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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburgs

Dis zweite Anterre-uns GtsesemKuu-Beianö

Lbamberlaia bltibi fm Sinicrgrunt — Sie brreits früher rugllagtr gleWfigt Srödtrung des Mimwags- und SccaratfcnsoroblemS wird von Paris «IS großes Lnlgegenkommcn hinMelll

Ein französischer Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Lugano: Während der gestrigen zwei­stündigen Besprechung zwischen B r i a n d und Dr. Stresemann hat der fran- rstsche Außenminister ein wichtiges u ge st ä n d n i s gemacht, das dahin geht, daß

die Verhandlungen wegen der Riiu- mung des Rheinlandes gleich- zeitig mit den Reparationsbespre­chungen geführt werde« sollen.

Das bedeutet, daß, wenn einmal die An- empfungen der Finanzsachverständigen zu der notwendigen Vereinbarung zwi­schen den Regierungen geführt haben, Frankreich nicht darauf bestehen wird, dah die deutsche Schuld fundiert wird, be­vor es sein« Truppen zurückzieht.

Chamberlain hatte es abgelehnt, cm der Unterredung teilzunehmen, Rian glaubt allgemein, dah er wünscht, solange oie möglich i m Hintergrund zu bleiben und nur im Notfälle als Ver­mittler einzugreifen. Tarächlich wurde er nicht herbeigerufen, aber Briand gab ihm »ach der Unterredung mit Dr. Strese- mann eine kurze Schilderung des Vorge- sallenen mit dem Bemerken, dah wei­tere Unterredungen folgen werden.

Die ausführlichen Kommentare der Pariser Morgenblätter über die zweite Unterhaltung Dr. Strejemanns mit Briand bringen übereinstimmend zum Ausdruck, dah die Besprechungen einen sehr günstigen Eindruck gemacht haben. Im „Echo de Paris" schreibt P r r t i n a x , der der gestrigen Unterhal- üing entscheidende Bedeutung beimiht, dah sich die französische These über die Rheinlandräumung merklich gemil­dert habe. Wenn Stresemann ein wenig guten Willen zeige, werde Ende der Woche bekannt gegeben werden, bah die inter­essierten Regierungen in den im Septem­ber begonnenen Verhandlungen einen Cchritt weiter gekommen seien. Offenbar habe stch Briand von dem anwesenden Dr. Stresemann überzeugen lassen, dah die Auserlegung einer Bedingung, deren Er­füllung nicht allein von Deutschland ab­hängt, in der Praxis bedeuten würde, die Befreiung des Rheinlandes zu verwei­gern. Briand, so meint Pertinax, scheine sogar weiter gegangen zu sein. Während er in Paris öfters erklärt habe, dah die eigentlichen Besprechungen nicht vor Be­endigung der Arbeiten des Sachverständi- Sn-Ausschusfes eröffnet werden könnten, eint er am Mittwoch zugegeben zu ha­ben, dah, wenn die Sachverständigen erst einmal zusammen getreten seien, auch die Verhandlungen über die Räumung be­ginnen könnten. So würden die Berhand­lungen über die Reparationen und über die Räumung nicht mehr nacheinander, londern nebeneinander laufen, und

di« Deutsche» könnten ihren Lohn erhalte», sobald das Reparationsab­kommen unterzeichnet sei.

Pertinax hat den Eindruck, dah das Enr- gegenkommen Briands geeignet sei, früher oder später eine allgemeine Verständi­gung zu sichern.

Der „Petit P a ri s i e n" berichtet gleichfalls, dah die Frage der Feststellung->- und Versöhnungskommission und der Ueinlandkommission den Eegenstand der Unterhaltung gebildet habe und schreibt, *s sei offenbar, dah es sich nicht darum handeln könnte, eine endgültige Entschei­dung zu treffen, sondern darum, für die Zukunft gemeinsam die verschiedenen "löglichkeiten des Kompromisses abzu­

wägen. Die Entspannung sei fast wieder zu dem Geist von Locarno zurückgekehrt.

In ähnlichen Ausdrücken bewegt sich auch der Bericht des „Journals, der die Herzlichkeit der Unterhaltungen eben­falls besonders unterstreicht. Durch eine Rückkehr zum Geiste des Vertrauens, der die Abmachungen von Locarno beherrsche, sei ein Entgegenkommen bald zu erreichen.

