Einzelbild herunterladen
 

vOininDßtw^ ten 29. M1928

tM Settma- «-

scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. emS- schließl. ZnstellungSgebühr, durch dt«P»st2.25 SM.Für etwa infolge Streiks, Maschinen defekte oder elementarer Ereignisse ausfallend« Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag». Dr. §. Hitzer-th. Druck der Untd.-Buchdruckerei ». Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23» Fernsprecher: Nr. 54. n. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt <l M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion »on 10—11 und

Uhr.

ÄbechMche

J6 AiVi D FÄ wen

8an>eiiel*

Sette 8

CIBrtwIti '3er* wwOTDlirnnitteibar

atsgerchtS- D«r An^tg«; auf Erlaß den 10 gesp< sah. Der 0.08 GM» Frage »er« 0.06 ®3R„ «digkesi sehr wirttq« An,« durch per» schivikrige« SchSgerichtS» Vorschrift SO'.ÜändigUIPg Sammeian^tge» nein be­schlag. R«kla«e?erdiente 0,40 SM. Jeder von Ult» Barrabatt. Ziel 5 'rnatio- werden berechnet. «O-ttrittS- durch Sie Seschtz Zusendung der A.

füllunqSvN Ma

t Sotdmark = V,|

>r der

ls-Lir.

-Heimer nes, ist ikhermes früheren

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Krim akute Kabinettskrise in Frankreich

Sir ErMm drr NzrsMrlMMn nnMsmyM — Die RrglrrimMise BerlMen

Paris, 28. Der Senat hat mit £40 gegen 107 Stimmen die Erhöhung der parlamentarischen Diäten gemäss dem 9ln= trag des Finanzminifters Cheron (45 ÖOO Franken plus 1250 Franken monatliche Wohnungsentschädigung) angenommen. Dieses Gesetz bedarf* noch der Annahme durch die Kammer, an der kaum gezweifelt werden kann. Der Verlauf der Dis­kussion hat bewiesen, daß die Gerüchte über die Möglichkeit einer Ministerkrise wegen dieser Frage gegenstandslos waren. Bei der Bratung hatte sich Ministerpräsident PolncarS, seiner Ankündigung gemäß, in dem Augenblick, als die Diätenfrage zur Beratung gestellt wurde, erhoben und den Sitzungssaal verlassen, um an der Dis­kussion und Abstimmung nicht teilnehmen zu müssen. Als erster Redner hatte oann ein Mitglied der Fraktion Poincars er­klärt, daß eine Erhöhung der Diäten nicht zu rechtfertigen sei, und die Beseitigung des Antrages verlangt. .

Der französische Eesamthaushaltspla« vom Senat genehmigt.

fk. Paris, 29. Dez. Der französische Senat genehmigte in seiner Nachtsitzung zum Sonnabend den gesamten Haus­haltsplan für 1929

mit 273 gegen 17 Stimmen.

Der Plan zeigt Einnahmen in Höhe von 45 Milliarden 453 Millionen und Aus­gaben von 45 Milliarden 319 Millionen, sodaß sich ein Einnahme-Ueber- schuß von 134 Millionen Franken ergibt.

Am Sonnabend Nachmittag wird der Senat den Artikel über die Unvereinbar­keit der Aufgaben bestimmter kaufmänni­scher Fähigkeiten mit dem Abgeordneten- Mandat behandeln. Wie Finanzminister Cheron am Schluß der Sitzung ankün- digte, wird die Regierung nach Abstim­mung über den Artikel seine Einver­leibung in das Finanzgesetz beantragen.

Die unsichere Lage des Kabinetts PoincarL

Der offiziöse „Ercelsior" beschäftigt sich mit der innerpolitischen Lage und stellt fest, daß die ministerielle Lage «reicht mehr fo fest sei wie zu Beginn der Haushaltsberatungen. Nachdem sich der Ministerpräsident und der Finanz­minister im offenen Gegensatz über die Frage der Diätenerhöhnng befun­den hatten, sei dies kein Geheimnis mehr. Das Blatt hält es für sicher, daß im Januar endgültige Klarheit geschaffen werden wird. Die Entscheidung der radikalen Kammergruppe, an die Re­gierung über die allgemeine Politik eine Anfrage einzubringen, werde dem Mi­nisterpräsidenten außerdem Gelegenheit geben, die Lerkrauensfrage zu stellen, falls es PoincarS nicht vorziehen sollte, dem Präsidenten der Republik den Rücktritt des Kabinetts mitzn- teilen.

„Petit Parisien" kennzeichnet die parlamentarische Lage wie folgt: Zn par­lamentarischen Kreisen herrscht Unbe­hagen. Im Abgeordnetenhaus und im ßenat hat man den deutlichen Eindruck, daß politische Zwischenfälle eintreten würden, wenn man sich nicht in der Zeit des budgetfreien Waffenstillstandes b$=

Bolivien nwSt wieder Krieg

ft. Washington, 29. Dez. Der Ge­schäftsträger von Pa raguay hat dem Staatsdepartement und dem Vorsitzenden des Schlichtungsaus'chusses für den Vanguardia- Zwischenfall gleichlautende Noten übermittelt, in denen offiziell mitgeteilt wird, daß das Fort Vangnardia von bolivianischen Truppen wieder besetzt worden sei.

