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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen
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Eingreifen -esBölkerbun-es in Südamerika?
Paraguay erobert 3 Forts zurück — KrirgSlamnel in beiden Bogern — Mr greift ein London gegen eine anftrctbcntliibe Nalklaxnng in Paris
fl. Ssancio«, 18. Dez. Der Kom- granbeur der Streitkräfte des Chaco- vistriktes berichtet, daß die bolivianischen Irappe« mehrere Forts angegriffen haben. Die bolivianischen Iruppe« seien znrückgeschlagen und die Forts bis a «f eins von den Para- pmqaaera wieder besetzt worden.
«ns La Paz wird gemeldet: Der Kommandant der bolivianischen Eren- trnppen ist angewiesen worden, seinen »eiteren Bormarsch and die Angriffe aas die Trappen Paraguays einza st eilen. Diese Information war i» der Antwort an den Bölker- band enthalten, die gestern von La Paz abgesandt warde.
Der Präsident von Paragaay, öuggiari, der die Mobilisierung von zehn Jahrgängen angeordnet hat.
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Nach einer Kabelmeldung aus Newyork hat die Regierung von Chile eine Note tn'-S olioien gerichtet, in der sie die
Einstellung aller militärischen Operationen and sofortige Annahme der Bermittlaagsoorschläge fordert.
Es hätten sich sämtliche amerikanischen Staaten verpflichtet, nichts zu unternehmen, um den Frieden zu gefährden, >nd auch Bolivien mühte diesen Weg Sehen.
Nach Meldungen aus Buenos Aires beabsichtigt auch Argentinien in den Konflikt Bolivien—Paraguay einzu- Greifen.
Kriegsbegeisternng in beiden Lagern.
In La Paz wie in A I uncion ist der kriegerische Geist im Wachsen. Sn La Paz versammelten sich etwa 10 000 Personen vor der amerikanischen Eesandt- Mjaft, wo der amerikanische Gesandte Kaufmann eine Ansprache hielt, in der er betonte, daß er auf eine friedliche Aeilestung des Konfliktes hoffe. In Asuncion fanden am Montag ebenfalls große patriotische Kundgebun- 8_e n statt. Die Berichte über die Vorgänge an der Grenze sind spärlich und dsstereinander stark widersprechend. E rö-
ßere Verbände sind, wie es scheint, an den Kampfhandlungen bisher nicht beteiligt.
Das Kräfteverhältnis
Was die Kräfteverhältnisse zwischen Bolivien und Paraguay anbelangt, so ist zunächst festzustellen, daß Bolivien ungefähr dreimal so groß ist wie Deutschland, Paraguay etwa ebenso groß. Während aber in Deutschland auf den Quadratmeter Boden etwa 140 Einwohner fallen, kommen in Bolivien nur zwei, in Paraguay sogar nur tt/s Bewohner auf den Quadratkilometer. Trotz des großen Gebietes, das die beioen Staaten umfassen, sind es also nur Kleinstaaten, die sich in die Haare geraten sind. Bolivien hat etwa 3 Millionen Einwohner,
Paraguay bloß 850 000. DaS stehende Heer Boliviens setzt sich aus 6 Infanterie- Regimentern, 3 KavallerieRegimentcrn und 2 Artillerie-Regimentern zusammen, das Heer Paraguays umfaßt nur 2 Infanterie-Bataillone. 5 Maschinengewehr-Abteilungen, 3 Kavallerieschwadrone und 2 GebirgSartillerie-Batterien sowie einige armierte Fluhdampfer. Zu diesen Heeren treten im Kriegsfall noch die Reserven. Di« Die militärische Unterlegenheit Paraguays wird etwas wettgemacht durch di« unwegsame Wildnis am Grenzgebiet des Chaco, die größere Operationen nicht erlaubt. Sollte der Krieg also nur auf diese beiden Länder beschränkt bleiben, so hätte man mit größeren Schlachten, ähnlich wie ' sie der Weltkrieg kannte, nicht zu rechnen.
M das das Ergebnis von Lugano?
