, dah, obwohl jährlich Millionen für Erwerbslosenunterstützung verausgabt werden, ein grober Teil der deutschen landwirtschaftlichen Betriebe nicht mehr aufrecht erhalten werden kann aus Mangel an ilrdetlskrSften. Dieser Mangel an Arbeitskräften ist noch viel stärker in den bürgerlichen Betrieben als in den landwirtschaftlichen Grobbetrieben, weil in den Grobbetrieben durch bie Arbeit der Maschinen die Arbeitszeit verkürzt werden kann, welches in den bäuerlichen Wirtschaften undurchführbar ist. Auberdem haben die sogenannten Saisonarbeiter auf den
Oberhessische Zeit«,«, Makbur« a. L., Donnerst«,, »en 3. Am—r 1929
groben Gütern Aussicht, im Winter stempeln geben zu können, dagegen werden in den bäuerlichen Betrieben die Leute das ganre Jahr beschäftigt. Da aber gerade die verlockende Aussicht, stempeln gehen zu können, dadurch hinfällig wird, lehnen es die Leute grundsätzlich ab, Arbeit in einem bäuerlichen Betriebe anzu- nehmen.
Von gewisser Seite wird der Landwirtschaft oft vorgeworfen: In der Landwirtschaft werden Sunserlöhne gezahlt.
Darüber sollte kein Zweifel bestrben, dab die trostlose Lage der deutschen Landwirtschaft es nicht ermöglicht, aus dem Ertrage der Betriebe Hohe Löhne zu bezahlen; aber die Tatsache steht fest, dab in der Landwirtschaft heute Lohne gezahlt werden, welche dem Landarbeiter ganz andere Ersvarnisie ermöglichen als z. D. dem Industriearbeiter!, welcher noch den ganzen Tag in ungesunden Fabrikrämnen beschäftigt ist. Aber auch dir weitere Tatsache steht fest, dab der Bauer am Jahresschluh den zu zahlenden Lohn seinem Schuldenkonto zuschreibe» «Ulh. Di« Landwirtschaft bietet diese Löhne aus purer Verzweiflung, obwohl sie den Ruin vor Augen sieht, nm die Betriebe aufrecht erhalten zu können. Dah dieses nur kurze Zeit möglich ist dürfte ohne weiteres klar sein.
Jedoch schon die Antwort der Leut«, welchen man Arbeit in der Landwirtschaft anbietet: „Bei einem Bauer arbeit« ich nicht, der kann mir noch so viel bezablen" dürfte beweisen, dab es gerade den jüngeren Arbeitnehmern oft nicht darum zu tun ist, etwas zu verdienen und dauernde Arbeit zu haben.
Die kurze Arbeitszeit, die freie Zeit zum Ausgeben. das verlockende Leben, das sich heute in den Städten bietet, zieht die Leute, vorwiegend die Jugend, In die Stadt, und fast alle gehen mit dem Vorsatz in die Stadt: Wenn ich nur 26 Wochen Beschäftigung finde, dann ist dar Ziel ereicht — dann kann ich stempeln gehen — dann arbeite ich ein halbes Jahr gar nicht und lebe als Staatsrentner. — Diese Antwort erhält man offen von fast allen Leuten, welchen man beute Jahresarbeit in der Landwirtschaft anbietet. Es liegt mir absolut fern, den Leuten deswegen einen Vorwurf zu machen. Das Gesetz besteht — die Gelegenheit ist da — im Sommer im Gegensatz zur Landwirtschaft kurze Ar- heitszeit — hoher Lohn und dann ein halbes Jahr zu leben, ohne zu arbeiten.
