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^Vberhesflsche Zeitung" er- scheint sechsmal wöchentlich. Le» zug«pret« monatlich 2 GM. au«, schließt. Zuste!Iung«gebübr, durch dtePvst2.25 GM.siür etwa infolge Streik«, Maschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersa» geleistet. Verlag v. Dr. § Ktheroth. Druck der Unid.-Buchdruckerei 6. Zob. Aug. Koch. Mark« 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. W. Nr. 5015. — Sprechzeit bet Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die gewaltige Macht MimarLs
Parteien und Bolt Atzen hinter dem Netter des Franken —
Am Mittwoch und Donnerstag sprachen im Elysee insgesamt 36 offiziell geladene Persönlichkeiten, Senatoren und Abgeordnete, die Vorsitzenden der meisten Parteigruppen und Kommissionen, frühere Minister und schließlich der Eeneralgouverneur der Bank von Frankreich und ein Abgeordneter des nationalen Frontkämpferbundes vor, mit dem sich Staatspräsident Doumergue über die Krise und ihre Lösungsmöglichkeit unterhielt. Aus allen diesen Bemühungen ergibt sich, daß
die Mehrheit von Parlament und Volk die Rückkehr Poincar6s wünscht,
der wohl im Laufe des heutigen Tages in das Präsidenten-Palais berufen wird, um den Auftrag zur Regierungsbildung zu übernehmen.
Unterdessen hielten die politischen Gruppen der Kammer ihre Sitzungen ab. Besonderes Interesse gewinnt dabei
die Zusammenkunft der Linksgruppen, wie sie ähnlich auch im Jahre 1924 kurz vor der Bildung des Linkskartells statt- fand. Allerdings weigerte sich die Radikale Linke, einen Delegierten zu entsenden, und sprach sich in einer Entschließung für P o i n c a r 6 aus. Die Beratung der Sozialisten, Sozial-Republikaner, Radikal-Sozialisten und linken Unabhängigen sollte vor allem der Klärung der Frage einer sozialistischen Regierungsbeteiligung oder einer offiziellen Unterstützung dieser Partei dienen.
Die Sozialisten erklärte« sich zwar mit den Radikal-Sozialisten in der Durchführung des Programms von Angers einverstanden, behielte» sich aber eine Antwort über ihre Regie- ' rungsbeteiligung noch vor.
Hierüber wollen sie sich in einer auf Freitag vormittag einberufenen Fraktionssitzung schlüssig werden. Der ständige Verwaltungsrat der sozialistischen Partei wurde auf Sonnabend vormittag einberufen.
In unterrichteten Kreisen nimmt man an, die sozialistische Partei werde sich erneut gegen einen Eintritt in die Regierung aussprechen, aber bereit sein, den Ministerpräsidenten zu unterstützen, der die Verpflichtung zur Durchführung des Programms von Angers übernehme.
Die Radikal-Sozialiften nehmen ihrerseits eine Entschließung an. die endgültig die Brücke zur Gruppe Marin abbricht.
Die zwischen der Radikalen Linken und der Gruppe Marin liegenden Fraktionen sind für ein neues Kabinett PoincarS, ebenso alle Senatsgruppen. Im Senat stehen nur C a i l l a u x und seine Freunde, sowie die Sozialisten abseits, lieber die Frage, ob Poincar^ den Auftrag zur Regierungsneubildung übernehmen wird, äußert man sich im allgemeinen recht skeptisch, hält es aber für möglich, daß es Poincar«; gelingen könnte, anstelle der sozialistischen Minister radikal-sozialistische Senatoren in sein Kabinett zu bekommen, die die Haltung des Partei- kongresies von Angers mißbilligten.
Allgemein wird angenommen, daß der Präsident der Republik noch im Laufe des heutigen Tages, die Mehrheit der von ihm zu Rate gezogenen Parlamentarier Poincar^ als geeignetste Persönlichkeit bezeichnet habe, diesen ersuchen wird,
wiederum die Bildung des Kabinetts zu übernehme».
Nach dem „M a t i n" ist Poincarös Prestige derart, daß ihm nach Belieben
die eine oder die andere der beiden Kombinationen (Nationale Einigung oder Republikanische Konzentration) gelingen könnte.
„E ch o d e P a r i s" ist der Ansicht, daß PoincarS die Bildung des Kabinetts übernehmen werde, wenn er die Nationale Einigung, die Grundlage feiner Politik, wieder Herstellen könne.
Für den Fall, daß PoincarS definitiv ablebnt, hält H a v a s es für immer wahrscheinlicher, daß
die Lösung der Krise alsdann Briand übertragen werde» könnte.
Briands Freunde versicherten allgemein, daß er sich lieber ganz dem Außenministerium widmen möchte und daß er, falls es das Ministerium übernehmen sollte, es
nur unter der Bedingung tun würde, daß Poinears. dessen Mitarbeit er für unerläßlich halte, einwillige, das Portefeuille des Finanzministeriums zu übernehmen.
