SvMlttMg, den 1.Btnuiar 1929
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die Hauptrolle. Auch der ganze Dawesplan baute sich auf diesem Gedanken auf. In seinen früheren Berichten hat es Parker Gilbert selten versäumt, darauf hinzuweisen, dass es nicht nur an Deutschland sei, seinen Export zu steigern, sondern daß es
Die schärfste Masse sesen Deutschland
Ser vvllM gefärbte MMalionsbericht - Wachllchr VrrMchr mit der Silflattonszrü
Auch in England herrscht Freude
SusdeutsKeNolkWktfneüAnfvrmhMfErhalwngdedLebeilUimdlirdd
Imports nähere. Was bedeutet das aber schon, wenn auf der anderen Seite eine
immer gröbere Neuoerschuldung Deutschlands
eintritt, deren Verzinsung schon allein die Erträgnisie des Exports beinahe auffritzt, wobei nicht vergesien werden darf, daß die gesamten Exportziffern, mit den Herr Parker Gilbert operiert, an den Vor- kriegsverhältnisien gemessen — und nur dieser Maßstab ist der richtige —, einen Realwert von höchstens zwei Drittel des Nominalwertes besitzen.
Herr Parker Gilbert gibt zu, daß die deutsche Wirtschaft noch weitere Ausländsanleihen nötig hat, aber er verschweigt die Gründe dafür. Er erwähnt nicht, daß
der Dawesplau sowohl die Quantität des deutschen Auleihebedarfs wie auch die zeitliche Dauer dieses Bedarfs gewaltig unterschätzt
hat, und zwar wohl deshalb, weil man annahm. der deutsche Produktionsapparat wäre intakt und hätte nur das Betriebskapital nötig, um wieder richtig arbeiten zu können. Es war das ein grundlegender Irrtum. Der deutsche Produktions-
auch Sache der Gläubigerstaaten sei, den deutschen Export durch Oeffnung der Grenzen und ähnliche Maßnahmen zu fördern. In dem neuen Bericht sucht man vergeblich einen derartigen Appell an die ssläubigerländer. Warum, so muh man fragen, fehlt dieser Appell gerade jetzt in dem Augenblick, da es gilt, wiederum die deutsche Leistungsfähigkeit festzustellen?
In dem Bericht wird zwar die Steigerung des deutschen Exports erwähnt, und auch behauptet, daß sich die Höhe des deutschen Exports immer mehr der Höhe des
der wirtschaftlichen Lage Deutschlands und der anderer Länder zieht, hat diesen grundlegenden und für die Beurteilung der deutschen Leistungsfähigkeit so außerordentlich kennzeichnenden Unterschied, zwischen der deutschen und der französischen Kapitalentwicklung nicht mit einem Wort erwähnt.
Auch sonst finden sich in dem Bericht Unterlassungen, die die Auffassung bestärken, daß der Bericht dahin „frisiert" worden ist, einen, koste es was es wolle, günstigen Eindruck der deutschen Leistungsfähigkeit zu erwecken. Wie man sich erinnern wird, spielte in den früheren Berichten des Reparationsagenten der Gedanke. daß es
der Exportüberschuß
sein müsse, der Deutschland als erste die Möglichkeit zur Reparationsleistung gebe,
- Die Arbeitslosigkeit steigt.
