Einzelbild herunterladen
 

Sonnabend, Mo 2L Dez. IM

tyt ^Oderhesflsch« Zeitung* et- (ACtnt sechsmal wöchentlich. Ve- -^H^preis monatlich 2 GM. aus- SügL Zustellungegedühr, durch ^,Pvst2.25 TM.Aür etwa Infolg« Qtrtiti. Maschinen defekt« »der ^mrntarre Lreignifl« ausfallende gtycnntrn wird kein Srsa» p«- ^tfUt Verlag d. Dr §. KiOeroth» Druck der Unw.-Buchdruckere, d. z,h. Slug- Koch, Markt 21/23, gern sprech er: Rr. 54. n. Rr. 55, «gstscheckkont»-. Amt Frankfurt «, M. Rr 5015. — Spreck-M -<r Redaktion von 10—11 und

•fei—1 Uhr.

MW

LMMUrmg

*

U'

■ -w z-, R

to.$oi6?.3ohra Marburg a. Lahn

Der An^iqenpreis beträgt fOl de» 10 q »spalt. Zeilenmilltmite, 0.08 SM^ klein« varan,eigen 0.06 SM^ amtlich, und ««* wLrtiq« Anzeigen 0.10 GM. ves schwierigem Sa» sowie bei Pia»« dorschrift 50*1« Aufschlag. -> Sa mmelan zeigen 1001, Auf« schlag. Reklamen 6« Millln» 0,40 SM. Zeder RadaN gilt atz Barradatt. Ziel 6 Lage, veleg, werden derechnet, ebenso AnSkunfs durch di« Seschäftssiell» ent Zusendung der Angebot». •» füllunqeorl Marburg.

t Dowmark — '/»»Dollar.

S

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Rache für -as Arteil von Kolmar SenerMmMmmmli Mol borch drei RwoloeriMse Wwer mW — Dor Täter, ein Gllüflcr, stellt sich selbst M Belizes — Die Borbereltung und Ausfübrung »es Allenlals

Paris, 21. Dez. Auf den früheren Ge- aeralstaatsanwalt F a ch o t, der im ftol» yiarer Autonomistenprozefe als Anklagever­treter eine grohe Rolle spielte, und später -um Rat am Kassationshof in Paris er- uannt worden war, ist am Freitag ein Attentat verübt worden. Vormittags ge­gen 8 Hbr erschien ein Mann, der stark elsässischen Akzent sprach, in der Wohnung 126 Avenue de Versailles, die der Seneralstaatsanwalt erst gestern bezogen hatte. Der Mann wurde von der Gattin gadjerts empfangen und fragte nach ihrem Manne, dem er eine wichtige Mitteilung zu machen habe. Es wurde ihm bedeutet, Fachot sei nicht anwesend, er werde erst in etwa einer Stunde wiederkehren. Um 9 Uhr sprach dann der Attentäter wieder vor und wurde diesmal von Fachot selb st emp­fangen. Es entspann sich dann folgende Unterhaltung: „Sind Sie selbst Herr Fa­chot?" — „3a.“ — „Der Generalstaats­anwalt?" — „Bestimmt.“ — Der Unbe­kannte zog dann einen Revolver hervor und gab auf Fachot unvermittelt drei Schüsse ab. Zwei Schüsse gingen in den Unterleib, der dritte auf den Boden. Fachot brach zusammen. Während Frau Fachot ihrem Mann zu Hilfe eilte, ergriff der Un­bekannte die Flucht. Der Zustand Fachots ilt lehr ernst. Der Verletzte wurde in eine Krurgische Klinik nach Neuilly überführt und Sprt operiert. Die Eingeweide sind durch Revolverschüsse an sieben Stellen zerrissen.

SekbftgesteNung des Täters.

Der unbekannte Attentäter, der den Ge­neralstaatsanwalt Fachot zu erschießen ver­suchte, hat sich freiwillig der Pariser Polizei gestellt. Es handelt sich um den Strafe» bürget Schlächtermeister Georges B en- noit .der aus Walburg gebürtig ist und sich bereits seit einem Monat in Paris aus­hält.

♦

ft. Paris, 22. Dy. Wie zu der Ge­stellung des aus Walbourg (Kr. Weifeen- burg) stammenden Schlächters Georg Ben- noit, der den Anschlag auf den General- 'taatsanwalt Fachot verübt hat, ergänzend zemeldet wird, sprach Bennoit am Freitag abend einen Polizeibeamten mit den Wor­ten an:

»Leute morgen habe ich auf Herrn Fachot geschossen."

