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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

40 Mülmrörn in 62 AnnrrÄStr«!

Der englische Vorschlag zur Revision -es Dawes-Abkommens

ff. Paris, 7. Dez. Vor dem Auswärtigen Ausschub der Kammer erklärten Minister- piäsident P o i n c a r e und Minister des Stubern B r i a n d, dab die Regierung gewillt kl, sich für eine vollständige Liquidierung des Revarationsvroblems einzusetzen. Die gegen­wärtig« Phase der Verhandlungen trage einen Lachoerständigen-Charakter.

Es werde Sache der Regierungen sei«, «ach Abschl»h der Sachverftändigen- Arbelt darüber ,« urteilen, ob die Schlub- solgeruugeu der Sachverständige« es er- lanben, dab die politischen Verhand­lungen in eine neue Phase treten.

Poincare sowie Briand gaben der Ueberzeu- Buna Ausdruck, dab die Verhandlungen in einem Geiste eingeleitet würden, der die Hoff- mmg aus einen guten Abschlub erlaube.

In einer Meldung der Agentur H a - vas über die Sitzung des Auswärtigen Ausschusses wird noch berichtet, daß der Vortrag der beiden Minister etwa zwei Stunden dauerte. Ministerpräsident Poin- carä habe genau die Lösungen aus« einandergejetzt, die ins Auge gesagt wer­den könnten und die seitens der Regierung als geeignet erachtet würden, zu denl ge­suchten Ergebnis zu führen. Er habe ge­zeigt, wie die Regelung des Reparations­problems eng verbunden sei mit der Prosperität des Landes und somit mit dem seit 1926 begonnenen Sanierungswerk, dessen Krönung die Regelung des Repa- rarionsproblems sein würde. Die An­gaben Potncaräs, die durch Briand, der mehrmals das Wort ergriff, unterstützt bezw. vervollständigt worden seien, hätten die vollkommene lleberein- st i m m u n g der Ansichten der beiden Minister gezeigt. Lediglich ein Mitglied des Ausschusses, der frühere französische Delegierte in der Reparationskommisston Dubois, soll einige Vorbehalte gemacht haben;

alle andere« Anwesende« dagegen, von den Sozialisten bis z« den Kon­servativen, solle« der von Poincars vorgetragenen Auffassung vollkommen zugestimmt haben.

Nebenher und in Beantwortung von An­fragen sei auch das Problem der Kriegs­schulden berührt worden, dessen Lösung »on dem der Reparationen vollkommen unabhängig sei und dessen außenpolitische, innenpolitische und parlamentarische Schwierigkeiten die Regierung keineswegs verkenne. Es scheine nach dem Meinungs­austausch innerhalb des Ausschusses, daß das Problem der interalliierten Schulden nicht vor Regelung des Reparations­problems in Angriff genommen werden könne und daß keinerlei Verbindung a priori zwischen diesen beiden auf ver­schiedenen Gebieten aufgeworfenen Fra- Sen bestehe.

A m i d u P e u p l e" gibt, dank der I n- diskretion von Mitgliedern des aus­wärtigen Kammerausschusses,

die vo« P o i« c a r 6 entwickelte Auf­fassung der britische« Regierung über die Höhe der deutsche« Repa- ratioaszahluagen wieder.

Dem Blatt zufolge habe PoincarS aus- Seführt, daß bei der Revision des Dawes- Planes die Zahlungsfähigkeit Deutschlands «en schwierigsten Punkt bildet.

Als Gesamtbetrag der wahr­scheinlich mit SL Aanuitäten zu leistende« Zahlung«« scheine« 4 0 Milliarde« Soldmark vor­gesehen zu sei«.

Ei« so beträchtlicher Nachlaß der deutschen Schuld müsse eine A b - Luderung der Schuldenab- kommen mit sich bringe«. Poincarä habe sich, so erklärt das Blatt weiter, formell verpflichtet, «ur einem Abkomme« zuzustimme«, das Frankreich für seine Zahlungen an Amerika gleiche Zahle« von Annuitäten sichert wie in dem ab- geänderten Dawesabkommen. Nach der Sachverstä«digenkonferenz werde eine internationale Konferenz der inter­essierte« Länder folge«. Auf dieser Konferenz würde« dann, vorbehaltlich der Zustimmung der Parlamente, die Beschlüsse gefaßt werden.

