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den 5. M1928

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t Goldmark » ‘/^.Dollar.

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.

Rach Chamberlain AriftiSe Brian-

vtlilichlanb hot feinen SethKnnietmh auf Räumung — Set Anschluß SittmW Ift 6tlb|tmetb Sie französische Stelle Itimmt Degeillttl zu — Alles im .Seilte een 8otnrno*

Paris, 4. Dez. Die französische Kam­mer begann die Beratung des Budgets des Außenministers. Abg. Sou- Iler (Gruppe Marin) erläuterte diesen Budgettitel, wobei er die Stellen hervor­hob, die sich gegen den Anschluß ve st erreich» an Deutschland richten. Er forderte die Revision des Be­trages der Schulden Frankreichs sowie Aufrechterhaltung der Beset­zung des Rheinlandes als Zahlungs­und Friedensgarantie. Im Namen der radikalen Partei sprach der frühere Un­terrichtsminister Francois Albert. Er beschwört Briand, der das Westlocarno verwirklicht habe,

jetzt ein Ostlocarno zu schaffen, da Deutschland noch immer Pläne schmiede, sei es hinsichtlich des A n- schlusse» Oesterreichs, der Besei­tigung des Danziger Korridors oder Schlesiens. Briand erklärt, er sei über- Elt. daß man deutscherseits die Rück-

auf den Frieden über alle anderen ägungen stellen werde. Francois Al- bert äußert bann die Befürchtung, daß vielleicht die Politik des Vatikans den Anschluß Oestereichs an Deutschland gün­stig beurteilen könnte, um einen katho­lischen Block In Mitteleuropa zu schaffen. Briand wendet ein: Wie würde der heilige Stuhl das Dekfchwin- den eines Sandes wie Oesterreich mitan­sehen können, das vom katholischen Standpunkt gesehen, eine unvergleichliche mystische Kraft darstellt? Francois Albert erklärt, die Politik des heiligen Stuhles könne zwar widerspruchsvoll er­scheinen, aber sie könne sehr wohl in einem doppelten Spiel bestehen. Nicht nut die katholischen Zseitungen in Deutschland sprächen sich günstig für den Anschluß aus, sondern auch die Prote­stanten.

In der Nachmittagssitzung der Kammer wurde die Beratung über das Budget des Außenministeriums fortgesetzt. Im Na­men der sozialistischen Fraktion nahm der Abg. Bracke das Wort. Er sprach von der großen Rolle, die Frankreich bei der Organisierung des Friedens zu spielen habe und erklärte, Frankreich müsse sich Dafür einsetzen, alle Streitigkeiten zum Verschwinden zu bringen und deshalb seien er und seine politischen Freunde füt die Räumung des Rheinlandes.

Zn dieser Hinsicht müsie er erkläre», daß die Politik des Ministers des Aenßere« ihn vollkommen enttäuscht habe.

Er müsse insbesondere daran erinnern, daß ber französische Außenminister Deutschland vorgeworfen habe, es sei wegen seiner industriellen Macht eine Ge­fahr für den Frieden. Man müsie am Frieden verzweifeln, wenn man ihn nur unter der Bedingung Herstellen zu können glaube, den wirtschaftlichen und industriel­len Aufschwung aller Nationen zu ver­hindern. Als Minister Briand hier einwarf, er habe das niemals gesagt, er­widerte Bracke: Sie haben das alles dem deutschen Reichskanzler Hermann Mül­ler in Genf vorgehalten.

Darauf ergriff

Minister des Aenßeren Briand

Bas Wort. Er suchte zu beweisen, daß er die Tätigkeit der französischen Diploma­tie als eine Tätigkeit für den Frieden, für die Organisation des Friedens, für die Aufrechterhaltung des Friedens bezeich­net habe. Gewisse Pessimisten glaubten Anlaß zur Beunruhigung zu haben und einen Anlaß, über den Mangel an Kraft 3u spotten, den der Friede aufweise. Jedes 2ahr, das vorübergehe und in dem man

den Krieg habe vermeiden können, bringe aber die Hoffnung, daß Europa nie - malswieder einen Krieg erleben werde. Diesem Ziel müsse man alle An­strengungen widmen. Wenn man die letz-' ten Jahre überblicke, so müsse man fest­stellen. daß nach dem schrecklichen Krieg und ben Friedensbedingungen, die so manches Mißvergnügen hervorgerusen hätten, es trotzdem möglich gewesen sei, den Frieden aufrecht zu erhalten; aber ein solider Friede könne nur auf soliden Grundlagen aufgebaut werden. Bracke hat eine tendenziöse Kritik an meiner Rede in Gens geübt. Eine gewisie Pro­paganda hatte die Deutschen dahin ge- bracht, anzunehmen, es wäre möglich, schon jetzt Dinge zu erzielen, die eben noch nicht erzielt werden können.

