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*1,1—1 Uhr.
Äbechessische
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Rr.Mkz.Mr» Marburg «.Lahn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Ein Weihnachtsgeschenk Pomrarsts?
Sie Vereinbarung der sechs Marble: ilnabbängige Sachverständige sollen die eulgülltge Regelung
Berlin. 24. Dez. Die Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und de« an dem Genfer Beschluß beteiligten Eläubigerregiernngen find nunmehr zum Abschluß gekommen. Der Auftrag, der dem Sachoerständigen-Aus- schuß gegeben wird, lautet wie folgt: Die deutsche, belgische, französische, groß- britannische, italienische und japanische Regierung haben in Verfolg des Genfer Beschlusses vom 18. September 1928, in - dem die Einsetzung eines Ausschusses von unabhängigen Finanzsachverständigen vereinbart worden ist, beschlossen, dem Ausschuß den Auftrag zu erteilen, Vorschläge für eine vollständige rund endgültige Regelung des Reparationsproblems auszu- 1 arbeiten. Die Vorschläge sollen die Regelung der Verbindlichkeiten umfassen, r die sich aus den zwischen Deutschland und 1 den Glaub igermächten bestehenden Ver- . trägen und Abkommen ergeben. Der Aus- ; schuß wird seinen Bericht den an dem Een- 5 ser Beschluß beteiligten Regierungen sowie der Reparationskommission erstatten, r Die Regierungen der sechs Mächte haben in Verfolg der Besprechungen, die über die Einsetzung des Sachverständigen- Ausschuffes geführt wurden, beschlossen, folgendes Kommunique
: zu veröffentlichen:
[ .Herr Raymond Poinearß, Präsident ; des Ministerrates und Herr von Hoesch, , deutscher Botschafter in Paris, haben die k Frage der Einsetzung des Sachverständi- : gen-Ausschusses, wie er in dem Genfer Beschluß vom 16. September 1928 über i die Regelung des Reparationsproblems 1 vorgesehen ist, geprüft und sind hierüber über folgendes übereingenommen:
1. Es ist im allseitigen Interesse außerordentlich wünschenswert, daß sich außer den Sachverständigen, die von jeder an dem vorerwähnten Genfer Beschluß beteiligten sechs Regierungen zu bestimmen > lind, auch Staatsangehörige der Dereinig- ; ten Staaten am Sachverständigen-Aus- lchtz^ß beteiligen.
* 2. Der Ausschuß soll nach dem Vorgang des im November 1923 eingesetzten ersten k -achverständigen-Ausschusses aus unabhängigen Sachverständigen bestehen, die mternationales Ansehen und Autorität in ihrem eigenen Lande genießen und die an keinerlei Instruktionen ihrer Regierungen gebunden sind. Die Zahl der Mitglieder soll zwei für jedes Land betragen.
. Es besteht jedoch Einvernehmen darüber, .daß die Sachverständigen Ersatzmänner thinzuziehen können.
3. Der Ausschuß wird sobald wie Möglich zusammentreten und Zwar vorläufg in Paris. Die endgültige Entscheidung über die Wahl des Tagungsortes bleibt dem Ausschuß Vorbehalten. . .4. Der Ausschuß wird von den sechs Re- Nerungen entsprechend der vorerwähnten genfer Vereinbarung vom 16. September *928 den Auftrag erhalten. Vorschläge lur eine vollständige und end - üültige Regelung des Repara- 'l on s p r o b l e m s auszuarbei- [tn. Diese Vorschläge sollen eine Regelung derjenigen Verpflichtungen umfas- ion, die sich aus den zwischen Deutschland frtb den Gläubigermächten bestehenden Erträgen und Abkommen ergeben. Der «usschutz wird feinen Bericht den an dem
ler RkvarativnsfnW eetbmiten
Genfer Beschluß beteiligten Regierungen sowie der Reparationskommission erstatten.
5. Was die Ernennung der Sachverständigen angeht, so soll in der folgenden Weise verfahren werden: Die Sachverständigen der an dem Genfer Beschluß beteiligten Gläubigermächte werden von den Regierungen dieser Mächte bestimmt und nach dem Belieben dieser Regierung entweder von ihnen selbst oder von der Reparationskommission ernannt. Die sechs beteiligten Regierungen werden in geeigneter Weise feststellen wie die Beteiligung der amerikanischen Sachverständigen am zweckmäßigsten sichergestellt wird.
♦
Der deutsche Standpunkt.
Berlin, 24. Dez. Zu dem französischen Communiquä, nach dem die französische Regierung in einem Aide memoire vom 30.