Nach» demQ u o t i d i e n hat Poin- cai(5 im auswärtigen Kammerausschuh weiter mitgeteilt, daß die englische Re­gierung in Paris angefragt habe, ob es ihr nicht möglich wäre, die Abkommen Mellon-Bärenger und Kellogg- Tardieu vom Parlament rati­fizieren zu lassen, um Amerika die Möglichkeit zu geben, eine aktivere Rolle bei der allgemeinen Kriegsliquidation zu spielen. Poincarä habe diesen Vor­schlag nicht angenommen. Er sei nicht der Ansicht, daß die Regierung die Ratifikation dieser beiden Abkommen vom Parlament verlangen könne. Die Frage der Kriegsschulden bleibe, für den Augenblick wenigstens, der Aus­sprache fern, die sich in dem Sachverstän- digen-Ausschuß entspinnen werde. Erst bei der Prüfung der mit dem Repara-

Wofür sie öas Gelö brauchen das fnmMcht «nrlnefcubgEf mWiunnmn

fk. Paris, 7. Dez. Die Kammer hat in einer Nachtsitzung das Budget des Ma­rineministeriums, das gestern nachmittag in Angriff genommen war, verabschiedet. Aus den Ausführungen des Berichterstatters für das Marine-Budget ergibt sich, daß

1914 di« Summe von 641 Millionen Franken in das Budget eingestellt war, 1929 dagegen 2529 Millionen.

Don der Zahl 1914 seien 12 8 Millio­nen für Neubauten bestimmt gewesen, 1 9 2 9 dagegen rund 1 Milliarde. Der sozialistische Abgeordnete E o u d e for­derte Einstellung des Baues von 10 000- Tonnen-Kreuzern, die 175 Millionen koste­ten: den Bau von 10 U-Booten zu je 600 Tonnen, da sie außerdem 360 Mann statt 100 erforderlich machten. Weiter sprach sich der Abgeordnete gegen die Kreuzerfahr­ten aus, die für die nationale Verteidigung wertlos seien und unnötig Geld verschlängen. Auf diese und andere ähnliche Angriffe von kommunistischer Seite erklärte Marineminister L e y g u e s, daß die Kredite für die Kriegs­marine mit 26 Prozent gegenüber 1914 zu­rückgegangen seien und der Flottenbestand gegen 1914 um 40 000 Tonnen geringer sei. Dieser Bestand müsse jedoch aufrecht erhalten werden, weil er unentbehrlich sei, u. a. auch für die Sicherung der Ver­bindungswege Frankreichs mit seinen Kolo­nien. Leygues behauptete genau wie Pain- levö, daß kein Widerspruch bestehe zwischen

den Ausgaben für die Kriegsm arine und der von Frankreich in Genf betriebenen Friedenspolitik (??).

Das gefährliche Lied vom guten Kameraden.

L an d a u, 6. Dez. Das franzö­sische Militärgericht verurteilte den Vorsitzenden der Ortsgruppe Ebertsheim der Nationalsozialistischen deutschen Ar­beiterpartei wegenDuldung eines Um­zuges mit militärischem Charakter" zu zehn Tagen Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe (ersatzweise weiter 30 Tage Gefängnis). Die Ortsgruppe hatte im August eine Fahnen­weihe begangen. Aach dem Bericht des Suretö nahmen daran etwa 250 unifor­mierte wohl disziplinierte Truppen einer rechtsstehenden Organisation teil, die u.a. Kriegsauszeichnungen, Ferngläser usw. tru­gen. Del einem Marsch nach dem Fried­hof zur Gefallenenehrung sei ein parade- mäßiger Vorbeimarsch erfolgt unter Kom­mandoAugen rechts!" usw. Auf dem Friedhofs sechst hätten die Hitlerleute krie­gerische Lieder gesungen. Auf die Frage der Verteidigung nach dem Text dieser Lieder wurde bekannt, daßeS sich um das Lied vom guten Kameraden und um das Niederländische Dank» gebet handelte.

tionsproblem zusammenhängenden politi­schen Fragen werde es möglich sein, zu überlegen, ob die Kriegsschulden­frage mit der Revision des Da­wes-Planes verbunden werden könne.

Itotomre entwirft dir Antwort nn SeutMand

Times" melden: Der französische Bot­schafter hatte gestern mit Churchill eine Unterredung im Schatzamt über die Einsetzung des Sachverständigen-Aus- schusies für das Reparationsproblem. Später stattete der französische Botschafter im Foreign Office Chamberlain einen Besuch ab. Wie bereits bekannt, hatte der französische Botschafter dem Schatzkanzler Churchill am vorigen Sonn­abend die Ansicht Poincaräs zu den Anregungen der britischen Regierung be­züglich der an Deutschland zu erteilenden Antwort mitgeteilt. Gestern übergab nunmehr der Botschafter dem Schatzkanz­ler eine Abschrift des Entwurfes der französischen Antwort an Deutschland.

gut Beschleunigung der vorbereitenden erhandlungen hat Churchill angeregt, daß

Poincars ersucht werden solle, die Ansicht der alliierte« Regierung«« bezüglich des Sachverständigen-Aus- schusies zusammenzufasie«, natürlich unter Beachtung gewißer Grund­sätze, die vom britischen Standpunkt aus wesentlich sind. Dies bedeutet aber nicht, daß die Alliierten eine gemeinsame Ant­wort an Deutschland senden werden.

