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Mittwoch, den 12. M ISA
Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
OlUHy w"-
Der Anhalt ter Reparations-Antwort
Erster Tagungsort Baris - Wirkung und KomumMierung ter kaWuId
Wie die „Time s“ berichten, ist die deutsche Regierung durch den Reparations- ngenten Parker Gilbert von dem Inhalt des französischen Antwortentwurfes auf das deutsche Reparations-Memorandum vom 30. Oktober unterrichtet worden. Die italienische und belgische Regierung haben die Vorschläge Poincaräs grundsätzlich angenommen. Der Antwortentwurf Poincaräs erwähnt, wie die „Times" weiter berichten, in einem Vorwort das Vorhandensein der verschiedenen Denkschriften, die von den alliierten Regierungen entworfen wurden und die die Grundsätze enthalten, welche sie für eine vollständige und endgültige Regelung der deutschen Reparationsverpflichtungen als wesentlich ansehen. Der Entwurf stellt dann fest, daß in Beantwortung dieser Denkschriften, die der deutschen Regierung nur zur Unterrichtung zugeleitet wurden, Deutschland an die Alliierten eine Denkschrift übersandte, in der festgestellt wird, daß es sich durch diese Grundsätze nicht gebunden erachten könne. In der Antwort wird weiter auf die deutsche Denkschrift vom 30. Oktober Punkt für Punkt eingegangen.
\ Der Grundsatz der Unabhängigkeit der Sachverständigen wird ange- • «ommen, mit dem Vorbehalte, daß ihre Empfehlungen die beteiligten Regierungen nicht b i n d en können.
Die Ernennung der alliierten Sach- ! verständigen wird ebenso wie im Falle - des Dawes-Komitees durch die Repara t i o ns k om m i f s i on erfolgen, wäh- i rend die deutsche« Sachverständigen direkt durch die deutsche Regierung er- ! »annt werden.
Die Zahl der Sachverständigen wird auf zwei für jeden Staat begrenzt, um den Ausschuh auf einen möglichst enge« Kreis zu beschränken.
Rach der ersten Zusammenkunft in Paris werden die Sachverständigen selbst über ihren w e i t e r en Tagungsort entscheiden.
Der Aufgabenkreis entspricht der kn der „Times" vom 21. November gegebenen Darstellung, mit dem Unterschied, dah nach Erwähnung der deutschen Schuld an >ie alliierten und assoziierten Mächte für die aus dem Kriege erwachsenen Kosten darauf hingewiesen wird,
bog diese Schuld ihre Quelle in den bestehenden Verträgen und damit zusammenhängende Verpflichtungen habe.
kobald PoincarS die Versicherung besitzt, dah die Antwort, die auf Anweisung Churchills auch den übrigen Alliierten »orgelegt wurde, für Deutschland annehmbar ist, werden die diplomatischen Vertreter der fünf beteiligten Mächte offiziell >ie Antwort an Berlin übergeben, worauf sie Vorverhandlungen zu ihrem Abschluß kommen.
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Der Aufgabenkreis der Sachverständi- sten war in der „Time e“ vom 21. November wie folgt umschrieben worden: i Feststellung der Zahl und Höhe der ^ahreszahlungen, die Deutschland vl Zukunft zu leisten hat, zu vollständiger vud endgültiger Liquidierung seiner schuld an die alliierten und asioziierten Mächte für die Kosten, die sich aus- dem Krieg ergeben.
Bestimmung der Form, in die die 'rutsche Schuld gebracht werden soll, und ber Maßnahmen, durch die eine K a - bitalisierung und Kommerzialisierung der Schuld möglich ist.
v. Sotto bei Poimart
Der „Petit Parlsien" schreibt zu der Unterredung des deutschen Botschafters Herrn v. Hoesch mit Ministerpräsident Poincare, die sich lang hinziehenden Unterhaltungen liehen vermuten, dah die Verhandlungen zwischen Deutschland und den Alliierten über den Zusammenir tt des Sachverständigenausschusses ganz kurz vor dem Abschluß ständen. Einige kleine Einzelheiten würden sicher noch Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen Berlin und oen alliierten Hauptstädten sein, aber die allgemeine Einigung scheine sowohl über die Vollmachten wie über das Programm der Tagung erreicht zu sein. Das Blatt wiederholt dann die schon am Dienstagabend vom „T e m p s" veröffentlichten (Anzeche len der Einigung und schreibt zum Schluß:
Die Einschaltung der Reparations- kommissio« fei die einzig annehmbare Lösung für die Vereinigten Staaten gewesen und habe schließlich über die i« Berlin gegen die Einrichtung der Reparationskommission erhobenen Bedenken gezeigt.
