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Nr. i 64. Mrg.
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Anzeiger für (da« frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg. *serz-D
Die Reujahrsfensation P. Gilberts
Ser 4. RepmatlonsdEt:
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tschlands Finanzen sind stark - Deutschland kann bezahlest
- Berlin, 1. Jan. Der Generalagent bet Reparatonszahlungen, Parker Gilbert. legte heute seinen Jahresbericht über das vierte Jahr seiner Tätigkeit vor. Der Dawes-Plan hat, so wird dargelegt, mit Bezug aus die Reparationszahlungen und den Transfer weiter erfolgreich gewirkt. Deutschland hat, wie in den Vorjahren, alle Zahlungen loyal und pünktlich erfüllt. Das Transfer- Komitee hat regelmäßig und laufend, ohne Störung für die deutsche Währung, seine UcbertTagungen ausführen können. Die Sachlieferungen haben erheblich zu- genommen. und zugleich ließ sich die Uebertragung eine» wachsenden Teiles der Annuität in fremder Währung durchführen. Im vierten Jahre wurden Bar- Transsers in Höhe von rund 943 Millionen Goldmark oder 54 Prozent des gesamten Transfers vorgenommen, während die Reichsmarkübertragungen, meist für Sachlieferungen, sich auf rund 796 Millionen, also etwa ’tß Prozent des Gesamttransfers, beliefen.
Die Einnahmen haben sich in ihren Beträgen weiter befriedigend entwickelt. Die Verkehr »st euer ergibt jährlich die Norinallelstung- vvn 280 Millionen Goldmark mit einem steigenden Sicherheitskoeffizienten. Ebenso ergibt die Industriebelastung regelmäßig den vollen Betrag.
Die Finanzlage der Reichsbahn ist stark, teilweise infolge der jüngsten Tariferhöhung and teilweise wegen besierer Finanzgebarung.
Das Reichsbudget steht noch immer unter dem Einfluß einer Tendenz zu übermäßigen Ausgaben und Anleihen, die in dem Memorandum vom 20. Oktober 1927 erwähnt war.
Es fei jetzt klar, daß die Reicksregie- rung, wenn sie nach einer vierjährigen Frist die geeigneten Schritte in diese Richtung zum Schutze ihres eigenen Budgets unternehme, hierdurch allein Hunderte von Millionen sparen könnte, die jetzt willkürlich den Ländern und Gemeinden übertragen würden. In bezug auf dir vorherrschenden Tendenzen der Budgetlage des Reiches, die der Länder und Gemeinden führt der Bericht aus: Die Notwendigkeit eines ausgeglichenen Budgets steht nicht in Frage. Die praktische Aufgabe bestehe aber darin, die Regierungsausgaben im Rahmen der Einnahme zu halten, und es nahe der Zeitpunkt heran, wo entschiedenere Maßnahmen in dieser Richtung notwendig seien. Ob und in welcher Höhe Steuererhöhungen notwendig seien, werde von den zu treffenden internen Maßnahmen abhängen. Aber es gebe nichts in der Budgetläge, was nicht auf die Anwendung gesunder Budgetierungsgrundsätze reagiere, und die Aufgabe fei im wesentlichen eine für die verantwortlichen Behörden intern zu lösende.
■ Wie im vorige« Bericht erwähnt, könne normalerweise und im Lichte der bisherigen Erfahrungen kein Fall eiutreteu, wonach das Neichsbudet nicht in der Lage wäre, feinen Normalbeitrag an Reparationen planmäßig zu leisten.
Die Aufgaben der Währungsstabilisie- tung, die andere Hauptaufgabe des ursprünglichen Sachverständigenplans, sind Nach dem Bericht voll erfüllt.
Die Reichsmark gewährleistet weiterhin alle Anforderungen in bezug auf
Z ihre Stabilität,
toie zu allen Zeiten feit Aufstellung des Sachverständigenplanes. Die Goldrefer-. ven der.Reichsbank lind Höher als je und
während des größten Teiles des abgelaufenen Jahres ist Die Reichsmark eine der rksten Währungen der Welt gewesen.
In feinen Schlußfolgerungen führt der Reparationsagent aus, daß die Tatsache, daß noch immer keine endgültige Festsetzung der deutschen Reparationsverpflichtungen bestehe, dem Plane selbst ein Element der Unsicherheit gelassen habe, das alle an den Reparationen beteiligten Länder in Mitleidenschaft ziehe; und es sei in wachsendem Maße klar geworden, daß eine endgültige Regelung des Problems, die in gegenseitigem Einvernehmen erfolgen sollte, den wahren Inter
essen der Gläubigermächte und Deutschland» gleichermaßen dienen werde.