Zu der zweiten Unterhaltung Dr. Strelemanns mit Briand berich­tet der in Lugano befindliche Sauer- w e i n im „M a t i n", die Septemberbe­schlüsse von Gens seien so bestimmt, dah beide Auhenminister nicht viel nachzu­geben hatten. Sauerwein meint 'zur Frage der Unabhängigkeit der Sachver­ständigen, dah diese in voller Selbständig­keit die Reparattonsfrage lösen würden, aber das Problem bestehe darin, die For­derungen der beiden Regierungen, sowie sie den Sachverständigen selbst mitgeteilt

seien, in Uebereinstimmung zu bringen. (Also doch keine Unabhängigkeit D. Red.) Was die Feststellunas- und Versöhnungs- kommission anbetreffe, so machten die Deutschen bis 1935 keinerlei Einwendun­gen, aber wenn es sich um die Verlänge­rung darüber hinaus handele, erhöben sie ein grohes Geschrei und vergähen, dah

der Vertrag von Versailles dauernde Untersuchungen über ganz Deutschland zulasse.

Die offizielle Eröffnung der Nheinland­verhandlungen werde in dem Augenblick erfolgen, wo die verantwortlichen Mi­nister zusammenkommen, um aus dem Sachoerständigenbericht die prakttschen Folgerungen zu ziehen.

In der H a v a s - Meldung aus Lugano wird zum Ausdruck gebracht, dah Briand bei seiner Rückkehr sehr befriedigt zu sein schien.

Für RSunmng und MW!

RMskamlrr Müller wiederholt dle brutschen Serberuagea

Bei dem Empfang des Vereins der Ver- liner Presse zu Ehrm der Reichsregierung und der EraalSreg>erung hielt Reichskanz. ler Müller her prominenten Staats­männern, Diplomaten. Parlamentariern. Künstlern, Wissenschaftlern und Wirt­schaftsführern eine Reoe, in der er fügte: Bemüh dem Diktat von Versailles haben wir zehn Jahre nach dem Kriege. immer noch fremde Truppen im Land, wir sind immer noch nicht im Besitz der vollen Souveränität. Für die Befriedung Europas hat Dr. Stresemann in den letzten fünf Jahren seine ganze Arbeits­kraft eingesetzt. Es wird Zett, dah diese Arbeit bessere Früchte trägt. Der Reichs- kanzler stellte hierauf eine Reihe außen« politischer Thesen auf, die Demeingut des deutschen Volkes seien und führte hierzu aus:

Die Welt muß wissen, dah, so «neinig das deutsche Volk sonst in seinen politi­schen Auffassungen ist, es einig ist in dem einen Punkt: der Forderung der Räumung der besetzten Gebiete.

Der Ausgangspunkt für diese Forderung ist und bleibt der Rechts standpunkt. Für diejenigen, die, wie ich, den Beittitt zum Völkerbund seit Jahren gefordert hatten, weil sie von der Rotwendigkeit der Völkerbundidee überzeugt wcr.n. war es selbstverständlich, dah Deutschland im Völkerbund als gleichberechtigt an­erkannt wurde.

Mit der Idee der Gleichberechtigung verträgt stch aber die Fortdauer der Be­setzung nicht.

Die Besetzung, die nach dem Versailler Verttag zeitlich begrenzt ist. ist kein Sicherheitspfand. Außerdem ist die Entwaffnung Deutschlands anerkannt worden. Die Besetzung ist auch fein Leistungspfand.

Nach dem Versailler Vertrag wird st« im Jahre 1935 auch für di« dritte Zone enden.

Im übrigen hat der D a w e s p l a n bisher funktioniert. Der RepcrativnSagent be­stätigt das von 'Bericht zu Bericht öffent­lich. Was fehlt, ist die En 0 lösun g. Sie darf nur gefunden werden, nachdem die Leistungsfähigkeit Deutschlands ernstlich und genau nachgeprüst ist.

Die Bevölkerung der besetzten Gebiete will ausharren, wenn das notwendig sein sollte.

Nicht aus Gründen- der inneren Politik, sondern aus denen der äußeren Politik fordern wir die Räumung, weil sie zur Be­friedung Europas einfach notwendig ist.

Die Srenzen im Westen sind durch die Locarnoverträge garantiert. Auch daraus muß als Konsequenz gezogen wer­den. daß endlich RheinundSaarbe- freit werden.

Die Saarbevölkening ist kerndeutsch. Ak- Sohn eines Saarländers bin ich dafür ein lebendiger Zeuge.

Wenn wir die Befreiung dieser Bebiete von der Fremdherrschaft fordern, so nicht zuletzt deshalb, weil damit auch die Zwischenfälle ausgeschaltet werden, die immer wieder dazu beitragen, daß alte Wunden a u f g e r i s s e n werden. Wir wollen in friedlicher Mitarbeit unsere Stellung beziehen im Rate der Völker. Selbstverständlich muß dann auch für die Deutschen das SelbstbestimmungS- r e ch l gelten. Wenn ich von Selbstbestim» mungsrecht rede, denke ich auch an Deutsch-Oesterreich. Wir können uns die Voraussetzungen nicht n hrnen las. sen, die selbst nach dem Vertrag von Ver­sailles für den Anschluß gegeben sind. Mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker steht der Anschluß Oesterreichs an Deutsch­land in keiner Weise im Widerspruch. Wir sind eine Ration, wir tragen gemeinsames Leid und das hat uns gefühlsmäßig nur noch näher gebracht.

