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Milas, Mn 30. S60.1928

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MechMsch

MarMerr rasesanzeiett

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Anzeiger für (das frühere kurhesfischs) OSerhefsen

Anzeiger der amtlichen Bekannimachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Frankreichs militärische $egewme

Engsmd im edWmi der tollt« toirtarOl - Sdiar‘6 «rillt der eilgliwen Presse

Der Pariser Korrespondent des „Dai­ly Expreß" sendet seinem einem Blatte «in Telegramm das in den Worten gipfelt:

Die Debatte über das französische Kriegs-Budget zeigt die Zweck­losigkeit des Bölkerbundes »nd beweist, datz die französische Regierung den Kellogpakt mit vielen geistigen Vorbehal­te« unterzeichnet hat.

Der Korrespondent betont, daß diese wichtige Debatte keine Kommentare in den französischen Blätter« gezeitigt habe, datz jedoch Anzeichen aus deutschen Blät­tern zeigten, datz Deutschland verzweifelt sei und spricht die Ansicht aus, daß die Zusammenkunft zwischen Dr. Etresemann, Ehamberlein und B r i a n d in L u g am o am Id. Dezem­ber „stürmis ch" sein werde.

In einem „Im Schlepptau Frankreichs" überschriebenen Leitartikel bemerkt „Dai­ly Expreß" zu dem Telegramm ihres Pariser Korrespondenten: Es ist eine unanfechtbare Tatsache, daß Frankreich die Absicht hat, die durch den -Krieg ver­liehene militärische Hegemonie in Europa aufrecht zu erhalten und zu vermehren.

Fraukreich steht heute aus dem Kon­tinent mit dem wirksamsten und best gerüsteten Heer, das je in der Welt bestanden hat.

Großbritannien muß es ablehnen, sich ins Schlepptau einer Macht nehmen zu lasten, deren europäische Politik mit der Auf­rechterhaltung einer bewaffneten Vor­herrschaft beginnt und endet. Die Weige­rung Frankreichs, das besetzte Gebiet zu verlasten, die Festungen, die es gegen Deutschland entwirft, find systematische Aufstellungen von Rüstungen, wie auch seine immer wieder gestellte Forderung, daß die Reservisten nicht in irgend eine Schätzung seiner militärischen Stärke ein­gezogen werden.

Alles dieses sind Standpunkte, die es im Vertranen auf die Unter- stütznngEnglands eingenommen hat.

Die Politik, so schließt das Blatt, die in Paris unter PgincarS durchgeführt wird, ist eine Verspottung dessen, was Europa von Locarno erhalten hat und nichts anderes als die vollkommene Vernichtung der Träume, die den Völ - ** 16 u n b erfüllt haben.

Die Kammer setzte gestern vormittag die Beratung des HeeresbudgetS fort.

Der Abgeordnete F l a n Ü i n (republika­nisch-demokratische Linke) führte aus, das siegreiche Frankreich habe paradoxer Weise «in« offene Srenz«^gegenüber einem Deutschland, von dem man nicht wisse, ob es von dem souveränen Volk oder von der Militärkaste geleitet werde.

Alle diejenige«, die Deutschland be­sucht hätte«, legte« davon Zeugnis ab, datz dieses Saud sich militärisch organisiere und datz das Rheinland von strategisch wichtigen Linien darch- zoge« sei.

Deshalb sei die öffentliche Meinung in Frankreich so beunruhigt darüber, daß die Ostgrenze Frankreichs offen sei. Gewiß seien in diesem Jahre Kredite v/rzesehen, aber sie seien so niedrig, daß man bei Bei­behaltung des gegenwärtigen Tempos der Arbeiten 25 bi« 30 Jahre krauchen werde. Um die Ostprovinzen Frankreichs zu sichern. Jenseits des Rheines zeige sich bereits eine

Kampagne, die Frankreich die gebietcr.sche Pflicht auferlege, diese Arbeiten zu be­schleunigen.

Der sozialisffsch« Abgeordnete Renan- d e l erklärt, das Kr egsbudget erscheine in diesem Jahre ungeheuerlich. Man habe von ungeheueren Grenzbefestigungen ge­sprochen, die auf 6—8 Milliarden Francs zu stehen kommen würden. Allerdings habe man diesen Voranschlag bereits herab­gesetzt. ES gebe aber in den französischen Militärgesetzen Bestimmungen über die Disponibilität der Heeresmafsen, die dem bisherigen ftanzösischen Delegierten beim Völkerbund Paul Boncrmr Schwierigkei­ten bereitet hätten.

Kricgsminister Painlevö wendet ein, er habe die betreffenden Stellen Über die verfügbaren Truppen in Eemeiaschast mit Paul- Boncour abgefatzt.

worauf Renaudel erklärte, Paul Boncour habe ihm gestern noch in Anwesenheit des Abgeordneten Oberst Fakry von diesen

Laut „Times- ist es jetzt so gut wie sicher, datz die nächste Sitzung des Bölkerbundsrates in Lugano statt­finden wird.