Wie sieht es demgegenüber am Bauernstände aus? Im Winter mehr als 12, im Sommer gar 16 Stunden plagt sich der Bauer und sein« Familie in harter, schwerster Berufsarbeit. Wer kennt die Fülle von Arbeit, welche eine Bauersfrau zu leisten bat? In Haus und Feld hat sie übermenschliche Arbeiten »u verrichten. Schwerste Feldarbeit, welche man heute keinem Knecht mehr zumuten darf, verrichtet die Bauersfrau. Gelingt es wirklich mal, ,etn Dienstmädchen zu finden, so muh Schweine- süttern und meistens auch das Melken di« Bauersfrau selbst besorgen. Verlangt sie er von dem Dienstmädchen, so wird dasselbe in der Regel sofort ohne jegliche Kündigung 'seine Sachen packen und sich eine Stelle in der Stadt suchen. Ja, in die Fabriken geben diese Mädchen fogar, und drängen die städtischen Arbeiterinnen auf die Strahe, nur um in der Stadt »u sein und in der Landwirtschaft nicht arbeiten zu müssen. Im Sommer wie im Winter findet man die Bauersfrau, welche doch
auch ihre» Haushalt i» Ordnung halte« «fc. oft noch gegen Mitternacht beim Stricken und Flicken, oder gar am Waschrober. Wie oft bleibt der Bauersfrau am Sonntage nicht so viel Zeit, trat in die Kirche lu gehen oder um sich nur umziehen zu können. Die Dauern- rinder, schon im zartesten Alter, müßen zu schwerster Arbeit herausezogeu werden. Gar mancher Mutter auf dem Land« blutet das Herz, wenn sie siebt, wie die Kinder anderer Berufsstände sich auf dem Spielplatz« tummeln, und das eigene Kind schläft insolg« lieber an- streng ung, wo er gebt und steht, ein. Dan» zeigt man von anderer Seite auf die steif«» Bauernkinder und weiß nicht, dah es harte Berufsarbeit von kindaus ist. welche die jugendlichen Glieder steif gemacht hat. Wie »uh doch jener Ministert al-Erl ab, welcher Bericht über di« Beschäftigung Jugendlicher i» der Landwirtschaft fordert, anmuten, wenn der Bauer dabei an das Los seiner eigenen Kinder denkt. Der Bauer mub immer mehr zur lleberzeugung kommen, dab man ibn heut« nur noch als Staatsbürger zweiter Klasie ansteht.
Doch auch ein offenes Wort heute zur Leistung der Knechte und Mägde in der Landwirtschaft. Heute arbeitet nicht der Knecht für den Bauer, sondern der Bauer für den Knecht. Wie oft kommt es vor, dah der Dauer morgens schon sein Vieh füttert, sein Gespann fertig gemacht bat und der Knecht liegt immer »och im Beit. Macht man dem Knecht darüber Vorhaltungen, so gibt er fteche Antworten und erklärt sofort: „ich gebe!" und ohne jegliche Kündigung ist der Knecht beim Macken und gebt. Sehr oft kommt es vor (es ist fast zur Regel geworden), dah sich der Knecht im Winter zu einem Bauern auf Jahreslohn verdingt und sich dann vünkt- lich seinen Lohn monatlich geben labt — aber im Frühjahr, wenn di« Feldarbeit anfängt, oder mit Vorliebe mitten in der Ernte, verschwindet der Knecht, ohne jegliche Kündigung und fragt g«nicht darnach, wie denn der Bauer seine Ernt« einbringen soll. Di« Arbeit wird ohne Grund verlaßen, obwohl beiderseitig Jabresdienstoertrag abgeschloßen war. Es gibt beute keine gesetzliche Bestimmung mehr, welche den Bauer gegen solchen Vertragsbruch schützt. Wer die Erntearbeiten kennt, weih, wie einem Bauern zumute ist, wenn «r zusehen muh, dah durch die Schikane dieser Leute seine Ernte auf dem Feld« verdirbt und sei» Rui» dadurch nur noch beschleunigt wird. Nur durch das günstige Erniewetter war es in diesem Jahr möglich, die deutsch« Ernte einzubringen.
Welche Wirkung bat die Abwanderung der Landarbeiter aus di« Notlage der städtischen Arbeiterschaft?