Meine Rede hat einen Entrüstungs­turm in Deutschland hervorgerufen; aber chon einen Tag, nachdem ich sie gehalten )atte, ist die Kaltblütigkeit wieder zur Geltung gekommen. Verhandlungen sind eingeleitet worden, und ich habe mit Reichskanzler Müller Auge in Auge ge» sprachen. Ich hatte nicht den Eindruck, daß der Reichskanzler jede Hoffnung ver­loren hatte, und es schien mir auch nicht, daß er außerordentlich verzweifelt ge­wesen ist.

Ich hoffe, daß Herr Bracke nicht roya­listischer ist als der König, und ich bleibe immer noch davon überzeugt, daß es uns möglich fein wird, allseits zu einer allge­meinen Siquibierung des Krieges zu ge­langen. Im übrigen darf man meiner Genfer Rede nicht den Sinn geben, den

Was hat Chamberlain gefast?

___Sie tritt Snttiiüirg, tn6 auch 1935 das btfthft Stritt nicht Bträumt zu rocebcn braucht

Die Erklärung des englischen Außen­ministers in der Unterhaussitzung, daß Deutschland keine juristischen Unterlagen habe, auf Grund der Erfüllung ■ seiner Verpflichtungen die vorzeitige Räumung des Nheinlandes zu verlangen, hat in Berliner maßgebenden politischen Kreisen umso stärkeres Befremden hervorgerusen, als kein Zweifel darüber bestehen kann, daß es sich hier um keine spontane Aeuße- rung Chamberlains, sondern um die wohl­überlegte Antwort in einem wohlüber­legten Frage- und Antwortspiel handelt, d h. Chamberlain hatte sich die Unter­hausanfrage vorher selbst bestellt, um sie seinen Abllchten entsprechend erwidern zu können. An den zuständigen Berliner Stellen sagt man sich mit Recht, daß diese Absichten keine für Deutschland günstigen sein können und gibt sich infolgedesien auch keiner Täulchung hin, daß die politische Situation des englischen Außenministers eine wesentliche Verschlechterung erfahren hat.

*

Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Es ist vielleicht angebracht, gewisie Mißverständ­nisse und gewisie falsche Schlußfolgerungen zu berichtigen, die im Anschluß an Cham­berlains Unterhauserklärungen über die

juristische Seite der Rheinlandräumung entstanden find.

Der Staatssekretär Hai zweiseNos er* klärt, daß Deutschland kein Recht auf das Zugeständnis einer völligen Räumung des Rheinlandes vor Ab­lauf der Vertragsfrist haben werde, ohne vorher seinen Reparationsver- pflichtungen völlig «achgekomme« za sei«.

Es wird aber nicht angedeutet, daß die Räumung am 10. Januar 1935 aus dem gleichen Grunde a u f ge­schoben werden könnte. Der Teil der Berliner Kritik, der sich auf diese letzte Annahme gründet, ist sicher unberechtigt. Der Korrespondent führt weiter aus, daß Chamberlains Ansicht von einigen der höchsten juristischen Autoritäten in Eng­land nicht geteilt werde. Die juristische Seite der Frage sei mehr als einmal unter den Alliierten erörtert worden, so bei der Dawes-Konferenz, bei der Erörterung über die Räumung der Kölner Zone und seither noch des öfteren. Seine (des Korre­spondenten) ausführliche Erörterung die­ser Frage, die am 12. August 1924 im „Daily Telegraph" veröffentlicht wurde, habe sich auf eine hervorragende juristische Autorität gegründet.

»

sie nie gehabt hat. Ich habe nur geant­wortet, weil der Reichskanzler mit viel Mäßigung nicht weniger gesagt hat, als daß ich. Briand, eine doppelseitige Politik treibe. Die gesamte deutsche Presse sagte am anderen Tage: Nun bat Frankreich endlich die Worte gehört, bie man sagen mußte.

Da ich Frankreich vertrete, so habe ich das Bedürfnis empfunden, den Vertretern aller Nationen zu erklären, daß Frank­reich ebenso sehr wie jedes andere Land den Frieden wolle, daß es Anhänger der Entwaffnung fei,

aber wenn, so fährt Briand fort, zwei

große Länder wie Frankreich und Deutschland, die Cadres eines Heeres besitzen, eine mächtige Industrie, Millionen von Menschen, die einen großen Krieg durchgemacht haben, ift es ihnen immer möglich, Krieg zu führen.

