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VomltMklg, -en 6. M1928

Die ^VberhesPsch« Bettung- tfr ßctat sechsmal wöchentlich. B«. nig-pret« monatlich 2 GM. anS- schließl. AustellunqSgebühr, durch zttPosi2.25 GM.Für etwa infolge Streik«. Maichtnrndefrkt« »der tinnentarer Srelgnlfl« ausfallende Aunmiern wird kein Srsatz gt* lefßrt. Verlag b. Dr. §. Hitzervth» Druck der Untd.-Vuchdruckerei b. A,h, flog. Aoch, Markt 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. tu £Rt. 56. Postscheckkonto: Amt Frankfurt e. M- Rr. 6015. — Sprechzeit per Redaktion von 10—11 und ‘hl—1 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Rr.rN6r.Mra Marburg a.8aba

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i Soldmark nr ‘/«^Dollar.

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Erst Reparationen-Sann Räumung

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Ein französischer Korrespondent des ^Daily Telegraph" meldet aus Paris: In den letzten Tagen scheinen einige Fortschritte in den Besprechungen der sechs Mächte betreffend die deutsche Note vom 30. Oktober erzielt worden zu jein. Eine endgültige Entscheidung ist «war noch nicht erreicht, aber alle sicht­baren Zeichen deuten darauf hin,

daß in der Frage, ob die Sachver­ständigen mit Ausnahme der deut­schen von der Reparationskommis­sion ernannt werden sollen, die französische Ansicht durch­dringen wird.

Eines der wichtigsten, von französischer Seite vorgebrachten Argumente ist, daß wie bei dem Dawesplan im Jahre 1924 die Reparationskommission die Mitarbeit eines amerikanischen Sachverständigen leichter sichern kann, als irgend eine andere Behörde. Es wird Vorsorge ge- ttoffen werden, daß die deutschen Sach- verständigen, die von Berlin bezeichnet werden, eine völlige Gleichstellung er­halten. Andererseits ist es wahrsthein- tich, daß

die Machtbefugnisse der Sach, verständigen sehr weitgehend sein werden, was Deutschland im Gegensatz zu der einschränkenden Formel vorgeschlagen hat, die von Parker Gilbert entworfen und von der französischen Regierung unter­stützt worden war.

Der Korrespondent sagt: Auf dieser Grundlage scheint eine Verständigung nahe zu sein, und wahrscheinlich werden die fünf beteiligten Mächte schriftliche Antworten nach Berlin senden. Bezüglich der Bedingungen der eventuellen Rhein­landräumung soll Parker Gilbert un­gefähr folgende Formel vorgeschlagen

, „Die Rheinlandräumung wird erfol­gen, sobald die Regelmäßigkeit und Kontinuität der deutschen Reparations­zahlungen einen solchen Stand der Dinge geschaffen haben wird, daß Deutschland es nicht mehr mög­lich fi nden würde, seine Repara­tionszahlungen zu unterbrechen, ohne seinen eigenen Kredit zu schädigen."

Amerika und der Sachverständigen«

Ausschutz.

Die bereits gemeldet, soll der Repa- krttonsagent Parker Gilbert bei sei­ner Unterhaltung mit P o i n c a r 4 dem stanzösischen Minister mitgeteilt haben, "*.e amerikanische Regierung bereite der Mitarbeit zweier amerikanischer Sach- ^rständigen keine Schwierigkeiten. Wie Ner Matin" ergänzend hierzu mitteilt, MM das Washingtoner K a b4 n e t t «eine Verantwortung überneh­men, um nicht gebunden zu sein. Die sachverständigen sollen in privater Eigenschaft und auf Grund ihrer ^enntniffe bei der Lösung dieses großen Problems helfen.

Die amerikanische Regierung soll Nach dem „Matin" selbst vorgeschla­gen haben, daß die Sorge um die Auswahl der Delegation der Repara- tionskommiffion überlasten bleibt, habe den Anschein, daß dadurch die Verhandlungen über die noch von Deutschland beanstandeten Fragen ver­

einfacht würden. Wenn die Reparations- kommiffion die amerikanischen Sachverständigen auswähle, sei es nur natürlich, daß auch die Sachverständigen der anderen Gläubiger Deutschlands ihre Macht von der Reparationskommis­sion erhalten. Diese Beweisführung, so fügt das Blatt hinzu, scheine aus den deutschen Botschafter Eindruck gemacht zu haben (?). Es sei durchaus möglich, daß in den nächsten 2—3 Tagen das Datum für den Zusammentritt des Sachverständigen-Ausschuffes festgesetzt werden könne. Auch über die Aufgaben der Sachverständigen sei man sich einig.