Oktober den anderen Eläubigerregierungen die Voraussetzungen mitgeteilt hat, von denen ihre Zustimmung zu jeder Reparationsregelung abhänge, und daß dieses Aide memoire auch Deutschland zur Kenntnis gebracht worden ist, wird von zuständiger Stelle mitgeteilt:
„Es ist richtig und in der Oeffentlichkeit bekannt, daß der deutschen Regierung dieses an die übrigen Gläubigerregierungen gerichtete Aide memoire später auch mitgeteilt worden ist. Ebenso ist bekannt, daß die deutsche Regierung ihrerseits in einem Memorandum der französischen Auffassung die deutsche Auffassung gegenübergestellt hat. Die deutsche Auffassung ist seinerzeit von dem Reichsauhenminister m seiner Reichstagsrede vom 19. November bargelegt worden. Er hat damals der deutschen Regierung volle Entschliehungsfrei- h e i t für den Zeitpunkt nach Erstatzung des Sachverständigengutachtens ausdrücklich Vorbehalten und festgestellt, datz
eine wirkliche Lösung der Reparations- frage nur dann vorlikgen könne, wenn
Die öttltsch-mWKm WirWMsöechksndlrmsm
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Kowno, 23. Dez. Am 21. Dezember sind, wie aus Moskau gemeldet wird, die deutschrussischen Wirtschaftsverbandlungen abgeschlossen worden. Es wurde ein Uebereinkommen über eine Reihe von Fragen der deutsch-russischen Handelsbeziehungen ereicht. Nach der Unterzeichnung des Abkommens drückten die Führer der beiden Delegationen ihre Befriedigung über die nunmehr erreichte Einigung aus. Die deutsche Delegation unter Führung von Ministerialdirektor Posse hat am Freitag Moskau verlassen und ist nach Berlin abgereist. Verschiedene Mitglieder der Sowiet- delegation und der deutschen Botschaft in Moskau haben der deutschen Delegation das Geleit zum Bahnhof gegeben.
Ueber den Inhalt der deutsch-russischen Vereinbarungen
berichten Berliner Blätter aus Moskau u. a. folgendes:
Den deutschen Wünschen sei in zahlreichen Einzelfragen stattgegeben worden, besonders hinsichtlich der Erleichterungen im Reiseverkehr, der Gebührenermässigung,' der Benachrichtigung der deutschen Botschaft von Verhaftungen auch solcher Deutschen, deren Staatsangehörigkeit zweifelhaft ist. Ferner sei im Hinblick auf Verbesserungen im gewerblichen Rechtsschutz von russischer Seite Entgegen
kommen gezeigt worden, sowie in der Frage des Transitverkehrs, der Aufnahme von Verhandlungen über den Televhonverkebr und die Zulassung von Agenten deutscher Seeschiff- fahrtsgesellschasten. Bedeutungsvoll ist, dass der deutschen Botschaft der direkte Verkehr mit sämtlichen Volkskommissariaten freigegeben worden sei. Ein grosser Erfolg der deutschen Wirtschaftsdelegation sei eine offizielle russische Erklärung über die Wirtschaftsspionage. Die Erklärung stelle eine weitgehende Anpassung an die westliche Auffassung dar. Diesen Zugeständnissen batten russische Beschwerden über einige deutsche Banken, den Ruhlandausschuh und die Gerichts- vraris im Zusammenhang mit der Levka- Auktion zusammengestanden. Nicht befriedigt worden sei der deutsche Wunsch nach erleichterter Zulassung deutscher Unternehmungen im Negistrierungswese. Hinsichtlich der Beschwerden von Konzessionären wurde erklärt, die Sowjetregierung werde mit diesen unmitelbar verbandeln, um die Beschwerdevunkte auszu- räurnen und die Wirtschaftsorgane anweisen, die Wareneinkäufe und -Verkäufe deutscher* Konzessionäre loyal zu bebandeln. Jrn Frühjahr sollen neue deutsch-russische Verhandlungen über den Schutz des Urheberrechts, den Zolltarif und Doppelbesteuerung ausgenommen werden.
sie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands nicht übersteigt,
d. h. wenn sie uns die Erfüllung unserer Verpflichtungen dauernd aus eigener Wirtschaftskraft und ohne Gefährdung der Lebenshaltung unseres Volkes ermöglicht.
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Die französischen Sachverständigen.
Berlin, 23. Dez. Nach einer Meldung Berliner Blätter aus Paris wird erster Delegierter Frankreichs für den Sachverständi- genausschutz zur Regelung des Reparationsproblems der Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, sein und deisen Stellvertreter Untergouverneur R i st. Zweiter Delegierter wird Parmentier sein mit Professor Allir als Stellvertreter.
Amerika und die Reparationsverhandlungen.
London, 23. Dez. R-uter berichtet aus Washington: Sehr großes Interesse wurde durch die Erklärung des Präsidenten Coo- l i d g e heroorgerusen, datz die amerikanische Regierung einer Einladung der europäischen Regierungen zur Teilnahme an den Beratungen des Sachverständigenausschusses sympathisch gcgenüberstehen würde. Etwas jedoch könnte, wie angenommen werde, die
amerikanische Regierung v-rhindern, an den Verhandlungen teilzunehuien, nämlich die Haltung Frankreichs. PräsidentCoo- lidge vertrete nachdrücklich die Ansicht, datz die Sachverständigen auf der Konferenz frei ihr Urteil abgeben mützten. Er sei der Ansicht, datz es zwecklos für Amerika sein würde. Vertreter in irgend einer Eigenschaft zu entsenden, wenn die französischen Delegierten vorher an irgend eine endgültige Reparationssumme gebunden wären, unter die sie nicht gehen dürften.