Sprengung der ML brücken es 5intwi
Das »Echo de Parts" benutzt die Begegnung von Lugano zu einem neuen Ausfall gegen die vorzeitige Rheinlandräumung. Es wendet sich gegen den Plan der Ersetzung der militärischen Besetzung durch die Festftellungs- und BersöbnungskommiMon, die eine illusionistische Garantie eines Systems sei, das nicht einmal mehr den Schein wahrt. Die Kommission würde weniger wirksam sein als die Jnvestigationskommission des Versailler Vertrages. Die interalliierte Milttär- kontrollausschüsie hätten trotz der hinter ihnen stehenden »ilitärischeu Mächte nur eine theoretische Abrüstung Deutschlands erzielt.
Wenn die neue Kommission etwas festzu- stellen habe, so könnten es nur U m - triebe Deutschlands sein, die den Frieden gefährden.
Man sehe nicht ein, wie es möglich sein sollte, versöhnen zu können, ohne sofort gegen die Angreifer Sanktionen zu ergreifen. Damit dieses System wirksam sei, müßte die Kommission berechtigt sein,
unmittelbar zur Zerstörung der Rheinbrücken zn schreiten,
ohne die ein deutscher Einfall unmöglich sei. Man komme indirekt zu der Formel der Besetzung zurück, die allein beim gegenwärtigen Stand der internationalen Politik angebracht sei.
.Dail, Herald" zum Ergebnis von Lugano.
Der arbeitervarteiliche „Daily Herald" faßt seinen Artikel über die Zusammenkunft in Lugano In der Feststellung zusammen, daß
trotz aller Phrasen die Richterfüllung der Deutschland gegebenen versprechnugen and die Verquickung der Räumuugs. mit der Revarationsfrage das Ende von Locarno vor aller Welt Aargelegt habe.
Deutschland sehe sich heute wieder einer geschlossenen englisch-französischen Front gegenüber und werde noch immer als ein halbfeindliches Land betrachtet. Der Geist von Locarno sei dem Geiste von Versailles gewichen.
Eurova sei wieder tu zwei gegenüber- stehende Lager gesvalien.
lleberall sei man dieser Meinung, seitdem Austen Ebamberlain nach seiner Rückkehr aus Lugano das Urteil fällt«, daß er sehr befriedigt sei.
Besprechungen wegen Einberufung einer außerordentlichen Ratstagung.
Der Generalsekretär des Völkerbundes hat sich zur Fühlungnahme mit Vriand wegen des südamerikanischen Konfliktes von Genf nach Paris begeben. Sollten die Besprechungen zu einem positiven Ergebnis führen, so dürfte noch vor Weihnachten eine außerordentliche Ratstagung anberaumt werden.
Der französische Außenminister Br i a n d traf am Montag kurz vor 23V» Uhr mit IVstündiger Verspätung in Paris ein. lieber den etwaigen Zusammentritt des Völkerbundsrates in Patts wegen des Konfliktes zwischen Bolivien und Paraguay befragt, erklärte Briand, er wiße hierüber noch nichts Genaueres, das werde von den Umständen abhängen. Der Außenminister sprach sich sehr befriedigt über die Unterhaltungen von Lugano aus.
Zu dem Vermittelungsversuch im südamerikanischen Konflikt schreibt das ..E ch o d e P a- r i s“, Argentinien habe die beiden Rivalen Bolivien und Paraguay in der Hand. Die Vereinigten Staaten von Nordame
rika andererseits beansoruchten auf Grund der Monroe-Doktrin eine Art moralische Richterrolle für den gesamten amerikanischen Kontinent, so dah eine der Republiken mehr als irgend ein anderer Staat oder eine Staaten- gruvoe dafür qualifiziert sei-, die Feindseligkeiten in Südamerika zum Stillstand zu bringen. Gewiß se> theoretisch auch für eine Intervention des Völkerbundes die Möglichkeit vorhanden. Man dürfe aber nicht vergesien, dah eine derartige Intervention in Washington und in Buenos Aires ein außerordentliches Mißtrauen errege, sobald man sich dabei auch nur etwas vorwage. Ist es denn wirklich vernünftig, fragt das Blatt, nur um der ideologischen Prätentionen des Volksbundes willen uns verhaßt zu machen? Wozu? Briand habe es viel zu eilig gehabt, als er am 11. Dezember den Dölkerbundsrat in diese Angelegenheit hineingehetzt habe. Am besten wäre es, die Sache aufzugeben.