Die Sachverständige« hätte« die Zahl der Annuitäten festzu­

setzen und Vorschläge für eine etwaige Verringerung des Betrages als Gegenleistung für die Aufheb. ung der Transserklausel zu machen.

Zum Schluß erklärt das Blatt, es fei wahrscheinlich, daß die Räumungsfrage bei den Unterhaltungen der Außenmini­ster Deutschlands, Frankreichs und Eng­lands in Lugano angeschnitten werde. Jeder Gedankenaustausch über diese Frage könne aber so lange nur theoreti- schen Wett haben, als die Arbeit der Sachverständigen noch zu keinem Er­gebnis gesuhtt haben.

Mttt Verpflichtung gegen Deutschland" öbomtcrlain tontet »te Erklärung vrm MUMM Artikel«!

Im Unterlaufe richtete der 91rb eiter« parteiler Thurtle an Chamberlain die Anfrage, ob er in Verbindung mit der Frage der weiteren Besetzung des Rhein­landes der von dem verstorbenen Prä­sidenten Wilson, Clemenceau und Lloyd George unterzeichneten Erklärung, die im Juni 1919 zur Interpretation des Artikels 431 des Ver­sailler Vertrags veröffentlicht wurde, Be­achtung geschenkt habe.

Z« dieser Erklärung, so erklärte Thurtle, ist mitgefeilt worden, daß die alliiette« und asiociierten Mächte, wenn Deutschland z« einem früheren Zeitpunkt als nach Ablauf der 15- jährigen Frist Beweise seines gaten Willens und befriedigende Bürgschaften für seine Absicht, alle seine Verpflichtungen zu erfülle«, ge­geben habe, bereU sei« würde«, über eine frühere Beendigung der Be­setzung unter einander zu einem Ab­kommen zu gelangen.

Staatssekretär des Auswärttgen Cham­berlain antwortete: Jawohl. Die frag­liche Erklärung besagte, wenn Deutschland zu einem früheren Datum als dem IC Januar 1935 einen Beweis seines guten Willens und zufriedenstellende Garan­tien oder die Sicherung der Erfüllung seiner Verpflichtungen gegeben habe, bann würden die interessierten alliierten und asiociierten Mächte, nämlich Groß­britannien, Frankreich und die Vereinig­ten Staaten sich bereit finden, unter­einander ein Einvernehmen über eine frühere Beendigung der Besetzungszeit her­beizuführen. Die ehemals alliier­ten Mächte sind auch jetzt von dem Gei ft der Erklärung vom 16. Juni 1919 beseelt, wie die in Genf am 16. September d. I. von den Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, Belgiens, Italiens, Japans und Deutsch­land angenommene Entschließung zeigt, in der die Eröffnung offizieller Verhand­lungen hinsichtlich einer baldigen Räu­mung des Rheinlands gebilligt wird.

Das Mitglied der Arbeiterpartei Thurtle fragte dann:

Kann ich dann der Anffastnng feilt, daß Deutschland nicht not­wendig sämtliche, die Repa- rationen betreffenden Ver­trags ar titel voll und ganz erfüllt haben muß, em eine

Prüfung der Frage der Räumung des Rheinländer zu erreiche«?

Chamberlain verwies den Abge­ordneten lediglich auf feine Antwott vom Montag. Als darauf der Abg. Thurtle fragte, ob nicht ein Widerspruch zwischen der Chamberlains vom Montag und seiner heutigen bestehe, wurde dies von Chamberlain besttttten.

Als Kennie Smith fragte, ob das er­wähnte Dokument der „Großen Drei" nicht eine Interpretation der juristischen Seite der Angelegenheit sei,

antwortete Chamberlain: Nein, ge­wiß nicht. Das Doknment ist eine Er­klärung der Absichten der drei ge­nannten alliierten Regierungen und eine gegenseitige Verpflichtung zwi­schen diesen drei Regierungen. E s i st nicht eine Verpflichtung ge­genüber der deutschen Re­gierung oder gegenüber anderen alliierten Regierungen, obwohl all diese Regierungen zur Zeit im Geiste dieser Erklärung handel«.

Auf die Frage Wedgewoods: „Was immer auch die juristische Interpretation des Artikels 431 fein mag, ist es als end­gültig zu betrachten, daß wir, solange die gegenwärtige Regierung im Amt ist, uns der französischen Auffassung anschließen, diese beiden Fragen, nämlich die Räumung und die Repara­tion, im zwangsläufigen Zusammenhang zu halten und die deutsche Rechtsauf- fasiung zu bestreiten, daß die beiden Fra­gen nicht im Zusammenhang stehen?", er­suchte Chamberlain den Abgord- neten, seine Frage schriftlich einzu­reichen.

