Einzelbild herunterladen
 

srr. rvr»

CtcrtfrfTif*« geitnng, Marbnrg a. 8 Mittwoch, den 7. Rodember 1928

«ctte 8

SuMeSerMaresor 10 «tobten

Nebelgrau und regenschwer lagen die Wol­ken über der Kampffront tm Westen. Gewal­tig flammte noch immer das Ringen der Heere in den ersten Novembertagen 1918 emvor: hier das deutsche Seer, Schritt um Schritt zu- rückweichend, aber tapfer und zäb trotz aller Nöte und trotz aller übelen Einflüsse, die auf es etnstürmten, kämpfend und noch immer in der Sand der Führer drüben der weit über­legene Feind, der, mit allem aufs Beste aus- gestattet, vorstchtig folgte. Allerdings hatte Marschall Fach, der unbeschränkte Oberbe­fehlshaber auf der Fetndesseite, den Deutschen ein grobesSedan" zugedacht. Allein es kam nicht dazu, denn die Kraft der Deutschen hielt, so sehr auch an ihr von der eigenen Heimat aus gezehrt und gerüttelt wurde, den Gegner in achtenswertem Abstand. So sollte sich der fürchterliche Satz August Bebels nicht erfüllen, den er 1904 auf dem Brüsseler Internationa­len Sozialistenkongreß gesprochen hatte:Ich wäre sehr zufrieden wenn Deutschland auf dieselbe Weise Republik würde, wie cs Frankreich geworden ist durch ein deutsches Sedan." Aber die Wege hierzu waren in politischer Hinsicht jetzt geebnet, und wenn wir beute, wo der deutsche Zusammenbruch sich zum zehnten Male jährt, gedankenvoll und sachlich prüfend, das geistige Auge rückwärts scheuen lassen, so ergreift tiefer Schmerz die aller­weitesten Schichten des deutschen Bolley selbst die meisten derjenigen, die damals, im Novem­ber 1918, in Irrung und Wirrung befangen, mit dem Umschwung der Dinge sich gar schnell abgefunden batten. Es ist doch anders gekom­men! Die Versklavung lastet im Innern und tm Aeubern mit bleierner Schwere auf dem deutschen Volke bis auf diese Stunde.

Es hat keinen Zweck, alte Wunden, die noch nicht einmal vernarbt sind, von Neuem aufzu- reitzen, nach Schuld und Sühne, nach Beschö­nigung und Verwischung suchend, je von dem verschiedenen Standpunkt aus betrachtet. Und trotzdem zwingt uns mit unwiderstehlicher Gewalt ein Gefühl des Grübelns stets von Neuem, die düstere Novembertage nochmals vor uns auftauchen zu lassen. MitWenn" wird nichts mehr gut gemacht, und der Trep­penwitz der Weltgeschichte lacht mit höhnischem Grinsen hinter uns her. Ja,w e n n" die in­nere deutsche Politik während des Krieges kräftiger gewesen wäre, wenn sie bester mit der Kriegführung in Uebereinstimmung geban­delt, unsere Bundesgenossen rücksichtsloser an­gespannt, überhaupt mit diktatorischer Gewalt allerorts durchgegriffen hätte und vielleicht wäre der Ausgang ein besserer, mindestens ein erträglicherer geworden. Bismarck hat auf der Höhe seiner Macht die Worte geprägt: Für di« Politik eines Staates sind zwei Dinge verhängnisvoll, ja vernichtend: die in­nere Uneinigkeit und die sich hieraus in jeder Richtung ergebende Schwäche."

Es ist ein gar bequemer Ausgang aus dem ungeheuren Wftrsal der Fragen, wenn man hinterher als Entschuldigung mit Schlagwor­ten antwortet:Es war zuviel für uns an Not, Elend, Hungerund" der Dolchstob von hinten her bat den deutschen Recken, den Frontkämpfer, gefällt." Von beiden Bebaup- tungen ist vielleicht die Hälfte wahr, jeden­falls kam eins zum anderen. Wahr ist, daß 1914 das Volk sich rrochmals zum hochgemuten Geist von 1813 und 1870 emvorgeschwungen bat, und einVolk in Waffen" zum Kampfe hinauszog und Taten gegen eine Welt von Feinden verrichtete, wie die Geschichte kaum ein zweites Beispiel zu nennen weiß. Wahr aber ist auch, dahein Reif auf die Früh- ltngsvracht" fiel. Das waren die mit Zu­nahme der Bedrängnis sich emvorreckenden Bewegungen des auf dem Boden des Marxis­mus stehenden Klassenkamvfes. ange­regt durch den Linkssozialismus, der in An­lehnung an den russisch-kommunisttschen-bol- schewistischen Einfluh die radikalste Umsturz­bewegung Deutschlands als sein Ziel ansah. Hierzu waren die Voraussetzungen die lang­same Zermürbung des Volkes als Ganzes, die

