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Nr.2S2 KZ.Mrg. Marburg a.Lahn

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‘1,1—1 Uhr.

Mittwoch, den 12. M ISA

Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

OlUHy w"-

Der Anhalt ter Reparations-Antwort

Erster Tagungsort Baris - Wirkung und KomumMierung ter kaWuId

Wie die „Time s“ berichten, ist die deutsche Regierung durch den Reparations- ngenten Parker Gilbert von dem In­halt des französischen Antwortentwurfes auf das deutsche Reparations-Memoran­dum vom 30. Oktober unterrichtet worden. Die italienische und belgische Regierung haben die Vorschläge Poincaräs grundsätz­lich angenommen. Der Antwortentwurf Poincaräs erwähnt, wie die „Times" wei­ter berichten, in einem Vorwort das Vor­handensein der verschiedenen Denkschriften, die von den alliierten Regierungen ent­worfen wurden und die die Grundsätze enthalten, welche sie für eine vollständige und endgültige Regelung der deutschen Reparationsverpflichtungen als wesentlich ansehen. Der Entwurf stellt dann fest, daß in Beantwortung dieser Denkschriften, die der deutschen Regierung nur zur Unter­richtung zugeleitet wurden, Deutschland an die Alliierten eine Denkschrift über­sandte, in der festgestellt wird, daß es sich durch diese Grundsätze nicht gebunden er­achten könne. In der Antwort wird wei­ter auf die deutsche Denkschrift vom 30. Oktober Punkt für Punkt eingegangen.

\ Der Grundsatz der Unabhängig­keit der Sachverständigen wird ange- • «ommen, mit dem Vorbehalte, daß ihre Empfehlungen die beteiligten Re­gierungen nicht b i n d en können.

Die Ernennung der alliierten Sach- ! verständigen wird ebenso wie im Falle - des Dawes-Komitees durch die Repa­ra t i o ns k om m i f s i on erfolgen, wäh- i rend die deutsche« Sachverständigen direkt durch die deutsche Regierung er- ! »annt werden.

Die Zahl der Sachverständigen wird auf zwei für jeden Staat begrenzt, um den Ausschuh auf einen möglichst enge« Kreis zu beschränken.

Rach der ersten Zusammenkunft in Paris werden die Sachverständigen selbst über ihren w e i t e r en Ta­gungsort entscheiden.

Der Aufgabenkreis entspricht der kn der „Times" vom 21. November gegebe­nen Darstellung, mit dem Unterschied, dah nach Erwähnung der deutschen Schuld an >ie alliierten und assoziierten Mächte für die aus dem Kriege erwachsenen Kosten darauf hingewiesen wird,

bog diese Schuld ihre Quelle in den bestehenden Verträgen und damit zu­sammenhängende Verpflichtungen habe.

kobald PoincarS die Versicherung besitzt, dah die Antwort, die auf Anweisung Churchills auch den übrigen Alliierten »orgelegt wurde, für Deutschland annehm­bar ist, werden die diplomatischen Vertre­ter der fünf beteiligten Mächte offiziell >ie Antwort an Berlin übergeben, worauf sie Vorverhandlungen zu ihrem Abschluß kommen.

* *

Der Aufgabenkreis der Sachverständi- sten war in der „Time e“ vom 21. No­vember wie folgt umschrieben worden: i Feststellung der Zahl und Höhe der ^ahreszahlungen, die Deutschland vl Zukunft zu leisten hat, zu vollständiger vud endgültiger Liquidierung seiner schuld an die alliierten und asioziierten Mächte für die Kosten, die sich aus- dem Krieg ergeben.

Bestimmung der Form, in die die 'rutsche Schuld gebracht werden soll, und ber Maßnahmen, durch die eine K a - bitalisierung und Kommerzi­alisierung der Schuld möglich ist.

v. Sotto bei Poimart

Der „Petit Parlsien" schreibt zu der Unterredung des deutschen Botschafters Herrn v. Hoesch mit Ministerpräsident Poincare, die sich lang hinziehenden Unter­haltungen liehen vermuten, dah die Ver­handlungen zwischen Deutschland und den Alliierten über den Zusammenir tt des Sachverständigenausschusses ganz kurz vor dem Abschluß ständen. Einige kleine Ein­zelheiten würden sicher noch Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen Ber­lin und oen alliierten Hauptstädten sein, aber die allgemeine Einigung scheine sowohl über die Vollmachten wie über das Programm der Tagung er­reicht zu sein. Das Blatt wiederholt dann die schon am Dienstagabend vom „T e m p s" veröffentlichten (Anzeche len der Einigung und schreibt zum Schluß:

Die Einschaltung der Reparations- kommissio« fei die einzig annehmbare Lösung für die Vereinigten Staaten gewesen und habe schließlich über die i« Berlin gegen die Einrichtung der Reparationskommission erhobenen Bedenken gezeigt.