Berlin, 2. Ian. Auch in der ersten Hälfte des Monats Dezember hat die Zahl der Hauptunter st ützungsempfän- aer in der Ardeilslo^enoersscherung erheblich zugenommen und zwar von rund 1039 000 auf 1300 000, das ist um 270 000 oder um 26,2 Prozent (in der vorhergehenden Berichtszeit 27,9 Prozent). Der Zuwachs betrug bei den männlichen Haupt-
Line abschließende Stellungnahme der deutschen Regierung zum Jahresbericht des Reparationsagenten liegt bisher nicht vor, ist auch bei dem großen Umfange des in seinen Einzelheiten gewissenhaft zu prüfenden Dokuments für die nächsten Tage wohl nicht zu erwarten. Immerhin kann man sagen, daß der erste Eindruck, den der Bericht bei den maßgebenden Berliner Stellen hervorgerufen hat, kein besonders erfreulicher ist. Die Auffassung, die Parker Gilbert von der wirtschaftlichen Lage Deutschlands entwickelt, und die Betrachtungsweise, die ihn zu dieser Auffassung führt, decken sich in wichtiger grundsätzlicher Hinsicht nicht mit den entsprechenden Ansichten der deutschen Regierung. Der Reparationsagent nimmt tum Anhaltspunkt seiner Betrachtung die Znfationszeit bezw. das Jahr 1924, da die deutsche Wirtschaft und die deutschen Finanzen in einer noch nie dage- vesenen Weise darniederlagen.
Bo« diesem Ausgangspunkt führt der Bericht zum gegenwätigen Stand der deutsche« Wirtschaft, der sich aufbaut auf ei«e« große« Zufluß ansländi-
l Die englischen Mütter verLfsenlllchc» ovei-- ter Auszug« aus dem Bericht Parker Gilberts und geben Zusammenfassungen aus deutschen und französischen Pressestimmen wieder. Der einheitliche ungünstige Eindruck in Deutschland und der ebenso geschlossene günstige Eindruck wird deutlich hervorgehoben. Die eigene Stellungnahme ist bisher bis auf einige Ausnahmen nur in der Art der Behandlung der Auszüge aus dem Bericht und der Wiedergabe der Pressestimmen zu ersehen Jede weitere Veröffentlichung unterdrückt aber den von Anfang an herrschenden Eindruck, daß
auch England de« Bericht im gegenwärtigen Augenblick begrübt.
Die konservative „Morning-Post", die sich zusammen mit der „D a l y Mai l" im Verlaufe der Verhandlungen über die Einsetzung des neuen Reparationsausschusses bereits zur Wortführerin weitgehender Forderungen machte legt jetzt in einem Leitartikel wiederum
besondere« Nachdruck auf de« von Gilbert sestgestellten industriellen Wohlstand
D e u t sch l a n d s.
Das Blatt erklärt zunächst, es wolle glauben, dab es unbequem sei, jährlich 2% Mi.i- arden Mark zu zahlen, wenn sie selbst zum größten Teil in Naturallieferungen geleistet würden. Weiter müsse man zugeben, daß die Besetzung für Deutschland eine wenig angenehme Tatsache sei. Deutschland habe aber
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
dieser Anleihe«.
Anhand eines umfangreichen Zahlenmaterials wird nun der Nachweis zu führen versucht, daß zwischen dem Zustand von 1924 und dem heutigen Zustand eine außerordentlich starke Aufwärtungsent- wicklung der deutschen Wirtschaft eingetreten sei. Es scheint, daß man an zuständiger Stelle mit dieser Deduktionsführung des Reparationsagenten nicht einverstanden ist. Mit vollem Recht, denn der Reparationsagent geht in der Tat von
völlig falsche« Boraussetznngea aus. Die Leistungsfähigkeit Deutschlands kann nicht ermittelt werden durch einen Vergleich zwischen dem heutigen Zustand der deutschen Wirtschaft und ihrem Zustand zurzeit ihres tiefsten Verfalls, sondern durch einen Vergleich mit dem
Normal,ustaud der Borkriegsjahre. Wenn ein wirtschaftliches Unternehmen, das bankerott gemacht hat, duxch gepumptes Geld wieder in die Lage versetzt wird, su arbeiten, so steht es deshalb finanziell keineswegs viel günstiger als zu der Zeit, üls es mit seinem eigenen Kapital zu Ende ipar. Bezeichnenderweise hat der Re- parationsagent die Vorkriegszeit nicht ium Ausgangspunkt seiner Untersuchun- tzen genommen, ja sogar es peinlichst ver- htteben, während dieser Untersuchungen rgend welche Vergleiche mit der wirt- waftlichen Lage Deutschlands vor dem Kriege anzustellen.