Uebertragung der Kriegsmüdigkeit auf das Heimat-, von diesem auf das Frontheer und die Kriegsflotte, die Unterwühlung der Mo­narchie, die Niederlage des Reiches, der Auf­bau des Umsturzgedankens zur Tat. Durch die beute unbegreifliche Mattigkeit der Regierung Bethmann Hollwegs entglitten der staats- leitung die Zügel. Während drüben durch die praktische Diktatur der eiserne Kamvfwille ge­steigert wurde und Gewaltmenschen wie Cle- menceau, Lloyd George, Wilson den Krieg um jeden Preis emvorpeitschten, gab man bei uns dem unheilvollen-fchwachen Willen des Parlamentarismus in Form des sogenannten Verständigungssriedens Raum und untergrub hiermit den Kern der Sache, denWillen zum Sieg "

Was half es, dah im Spätherbst 1917 vor­nehmlich reichsdeutsche Truppen in Italien siegten was nutzte es, dah wir im März durch den Angriff bis nahe vor Paris, im Juli noch­mals über die Marne kamen? Unsere Kraft mar verbraucht da sie aus der unterhöhlten Heimat keinen Zuschuh, sondern böse Unterwüh­lung empfing. Die ruhmvolle Siegerflotte vom Skagerrak und die Helden der Untersee­boote erlagen dem Umsturz. Der Kieler Ma­trosenaufstand am 4. November gab das Zei­chen zur Erhebung der Heimattruvven. Die Arbeiter- und Soldatenräte eröffneten ihr

böses Werk, die Treiber und Träger des Um­sturzes, die Vergifter des Widerstandes In München setzten meuternde Ersatzmannschaften den König ab, nachdem die letzte Note Wilsons mit kalter Hand die Beseitigung des r" als Vorbedingung des Kriegsendes befohlen hatte. Das letzte Kriegskabinett (Mar von Va­den) gestattete die stillschweigende Einwilli­gung.

Am düsteren 9. November gab der Kaiser, falsch unterrichtet über die Vorgänge in Ber­lin irregeführt durch übertreibende Nachrich­ten über die Haltung der Heimat, verzweifelnd durch unklare Berichte über die Stimmung des Frontheeres, den Widerstand auf. So brach das Kaisertum zusammen Die Wafsen- stillstandsverbandlungen waren bereits im Gang und schloffen am anderen,Schwarzen" Tag, den 11. November mit einer Härte ab, wie sie kaum jemals einem unterliegenden Volke aufgezwun^en worden sind. Dieser Waffenstillstand ist die Quelle des Eewalt- und Schmachfrtedens geworden, der das deutsche Volk bis auf diese Stunde drückt. Und doch! In den dunklen Herbsttagen vor zehn Jahren ist eines gerettet worden: die Ein­heit des Reiches trotz der Verstümmelung der Grenzen. Möge der nationale Gedanke von Neuem erwachen und aus Nacht zum Licht führen! F. I.

Re Nrantttimg desTraf Zeymkn"

W :A

1

PWWW

KW ;

W

-'AW .V v.

. . -*

,-.f .

Das Fahrgestell, auf dem die hintere , Luftschiff wie eine Wetterfahne sich gegen Motorengondel ruht, läßt das verankerte I den Wind stellen.

SeAn-Nafsau un6 Nludbargebiete

Limburg, 6. Nov. In Derschen (Westerwald) wurde ein von zwei Fami­lien bewohntes Haus zur Nachtzeit ein Raub der Flammen. Der Hausrat einer Familie verbrannte vollständig. Mit großer Mühe gelang es, ein Uebergreifen des Feuers auf andere Gebäude zu ver­hindern.

Wetzlar, 6. Nov. Die Eisenstein­gruben im Kreise Wetzlar, deren Absatz­gebiete im Ruhrrevier liegen, haben un­ter dem großen Arbeitskampf in der west­deutschen Eisenindustrie zu leiden. In­folge großer Absatzstockungen sahen sich die Grubenleitungen veranlaßt, der ge- , samten Belegschaft zu kündigen. Von die- |

sei Maßnahme werden etwa 200 Berg­leute betroffen.