Washington, 28. Dez. Nachdem die Vermittlungsbemühungen zum Stillstand gekommen sind, da man ab­wartet, ob Bolivien und Paraguay den vor

zwei Tagen hier ausgearbeitelen Protokoll­entwurf annehmen, berichtete die Gesandt­schaft Paraguays heute abend, die Bolivi­aner hätten das Fort Vanguardia in dem umstrittenen Gebiet wieder besetzt und ihre Truppen zwölf Meilen weiter in das Innere des Gebiets vorgeschoben und dadurch wie­der eine „sehr ernste Lage" geschaffen. Die Gesandtschaft bemerkt, dieser Vorstoß sei ohne Gefechte vor sich gegangen. Die Bolivianer hätten Vorteil aus dem Befehl gezogen, den die Regierung Paraguays an ihre Truppen ausgegeben hatte, alle Feind­seligkeiten einzustellen.

Die Repke ernennt öle EaüMrttünölgen

ErOoux stellt Deutschlands „Wohlstand- seit

Paris, 28. Dez Aus dem gemeinsam von Deutschland vnb den fünf an der Regelung der Reparationsfrage inter­essierten Mächten am 22. Dezember ver­öffentlichten Kommunique geht hervor, daß es den fünf Mächten frei stehe, ihre Delegierten für das Sachverständigen» Komitee selbst zu ernennen oder durch die

Amerikas Sachverständiger bei der Reparationskonferenz

Rufus Dawes, der jüngere Bruder des „Generals" und Vizepräsidenten.

Neparationskommisfion ernennen zu lasten. Wie nun der „Temps" halbamt­lich mitteilt, seien die fünf Gläubiger­mächte übereingekommen, die Sachver­ständigen, und zwar für jeden Staat, von ider Reparationskommission ernennen zu lasse«. Die Neparationskommisfion werde wahrscheinlich am 5. Januar zusammen­treten, um diese Ernennung vorzunehmen.

♦

Die „Legende von der deutschen Armut".

In einem Artikel .Die Legende von der deutschen Armut" im »Petit Paris.en" kommt der bekannte französische Wirftchaftspottllker Seydoux zu folgendem Schluß: Die Ein­nahmen der französischen Eftenbahngesell» schaften werden für 1928 in runden Ziffern etwa 15 Milliarden Franken ausmachen. In Deutschland werden sie 5,15 Milliarden Gold- yarf, d. h. 31 Milliarden Franken betragen, also das Doppelte der französischen Ein­nahmen. Gleichzeitig beträgt der französische Staatshaushalt 45 Milliarden Franken, der deutsche 10 Milliarden Goldmark, d. h. unge­fähr 60 Milliarden Franken. Das Verhältnis der deutschen Eisenbahneinnahmen zum deut­schen Haushalt ist also 1:2, während das Verhältnis in Frankreich sich auf 1:3 be­läuft. Es gebe kein Hesse res An­zeichen für den Wohlstand eines Landes, das ein ausgedehntes, wohlorga­nisierles Eisenbahnnetz besitze, fo schreibt Seydoux, als seine Eisenbah nein- nah m e n. Man erkenne also, daß die Haushaltslasten, die auf der deut­schen Wirtschaft ruhten, durch die Ele­mente des allgemeinen Wohlstandes viel mehr ausgeglichen seien als in <yr<mrreicfc

Enteignungen in Südtirol

Innsbruck, 28. Dez. Wie den »Inns­brucker Äachrichten" aus Bozen gemeldet wird, werden durch eine Entscheidung des italieni­schen Ministerrates unter dem Titel von Me­liorationen 1200 Hektar der sog. Stschaue, die sich von Siegmnndskron bei Bozen bis in die Aähe von Meran hinzicht, den gegen­wärtigen Besitzern ungefähr 2000 fast durchweg deutschen Klein­bauern, abge nommen und Mitgliedern der »Opera di Eombattanti" zu SiedlungS- zwecken zugeteilt. Die Abfindungss ummen für die bisherigen Besitzer sollen sicht einmal 50 Prozent des Grundverkehrspreises be­tragen. Sollte der für Meliorationen und enteignete Grund zur Sicherheit der wirt­schaftlichen Existenz der neuen Siedler mcht ausreichen, fo kann nach dem bezgl. Dekret guter Kulturgrund benachbarter Güter im Enteianungswege herangezogen werden.

Sus Befinden des englischen Königs

ft. London, 29. Dez. Nach demAbend- bulletin hat der König im Lause des Ta­ges Ruhe genießen können. Die am Morgen festgestellte Besserung hält an.