Der städtische Arbeiter hat keine Landarbeit gelernt, «i hat in der Regel nach Echul- entlaßung in der Industrie, im Baugewerbe usw. Beschäftigung gefunden, ist auf diese Arbeitsstellen angewiesen, um sein Brot «t verdienen.
Deswegen muh es Mflkcht des Staates sein, streng dafür zu sorgen, dah alle Stellen in der Stadt für die städtische Arbeiterschaft offen gehalten werden. Mit Vorliebe stellen aber die Arbeitgeber in den Städten Leute vom Lande ein. Der Vorwand, dah eine Bestimmung heute besteht, welche den städtischen Arbeiter schützen soll, erscheint jedem Kenner der Verhältnisse lächerlich. Mir ist in den letzten Iah, reu nicht ein einziger Fall bekannt geworden.
Seit« 7
dah «hi Arbeiter »Ml Laude bei gutem Sille« keine Arbeit in der Stadt gefunden hätte.
Was ist die Folge?
Der städtische Arbeiter wird auf dte Strah« gesetzt — »uh unterstützt werden, und di« landwirtschaftlichen Betriebe gehen au Grunde aus Mangel an Arbeitskräften. Warum duldet der städtisch« Arbeiter, dab er von seiner Arbeitsstelle verdrängt wird?
Weil er die Ursache nicht kennt, weil ihm bie Wahrheit vorenthalten wird. Er wird letzten Endes auch auf das Stempeln vertröstet.
Wer soll ihm Helf«?
Der Staat findet den Stet nicht dazu, obwohl doch jedem vernünftig denkenden deutschen Staatsbürger klar ist, dah di« deutsch« Wirtschaft bei diesem Softem eines Tages Zusammen brechen muh.
Ein altes Wwort sagt: „SBet nicht arbeiten will, soll auch nicht eßen!" Dieses sollte auch Grundsatz im deutschen Staate fein; denn nur durch Arbeit kann das deutsche Volk wieder hoch kommen. Man denkt scheinbar im deutschen Staaten anders: die Arbeit vird durch Steuern bestraft und Faulheit bezahlt. In diesem Staat« anders: die Arbeit wird durch Steuern Bauernstand ist das Fundament des Staates; dieses ist durch alle Zeiten bewiesen. De« heutige Staat hat sein Fundament untergrab ben und de» deutschen Bauernstand dem Ruin »reisgegeben. Als Bezahlung für landwirtschaftliche Produkte aus dem Ausland« warn dert jährlich «in grober Teil des deutschen Volksvermögens in das Ausland. Dazu muf noch jährlich fast eine Milliarde Zinsen fül Ausländsanleihen aus der deutschen Wirt, schäft berausgepreht werden. Außerdem muh das deutsche Volk jährlich Milliarden Kriegstribut an den Feindbund abfübren. Deshalb ist es sehr berechtigt, tn erklären: Ein Volk, das solche Lasten au tragen hat, mub in erster Linie verlangen, dab jeder Staatsbürger bis zur Grenze seiner Leistungs' fähigkett arbeitet.
Den deutschen Bauer gibt «um bei übe» menschlicher Arbeit dem Verderben »reis Deshalb weigern sich auch beute viele Bauern- söbne und Bauerntöchter, die elterliche Landwirtschaft Zu übernehmen, weil sie trotz aller Sorg« und Arbeit ben Konkurs vor Augen sehe«.
Hunderttausend« deutscher Arbeiter ttitb Arbeiterinnen könnten in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt werden, wenn man die Landwirtschaft schützen und rentabel gestalten würde. Bei den heutigen Verhältnißen muh es jeder Bauer ablehnen, fremde Leute zu beschäftigen, weil er seinen Bankerott dadurch nur noch beschleunigt.
Der deutsche Bauer wird dahin gebracht, von feinem Felde nur noch so viel zu bestellen, als er zur Ernährung seiner eigenen Familie benötigt. Aus dem anderen mögen Dornen und Disteln wachsen.
Der Staat soll den deutschen Acker im Achtstundentag durch Erwerblose bestellen.
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