Zum Schluß wird erklärt: „Der neue Sachverständigenausschuß wird also mit anderen Worten Vorschläge für eine vollständige und endgültige Regelung de» Reparationsproblems zu machen haben und so ausdrücklich von den beteiligten Regierungen bevollmächtigt sein, da» Grundproblem zu prüfen, da» noch zu lösen ist, um da» Werk des ersten Sach- verständigenausschufses zu seinem logischen Abschluß zu bringen.“
NaW auf die Mühlen Frankreichs
Eine RE«, der Sawrbpians ift nicht «forderlich
Die französische Morgenpresse veröffentlicht lange Auszüge aus dem Reparationsbericht Parker Gilberts und gibt dabei einmütig der Auffassung Ausdruck, daß
, Deutschland die durch den Dawes-Plan festgesetzten normalen Annuitäten
ohne Schwierigkeiten zahlen könne.
Der „Mali n“ erklärt, die Feststellungen Gilberts bewiesen, daß die Gläubiger Deutschlands keinen Grund hätten, eine Verringerung der Annuitäten zuzugeben. Man kann lediglich eine Erleichterung der Kreditoperationen zugestehen, um die Zeitspanne zu verkürzen, auf die sich die Zahlungen erstrecken sollen.
Das „I o u r n a I“ zeigt sich erstaunt über die Schlußfolgerungen des Berichtes, daß
der Dawes-Plan Wunderbar arbeite «ad entgegen der Anregung Gilbert« kein Grund vorhanden fei, ihn abzuändern.
Der „Avenir“ meint, der Bericht fei das Hauptstück der Akten, die die Sachverständigen in einigen Wochen zu behandeln hätten. Nach seiner Kenntnisnahme würde man wahrscheinlich zu dem Schluß kommen, daß man den vom Reich geäußerten Wunsch nach neuer Festsetzung seiner Zahlungsfähigkeit nicht zu berücksichtigen brauche.
Aehnlicher Auffaffung ist der „E a n - lots". der erklärt, Müller und Strese- mann würden in Zukunft vergebens eine neue Festsetzung der Zahlungsfähigkeit verlangen, vergebens würden sie beteuern, das deutsche Volk könne seinen Lebensstandard nicht noch mehr herabietzen, um sich der Reparationen zu entledigen.
Deutschland kau« zahlen. Die elementarste Klugheit lasse Frankreich und Belgien da» Rhein- landpfand so lange behalte«. bi» die Kommunalisierung der deutschen Schuld eine vollzogene
Tatsache fei.
Auch das radikal-sozialistische „Oeuvre“ kommt zu einer ähnlichen Auffaffung. Es sei ganz natürlich, daß Deutschland erfahren müße, wie viele Jahre lang es zahlen soll, um sich von der fremden Bevormundung befreien zu können. Es müße aber aufhören, die ZahluNgsunsäbiakeit zu erklären. Es wäre nicht nur <m Widerspruch mit dem Versailler Vertrag, sondern auch ungerecht, wenn schließlich Deutschland, das Ano--eifer war, weniger verschuldet märe, als die Sieger, die angegriffen wurden.
Die englischen Morgenblätter veröffentlichen ausführliche Auszüge aus oem Jahresbericht des Reparationsagen- ]
ten. Die Feststellung Parker Gilberts, daß Deutschland allen feine« Verpflichtungen doll uno pünktlich nachgekommen sei und daß eS auf Grund seiner Finanzlage seine Verpflichtungen erfüllen köpne, wird deson der« hervorg«. Hobe«.
Der «Daily Telegraph“ sagt, eS werde diel überraschen, daß der Repara- tionSagent das glatte Arbeiten des DaweS- PlaneS feststellt, aber trotzdem der entschiedenste Vorkämpfer für eine Neuregelung sei. Das Vlatt läßt es dahin gestellt, ob der neue Reparationsausschuß in feinen Empfehlungen soweit gehen werde, wie eS der Reparationsagent und mit ihm «eiche seiner amerikanischen Freunde chte«.
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Aus diesen Artikeln und der Ausmachung deS Jahresberichtes ergibt sich bereits deutlich, daß der Verlcht in diesem Augenblick, kurz vor dem Zusammentritt deS SachverständigenauSschusses, für Deutschland nur sehr unerwünfchte Wirkungen haben kann. Es sind nicht so sehr der Gesamteindruck und das Gesamtbild des Berichtes, die die Meinungsbildung in England und noch stärker in Frankreich beeinflussen, als vielmehr einzelne Stellen, wie etwa die Feststellung, daß die Fi- na Umlage Deutschlands nichts aufwetze, was eine volle Erfüllung feiner Verpflichtungen hindern könnte. Es will doch scheinen, als ob man in deutschen Kreisen die Rolle Parker Gilberts wesentlich anders eingeschätzt habe, als fich aus dienern znm mindesten widerspruchsvollen und darum höchst bedenklichen Jahresbericht ergibt.
Frankreich läßt sein« R'parations- SachverftSndigen durch die Rrpko ernennen.
Wie der diplomatische Mitarbeiter deS „® a i I $ Telegraph“ mitteilt, hat die französische Regierung die britische Regie- gierung amtlich davon verständigt, daß Frankreich seine beiden Vertreter für den neuen ReparationSausschuß Moreau and Parmentier durch die Reparationskommission ernennen lassen werde.