Nach dieser Rede und dieser offenen Aussprache waren alle Mißverstänbnisse beseitigt und die Verhandlungen, die Sie kennen, konnten eingeleitet werden.

Briand sprach alsdann von der

Locarnopolitik.

In Deutschland habe man erklärt, sie habe bankerott gemacht, während sie tat­sächlich einen Erfolg erzielt habe. Man habe den Pakt von Locarno etwa so bat» gestellt, wie den Hut eines Zaube­rers, aus dem man alle möglichen Ge­genstände hervorholen könne. Er habe volle Hoffnung zu dem Pakt von Locarno, den Frankreich gewissenhaft respektiert habe. Keinerlei Bedingung sei vor dem Abschluß gestellt worden, und

als Reichskanzler Dr. Luther ihm im Laufe der Verhandlungen habe ein Memorandum über die deutschen Wünsche unterbreiten wollen, habe' er es nicht in Empfang genommen, (Fortsetzung sieh« Seit« 2.}

Mthlethltruno Im Stfinhra des kngMrn RöulgS

ft. London, 5. Dez. Sestern abend &30 Uhr ward« folgender Krankheitsbericht über de« König ausgegrben: Die im Nachmittage bericht vermerkte Temperaturerhöhung hält an. Der König kühlt sich infolgedesien we­niger gut. 3m übrigen ift das Befinde» unverändert.

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Wie Ne RkvorntionS- heiwedmnfltn vnMtvvl werben ft London, 5.- Dez. Der Gedanken­austausch zwischen den alliierten Regie­rungen in der Frage des Sachverstin» digen-Ausschusies erstreckt sich gegenwärttg auf zwei Fragen.

1. Die Form, in der Deutschland als Nicht­mitglied der Reparationskommission mit dieser zwecks gemeinsamer Einladung der amerikanischen Sachverständigen verbunden werden könne.

2. Die Gleichstellung der Deutschen mit de« alliierten und amerikanischen Sachver­ständigen, ohne daß sie wie die letzteren gleichfalls durch die Reparations- kommission ernannt werden.

Diese Fragen bereiten, wie der dtp- komatifche Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, noch große Schwierigkeiten, da sie mit der grundsätzlichen Frage verbunden sei, in­wieweit die Reparationskommission die Grenze des neuen Ausschusses bestimmen könne. Großbritannien trete für eine u m« fassende Untersuchung ein, Poin- car£ für eine klar begrenzte Aufgabe. Der Schwerpunkt der Verhandlungen liege noch immer in Paris.

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Das Ende eines Abrüstung-.

Vorschlages

Baldwins Antwort an Britten vor dem Flottenausschuß.

ff. London, 5. Dez. Die Antwort Baldwins an den Vorsitzenden des Flot- tenausschusies des amerikanischen Reprä­sentantenhauses, Britten, ist nach Meldun­gen aus Washington im Flottenausschuß verlesen worden. Der Ausschuß versagte jedoch sein Zustimmung, wodurch Brit - tens Vorstoß formell erledigt ist, obwohl sachlich sehr viele, wenn nicht die Mehrheit der Ausschuß-Mitglieder Brittens Anregung auf baldige Einbe­rufung einer englisch-amerikanischen Flot­tenkonferenz zustimmen.

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Nor cmringS Schiedsspruch

Duisburg, 4. Dez. Zum Besuch des Reichsministers des Inner« in Duisburg er­fahren wir noch, dah dieser Besuch der Zen- ttale des Christlichen Metallarbeiterverban­des galt, mit befien Führern sich bet Minister besprach, nachbem et vorher mit ben Führern bes Deutschen Metallarbeiterverbanbes in Essen in gleiche Fühlung getreten war. Der Minister bofft, bei biejen Besprechungen ein Bild von den Anschauungen oeiber Parteien zu gewinnen, was ihm einen Schiedsspruch ermöglichen würbe. Es ist unwahrscheinlich, daß ber Minister in bleset Woche ben Spruch fällen wirb, ba bas zu beaibeitenbe Gebiet zu umfangreich ist. Auch will ber Minister einen Spruch fällen, der beiden Parteien gerecht wird. Wenn aus diesen Besprechungen sich noch kein klares Bild ergeben sollte, wird der Minister vielleicht die beiden Parteien erneut zusammenberufen. Von Duisburg fährt der Minister nach Düsseldorf, wo er eine Bespre­chung mit Kommerzienrat Poensgen haben tDtrö._ Wie wir weiter erfahren, liegt eine Revision des Arbeitgeberverbandes gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Duisburg bis jetzt noch nicht vor. Di« Frist läuft am 13. Dezember ab.