Auch in der Anschliißfrage ist da» ganze deutsche Volk einig.

Zur inneren Politik übergehend, führte der Minister aus: Es wird behaup­tet, dah die Reichsregierung gar keine rich- tige Regierung wäre. Diese Behauptung beruht auf einer irrigen Auslegung der Reichsverfassung. Die Reichsverfassung schrecht die Bindung der Parteien nicht vor. Sie federt nur den Rücktritt der Regierung, wenn der Reichstag der Re­gierung das Vertrauen versagt. Bisher sind die Mißtrauensanlräge gegen die Regierung abgelehnt worden. Der Reichskanzler ging dann auf die Schwierig­keiten über, die die Regierung demnächst zu überwinden habe und wobei er in erster Linie an das Defizit im Etat und seine Deckung erinnerte und sagte: Weil diese Aufgabe aus außen» und innenpolitischen

(3ortjegunfl siehe (Seite 2.)

Bolivien kümmert sich nicht um den Völkerbund

fk. Lugano, 13. Dez In einem Tele­gramm des bolivianischen Gesandten in Pari» an den Generalsekretär de» Völkerbundes wird Paraguay als Angreifer bezeichnet und da- raufhingewiesen, dah die bolivianisch« Regierung keine andere Vermittelung an­nehmen könne, da st« bereit» durch die schiedsgerichtliche Vermittelung A r g e n • tinien» gebunden sei.

Bolivien mobilisiert.

ft. Bonbon, 13. Dez. Die letzten aus La Paz vorliegenden Berichte bezeugen, daß der kriegerische Beist in Bolivien anhält, obwohl der bolivianische Delegierte bei der panamerikanischen Konferenz ange­wiesen worden war, sich wieder an den Arbeiten zu beteiligen. Der boliviniscye Beneralstab hat Mittwoch die Za hres- klasse 1929 unter die Fahnen berufen. Das bolivianische National­komitee deS Roten Kreuzes hat alle Vor­bereitungen getroffen. Krankenschwestern werden in den Hospitälern ausgebildet. Die medizinische Hochschule ist aufgefordert worden, den Medizin Studierenden zwangs­weise militärische Ausbildung za geben.

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zollte Punktion des Königs vou Eugtuut

ft London, 13. Dez. Nach dem gestern Abend ausgegebenen Bulletin ist eint am König vorgenommen« Punktion der rechten Brusttite erfolgreich dnrchge- führt worden. Das Befinden des Königs ist befriedigend.

Am Mittwoch kurz nach Mitternacht ch eine halboffiz.öfe Mitteilung vom Bucklng- Ham-Palast ausgegeben worden, die lautet: „Das Befinden des Königs ist weiter­hin zufriedenstellend."

Die Aerzte haben, mit Ausnahme von Stanley Hewett, der, wie gewöhnlich dte Nacht im Palast verbringt, kurz vor 11,30 Uhr das Gebäude verlassen. Zm Hinblick auf die Anstrengungen, die mit der Opera­tion verbunden waren, war es am Mitt­woch abend den Mitgliedern der könig­lichen Familie nicht erlaubt, in das Kranken­zimmer zu kommen. Zn medizinischen Krei­sen wird die Tatsache, daß die Aerzte in der Lage waren, die nicht leichte Operation durchzuführen, als ein günstige S°Z e i - chen angesehen, da auf diesem Wege die Krankheit auf die aktive Weise bekämpft werden könnte.

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Wer 1 Million Arbeitslose

Berlin, 12. Dez. Die Zahl der Haupt- Unterstützungsempfänger in der A r b e i t s - loienoersicherung hat auch in der zweiten Hälfte des November wieder erheb­lich zugenommen, und zwar sowohl absolut als verhältnismäßig noch stärker als in den vorhergehenden 14 Tagen. Während in der Zeit vom 1. bis 15. November die Zahl ter Hauptunteistützungsempfänger um 134000 oder fast genau um ein Fünftel zunahm, stieg ihre Zahl vom 16. bis 30. November von rund 805 000 auf 1030 000, d. i. um 225 000 ober um mehr als ein Viertel. Die Zunahme ist nach wie vor in der Haupt­sache auf die Entlassungen aus den Saison­gewerben zurückzuführen. Auch die Krisen­unterstützung wies im Berichtszeitraum im Vergleich zur bisherigen Entwicklung eine stärkere Zunahme in der Zahl der Haupt- unterstützungsempfänger auf (von rund 99100 auf 108 100, d. i. um 9000 oder 9,1 Pro;.).