Set seiner Vernehmung, die sofort nach der Verhaftung erfolgte, erklärte Bennoit, dafe er ht Weifeenburg geboren, verheiratet und in Ctrafeburg-Neudorf wohnhaft sei. 3n Pa­ris halte er sich bereits einen Monat auf. Er habe sich zunächst nach Le Mans bege­ben, weil er annahm, Fachot sei an einem bärtigen industriellen Unternehmen beteiligt. Von dort aus habe er auch

S autonomiftische Zeitungen von sei« geplanten Anschlag in Kenntnis gesetzt

»nd darum gebeten, sich seiner Frau an- runehmen. Seinen Namen habe er dabei jedoch nicht genannt. Von Le Mans sei er dann nach Paris gekommen, wo er längere Zeit vergebens nach der Adresse des an den Kassationsgerichtshof berufenen Ge­neralstaatsanwalts gesucht habe.

Als Grund für feine Tat gab Bennoit an, er fei Elsässer und habe die Auto« nomisten retten wollen.

Vila autonomistischen Zeitungen habe er auf­merksam gelesen und besonders den K o l - Mater Autonom! st en-Prozefe ver- folgt 3n Fachot habe et den Urheber „des Unglücks seiner Landsleute, der Unschuldigen, Mit denen et litt“, gesehen.

Er habe niemals Politik getrieben und gehöre keiner Partei au.

Gebt rasch sei er ein glühender Autonomist Otroorben. Er habe sich niemand eröffnet, als ihm der Gedanke gekommen sei, Fachot ä töten.

Der Geueralftaatsanwalt habe vielleicht feine Pflicht als Beamtet getan, et, Bennoit, habe die feine als Elfäffer getan.

Uebet die Ereignisse am Freitag befragt, erklärte er u. a., dafe er bereits am Mitt­woch und Donnerstag versucht habe, Fachot in seiner Wohnung zu sprechen. Am Freitag vormittag habe er dann das Treppenhaus bewacht und fei einem älteren Herrn ge­folgt, der den Fahrstuhl bestiegen habe. Als dieser Herr in seine Wohnung gehen wollte, habe er ihm erklärt, einen Brief für Herrn Fachot abgeben zu wollen. Auf die Antwort dieses Herrn, dafe er selbst Fachot sei, habe

Bordighera, 21. Dez. Marschall Cadorna, der italienische Oberstkomman­dierende in den ersten Kriegsjahre», ist am Freitagnachmittag kurz nach 4 Uhr im Alter von 78 Jahren gestorben, nachdem er seit Montagnachmittag in einen todesähn­lichen Schlaf verfallen war. Sein Todes­kampf hatte nur durch künstliche Atmung verlänaert werden können.

Zctzt hat der Tod wieder eine Persön­lichkeit dahingerafft, Die mit den Gescheh­nissen des blutigen Weltkrieges auf ewig verbunden sein wird. Zwar wird der Name Cadornas weniger mit großen stra­tegischen Leistungen verknüpft sein als mehr mit einer vernichtenden Niederlage der italienischen Truppen. Aber Cadorna war zweieinhalb Jahre hindurch der Ge- neralismus der italienischen Streitkräfte im Krieg, Urheber der blutigen und zwecklosen Schlachten am Isonzo, somit eine Persön­lichkeit, die eine bestimmende Rolle im Weltkrieg zu spielen hatte. Das Leben dieses Mannes ist nicht frei von einer ge­wissen Tragik. Sein rascher Aufstieg zu den höchsten militärischen Stellen Italiens könnte vielleicht nachweisen, daß man es mit Cadorna mit einem wirklich fähigen Offizier zu tun hatte. Vielleicht lag aber seine Fähigkeit mehr in der Theorie als in der Praxis. Denn die Praxis sprach seiner strategischen Kunst ein geradezu vernichten- tendeS Urteil. Wenn man sich die Frage vorlegt, wie eS kam, daß einem Heerführer, der zweieinhalb Jahre lang nut Mißerfolge nach Hause melden tonnte, so lange Zeit das Vertrauen seiner Regierung und seines Volles bewahrt blieb, so wird man auf Die Tatsache Hinweisen müssen, daß Cadorna