Der neue Ausschuß hab« keineswegs die Aufgabe, den Dawesplan umzuarbeiten. Er werde sich lediglich darauf beschränken, den Erundbetrag der deutschen Schuld festzusetzen und die Kommerziali­sierungs-Modalitäten dieser Frage auszuarbeiten.

Wegen des Weihnachlssestes werde der Anschuß wahrscheinlich nicht vor der zweiten Hanuarhälfte zusammen- treten.

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BsmdMunöe und Verhaftungen in Vumss Aires

fk. VuenosAires, 12. Dez. Die Po­lizei deckte eine Verschwörung gegen Hoover auf. Nähere Einzelheiten werden nicht bekannt gegeben, um unnötige Beun­ruhigung zu vermeiden.

*

fk. Buenos Aires; 12. Dez. Bis in die gestrigen Abendstunden war die Bot­schaft der Vereinigten Staaten noch nicht im Besitz von Einzelheiten der von der Polizei aufgedeckten Verschwörung gegen Hoover. Es ist jedoch bekannt, daß die Polizei seit eini­gen Tagen mehrere als Gegner der Ver­einigten Staaten bekannte Personen über­wachte, be'onders diejenigen, die bei früheren Demonstrationen hervorgetreien waren. So. be'onders bei den Kundgebungen gegen die Hinrichtung von S a c c o und V a n z e t t i und gegen die Intervention der Vereinigten Staaten in Nicaragua. Seit dem Bom­benanschlag auf die hiesige Filiale der Na­tional City of Newyork am heiligen Abend des vergangenen Jahres, bei dem zwei Per­

sonen getötet wurden, hat die Polizei die amerikanische Dockschaft und den Besitz von Amerikanern sorgfältig zu schützen versucht.

fk. Buenos Aires, 12. Dez. Präsi­dent Jngcyen veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: Geheinie Nachforschungen der Polizei hätten im Hause in der Estombo- straße zur Auffindung von vier Hand­granaten, zwei zylinderischen Bomben, einer viereckigen Bombe und ferner einer Menge Dynamit, Revolvern, automati­schen Pistolen und Munition geführt. Die Polizei gibt an. sie hätte bei dieser Haus­suchung ferner einen ausgcarbeiteten Plan der Eisenbahnlinie gefunden und glaubt, die Verschwörer hätten geplant, un­mittelbar vor der Ankunft Hoovers, die am Donnerstag nachmittag zu erwarten ist, Bomben auf den Schienenweg zu legen. Zwei junge Männer wurden ver­haktet und ferner angegeben, daß 1500 Mann der Garde ablommandiert werden, um einen besonderen Dienst zur Sicherheit Hoovers auszuüben.

Nit Ratstagung

Lugano, 11. Dez. Zn der heutigen öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates gab lediglich der Bericht des Hygieneaus­schusses zu einigen erläuternden Bemer­kungen der Ratsmitglieder Anlaß. So stellte Reichsaußenminister Dr. Strese- mann unter Zustimmung des Rates fest, daß bei der in der Opiumkonvention von 125 vorgesehenen Erweiterung der unter die Kontrolle fallenden Opiumderivate diese nicht auf solche Präparate ausge­dehnt werden kann, die ärztlich als un­schädlich anerkant werden. Der Aus­schuß für internationale geistige Zusam­menarbeit wurde mit der Durchführung der Vorarbeiten für die internationale Vereinheitlichung der Gesetzgebung zum Schutz des geistigen Eigentums beauf­tragt, und schließlich nahm der Rat einen Bericht des polnischen Ratsmitgliedes be­treffend den Bau einer Radiostation in der Nähe Genfs zur Aufrechterhaltung un­abhängiger Verbindungen des Völkerbun­des in Krisenzeiten an. Die nächste Sitzung findet am Mittwoch vormittag statt.

Erandis bei Stresemann.

Lugano, 11. Dez. Der italieniche Un- terstaatssekretär des Aeußeren E r a n d i besuchte heute abend den Reichsminister des Aeußeren Dr. Stresemann. Die Unterredung, die etwas über ein« Stunde

dauerte, verlief in sehr freundschaftlicher Form.

Der litauische Ministerpräsident Wol­de maras ist hier eingetroffen.

Reichsehrenmal und Besatzung.

Berlin, 11. Dez Im Reichsragsausschuh für die besetzten Gebiete fanden von 35 An­trägen die meisten Annahme, u. a. soll von Beratung und Bcschlubiasiung über die Platz­wahl eines Reichseherenmals abgesehen wer- den, bis der deutsche Boden von fremdländi­scher Besatzung restlos befreit ist Bei den Verhandlungen über vorzeitige Räumung des besetzten Gebietes sollen keine weiteren Be­lastungen des Reiches auf politischem oder finanziellem Gebiet zugestanden weiden, ins­besondere ist die französische Forderung auf Einrichtung einer Feststellungs- und Aus­gleichskommission als Eingriff in die Sou­veränität des Reiches abzulehnen.