Bad Nauheim, 6. Nov. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde be­schlossen, den Lichtstromabnehmern aus die seitherigen Preise ab 1. Oktober 10 Pro­zent Rabatt einzuräumen. Die Kraftstrom­preise wurden von 30 auf 22 bis 17 Pfg. pro Kilowattstunde je nach Verbrauch ge­senkt.

Groß-Karben, 6. Nov. Gestern nachmittag brach in der Matratzenfabrik und Wollreißerei Gebr. Zander (Dögel- mühle) Eroßfeuer aus. Das Fabrikge­bäude fiel bis auf die Umfassungsmauern dem verheerenden Element zum Opfer. Dem tatkräftigen Eingreifen der hiesigen und der Vilbeler Wehr sowie der wir­kungsvollen Arbeit der Friedberger Mo­

torspritze ist es zu danken, daß die Neben­gebäude erhalten werden konnten. Der Schaden wird auf 150 000 Mark geschätzt. Die Brandursache ist noch nicht bekannt.

E s ch w e g e, 5. Nov. Von einem Eroß­feuer wurde in der letzten Nacht das Dors Kella heimgesucht. Auf den Grundstücken der Landwirte August Braun und Johan­nes Döring brannten die Scheunen und Stallungen nieder. Sämtliche Erntevor­räte fielen den Flammen zum Opfer. Das Großvieh konnte gerettet werden, wäh­rend alles Geflügel mitverbrannte. Die Löscharbeiten wurden durch die Benutzung der neuen Wafferleitung begünstigt. Der erhebliche Schaden ist nur teilweise ver­sichert. Als Ursache des Feuers wird Brandstiftung vermutet.

Burgschwalbach, 6. Nov. Eine hier veranstaltete Treibjagd hatte das gute Streckenergebnis von 40 Hasen, 8 Füchsen und einem Wildschwein. Gegen Schluß der Jagd ereignete sich ein schwerer Unfall. Der als Treiber tätige Landwirt Grund wurde von einem bis jetzt noch nicht festgestellten Jäger schwer an den Beinen verletzt und mußte mittels Kraftwagens in ein Krankenhaus gebracht werden. Erst ein gerichtliches Nachspiel dürfte zur Ermittlung des Täters führen.

Heidelberg, 6. Nov. Heute morgen wurden hier auf einem Eisenbahngleis im Eüterbahnhof die Leichen eines jungen Liebespaares aufgefunden, das sich vom Zuge hatte überfahren lasien. Es handelt sich um zwei unbekannte junge Leute im Alter von etwa 20 Jahren, die nach einem Brief in der Tasche des jungen Mannes aus der Gegend von Hannover hierher gekommen sind, um wegen Liebes­kummer sich in Heidelberg zu töten. Sie wollten gemeinsam in den Tod gehen und auch gemeinsam begraben sein.

MetterbeobachtungenH?Nov7 Höchste Temperatur am 6. November 7,5 (£tlj. Niedrigste Temperatur letzte Nacht 3,4 Test.

Zeit

Barometerst. reduziert auf N. N.

Tempe­ratur

Relative Luft- feuchtigkeit

6.1t.2Uhr nachm.

759,0 mm

7,2 Celf.

82 ft.

6.11.9 Uhr nachm.

759,4 mm

3,1 Celf.

»5*/.

7.11.7 Uhr vorm.

758,2 mm

1,0 Tels.

97 ft.

Franz Böhler, Svtlker

SveziMouö für Oviik und Photo

Wetterbericht.

Der Druckanstieg int Osten hält noch immer an und bringt auch für Norddeutsch­land allmählich Bewölkungsabnahme. Süd­deutschland liegt schon durchweg im aufge­heiterten Bereich. Auf der Vorderseite des westlichen Tiefs treten über Südeng­land und Südfrankreich schon Regenfälle auf. Bei langsam einsetzendem Druckfall ist von Südwesten her später mit Bewöl­kungsabnahme, aber zunächst nur in Süd­deutschland mit vorübergehendem Regen zu rechnen.

Vorhersage bis Donnerstag abend: Wol­kig bis heiter, meist trocken, tags mtlder, südliche Winde.

Verlag von Dr. C. H i tz e r o t h.

Verantwortlich für die Schriftleitung und den politischen Teil: Dr. E r n st S ch eilet; für den lokalen und provinziellen Teil: Wilhelm W i h n e r; sämtlich in Marburg.