Populaire, der ein Kabinett Poinca- r6s für ausgeschlossen hält, will aus sicherer Quelle erfahren haben, daß Poincarö dem Präsidenten als seinen Nachfolger den ehemaligen Kammerrpäsidenten und Finanzminister Senator Peret vorgeschlagen werde.
Zu der heute erfolgenden Betreuung Poincar^s mit der Kabinettsbildung nimmt man in den dem Ministerpräsidenten nahestehenden Kreisen an, daß Poin- car6 sich Bedenkzeit erbitten werde, um
Berlin, 9. Rov. 3m Landtag wurde heute die Aussprache über die große Anfrage der Deutfchnationalen zu den Borgängen tm Werner-Siemens-Realgymna'ium fortgesetzt.
Frau Abg. Wegscheider-Zieger (Soz.) erklärt, wenn der Der gangen heit zu- gewandte ältere Lehrer nicht mit rechter Freude bei der Verfassungsfeier sprechen können. dann sollen sie die Festrede jüngeren Kollegen oder Schülern überlassen, die sich dazu melden.
Abg. Frau Dr. Reumann (Dtn.) meint, der Minister hätte die in der Presse angegriffenen Lehrer des Gymnasiums in Schutz nehmen müssen. Die Rede des Lehrers vom Werner-Eiemens-Ghmnasium gab keinen Anlaß zur Beanstandung. Wir wünschen nicht, daß die Lehrer gezwungen werden, so schnell umzulernen, wie es der begeisterte Kaiser-Geburtstagsredner von 1916 Dr. Becker tat. der damals sagte: „Mm unfern Kaiser beneidet uns das Ausland: Deutschland und fein Kaiser sind eins!" (Hört! Hört! rechts. Abg. Kube: „Das ist Gesinnungstüchiigkeil eines demokratischen Lehrers.")
Wir wolle« gefi««u»gstüchtige Lehrer die nicht gezwungen werden, sich ans die jeweilige parlamentarische Mehrheit einzustellen.
Wir wollen dem Staat dienen, aber nicht die Politik in die Schule tragen lassen. (Beifall bei den Dtn.).
Kultusminister Dr. Becker: Wir wollen nicht die Politik in die Schule tragen, aber wir wollen in der Schule die Schüler erziehen zu vaterlandstreuen Bürgern. (Lärm rechts). Es gibt kein anderes Bat er la nd für unsa ls die deutsche Republik, und zu ihr werden unsere Schüler erzogen. (Lärm rechts.) Mit dem „Kaisergeburtstagsredner" haben sie schon genug Mißbrauch getrieben. 3ch habe die hier erwähnte Rede gehalten, im Jahre 1916, als noch toei‘e Krei'e der Demokratie und der Sozialdemokratte in der Monarchie die rich.ig« Staatsform für
eine Wtonlition mimegll»
seine Freunde und verschiedene Persönlichkeiten der Partei zu befragen, ohne deren Unterstützung er nicht sein kann. Bekanntlich will PoincarS nur mit einem Kabinett der Nationalen Union wieder vor das Parlament treten.
Er ist fest entschlossen, von seiner bisherigen Einstellung gegenüber den radikal-sozialistischen Forderungen nicht abzugehen.
Man sieht daher voraus, daß der erste Versuch Poincar^s scheitern wird. In diesem Fall würde ein Kabinett Briand- Tardieu viel an Wahrscheinlichkeit gewinnen. Viele Parlamentarier würden auch einen Eherons als Finanzminister freundlichst begrüßen. Andererseits wird auch der Name Steeg und ein Kabinett Paul Doumer genannt. Nach dem Urteil der Pariser Morgenpresse ist das Merkmal des Donnerstag der Fehlschlag der Zusammenkunft der Linksparteien, daß nur die Formel die Nationale -Union oder die Republikanische Konzentratton die Lösung der Krise bieten kann.
Der Einfluß Poincares ist dem „Matin" zufolge so groß, daß er mit öer einen ober anderen dieser beiden Kombinattonen eine Regierung bilden könnte, wenn er nur wollte.
Der „Populaire" rechnet sehr stark mit einem Ministerium Briand. Zu seiner hauptsächlichsten Mitarbeit soll Cheron als Finanzminister und Tar- dieu als Arbeits- oder Kolonialminister auserwählt sein.
uns sahen. Was wir dann bis vor emem Jahrzehnt erlebt haben, wer einen derartigen Zusammenbruch der Monarchie miterlebt hat, ohne daraus gelernt zu haben, der kann mir leid tun. (Lärm rechts. Beifall bei der Mehrheit.) S o lange ich an dieser Stelle bin. können Sie sich darauf verlassen, daß ich dafür sorgen werde, daß die deutsche Jugend im republikanischen Gedanken und zu republikanischen Staatsbürgern erzogen wird.
Abg. Grebe (Ztr.) betont, die Erziehung der Kinder müsse immer mehr dahin gehen, daß niemand mehr an eine andere als die republikanische Staatsform denkt. Der Lehrer müsse die Verfassung bewußt vertreten. Für würdig« eindrucksvolle Berfa stungsfe ern müsse gesorgt werden. Der Redner mißbilligt daS Hineintragen der Vorfälle in der Liemens-Oberrealschule in die Presse.