Ebenso falsch ist es, wenn der Repara- nonsagent z. B. die finanzielle Lage Deutschlands nach der Summe der Ka- fttalbildung beurteilen will, während doch ot Wirklichkeit
das Verhältnis des Kapitalbedarfs z« j keiner Deckung
fos entscheidende Moment ist. Der beste Wertmesser für die grundlegende Frage, •o Kapitalbedarf und Deckung in rich- agem Verhältnis stehen, ist
die Höhe des Zi«sf»hes diü> gerade hier zeigt sich sehr deullich, faß wir gegenwärtig in Deutschland ein «chgerordentlich großes Mißverhältnis I Frischen dem Kapitalbedarf und seinen I Deckungsmöglichkeiten haben. Hier drängt «ch ein Vergleich mit Frankreich auf, das bekanntlich schon ein Jahr nach Beendi- I Kng seiner Inflation wieder in der Lage nicht nur seinen eigenen Kapitalbedarf
in decken, sondern auch in beträchtlichem I ^kaße Kapitalüberschuß zu expor- I ?*ren. Der Reparationsagent, der in I Ibtaem Bericht so gerne Vergleiche zwischen *
apparat war bei Aufstellung des Dawesplanes nicht nur nicht intakt, sondern ist auch heute noch nicht völlig wiederhergestellt. Darüber hinaus hat sich aber ergeben, daß schon
die teilweise Wiederherstellung des deutsche« Produktionsapparates die Hauptmasse der Anleihen geschluckt hat, die als Betriebskapital gedacht
war.
Ein Vergleich mit England und Frankreich ist hier nicht möglich, denn während Deutschland während des Krieges seinen gesamten Produktionsapparat auf die Herstellung von Kriegsmaterial umstellen mußte, übernahm für die beiden anderen genannten Länder Amerika einen großen Prozentsatz der Versorgung mit Kriegsmaterial und ermöglichte so England und Frankreich, sich seine Friedensindustrie wenigstens zum Teil zu erhalten.
Schon diese wenigen Beispiele dürften beweisen, daß das günstige Urteil, zu dem der Reparationsagent hinsichtlich der deutschen Leistungsfähigkeit gelangte, keineswegs den wirklichen Verhältnissen entspricht, sondern einen Höch st gefährlichen Optimismus darstellt.
EinmiM Ablehnung
Die Kommentare der Berliner Blätter wenden sich g e g e n d e n im Jahresbericht des Reparationsagenten zum Ausdruck kommenden Optimismus unter Hin» weis auf die besondere Bedeutung des Berichtes im Hinblick auf das bevorstehende Zusammentreten der Reparations-Sachver- ständ igen-Konferenz. Die „Deutsche Tageszeitung", die von schwerer Enttäuschung spricht, erklärt, man muß bei dem Bericht Pirker Gilberts geradezu von einem ausgesprochenen Willen zum Optimismus sprechen, wenn man sieht, daß er auf der Zufälligkeit der gebesserten Handelsbilanz eines einzigen Monats irgend ein wirtschaftliches Urteil glaubt aufbauen zu können.
Die „D. A. Z." sagt: „Deutschland hat. um sich auf die Beine zu bringen, vier Jahre lang vom Borgen gelebt. Es ist dadurch nicht so gekräftigt worden, daß es für die Zukunft auf eigenen Füßen gehen kann. Sein volkswirtschaftliches Kapital ist nicht einmal vermehrt worden. Deutschland hat von seinen Krediten nur sein Leben fftsten und seine Revarationen zahlen können. Versiegen di<e Kredite, dann ist es auch mit seiner Leistungsfähigkeit zu Ende.