Das SeftündniS des Kulmbacher Berbrechett

Kulmbach, 21. Dez. "Sei feiner Ver­nehmung im BezirksamtsZericht?gebäude hat der Saffenräuber Werner neben dem Keber- fall auf die Etastonskaffe in Oberhaid bei Bamberg auch den Postraub in We » - d i n g zugegeben, ferner über einen ihm zur Last gefegten schweren EinbruchSdiebstahl und über die Straftaten der letzten zwei Tage in Kulmbach, Wirsberg und ei 'em anderen Ort, ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Zu der Verhaftung des Räubers, der Wil­helm Werner heißt, 1898 in Webegsburg in Westfalen geboren und bereits we-en Raubes mit acht Jahren Zuchthaus vorbestraft ist, wird noch gemeldet: An Donnerstag abend gelang es einer Streife der Landes wlizet Bayreuth, in der Streitschen Mühle bei Marktschorgast den Verbrecher aufzu'vüren. Der mitgeführte Polizeihund ,Arco" stellte den Räuber, packte ihn und. zerriß ihm die Knie. Der Verbrecher war wie gebannt und komrie mü-elos festgenommen werben. Der andere Räuber, der sich

er den Bries flbergeben und in dem Augen­blick, als Fachot sich anschickte, ihn zu lesen, drei Rrvolverschülft auf ihn abgegeben.

In einem Handkoffer Dennoits fand man ein neues Rasiermesser sowie zwei französische autonomistenfeindliche Zeitungen und mehrere Eintrittskarten in die Kammer. Bennoit wurde am Freitag in die Saute überführt. Zu seinem Verteidiger habe er den aus dem Kalmarer Prozefe bekannten Rechtsanwalt Klein gewählt.

der Sohn jenes Mannes war, der an dem denkwürdigen 20. September 1870 die ita­lienischen Truppen nach Rom, der ewigen Stadt, führte. Der Name Cadorna war also für das italienische Voll ein 'Begriff, der vieles erklärlich machen kann. Ver­nichtet wurde dieser Begriff erst durch die große Niederlage Cadornas bei Karfteit, mit einer Niederlage, die fast einem Zu­sammenbruch der italienischen HeereSmacht im Weltkriege gleichsam. Diese schwerste Stunde des italienischen Volles brachte auch Cadorna den Sturz, der ihn von der höchsten Stelle in die tiefsten Tiefen stürzte. Cadorna wurde seines militärischen Amtes entlleidet, man sprach ihm seinen Rang und sein Gehalt ab, sein Name war eine Zeitlang für Italien geächtet. Erst als es den übrigen Alliierten Italiens im Welt­krieg gelang. Italien in die Front der „Sieger" einzureihen, begann man etwas milder über die wenig glücklichen Taten Cadornas zu urteilen. Er wurde schließ­lich rehabilitiert und erhielt auch den Feld­marschallrang. Diese verspätete Ehrung hat Cadorna innerlich wohl kaum reha­bilitiert. Er blieb ein gebrochener Mann, der die letzten Jahre seines Lebens in strengster Zurückgezogenheit verbrachte. Graf Louis Cadorna wurde am 4. Sep­tember 1850 in Pallanza geboren. Er ist also 78 Jahre alt geworden. Er machte rasch Karriere im Generalstab, machte sei­nen Namen als militärischer Schriftsteller bekannt, wurde mit 55 Jahren bereits Kommandant des 4. Armeekorps in Ge­nua; schon lange vor dem Weltkrieg war Cadorna ausersehen, im Kriegsfall den Oberbefehl der ftalienischen Truppen zu übernehmen.

selbst schwere Schußverletzungen beigebracht hatte, ist gegen Mitterna<A gestorben. Leider i't auch der von den beiden Verbrechern durch vier Dauchschüs'e schwerverletzte ®en- darmeriestativnskommandant Krause von Neuenmarkt seinen tödlichen Verletzungen erlegen.

----*----

Nrcsönliche RnckimMte Men- totgi mit Dr. Simons

"Berlin, 21. Dez. (WTB.) Reichs- Präsident v. Hindenburg hat den Reichsgerichtspräsidenten Dr. Siinonsm einem persönlichen Schreiben gebeien, bald­möglichst nach ‘Berlin zu kommen, um Jen zwischen der Reichsregierung und dem Staatsgericbtshof entsiandenen Konflift und zugleich das inzwischen eingegangene Rücktrittsgesuch des Reichsgerichtspräsi- deuten zu besprechen. Der Reichsgerichts- Präsident Dr. Simons hat mitgeteilt, daß er zu diesem Zwecke morgen beim Herrn Reichspräsidenten sich einfindcn wird.