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Sn Deutschland wird man gut daran tun, die in einem Teil der Auslandspreise angestellten optimistischen Betrachtungen über den voraussichtlichen Ausgang der Reparations- Verhandlungen mit dergebotenenSkep- sis zu beurteilen. Sm ganzen genommen hat Zwar Herr Poincarö schließlich bei der Vorbereitung der Sachverständigenkommission nicht unerheblich zurückschrauben müssen. Am schwierigsten war bekanntlich die Beseitigung des Widerstandes des französischen Ministerpräsidenten gegen jede Wiederaufrollung der Frage der deutschen Leistungsfähigkeit. Hier ist es Berlin gelungen, datz
(Fortsetzung siehe Seit« 2.)
MchnachlMnsM
Von Dr. A. D i e z - L a n g h a m e r.
Für uns Deutsche ist Weihnachten ein Fest der Liebe und des Friedens. Um so enttäuschter sind unter uns jene, die guten Willens find, wenn sie den Hader im eigenen Lande und die Friedlosigkeit in der Welt beachten, wenn sie immer wieder erkennen, datz der tiefere Sinn der Weihnachtsbotschaft von der Menschheit so mißachtet oder übergangen wird. Am schmerzlichsten wirkt solche Erkenntnis in einer Zeit, wo unser Volk von seinen ehemaligen Kriegsgegnern immer noch geschwächt und selbst in der Wahrnehmung seiner wichtigsten Lebensfragen verkannt wird. Die vergeblichen Verhandlungen über eine Räumung deutscher Gebiete, deren Besetzung durch fremde Truppen kein Zeichen der Versöhnung, sondern ein unverkennbarer Beweis gewollter Friedlosigkeit ist, die unerträglich hohen Abgaben, welche uns zugunsten anderer im Wettrüsten sich überbietender Völker unter dem Deckmantel der Kriegsschuldlüge abgezwungen werden, und die der Gerechtigkeit Hohn sprechende Mißhandlung deutscher Minderheiten sind nicht dazu angetan, die Weihnachtsbotschaft vom „Frieden auf Erden" ihrer Verwirklichung näher zu bringen. Auch das Wetterleuchten im Fernen Osten, die Kämpfe in Südamerika und die sich in allen Weltteilen anhäufenden Konfliktstoffe widersprechen dem Geist des Friedens in einer Weife, daß die meisten Menschen verzagen oder gleichgültig werden möchten.
Und doch ist gerade der ^ampf Zwischen Gut und Böse, zwischen Neigung und Pflicht eine Notwendigkeit geworden, um auf dieser Erde die schlechten Gewalten bezwingen und somit schließlich den Sieg des guten, aufwärts führenden Geistes ermöglichen zu können. Gerade wir Deutschen richten uns immer wieder am höheren Ziele auf, um — trotz Verirrungen und Schwächen — uns selbst und der Menschheit Wege zu bahnen, die abseits führen von Niedrigkeit und Friedlosigkeit, die somit den eigentlichen Sinn unserer Menschwerdung und Daseinsaufaabe offenbaren. Daher ist auch unsere Weihnachtssehnsucht so stark und so selbstverständlich wie bei keinem anderen Volke. Besonders jetzt brauchen wir dieses deutsche Christfessiehnen, weil ohne Ringen um Frieden und Menschheitsliebe unser Leben noch trostloser wäre. Wir benötigen solche Hoffnung, denn ohne sie würde unser Dasein so nutzlos erscheinen, daß es lieber enden sollte, bevor es überhaupt begann.
Was wäre der Mensch ohne jenes tiefe heiße Sehnen, das wir um Weihnachten doppelt empfinden? Eine leere Schale. Was bliebe uns, wenn das Leben alle Wünsche erfüllen würde? Nur die Freudlosigkeit. — So liegt darin, daß wir Menschen nie völlig erreichen, wonach wir uns sehnen, keinerlei Tragik. Nicht allein das, was ihm in der Welt gelingt, macht den Wert des Menschen aus, sondern auch das. was er ersehnt. Dieses nicht erfüllte Sehnen ist ebenso eine gütige Gabe des Schöpfers wie die Freude über die Er- ullung. freilich mutz unter Sehnen auch )urd) gewisse Erfüllungen belohnt werden, öll es nicht zur Hoffnungslosigkeit herab tnben.
Was wäre der Winter für uns Deutsche ohne Weihnachten? Wir haben im ersten Kriegsjahr gesagt „Zu Weihnachten sind wir wieder daheim", weil uns dieses Fest als das schönste gilt, weil unser ganzes Wesen aufs engste mt ihm verbunden ist, weil wir alle es im Kreise der Lieben zu feiern hoffen. Mitten in den Freuden des Sommers denken wir an des herrliche Fest, und ein Teil der Sorgen und Plagen des Winters erscheint uns gemildert in seinem vorauseilenden Licht. Keine Wohnung ist so erbärmlich, datz nicht ein Strahl des Weihnachtslichtes ihre Winkel erhellt, kein Kind ist so arm, datz ihm dieser Tag nicht auch eine Freude bringt.