In der „G e r m a n i a" heißt es: „P a r- ter Gilbert schießt doch wohl ganz be trächtlich über das Ziel hinaus, wenn er behauptet, daß Deutschland nur unter denselben Schwierigkeiten leide, toie alle ehem als am Kriege beteiligten Rationen. Wenn man die heutige Wirtschaftslage Deutschlands und den Lebensstandard des deutschen Volkes mit den Zeiten des größten Elends und des völligen wirtschaftlichen Zusammenbruches vergleicht, so muß man natürlich den Eindruck eines großen Aufschwunges gewinnen. Aber man gewinnt ein völlig falsches Bild, wenn man diesen Aufschwung zur Grundlage der Beurteilung unserer Wirtschaftsentwicklung in der Zukunft machen will, und wenn man das Pas- sidkonw unserer Wirtschaftsbllanz ganz außer acht läßt."
Aehnlich äußert sich die „Dossische Zeitung": Mit ein paar Indexziffern allein kommt man nicht aus. Man muß auch eine leibhaftige Vorstellung davon haben, wie es einem Voll ergeht, in dem die MassederBevölkerung sich mit einem Einkommen von 2000 Mark jährlicheinrichtenmuß. Das Blatt hofft, daß die Schaverständigenkommission sorgfälftger, als es in dem Bericht des Re- parattonSagenten geschehen ist, die soziale Lage des deutschen Dolles Prüft, bevor sie ihr Artest fällt.
„Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Wer Deutschlands wirtschaftlichen Zustand und finanzielle Leistungsfähigkeit gerecht würdigen will, muh mindestens auch das Deutschland von heute mit dem Deutschland von 1912/13 vergleichen. Damals exportierte Deutschland Kapital, damals erfreute es sich eines überaus mäßigen Zinsatzes, damals ersetzten die Aus- landsguthcchen überreichlich die Passivität unserer Handelsbilanz. In der Wirtschaft ist zu vieles zwangsläufig, als daß die Tatsache des heutigen hohen deutschen Zinssatzes nicht zeigen würde, daß Deutschland noch immer auf den Krücken des fremden Kapitals geht und die Kraft seiner eigenen Kapitalbildung gering ist. Wäre es anders, so hätte der deutsche Diskontsatz dem Diskontsatz seiner westlichen Nachbarn und der Vereinigten Staaten längst angegllchen werden müssen.
schNMich Mn Monopol darauf, die Folgen des Krieges, für die es verantwortlich sei, von sich abzuwälzen, während der britische Steuerzahler allmählich unter der ihm aufge- bürdeten Last zusammenbreche.
Es wäre unfair, zu verlangen, daß Deutschland Bedingungen gewahrt werden mußten, die ihm die Aufrechterhal.
tung seines Lebensstandards gestatten.
Abgesehen von all diesen Erwägungen müsse man sagen, daß di« von deutscher Seite ausgesprochenen Befürchtungen fast stets übertrieben gewesen seien. Großbritannien würde sich glücklich schätzen, wenn ihm von einer Persönlichkeit wie dem Revarationsagenten solche Komplimente über seine industrielle Lage gemacht würden Den britischen Vertretern kür den neuen Revarationsausschuß gibt das Blatt den Rat. sich nicht zu einer gelegentlich von einigen englischen Zeitungen verbreiteten Ansicht verleiten zu lassen, dem britischen Steuerzahler mehr aufzubürden, um den deutschen Staatsbürger zu entlasten.
Die Reise Parker Gilberts nach Amerika.
Der Washingtoner Berichterstatter der „Times schreibt: Man vermutet, daß Parker Gilbert lediglich zu seinem gewöhnlichen Jahresurlaub und aus keinem anderen Grund nach Amerika kommt. Natürlich werde er .Präsident Eoolidge und wahrscheinlich auch Hoover sprechen und Beratungen mit Bankiers haben.