Marschall Ladornat

Der ilaliemsche eentrollWef im Weltkrieg

Washington winkt ob

Di« Stellung Amerikas zur Lugano-Konferenz.

Don Dr. Richard (Brant

So nahe die Orte Lugano und Locarno beieinander liegen, so sehr entfernte sich der politische „Geist von *Socarno“ von dem setzt in Luoano bekundeten. Driand und Chamberlain vereitelten die Lösung weitgreifender Probleme, weil sie Dr. Stresemann gegenüber von vornherein segliche Politik auf längere Sicht aus« schalteten und dadurch eine Taktik für» betten, die aus den letzt bekannt gewor­denen Sachverständigen - Pedingunaen Boincarös hinreichend ersichtlich wurde. Diese vielsagende Tatfache bereitete allen, die das Dirken der deutschen Deleaatiou mit besonderem Optimismus begleiteten eine Enttäuschung. In der Wilhelmstraßi hat man sich allerdings vor Eröffnung bei Lugano - Konferenz kaum freundlichen Illusionen betreffs des zu erwartenden Endereiebnistes hingegeben. „Der Brei von Locorno ist inzwischen sauer geroor< heu", erklärte Llond George sünost iti Manchester. Was aber ein „innrer Brest bedeutet, weiß niemand bester als bei „Businessman" ber Wallstreet.

„Ein faules nolisisches Geschäft" — bas ist bie unverblümt geäußerte Meinung ber offiziellen ffreife Washingtons übet bie Konferenz von Lugcino Man weiß bart zu genau, baß laue Zenhirwinde nicht genügen, um unüherbrüchbare poli­tische Gegensätze von Rationen in eitel fmrmnnie zu verwandeln. Die bürrtidj gehaltene Friedensrede des stellver­tretenden fran^ösifchen Mivisterprösiden- ten Bartou mit ber Tirabes ..Unseren früheren Gegnern faaen mir, daß wir keinen Haß und keine Bitterkeit weht kennen. Wir denken an keine Wieder- veroeltnna. Wir bieten ihnen untere Hand, und wir fvrechen es aus. daß es nur von ihnen gbhänat, den Frieden auf einer unzerstörbaren Grundlaae zu firhern“ bat in Amerika nur ungläubiges Lächeln hernoraerufen. ..T^at’s n hnlky trik of the Frenrti“ l..Das ist ein vlumver Schwindel ber Franzosen"!. Diese Auf­fassung gewinnt brühen immer mehr an Baben, ie öfter unb einbrinaTi<*er ber Barster Sirenengesang an bas Ohr des politisch geschulten Pankees bringt.

Alle Welt weiß heute, wie lehr bas ge­heime Flottenghkommen zwischen Eng. land unb Frankreich bie öffentliche Meinung in ben vereintesten Staaten ver­stimmt unb beunruhigt hat. Allein bie Tatfache, baß bie amerikanstche Reaie- runa sich weigert, die Ratifizierung bes ffellgganaßtes vor Annahme bes neuen Allottenaefetzes auswfimren* besäest schon alles. Und nun „sondiert" die Union in Europa, tastet bie einzelnen Staaten sorg­fältig nach Druch- unb Reihuna«flächen ah, ermäat ihr Für unb Wider bei künf­tigen Möchte-wiivvierunaen Gewiß treibt man in Wofbinafon nur Politik größten imneraliststchen Stils, denkt unb rechnet interkontinental, unb steht sich bennndj infolae des einmal gebildeten eneststch- ftgnzöfifchen Westmachfhlochs geinwn- gen. sich auch um kleinere ..Anesteichs- nnften“ eingehenbet als bisher zu kümmern.

Die beutWe Oeffentlichkeit müßte mit Blinbbeit gef*(gaen fein, wollte sie nicht erkennen, baß umeit in den Bereinsofen Staaten nerfebiebene ni*t unerhebliche Strömungen vorhanden stnb. in Denffch- lanb ein enaereg politisches Berlwlfnis zu aeminnen E-, stnb schon brühen stimmen lai-t aemarheg. bie einen auf weite, melt- nolitifche Sicht aeariinb»ten neuen ffurs ber denstchen Außenpolitik eifrig befür-

Sie iwute Stemm« umfote 16 Seilen.