Fr ^Vberh-ssisch« Zeitung" et- vhrint sechsmal wöchentlich. Se- „g#ytti< monatlich 2 GM. au«. Ulit&l- Zusiellung«gebühr, durch bi«Post2.25 GM.Für etwa infolge Ktreik«, Maschincndefekte oder rlewentarer Ereignisie ausfallend« Kummern wird kein Ersan ge- yfiet. Verlag b. Dr. §. Hcheroth. Druck der Unib.-Buchdruckcrei v. Zob- Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt L*. M. Nr. 5C15. — Sprechzeit jti Nedaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (das frühere kurhefsifche) Oberheffen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Das WchrprsZeamM öer Sozral-emokratett
MWvettMWng mit gemriiSaftliÄ orgnMklm Se!baltn «mH LstmMtom Muster
f Der vom Vorstand der Sozialdemokrati- hen Partei eingesetzte Ausschuh zur Prü- jnng des Wehrproblems hat jetzt Richtlinien für die sozialdemokratische Wehr- Dolitik aufgestellt. Den nachstehenden Entwurf wird der Vorsitzende des Ausschusies, L i t t m a n n, auf dem am 10. März 1929 Jn Magdeburg beginnenden Parteitag als Referat begründen:
k I. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands verwirft den Krieg als Mit- fel der Politik. Sie fordert friedliche Lösung aller internationalen Konflikte ^urch obligatorische Schiedsgerichte, Demokratisierung des Völkerbundes und seine Ausgestaltung zu einem wirksamen In- xrument des Friedens.
| Sie ist entschlossen, gemäh den Be- |61üiien des Brüsseler Kongresses der Sozialistischen Arbeiterinternationale vom August 1928 den stärksten Druck, selbst Mit revolutionären Mitteln, Men jede Regierung ausznübcn, die es tzblehnt, sich einem Schiedssrpuch zu u.'.ter- h»ersen, und zum Krieg schreitet.
■ II. Als Mitglied der sozialistischen Ar- ßeiterinternationale kämpft die Sozialdemokratische Partei Deutschlands für vollständige Abrüstung durch internationale Abkommen. Die Abrüstung wird nur dann dem Frieden dienen, wenn fie nicht eine einseitige Verpflichtung ist, wie sie den Besiegten i>es Weltkriegs durch die Sieger auferlegt wurde. Rur zwischen gleichberechtigten Nationen ist dauernder Friede zu erreichen. Der Deutschen Republik ist die historische Mission zugefallen, Vor- Kmpferin der internationalen Abrüstung ßu sein. Diese Mission kann sie nur dann erfüllen, wenn sie die ihr aufgezwungenen Inseitigen Rüstungsbeschränkungen nicht Überschreitet und nicht durch Versuche, sie ^ umgehen oder zu verletzen, andern Möchten Gründ oder Vorwand zur Ablehnung internationaler Abrüstungsüber- «inkommen und zu noch stärkeren Rüstun- sten liefert. Eine Verpflichtung der Deut- ßcheir Republik die ihr auferlegten Nüsiungsbestimmungen ohne Rüsickcht auf ?hre politische und militärische Zweck- Fähigkeit auszuschöpfen, erkennt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands picht an.
s III. Der wirksamste Schutz der Deut- Wen Republik beruht auf einer deutschen Außenpolitik, die auf die Versündigung der Völker und die Erhaltung des Friedens gerichtet ist. Roch droht *ier die Machtpolitik imperialistischer und faschistischer Staaten mit konterreoolutio- pären Interventionen und neuen Krie- Sen. Deutschland kann als Au f m a r i ch- hebiet mihbraucht und wider Willen M blutige Verwicklungen bineingerisien Werden. Solange diese Gefahren bestehen solange sie nicht durch sozialistische Legierungen, wenigstens in den wichtig- ffen Ländern, zum Verschwinden gebracht Derben können, ist die Deutsche Republik Mlötigt, num Schutz der Selbstbestimmung ftres Volkes eine Wehrmacht aufrecht zu erhalten. Die Wehrmacht Pnn ihre Aufgabe nur ernillen, wenn sie m ihrem Denken und Fühlen mit dem «olk verbunden ist und sich — im Degensatz zu allen militaristischen Tenden- pt, die auf die Beherrschung des Staats Mich das Militär hinauslaufsn — als Menendes Glied in die demokratische Republik einordnet. Ilm die Reichswehr in diesem Sinne umzugestalten, stellt
die Sozialdemokratische Partei Deutschlands insbesondere folgende
Forderungen:
1. K o n t r o l l e des Reichstags über alle Verträge der Heeresverwaltung.
2. Keine Subvention an Privatfirmen, die mittelbar und unmittelbar illegalen Rüstungen dient.
3. Verbot der Bestrafung von Veröffentlichungen über illegale Rüstungen.
4. Gesetzliche Bestimmungen zur Sicherung einer unparteiischen Rekrutierung.
5. Beseitigung des Bildungsprivilegs für das Offizierkorps und gesetzliche Festlegung eines Mindestkontingsnts für den aus dem Mannschaftsstand zu entnehmenden Offiziersersatz.