6tN EMitorkoin nicht noch Engano?

Wie der Genfer Berichterstatter des »Daily Telegraph" hört, wird Chamberlain an der Ratstagung in Lu­gano nur dann teflnehmen, wenn im Befinden des Königs eine wesentliche Besserung eintritt. 3m Falle eines unbefriedigenden Krank- tzettsoerlaufes werde Chamberlain wahr­scheinlich durch eine andere PersSn- lichkeit ersetzt werden.

Setlchtechtenmg Im Lehnten tos englischen tonlgt <

ft. London, 6. Der. Rach dem gestern abend ««gegebenen Krankheitsbericht hat der König einen ruhigen Tag verbracht. Die Temperatur ist im Vergleich zum Dienstag abend gestiegen, ein Beweis, daß die Wiederverfchlimmerung der Infektion weiterhin aktiv ist. Die Kräfte »erden aufrecht erhalten.

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Fort mit ter IttlegMiiIblfige!

Außenpolitische Interpellationen der Deutsch- nationalen.

Berlin, 5. Dez. Die beutschnatio- nale Reichstagsfraktion hat eine Interpellation eingebracht, in der die Reichs- regierung gefragt wird, ob sie bereit sei, dem Völkerbünde zu erflären, Deutschland werde, falls die Tagung der vorbereitenden Ab- rüstungskommission nicht zu dem vorgesehenen Zeitpuntt stattfindet und nicht zur Einbe­rufung der Abrüstungskonferenz mit dem Programm einer für alle Völker und Mit­glieder gleichmäßigen Regelung wird, seine Mitarbeit in der vorbereitenden Abrüstungskommission ein ft eilen und seinen Anspruch auf Rüstungs- gleichst eit auf anderem Wege »er­folge. Ferner hat die deutschnational» Reichs­tagsfraktion Anträge eingebracht, die Ein- setzung eines nur aus Angehörigen von hn Weltkriege neutral gebliebenen Ländern zu bildenden Schiedsgerichts zur Un> ' tersuchung der Kriegsschuldfrage und der Offenlegung aller Dokumente der am Weltkrieg beteiligten Länder zu fordern, ferner anläßlich der Reparationsverhand­lungen

die ErNSrung abgebe« zu lassen, daß Deutschland da« ihm durch Artikel 231 des Versailler Vertrages aufgezwungeue

Schuldbekenntnis nicht anerkennt.

Weiter wird eine Denkschrift über die beut« scheu Leistungen einschl. der (Bebietsoerlufte, Wegnahmen und Zerstörungen auch durch den Ruhreinbruch verlangt und Schritte zur Aufhebung der noch bestehenden Beschränkung der deutschen Luftfahrt.

Äcin MAtllf In tot Mftungskonlrvlte

Genf, 5. Dez. Der unter dem Vorsitz des Grafen Dernstorff arbeitende Sonderaus­schuß zur Aufstellung eine« KonventionSent« Wurfes über die Kontrolle der pri­vaten und staatlichen RüstungS-» industrien und ihrer Produktion an Kriegsmaterial aller Art ist heute vormittag zu feiner dritten Tagung zusammengetreten. 3n der kurzen Eröffnungssitzung unterstrich Graf Vernstorff unter Hinweis mtf einen Beschluß der letzten VöllerbundsVer­sammlung die Dringlichkeit und Vedeutung der geplanten Konvention für die Ratifizie­rung der Waffenhandelskvnveirtion von 1925.

Er erinnerte ferner an die von der Völler- bundsversammlung gefordert« Gleichheit der Länder mit und ohne Rüstungsindustrien und gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Rat nunmehr durch Vorlegung eines einheitltchen KonventionsterteS in die Lage versetzt weiche, die Konferenz für die Rüstungskontrolle ein­zuberufen. Das allgemeine Schwei­gen der AuSfchußmitglieder auf wiederholte Aufforderung des Vorsitzenden und des VerichterstatterS Guerrero-Salvador nach Eröffnung der all­gemeinen Aussprache spricht nicht dafür, daß die Gegensätze seit September 1928 behoben werden konnten. Die Gegensätze beziehen sich vor allem auf die Offenlegung der staatlichen Produktion an Kriegßmaterral, die von den Vereinigten Staaten verlangt, von England abgelehnt und von Japan, Frankreich und Italien nur teilweise zuge­standen wird. Rach Verzicht auf die General- biskussion wurde ein vertraulich beratendes Lnterkomitee eingesetzt.