Der Preis für dir Rheinlandräumnng.

Der diplomatische Mitarbeiter dezDaily Telegraph" erklärt, in diplomatischen und juristischen Kreisen werde entschieden die An­sicht vertreten, daß

Deutschland nicht gezwungen »erden kömre, als Preis für eine frühere Rhein- lnndrinmon« gröbere Aevaration»,»hlun- ge» j« leisten als «ntrr normalen Umstünde« dis zum Ablauf der Besetz««« am 16. Januar ISIS »orgeseben war. Im

(Fortsetzung siehe Seite 2.)

Skssrnmo im Stfinien teS eitMüW Königs

Gestern abend um 8.20 Uhr wurde vom Buckingham-Palast das folgende von de« vier Aerzten des Königs unterzeichnete Bul­letin ansgegeben:Das Allgemeinbefinden des Königs ist weiterhin das gleiche wie das im Bulletin von heute vormittag berichtete. Die L o k a l i s i e r u n g der Infektion an der Basis der rechten Brust des Königs ist eher etwas ausgesprochener, was dem Fortschritt der Krankheit während der letzten beiden Tage entspricht." ,

fk. Londo n, 7. Dez. Auf Grund des letzten Krankheitsberichtes und der mit Zustimmung der Leibärzte des Königs in den medizinischen Fachorganen veröffent­lichten näheren Einzelheiten über den Krankheitsverlauf ist man in medizini­schen Kreisen der Auffasiung, daß die körperliche Widerstandskraft allmählich wieder die Oberhand gewinnt. Der weitere Krankheitsverlauf wird als eine Frage der Geduld bezeichnet, dagegen wird bestätigt, daß das Befinden des Königs während der letzten 6 oder 7 Tage außerordentlich kritisch war.

Der Prinz von Wales trifft Freitag nacht in Suez ein, wo er sich im Sonderzug nach Kairo begibt. Von dort aus wird der Prinz entweder mit dem KreuzerEnter­prise" Weiterreisen oder, falls dessen Fahrt durch den Suez-Kanal unerwünschte Ver­zögerung erleiden sollte, an Bord des Kreu­zersF r o b i s h e r" gehen. Der Herzog von G l o u c e st e r ist am Freitag in Kap­stadt .eingetroffen. Er wird abends von dort aus sich nach England einschiffen.

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«ortara erhält keine AMur für ÄiMndMMMmn

Berlin, 6. Dez. Der Preußische Staats­rat setzte am Donnerstag die Beratung deS Haushaltsplanes fort. Aach Feststellung der Haushalte bet Bergwerks», Hütten und Salinenver Wallung, des Mi­nisteriums für Handel und Gewerbe sowie der Porzellanmanufaktur be­richtete Mitglied Dr. Pelzer über den Haus­halt des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und B v l k s b i l du n g. Der Aus- schuß beantragt hierzu die

Streichung der im Haushalt vorgesehenen Professur für Auslandsdeutschtum in

Marburg

mit Rücksicht auf die neu zu errichtende Pro­fessur für Tierzucht am landwirtschaftlichen Institut der Universität Kiel, um Mehraus­gaben zu vermeiden. Ferner ersucht der Aus­schuß in einem Antrag dafür zu sorgen, daß seitens der Behörden des preußischen Staates, der preußischen Kommunen und Kommunalverbände keine über die O b e rsekundareis e hinausgehen» den Anforderungen für die mitt­lere Deamtenlaufbahn gestellt wer­den. 3m übrigen habe der Ausschuß Ein­wendungen gegen den Haushalt nicht zu er­heben. Dieser schließt mit 731 Mill. Mark Ausgaben und 24 Mill. Mark Einnahmen ab, erfordert also einen Gesamtzu schuh von 7 07 Millionen Mark. Es sind Klagen im Ausschuß geführt worden über die zahl­reichen Verleihungen von Shrendoktortiteln: der Berichterstatter spricht den Wunsch aus daß dieser

teilweise Unfug von Ehrenpromotionen aufhört. Bei der Abstimmung wird der An­trag bezüglich der beiden Pro­fessuren gegen die Stimmen del Zentrums angenommen. En tnmige A nasme sand der Ausschuhantrag zum Derechtigungswesen. Der Haushalt wurde im übrigen unverändert festgestellt.

Zum Haushalt der Domänen, For­sten und Gestüte wurde ein Antrag ange­nommen, der eine

,la«Miitzige Förderung der Pferdezucht

verlangt. Beim Haushalt der landwirtschaft­lichen Derwaitung wurden schleunige Erhebun­gen über den Umfang der Sturmschäden an der Aordseeküste beantragt. Andere Anträge verlangen Kindergärten und Kinderhorte in den ländlichen Gemeinden, den Dau von Land­arbeiter-Mietswohnungen und die intensivere Ansetzung von deutschen Arbeitern in den Oft-