6. Sicherung der staatsbürger- lichen Rechte der Soldaten.
7. Schutz der Rechte der Soldaten durch eine von ihnen gewählte Personalvertre- tuna.
8. Demokratisierung des Diszipltnar- rechts und des Militärstrafrechts.
9. Republikanische Lehrkräfte und Lehrbücher beim Unterricht.
10. Verbot der Verwendung militärischer Kräfte bei Konflikten zwischen Kapital und Arbeit.
IV. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands bekämpft die immer stärker hervortretende Absicht führender Militärs aller Länder, völkerrechtliche Hemmungen der Kriegsführung, die in jahrtausendelanger Entwicklung Gemeingut geworden sind, gänzlich zu beseitigen und den Z u -
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Mrong -er Lage in Afghanistan
Auch Mito grauen unö StoM durch Slugzeuze Mrsördrrl
LsLbon-, 27. Dez. (SU.) Die aus verschiedenen Gegenden Afghanistans vorliegenden Berichte stimmen darin überein, daß eine wesentliche Entspannung der Lage eingetreten ist. Sie hat ihren Grund in erster Linie in der Tatsache, daß der inzwischen eingetretene Dinier die Bewegungen auf beiden Seiten behindert und bald gänzlich unmöglich machen wird. Für Aman Ullah ist die Entwickelung günstig.
Die afghanische Gesandtschaft in Paris gibt bekannt, daß nach einem gestern aus Kabul eingetroffenen Telegramm der Stamm Khooghani sich unterworfen habe. Der treugebliebene Stamm Mebmend habe gemeinsam mit den Aegierungstrupven die Aufständischen aus der Gegend von Djellalabad vertrieben. Die Aufstandsbewegung scheine nachzulassen.
Aus Peschawar (Indien) meldet Reuter: Britische Militärflugzeuge haben weitere 22 Frauen und Kinder von Kabul hierher gebracht. Cs handelt sich um die Familien deutscher, italienischer, türkischer, indischer und persicher Angestellten der afghanischen Regierung.
Weitere Deutsche aus Kabul abbefördert.
ft. London, 28. Dez. Einer Reuter- Meldung aus Delhi zufolge befinden sich unter den aus Kabul nach Peschawar von britischen Flugzeugen beförderten Personen
di« Sekretärin des deutschen Vertreters Ro- magnani, Frau Halet Asof, die deutsche Frau eines türkischen Lehrers an einer Militärschule und ihre beiden Kinder sowie ihr Kinderfräulein, ferner Frau Chisterne, die deutsche Frau eines Angestellten im afghanischen Kriegsministerium und ihr Kind.
„Daily Mail" berichtet aus L a - höre: Die aufständigen Afghanen sind jetzt von den Negierungstruppen in die Kabul umgebenden Berge vertrieben worden.
Die Hauptstadt ist jetzt ruhig.
Die königliche Familie hat sich nach K a n- d a t o r begeben, um Stämme um sich zu scharen, mit denen sie Blutverwandtschaft besitzt. Es wird angeordnet, daß Aman Allah vielleicht zu Gun st en seines Sohnes zurücktreten werde. Ein Militärflugzeug aus Bagdad ist in Kabul eingetroffen, ein weiteres folgte zur Beschleunigung der Abbeförderung. Augenblicklich herrscht in Kabul Schneefall, der den Abflug der Maschinen verhindert. Viele Personen warten noch auf ihren Abtransport und die Vorräte gehen zu Ende. Bei der Landung des Flugzeuges aus Bagdad soll, wie die „Daily Mail" weiter meldet, eine deutsche Frau von dem Propeller getroffen und getötet worden lein. Die britische Gesandtschaft hat unter schwerem Feuer gestanden und ihre Zugänge find verbarrikadiert.
kunftskrieg rücksichtslos über die Heeresfronten hinweg gegen die Zivilbevölkerung zu kehren. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands brandmarkt diese barbarische Absicht und fordert die Neufestigung des Völkerrechts im Sinne der Humanität, l Insbesondere fordert sie Verbot des Gaskriegs und der Verwendung von Bakterien zur Kriegsführung.