Kleine politische Meldungen.
Am Dienstag vormittag fanden beim Reichspräsidenten die üblichen Neujahr Sempsänge statt.
Die Verhandlung über die Revision, die der Arbeitgeberverband Norde, e t in Düsseldorf gegen das Urteil deS Landes» arbeitSgerichies Duisburg eingereicht hat, ist beim Reichsgericht auf den 22. Januar anberaumt worden.
Die japanische Regierung hat die Ver- Handlungen mit der 2laiu.ng-Regierung wieder aufgenjjmmeir.
Für Reimars
Montag vormittag bat tm Finanzministerium unter dem Vorsitz von Poincare ein Kadinetlsrat stattgefunden, über besten Verlauf chaoas rote folgt berichtet:
Der Äabtnettsrat prüfte die politische Lage. Ministerpräsident Poincare erläuterte seinen Kollegen, daß er, als er am 11. November da» Ministerium bildete, die Auffastung gehabt batte, nicht durch Verlängerung der Krise die Diskussion und die Verabschiedung des Budgets zu verzögern, da» er aber beute, nachdem die Annahme von Budgetzroölfteln »um dritten Mal vermieden worden ist und nachdem die Stabilisierung die Solidität beroiefen bat, die Aufgabe, die er übernommen batte, als erfüllt anjebe und im Begriff 61 dem Präsidenten der Republik seine emission zu unter breiten. In dem darauf folgenden Meinungsaustausch vertraten die Kabinettsmitglieder einstimmig die Ansicht, daß trotz der Bedeutung der erzielten Ergebniste auf internationalem und innenpolitischem Gebiet noch febr viel zu tun ift Von der Erledigung dieser Aufgaben bange die Konsolidierung der erzielten Ergebniste ab, und die Anwesenheit Doiucares an der Spitze der Regierung bleibe weiterhin unerläßlich für den Erfolg.
Ministerpräsident Poincars schloß fich diesen einstimmig vorgebrachten Argumenten seiner Mitarbeiter an, und der Ministerrat trat sogleich in die Prüfung der Fragen ein. die bei Wiederzusammentritt der Kammer aufgeworfen werden dürften Die Regierung wird in der liebem Zeugung, daß die Orientierung der komne-n, den Parlamentssession die Zukunft der Legislaturperiode bestimmen wird, bereit feilt gleich nach Wahl des Kammerpräsidiums auf eine Interpellation über die allgemeine Politik einzugeben. Sie wird tm Verlauf dieser Debatte ein Programm sofort durchzuführender Maßnahmen vorlegen und das Parlament aufforbern, sich hierzu zu äußern. Sie wird sich bei der staffelweisen Durchführung dieses Programms von den Gedanken leiten lasten, die der Chef der Regierung zu Beginn der Legislaturperiode mit Billigung der beiden Parlamente auseinandergesetzt Hat.
Zu den Verhandlungen tm Kabinettsrat schreibt der „Ternvs": Die einstimmig« Kundgebung der Minister für Poincare wird in den Augen der Oeffentlichkeit besonders als eine Betonnung der Regierungssolidarität und als ein Unterpfand der Loyalität der Regierungsmitglieder gegen ihren Chef erscheinen, eine Loyalität, an der man nicht mehr zweifeln darf. Poincare ist durch den einstimmigen Ruf der öffentlichen Meinung dazu getrieben worden, in der Regierung zu bleiben. Er hat diesem Wunsch des Landes nicht widerstanden. Er kann nicht mehr zwei, fein, daß die Nation durch den Charakter der nationalen Formel, die er mit jo großer Kun- dtgkeit anwendet, überzeugt, ihn billigt und ihn unterstützen wird.
Wichtiger Miniflerrar in Paris.
ft. Paris, 2. Jan. Unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten Doumergue findet am heutigen Vormittag im Clysee ein Ministerrat statt, dem in politischen Kreisen ziemliche Bedeutung beigemessen wird. Der Ministerrat wird vor allem die Ausarbeitung der Erklärungen Poincare vornehmen. da er eine Beantwortung ter Interpellationen über die allgemeine Politik vor der Kammer abgeben wird. Neben den sozialen und wirtschaftlichen Fragen wird Poincare wie der „Matin" erklärt, -en Hauptteil seiner Erklärungen der Außenpolitik widmen. An der Schwelle der Sachverständigen-Verhandlungen werden nach Meinung des Blattes die letzten Erklärungen eine ganz bescn.ere Tenu- tung haben. Sie werden nämlich dte Ab- rustungs- und Sicherheitsjrage behandeln.
DK Scikaung des Streitiroifchrn Bolivien und Paraguay.
ft Washington, 2. San. Die für gestern in Ans icht genommene Unterzeichnung des zwi.cheil SiHimen und Paraguay vereinbarten Proptavus tonnte niuit oorge« nommen werden, da der bolivianische Gesandte nicht im Bes.v der notwendigen Wei-
——er Regierung war.