Keine außerordentliche Ratstagung?
Ruch dem diplomatischen Mitarbeiter des .Daily T el e g r a v h" geben die letzten Informationen in mabgebenden Londoner Kreisen dahin, dah die Einberufung einer Sondersitzung des Bölker- bundsrates in Paris sicht in Frage komme.
Sie Sriforang im Befinden König Georgs hält nicht an
ft. London, 18. Dez. Das gestrige Abend-Bulletin besagt: Der König ist nachmittags etwas unruhig gewesen und der neuerdings verzeichnete Fortschritt hat in den letzten Abendstunden nicht angehalten.
Besorgnis in medizinische« Kreisen.
Der Abendbericht vom Montag über den Krankheitszustand des Königs weist darauf hin, dah die festgestellte Verschlimmerung ebensowenig Anlaß zu übertriebener Aengst- lichkeit bietet, wie andererseits die m den vorangegangenen drei letzten Berichten fest- gestellte leichte Besserung irgend welche besonderen Hoffnungen erwecken dürfte. Tatsächlich sei keiner der letzten Berichte m dem Sinne aufzufassen gewesen, als ob ein wirklich anhaltender Fortschritt zu verzeichnen gewesen wäre.
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o. horich bei $rinmr6
Zum Besuch des deutschen Botschafters bei Poincarä, erklärt der offiziöse „E x c e l s i o r", daß sich die Unterhaltung auf die noch strittigen Punkte in der Sachverständigenfrage bezogen hätten. Nachdem sich die deutsche und die französische Regierung darüber geeinigt hätten, die Diskussion ihrer rein juristischen Seite zu entkleiden, seien die Hauptschwierigkeiten überwunden. Es fei zu erwarten, daß die französische Antwort auf die deutsche Note vom 30. Oktober im Laufe des nächsten Ministerrates geprüft werde, in dem Briand über die Ergebnisse der Unterhaltungen zu dreien in Lugano berichten werde. Der Ministerrat sei auf Dienstag vormittag einberufen worden.
Der „Newyorker Herald" spttcht davon, daß die Uebergabeder Note an den deutschen Botschafter bereits a m Dienstag erfolge. Auch der „Petit P a r i s i e n" versichert, daß die Unterhaltung des Botschafters mit dem Ministerpräsidenten die Dinge gefördert habe. Man könne damit rechnen, daß die Antwort der französischen Regierung in Kürze überreicht und daß die offzielle Ernennung der Sachverständigen und di« Einberufung der Konferenz etwa Mitte Januar erfolgen werde.
eimrtSgtrtolShof um» Htfdieregitniog
Leipzig, 17. Dez. (TU.) Zu der Erklärung vom Sonnabend über chrcn Kon- flitt mit dem StaatsgettchtShof wird von unterttchtetcr Seite erflärt: „Ob di« Gründe, die das Reichskab.nett jetzt für seinen sttötzlichen Entschluß vom 14. Dezember geltend macht, wirklich stichhaltig sind, kann dahingestellt bleiben. Dem Slaatsgerichtshof sind sie vorenthalten worden, er hat sie erst durch die Presse erfahren. Sein Beschluß vom 15. Dezember ist in derselben öffentlichen Sitzung ergangen, in der das Publikum von der Behandlung des Staatsgerichtshofes durch die ReichSreg erung erfuhr. Diese war in der Sitzung durch einen Bevollmächtigten des Reichsverkehrsmini st erS vertreten. An ihn muß sie sich halten, wenn sie von dem verkündeten Beschluß erst durch die Presse Kenntnis schielt. Daß der Beschluß seinem ganzen Inhalt nach verkündet wurde, erklärt sich hinreichend aus dem tief bedauerlichen Mangel an Achtung und Vertrauen, dem dcr Schritt der Reichsregierung dem Slaatsg>.rtchtshof gegenüber Ausdruck gab.“