Der neue Ausschuß hab« keineswegs die Aufgabe, den Dawesplan umzuarbeiten. Er werde sich lediglich darauf beschränken, den Erundbetrag der deutschen Schuld festzusetzen und die Kommerzialisierungs-Modalitäten dieser Frage auszuarbeiten.
Wegen des Weihnachlssestes werde der Anschuß wahrscheinlich nicht vor der zweiten Hanuarhälfte zusammen- treten.
AttMsMM 8MN Sssvtt
BsmdMunöe und Verhaftungen in Vumss Aires
fk. VuenosAires, 12. Dez. Die Polizei deckte eine Verschwörung gegen Hoover auf. Nähere Einzelheiten werden nicht bekannt gegeben, um unnötige Beunruhigung zu vermeiden.
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fk. Buenos Aires; 12. Dez. Bis in die gestrigen Abendstunden war die Botschaft der Vereinigten Staaten noch nicht im Besitz von Einzelheiten der von der Polizei aufgedeckten Verschwörung gegen Hoover. Es ist jedoch bekannt, daß die Polizei seit einigen Tagen mehrere als Gegner der Vereinigten Staaten bekannte Personen überwachte, be'onders diejenigen, die bei früheren Demonstrationen hervorgetreien waren. So. be'onders bei den Kundgebungen gegen die Hinrichtung von S a c c o und V a n z e t t i und gegen die Intervention der Vereinigten Staaten in Nicaragua. Seit dem Bombenanschlag auf die hiesige Filiale der National City of Newyork am heiligen Abend des vergangenen Jahres, bei dem zwei Per
sonen getötet wurden, hat die Polizei die amerikanische Dockschaft und den Besitz von Amerikanern sorgfältig zu schützen versucht.
fk. Buenos Aires, 12. Dez. Präsident Jngcyen veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: Geheinie Nachforschungen der Polizei hätten im Hause in der Estombo- straße zur Auffindung von vier Handgranaten, zwei zylinderischen Bomben, einer viereckigen Bombe und ferner einer Menge Dynamit, Revolvern, automatischen Pistolen und Munition geführt. Die Polizei gibt an. sie hätte bei dieser Haussuchung ferner einen ausgcarbeiteten Plan der Eisenbahnlinie gefunden und glaubt, die Verschwörer hätten geplant, unmittelbar vor der Ankunft Hoovers, die am Donnerstag nachmittag zu erwarten ist, Bomben auf den Schienenweg zu legen. Zwei junge Männer wurden verhaktet und ferner angegeben, daß 1500 Mann der Garde ablommandiert werden, um einen besonderen Dienst zur Sicherheit Hoovers auszuüben.
Nit Ratstagung
Lugano, 11. Dez. Zn der heutigen öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates gab lediglich der Bericht des Hygieneausschusses zu einigen erläuternden Bemerkungen der Ratsmitglieder Anlaß. So stellte Reichsaußenminister Dr. Strese- mann unter Zustimmung des Rates fest, daß bei der in der Opiumkonvention von 125 vorgesehenen Erweiterung der unter die Kontrolle fallenden Opiumderivate diese nicht auf solche Präparate ausgedehnt werden kann, die ärztlich als unschädlich anerkant werden. Der Ausschuß für internationale geistige Zusammenarbeit wurde mit der Durchführung der Vorarbeiten für die internationale Vereinheitlichung der Gesetzgebung zum Schutz des geistigen Eigentums beauftragt, und schließlich nahm der Rat einen Bericht des polnischen Ratsmitgliedes betreffend den Bau einer Radiostation in der Nähe Genfs zur Aufrechterhaltung unabhängiger Verbindungen des Völkerbundes in Krisenzeiten an. Die nächste Sitzung findet am Mittwoch vormittag statt.
Erandis bei Stresemann.
Lugano, 11. Dez. Der italieniche Un- terstaatssekretär des Aeußeren E r a n d i besuchte heute abend den Reichsminister des Aeußeren Dr. Stresemann. Die Unterredung, die etwas über ein« Stunde
dauerte, verlief in sehr freundschaftlicher Form.
Der litauische Ministerpräsident Wolde maras ist hier eingetroffen.
Reichsehrenmal und Besatzung.
Berlin, 11. Dez Im Reichsragsausschuh für die besetzten Gebiete fanden von 35 Anträgen die meisten Annahme, u. a. soll von Beratung und Bcschlubiasiung über die Platzwahl eines Reichseherenmals abgesehen wer- den, bis der deutsche Boden von fremdländischer Besatzung restlos befreit ist Bei den Verhandlungen über vorzeitige Räumung des besetzten Gebietes sollen keine weiteren Belastungen des Reiches auf politischem oder finanziellem Gebiet zugestanden weiden, insbesondere ist die französische Forderung auf Einrichtung einer Feststellungs- und Ausgleichskommission als Eingriff in die Souveränität des Reiches abzulehnen.