„Daily Mail" berichtet, daß die in der letzten Woche festgestellte Wendung zum Besseren im Befinden des Königs nicht in' dem erhofften Maße angehalten habe. Der Zustand des Königs habe keinen Fortschritt gebracht, im besten Falle habe er sich gerade behauptet. Es habe beträchtliche Perioden von Bewußtlosigkeit gegeben.

Laut „Daily News" werden ver­schiedene Maßnahmen angewandt werden, möglicherweise eine Blutübertragung, um den König über die augenblickliche kri­tisch« Periode Hinwegzubringen.

- - 1 Direk-

ZnmrpofilisKe Bi

Zwischen dem AI

Zwischen dem Neuen . . .

Wieder stehen wir an der Schwel e eines neuen Jahres. Wieder machen wir Den Versuch, Reche nschqft vor uns selber zu geben über das, was wir erstrebt, über das, was wir erreicht oder nicht erreicht haben. Eine Fülle der Ereignisse des letzten Jah­res taucht vor unserem geistigen Auge auf. Auf innerpolitischem Gebiete: Parlaments­wahlen, Parteikämpfe, Lohnkämpfe, Re­gierungskrisen, Wirtschaftskrisen, große und kleine Sorgen, sie haben uns beschäftigt und werden immer Wiederkeh r i. Ver­gebens suchen wir alle diese Dinge auf einen gemeinsamen Ren er zu bringen. Dennoch sei versucht, das Slicheld zu fin­den, von wo uns das gesamte deutsche Problem in Klarheit erkennbar wird. W i r stehen zwischen dem Alten und zwischen demAeuen. DaS gilt welt­politisch, innerpolitisch und gesellschaftlich.

Weltpolitisch: Auf der einen Seite, nach Westen, sehen wir die historischen Großmächte mit ihren alten Methoden des politischen und wirtschaftlichen Kampfes, Länder, mit denen wir größtenteils jahre­lang im Kriege standen. Völker, die sich noch nicht abgewöhnt haben, auch im Frie­den die Fortsetzung der KriegSpolitik gecen Deutschland — nur mit anderen Mitteln — zu sehen. Im Osten schauen wir die gran­diosen Versuche, ein neues Weltbilli zu schaffen, aufgebaut auf Verwüstung und Bürgerkrieg, aufgerichtet durch die Kräfte des Terrors und der brutalen Gewalt, aber doch getragen von dem naiven Wunderglauben der Massen, dah hier eine neue Welt und Ordnung im Entstehen sei. Zwischen diesen beiden Polen der groß­kapitalistischen westlichen Demokratie und der Diktatur des Bolschewismus steht Deutschland.

Jnnerpolitisch: Die alle Staats- form, die Deutschland, seit es Geschichte kennt, beherrscht hat, ist seit 10 Jahren nicht mehr. Der Fall Lambach hat uns gezeigt, dah selbst konservative Kreise durch diesen Prozeß auf dem Wege sind, politisch heimatlos zu werden. Was ihnen die Ent­scheidung für das Reue erschwert, sind die Auswüchse des Parlamentarismus. Auch hier steht Deutschland zwischen dem Allen und dem Reuen. Die allen ton- stitutionell-monachischen Regierungsformen sind erledigt. Jedoch der Parlamentaris­mus der westlichen Demokratien hat in Deutschland keine moralischen Eroberungen machen können. Dennoch darf er nicht grundsätzlich verneint werden, wenn andere und bessere Möglichkeiten nicht vorhanden sind.

Gesellschaftlich: Die Existenz un­seres Volkes wie die jedes anderen ist von seiner staatlichen Sicherheit und von sei­nem wirtschaftlichen Gedeihen bedingt. Auch hier stehen wir vor großen Gegen­sätzen. Wir sehen bei den Westmächten Die Herrschaft des Hochkapitalismus, der in Amerika und in den britischen Kolonien immer neue Milliarden aus der Erde zau­bert und allen Beteiligten die Möglichkeit zu eigenem Wohlstand gibt. Im Osten, in Rußland, bis nach Asien hinein, herrscht der Kollektivismus, der praktisch jedes eigene Unternehmertum ansschlleht, dafür' aber dem Staat und seinen Syndikaten un­geheure Machtmittel in die Hände gibt, ohne daß die Gesamtheit des Volkes den Au^n verspürte. Bei uns in Deutschland sind Ansätze zu beiden Tendenzen vor­handen. Doch liegen die Lasten des ver­lorenen Krieges zu schwer auf unserer Wirtschaft, als daß eine wirtschaftliche Ent­wicklung nach dem 'Beispiel Amerikas über­haupt möglich wäre; ganz abgesehen davon, daß das alle Mitteleuropa für derartige Treibhausgewächse keinen Boden abzu­geben vermag. Deutschland wird Immer ein Land sein, das sowohl Industrie wie Landwirtschaft besitzt, wobei zu berücksich­tigen ist, daß Mittelstand und Landwirr- schaft stets individualistisch eingestellt sein