Abg. Dr. Steffens (D. Vpt.) erklärt, die Rede des Ministers habe die Bedenken seiner Freunde nur vermehrt und habe sie geradezu in Bestürzung versetzt. Wenn die Rede des Studienrats Müller eine Mißachtung der Republik enthalten hätte, würden wir sie aufs schärfste mißbilligt haben. Die war aber durchaus verfassungsfreundlich.
Die Politifier««g der Schale ist das Berhä«g«is a«d der Flach uaferer Zeit.
Die Lehre des Falles ist für die Lehrerschaft bedenklicherweise die Erkenntnis, daß sie bei ihrer Erziehung zu Disziplin und Ordnung nicht unbedingt auf den Chef der Anterrichts- verwaltung rechnen können. 3n unserer Zett der Umwertung aller Begriffe, muh man wieder Ein- und Mnterordnung fordern, die das Wesen jeder sittlichen Freiheit ist.
Abg. Dr. Bohner (Dem.) erklätt, daß leine Partei Schuldemonstrationen nicht wünsche. Sie wolle auch keine Parterpolitt»
(Fortsetzung siehe Sette 2.)
Die Politisierung öer Schule
„SÄ StrhnngniS und der Nu» unter zett'
1918—1928
„Wir können heute nur davon sprechen, daß die Entwicklung eine vorwärtsstre- bende war, dürfen sagen, daß die Zeit von 1918 bis 1923 wie ein wüster Traum hinter uns liegt.
Wir müsse« mit längeren Zeiten rechnen. wenn wir die Answirkang der neuen Zeit sehen wollen.
Der große Kanzler des alten Reiches hatte eine beinahe visionäre Art, in die Zukunft zu sehen. Hoffen wir, daß auch das Wort von der Größe, zu der das republikanische Deutschland nach dem verlorenen Kriegt kommen würde, sich bewahrheiten möge.
Seien wir uns aber klar darüber, daß weder träumende Resignation noch Lberschäumende Kraft der Worte da, wo tatsächliche Kräfte fehlen, uns dahin bringen werden, sondern nur die sachliche, bewußte Arbeit eines ganzen Geschlechts."
Dr. Stresernann.
Sie AiMMdenMen und daß neue SeulWand
Bon Dr. Paul Rohrbach. Präsidialmitglied der Deutschen Akademie.
Wenn von „Ausländsdeutschen" gesprochen wird, so können darunter zwei ganz verschiedene Arten von Deutschen verstanden werden. Cs gibt einen „Verein für das Deutschtum im Ausland", und es gibt einen „Bund der Ausländsdeutschen": dieser ist eine Vereinigung von Reichsangehörigen außerhalb Deutschland, jener eine Organisation zur ‘Betreuung von Stammesdeutschen, die Angehörige nichtdeutscher Staaten sind. Ein reichsdeutscher Kaufmann oder Ingenieur in Schanghai oder Konstantinopel ist nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch ein Auslandsdeutscher; ebenso aber ist es auch ein deutscher Kolonist in Brasilien, dessen Voreltern vor hundert Jahren bei ihrer Einwanderung in Rio Srcnoe brasilianische Staatsangehörige wurden, oder ein Siebenbürger Sachse, dessen Vorfahren schon im Mittelalter von der ungarischen Königin an die Karpathenpässe gerufen wurden, um die Krone von Angarn zu schützen.
Wenn also vorn neuen Deutschland und von den Ausländsdeutschen gesprochen werden soll, so muß zunächst zwischen zwei Kategorien von Ausländsdeutschen unterschiedenwerden. Anter den Reichsdeutschen im Auslande hat sich nur ein kleiner Teil mit den Zuständen im neuen Deutschland versöhnt. Zu einem großen Teil entfällt das Mißbehagen auf den Wechsel der Flagge. Roch stärker als im deutschen In- lande hat der reichsdeutsche Pionier, und der energische und erfolgreiche am allermeisten, das Gefühl, alles Erworbene, alle Achtung, die er als Deutscher genießt, und allen berechtigten Stolz gegenüber de« Ausländern anderer Rationalität dem alten Deutschland zu verdanken, dessen Flagge schwarz-weiß-rot war. Er sah das Kopfschütteln der Fremden über den Flaggenwechsel, er sah, wie es niemand im Auslande eigentlich begriff, daß ein Land die Farben, unter denen es groß geworden war.und noch zuletzt die gewaltigen Leistungen des WelttriegeS vollbracht hatte, preisgab und dafür andere annahm, die zwar in Deutschland auch eine geschichtliche Wurzel hatten, die aber draußen niemand je gesehen hatte.
Mit dieser Mißstimmung verband sich die prakttsche Erfahrung, daß dem neuen Deutschland im Auslanöe weniger Respett spett gezollt wurde als dem alten — was freilich nicht so sehr eine Folge des Der- sassung- und des Flaggenwechjels war wie die der deutschen Niederlage im Weltkriege. Gerade in dieser Beziehung aber ist die