Die Zustimmung einiger Mitglieder des Rates muß noch eingeholt werden, aber unter den bisher befragten Mitgliedern wurde kein Einwand erhoben und es wird erwartet, daß die anderen gern zustimmen werden.

„Times" zufolge wird die Ansicht ver­treten, daß die Wichtigkeit der Abhaltung einer Zusammenkunft von so durchaus repräsentativen Charakter die Extrakosten — etwas über 1000 Pfund — rechtfertigt. Das Interesse an der Zusammenkunft von Lugano werde wie bei früheren Tagun­gen sich hauptsächlich auf die Besprechun­gen zwischen Stresemann, Cham­berlain und B r i a n d konzentrieren, um so mehr, als Chamberlain und Strese­mann seit mehr als 6 Monaten nicht zu­sammen gekommen find. Es werde er­wartet, daß die Verhandlungen fortgesetzt werden, die im September in Genf durch Lord Chushendun, Vriand und Muller zusammen mit den Vertretern Belgiens, Italiens und Japans einge­leitet worden find, sowohl mit Bezug auf die Reparationen wie auf die Räumung des Rheinlandes.

«m to SttfmiW tolMIfc

3m Reichstag wurde am Donnerslag um Sein oder Nichtsein der Technischen N o t h i l f e gekämpft. 2fu' dem Kongreh der freien Gewerkschaften ii Hamburg hatte der Reichkinnenminifter Severing angekündigt, daß er die Technische Nothilfe aufheben und die bisher dafür verwandten Mittel für Dil- dungszwecke verwenden wolle. Diese Rede hatte die Deutschnationalen zu einer 3nter- pelation veranlaßt, in der das Vorgehen des Ministers als ein Eingriff in die Rechte des Reichstags verurteilt wird. 3n einem be­sonderen Antrag fordern dieDe"ffchnationalen die Weiterbewilligung der Mfttel für die Technische Aothilfe in der bisherigen Höhe. Diese Interpellation und dieser Antrag stan­den auf der Tagesordnung der Donners'ag- sitzung zusammen mit einem kommunistischen Antrag, der die Auslösung der T. N. ver­langt. — Nach einer Rede des deutsch-

Schwierigkeiten gesprochen, was der Ab­geordnete Fabry auch bestätigt. — ®<t so­zialistische Abgeordnete Renaudel schließt: Die Sozialisten hätten sich nie an der Ver­teidigung des Landes desinteressiert.

Wenn die Sozialisten zur Regierung kämen, würden sie nicht die Verteidi­gung des Landes aufgeben, sondern sie würden sich ihrem System des Vol­kes in Waffen und den Bestimmungen des Völkerbundes anpaffe«.

Renaudel stellt daher den Antrag, das HeereSbudget an den Finanzausschuß zu­rückzuweisen, damit dieser es auf di« Ziffern von 1926 ermäßige.

Der radikale Parteivorsitzende Daladier fordert seine politischen Freunde auf, sich dem sozialistischen Antrag auf Aussetzung der Sitzung anzuschliehen. Bei der Ab­stimmung wird der Antrag auf Aussetzung mit 385 gegen 195 Stimmen abgelehnt. Darauf z i e h t der Abgeordnete Renau­del seinen Antrag auf Zurückvcr oeisung des Budgets an die Ausschüsse zurück.

Zu den Reparationsverhandlungen be­merken „Times": Es verlautet, daß der britische Antwortentwurs die uneinge­schränkte Zustimmung zu dem deutschen Vorschlag ausgedrückt hat, daß amerikani­sche Sachverständige im Reparationsaus­schuß vertreten sein sollen, und es sei, um die Gleichberechtigung Deutschlands in den Verhandlungen zum Ausdruck zu bringen, angeregt werden, daß die Einladung an Washington durch den deutschen Botschaf­ter, unterstützt von seinen interalliierten Kollegen, erfolgen soll. Der Zahl der- Sachverständigen jedes Landes soll zwei betragen und der Ausschuß soll in Paris Berlin zusammen kommen. Bei der Mitteilung des brittschen Antwortent­wurfes sei zutage getreten, daß

die französische Regierung darauf be­stehe, datz die Einladungen an die Sachverständigen durch die Repa- rationskommisfion ergehen.

Don Poincarö werde eine schriftliche Ant­wort über diefen Punkt erwartet. Des­gleichen sei zutage getreten, daß

die deutsche Regierung dem Vorschlag, die Initiative in Washington z« er­greifen, abgeneigt sei.