Vorträge der deutschen Nobelpreisträger in Chemie.
Stockholm, 11. Dez. Die beiden deutschen Nobelpreisträger in Chemie, die Pro- lesioren Wieland und Windaus, hielten heute ihre Vorlesungen in der Technischen Hochschule. Die Vorlesung Wielands behandelte die Konstitution der Gallensäure und die des Krötengiftes, während Windaus über Cholesterin und andere Sterinen und deren Zusammenhang mit den Vitaminen sprach. Die sehr interessanten Ausführungen wurden -mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Bolivien macht mobil
fl Newyork, 12. Dez. Wie aus Lima berichtet wird, ging dort das hartnäckige Gerücht um, daß Bolivien sei« Heer mobilisiert habe. Andere Gerüchte besagen, daß nur ein Teil der Streitkräfte mobilisiert worden sei. Nach einer Erklärung des Gesandten Boliviens in New- york habe die Regierung nur Vorkehrungsmaßnahmen getroffen; die Reserven seien aber nicht mobilisiert worden.
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, Ser Prinz von Walts tun Kranktnlagtr des Königs
fl. London. 12. Dez. Der Prinz von Dales ist gestern abend hier einge.roffen. Er stattete dem König einen kurzen Besuch ab. Seit dem letzten Bulletin ist im Befinden des Königs eine leichte Wendung zur Besserun g eingetreten.
fk. Loudon, 12. Dez. Der Prinz von Wales verbrachte am Dienstag abend noch etwa eine Stunde im Buckingham-Palast, wo er zunächst eine Rücksprache mit einem der Aerzte hatte und im Anschluß daran seinen Vater sah. Amtlich wird zu dem Besuch erklärt, daß der König seinen Sohnsofort erkannte und begrüßt«. 3m Befinden des Königs war um diese Zeit gegenüber der Zeit Der Ausgabe des Abenoberichtes eher eine [ e chteDesse- rung eingetreten, die aber den Ernst der Krise kaum vermindert. Alle vier Aerzte tocr.-n bis zum späten Abend im Palast und Drei von ihnen verließen ihn erst kurz v r Der Ankunft des Prinzen.
Die Blätter begrüßen in Leitartikeln die Ankunft des Prinzen von Wales in London. „Times" betonen, daß der König im besten Falle vorläufig nicht im Stande sein wird, die mit seinefn hohen Amte verbundenen Arbeiten wieder aufzunehmen, und daß deher der Pr.nz berufen ist, in nächsten Zeit eine größere Rolle im öffentlichen Leben Englands zu spielen. Wie berichtet wird, hatte der König von der bevorstehenden Rückkehr des Prinzen keine Kenntnis.
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StkMvertrüye vor dem Reichstag
Berlin, 11. Dez. Auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssitzung steht zunächst das Genfer Protokoll wegen Verbot des Gaskrieges.
Abg. Stöcker (Komm.) bezeichnet das Protokoll als eines der heuchlerischen Dokumente des Völkerbundes. In der ganzen Welt werde fieberhaft für den Gaskrieg gerüstet, auch in Deutschland. Das sei bewiesen worden durch die Aufdeckung der großen Biaukreuzoorräte in Hamburg. In der Schichauwerft würden Hunderttausende von Gasgranaten hergcstelll. Bei diesen Worten stellen die Kommunisten eine große Granate auf den Tisch des Hauses.
Abg. Ritter von Epp (Nat.-Soz.), der dann das Wort nimmt, wird von den Kommunisten mit dem Ruf „Arbeitcrmör- der" empfangen. Er bezweifelt, daß das Genfer Protokoll praktisch zu einer Einschränkung des Gaskrieges führen werde. Wenn tallächlich bei Schichau Granaten her- gestellt werden, dann sei es tief bedauerlich, daß diese Dinge dem Reichstag mitgeteilt werden. Die Nationalsozialisten würden die Bewilligung von 10 Millionen für die Einrichtung eines Gas» und Luftschutzes beantragen.
Die Vorlage wird nach längerer Ge- schäftsordnungsdebatte dem Haushaltsausschuß überwiesen.
Ohne Debatte werden dem Auswärtigen und Handelsausschuß überwiesen das Protokoll zum deutsch-französischen Handelsabkommen, der Handelsvertrag mit der Südafrikanischen Union, die deutsch-französische Vereinbarung über den Warenaustausch zwischen dem Saargebiet und dem deutschen Zollgebiet, die Handelsverträge mit Panama und China. Das Gesetz zur Entlastung des