V. Die sozialistische- Forderungen können nur verwirklicht werden durch die gemeinsamen und energischen Bestrebungen der organisierten Arbeiter, durch die unablässige Ausklärung der Arbeiter über die Ursachen und Gefahren der Rüstungen, durch Erziehung und Unterricht im Geiste des Friedens, um auch die moralische Abrüstung vorzubereiten und durch den gestsigerken voliti- '
scheu und wirtschaftlichen Kampf des Proletariats gegeu die herrschenden Klasien bis zur Verwirklichung des Sozialismus. Das sozialistische Endziel bildet eine Gesellschaft ohne Ausnutzung und Unter- drückung, also ohne Klasien und Klasien- kämpfe, eine Gesellschaft ohne Streben nach Ausdehnung von Ausbeutungsgebieten, also ohne Rüstungen und ohne Kriege. Der Sozialismus ist die Macht, die der Welt den dauernden Frieden bringen wird.
200 Mrnschen-Opfer während der Weihnachts- toge in Amerika.
London, 27. Der. Während der Weib- nachtssciertage sind in den Bereinigten Staaten nach Berichten aus Ncwyork 200 Personen ums Leben gekommen, während 30 das Opfer von Christbamnbründen wurden. Ein kleiner Rest verteilte..sich auf verschiedene Zwischen-
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Amerikas Sachverständiger wird voraussichtlich Owen 2)ouig sein, der der erste Reparationsagent nach dem Dawes- Abkommen war.
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Washington, 27. Dez. Die Pariser Meldungen, wonach neben Owen Poung der amerikanische Botschafter in Mriko, Morrow, als Sachverständiger für di» Beratung«« über-die 'lieparattonsfraye aus* ersehen wurde, wurden im Staatsdepartement als ganz abwegig bezeichnet und zur Begründung darauf hingewiesen, daß Morrow auf seinem Posten in Meriko unentbehrlich sei und das Staatsdepartement deshalb nicht auf ihn verzichten könne. Von Owen Poung stehe noch nicht fest, ob er geneigt sei, die Berufung als Sachverständiger anzunehmen.
Abreise Parker Gilberts nach Rewqork.
Nach einer Meldung der „Time s“ ist der Generalagent für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, am Mittwoch aus Pa« r i s kommend in London eingetroffen »nd gestern nach Newyork weitergefahren.
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MsiKIng im BeMm des englischen Königs
fl. London, 28. Dez. Nach dem gestern abend veröffentlichten Bulletin war das Befinden des Königs im Lauze des gestrigen Tages nicht so zufriedenstellend wie bisher. Der König zeigte Abneigung gegen die Nahrungsaufnahme und der Kräfte» zuftand hat sich nicht ganz auf der Höhe gehalten. Der Puls ist nach wie vor stetig.
Der im Kravkheitsbericht vom Donnerstag festgestellte Rückschlag im Befinden des Königs hat ziemlich alarmierend gewirkt. Obwohl von den behandelnden Aerzten immer wieder nachdrücklich darauf hingewiesen wurde, daß im Hinblick auf das Allgemeinbefinden nur eine langsame und schwierige Erholung des Patiemen zu erwarten sei, war in der Oeffentiichkeit eine ziemliche Beunruhigung über die schließliche Genesung des Königs eingeireten. Der gestrige, seit längerer Zeit durchaus unbefriedigende Bericht wird um so ernster angesehen, als von medizinischer Seite aus kein Geheimnis daraus gemacht wurde, daß der König über nur geringe Kräfte verfügt, die bei derartigen Rückschlägen ins Gewicht fallen. Auch die Versicherung, daß der Puls regelmäßig blieb, wird nicht als vollwertiges günstiges Zeichen angesehen. Man mißt dieser Feststellung nur die Bedeutung bei, daß die Aerzte zwar im Augenblick keine akute Gefahr sehen,, die Zukunft aber mit größerer Aufmerksamkeit und auch wohl mit Sorge verfolgen. Der Erholungsprozeß selbst ist noch langsamer als von den Aerzten erwartet worden worden war.. Man wird nunmehr wieder zu der zweimaligen Veröffentlichung von Krankheitsberichten, am Morgen und am Abend, .schreiten. ■