Die britische Regierung beabsichtige nicht, sich auf solche rein technische Fragen zu versteifen.

nationalen Abgeordneten Derdt beantwor­tete Reich: Innenminister Sedering die Interpellation. Er wies den Vorwurf, daß er mit seiner Rede in die Rechte des Reichs­tags ein gegriffen habe, zurück. Er halte eine Technische Nothilfe bei Arbeitskämpfen durch­aus für nvtwen 0 tg , aber die jetzige Dondereinrichtung sei für diesen Zweck wenig geeignet. In der Aussprache erklärten sich nur die Redner der Kommunisten, der Sozialdemokraten und der Rationalsoziaftsten für die Aufhebung der T. N. Alle übrigen Partei vertret er waren für Ne Aufrecht er- haltung dieser Einrichtung. Der Abstimmung gjng eine erregte Gelchästsordnungsdebalte voraus, weil die Deutschnaftonalen und die Flügelparteien rechts und links die forforttge Entscheidung verlangten, während die in der Regierung vertretenen Parteien Ausschuß­überweisung beantragten und schließlich auch durchsetzten.

------------- MH|| | IIIH I Illi Illi IHM--- Die Höchste Ratstagung in Lugano Mnnmnkunft BWtmaiM §r!ands und Lhanrdtt!aLlls

D:e KMlioriSvrWMllngm verMdm

Serlin, 29. Roo. Wie in parlamen- torischen Kreisen verlautet, sind die für Freitag vorgesehenen Besprechungen über die Bildung der Großen Koali. tion vorläufig vertagt worden, da die Reichsregierung und die Parteien in der Hauptsache für die in den nächsten Tagen zu erwartenden Derhandlungen hinsichtlich des Eisenkonslidts voll in Al» spruch genommen sind.

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Elnhung oder No!gem

Die Bermsttlungsaktion der Reichs- regierung im Ruhrkonflikt.

In unterrichteten Kreisen wird der Ver­such des Regierungspräsidenten Berge- mann, eine Einigung zwischen den streitenden Parteien in der Metallindu­strie herbeizuführen, tatsächlich als ge­scheitert betrachtet. Da die juristische Entscheidung naturgemäß noch einige Zeit auf sich warten lassen wird, hat das Reichsarbeitsministerium nun Erwägun­gen darüber angestellt, wie von Reichs wegen eingegriffen werden kann, um den Arbeitskampf zu beenden, ehe sich be­drohliche Folgen einstellen. Dabet ist tn Aussicht genommen worden, eine beson­ders geeignete Persönlichkeit damit zu be­auftragen, den Parteien ein Gutachten vorzulegen, dem sich beide aus Billigkeits­gründen fügen. In diesem Zusammen­hang wird her Name des Reichsgerichts- prästdenten Dr. Simon genannt, ebenso ist von dem früheren Reichsarbeitsmini, ster Dr. Brauns die Rede. Don unter- richteter Seite wird jedoch betont, datz diese beiden Herren nicht in Frage kom- men. Das Reichsarbeitsministerium wird alles tun, um seine Aktion zu beschleuni. gen, und es ist deshalb anzunehmen, datz auch der Name des Trägers dieser Aktion noch im Lause des heutigen Tages be­kannt wird.

Im Reichstag bildete gestern abend die Frage der Beilegung des Arbeitskampses im Ruhrgebiet das Hauptgesprächsthema. Wie verlautet, liegt der Schwerpunkt der weiteren Entwicklung jetzt zunächst in Düsseldorf, wo die Arbeitgeber heute über die Anfrage beraten, ob sie sich mit einer Lösung einverstanden erklären können, wie sie die Reichsregierung in Aussicht genommen hat. Dieser Anfrage dürften in großen Zügen bereits auch schliche Unterlagen für den Versuch einer Einigung beigegeben fein. Don der Ant­wort hängt es dann ab, ob die in Aus-

*t genommene Persönlichkeit den Ver­such ^er Beilegung des Konfliktes durch­führen wird. Man spricht auch davon, daß vielleicht noch Vorverhandlungen in Berlin der Hauptoerhandlung im Ruhr­gebiet vorausaeben können. Sollte die Antwort aus Düsieldorf zustimmend aus­fallen, so spricht die Wahrscheinlichkeit für die Annahme, daß die Einigungsverhand- lungen im Ruhrgebiet dann sofort em- setzen.

Dem „L o k a l a n z e i g e r" zufolge sollen an den Besprechungen auch der Reichswirtschaftsminister und der Reichs­arbeitsminister teilnehmen. Ergibt sich die Grundlage für eine Einigung, so würde im Anschluß daran, also entweder noch am Freitag abend oder am Sonn­abend vormittag, die Verhandlung zwi­schen den Parteien unter Leitung des Reichsinnenministers stattfinden können. Sollte es gelingen, in diesen Berliner Be­sprechungen zu einer Einigung zu gelan- gen, so würden ohne weiteren Verzug, also voraussichtlich schon am Montag, die stillgelegten Betriebe der Eisenindu­strie wieder geöffnet werden können. Wenn aber diese Vermittlungsversuche scheitern, so ist nicht in Aussicht genom­men. eine andere Persönlichkeit anstelle