Vorträge der deutschen Nobelpreisträger in Chemie.

Stockholm, 11. Dez. Die beiden deut­schen Nobelpreisträger in Chemie, die Pro- lesioren Wieland und Windaus, hielten heute ihre Vorlesungen in der Technischen Hoch­schule. Die Vorlesung Wielands behandelte die Konstitution der Gallensäure und die des Krötengiftes, während Windaus über Cho­lesterin und andere Sterinen und deren Zu­sammenhang mit den Vitaminen sprach. Die sehr interessanten Ausführungen wurden -mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

Bolivien macht mobil

fl Newyork, 12. Dez. Wie aus Lima berichtet wird, ging dort das hart­näckige Gerücht um, daß Bolivien sei« Heer mobilisiert habe. Andere Ge­rüchte besagen, daß nur ein Teil der Streit­kräfte mobilisiert worden sei. Nach einer Er­klärung des Gesandten Boliviens in New- york habe die Regierung nur Vorkeh­rungsmaßnahmen getroffen; die Re­serven seien aber nicht mobilisiert worden.

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, Ser Prinz von Walts tun Kranktnlagtr des Königs

fl. London. 12. Dez. Der Prinz von Dales ist gestern abend hier einge.roffen. Er stattete dem König einen kurzen Besuch ab. Seit dem letzten Bulletin ist im Be­finden des Königs eine leichte Wen­dung zur Besserun g eingetreten.

fk. Loudon, 12. Dez. Der Prinz von Wales verbrachte am Dienstag abend noch etwa eine Stunde im Buckingham-Palast, wo er zunächst eine Rücksprache mit einem der Aerzte hatte und im Anschluß daran seinen Vater sah. Amtlich wird zu dem Besuch erklärt, daß der König seinen Sohnsofort erkannte und begrüßt«. 3m Befinden des Königs war um diese Zeit gegenüber der Zeit Der Ausgabe des Abenoberichtes eher eine [ e chteDesse- rung eingetreten, die aber den Ernst der Krise kaum vermindert. Alle vier Aerzte tocr.-n bis zum späten Abend im Palast und Drei von ihnen verließen ihn erst kurz v r Der Ankunft des Prinzen.

Die Blätter begrüßen in Leitartikeln die Ankunft des Prinzen von Wales in Lon­don. „Times" betonen, daß der König im besten Falle vorläufig nicht im Stande sein wird, die mit seinefn hohen Amte ver­bundenen Arbeiten wieder aufzunehmen, und daß deher der Pr.nz berufen ist, in nächsten Zeit eine größere Rolle im öffent­lichen Leben Englands zu spielen. Wie berichtet wird, hatte der König von der bevorstehenden Rückkehr des Prinzen keine Kenntnis.

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StkMvertrüye vor dem Reichstag

Berlin, 11. Dez. Auf der Tagesord­nung der heutigen Reichstagssitzung steht zu­nächst das Genfer Protokoll wegen Verbot des Gaskrieges.

Abg. Stöcker (Komm.) bezeichnet das Protokoll als eines der heuchlerischen Doku­mente des Völkerbundes. In der ganzen Welt werde fieberhaft für den Gaskrieg ge­rüstet, auch in Deutschland. Das sei bewiesen worden durch die Aufdeckung der großen Biaukreuzoorräte in Hamburg. In der Schichauwerft würden Hunderttausende von Gasgranaten hergcstelll. Bei diesen Worten stellen die Kommunisten eine große Granate auf den Tisch des Hauses.

Abg. Ritter von Epp (Nat.-Soz.), der dann das Wort nimmt, wird von den Kommunisten mit dem Ruf „Arbeitcrmör- der" empfangen. Er bezweifelt, daß das Genfer Protokoll praktisch zu einer Ein­schränkung des Gaskrieges führen werde. Wenn tallächlich bei Schichau Granaten her- gestellt werden, dann sei es tief bedauerlich, daß diese Dinge dem Reichstag mitgeteilt werden. Die Nationalsozialisten würden die Bewilligung von 10 Millionen für die Einrichtung eines Gas» und Luft­schutzes beantragen.

Die Vorlage wird nach längerer Ge- schäftsordnungsdebatte dem Haushaltsaus­schuß überwiesen.

Ohne Debatte werden dem Auswärtigen und Handelsausschuß überwiesen das Proto­koll zum deutsch-französischen Handelsabkom­men, der Handelsvertrag mit der Südafri­kanischen Union, die deutsch-französische Ver­einbarung über den Warenaustausch zwischen dem Saargebiet und dem deutschen Zollge­biet, die Handelsverträge mit Panama und China. Das Gesetz zur Entlastung des