Stimmen In der Simist

Skizze von Josef Sto llreiter

Leit Monaten schon lag eine Gereiztheit über den beiden Menschen. Beinahe grundlos und unvermittelt war sie gekommen, war ihnen angeslogen, wie Land und Staub sich in den Locken des Wüstenwanderes verfangen. Ihrer Ehe fehlte der Degen der Frucht, über deren Anblick alle Wetter, die im Menschen schlafen und losbrechen wollen, sich selbst beschwichtigen und wieder ausfluten in Liebe und gegenseiti­gem Verstehen. Das Mütterliche in Frau Renate grollt« diesem Dasein, das sinnlos verlief.

Hundertmal hatte sie, wenn Eltern in der Sorge um ihre Kinder frühzeitig alterten und Frauen, die weit jünger alS sie, längst ver­blüht waren, hören müssen: Sie sollt« doch froh sein über ihre Kinderlosigkeit, die ihr unendlich viel Leid und Sorgen erlvar«. Da erkannte sie, daß nichts in der Welt un­gerechter ist att das Schicksal. Lebte der Mensch denn, um sich Leid zu ersparen? Lag denn die Weihe, die größere Gott- und Erd- Verbundenheit der Frau nicht eben im Leide? VH, sie hätte gern zehn, fünfzehn Jahre älter ausgesehen und die Blicke der Männer Nicht mehr auf ihren blühenden Wuchs ge­lenkt, hätte gern tausend Schmerzen ertragen Um das Wunder der Mutterschaft.

Michael, der Gatte, litt an ihr. In seinen Augen mußte eine kinderlose Frau ewig Ge­liebte bleiben. Boll Frohsinn und Lachen, doll Schmelz und Glimmer. Ihre Kühl«, ihre Verschlossenheit beleidigt« ihn. Er wollte gern ihre Zuneigung täglich neu erkämpfen, aber er wollte nicht auf Ablehnung stoßen, Nicht immer ein Unbeteiligtsein, ein Burge­sche henlatfen heraus fühlen.

So gestaltet« sich ihr Zusamm«nleben zu einem Abgedrängt werden nach entgegengesetz­

ten Polen. Sie gingen, weil sie sich gegen« seitig nichts mehr zu sagen und nichts mehr zu geben hatten, viel in Gesellschaften, tauchten in dem Strudel dem Klatsches unter, in dem gefälligen Wirbel derer, die an innerer Verlogenheit siechen und verkommen und sich «groß fühlen, wenn sie recht käferwinzig fein können. Und weil sie auch darin keinerlei innere Befriedigung erfuhren und das ver­lorene, seelische Gleichgewicht doch nicht fan­den, wurden sie nur immer friedloser und ärmer. Sie nahmen ihre Mahlzeiten wortlos ein. gingen auf ihren Spazierwegen schweigend nebeneinander her und starrten, wenn sie in den Lokalen einmal zufällig keinen Bekannten trafen, stundenlang aneinander vorbei. Sahen sie sich einmal zufällig in die Augen, so war ein Glitzern in ihren Blicken wie heimliches Kreuzen gezückter Klingen. <

Und das Leben kroch seinen Dchneckentrott dahin und gähnte ins Lehre.

An einem lauen Regenabend saßen sie auf dem Dqllon ihrer Wohnung. Renate war mit irgend einer Stickerei beschäftigt, und Michael las in einem Pack Zeitungen. Der (Regen fiel wie Rosen duft und heimliches Kinderlallen, und in der Luft lag ein seltsames Verzaubert lein wie aufgelöster Rachtigallen­sang. Sonst war es still. Wundersam still.

Mit einem Mal« schien diese Stille Melodien zu finden. Gesang schwebte auf. Junge Menschen saßen in der rieselnden Sommernacht unter einem Torbogen und sangen. Wundersam abgetönt zogen ihre Stimmen durch das heimliche Schweigen der Regennacht. Sie sangen gedämpft uralte Dollslieder aus den Tiefen ihrer jungen, allen Wundern offenen Seelen. Wie dunkle Bäche des Schicksals rauschten die Unterstim« men einher, die Bässe sangen wie Glocken auf dem Grunde verzauberter Wasser, und gold­klar tisahatt und kinderaugenrein strahlten

die Hellen Soprane empor, perlten und leuchte­ten in den Lüften und rieselten, als sollten alle Menschenherzen in der weiten Runde aufgehen und blühen, als sollten alle Schlacken der Unrast, des Unfriedens und der inneren Unduldsamkeit selig dahinschmelzen und alle Zweifel reines Gold und Glauben werden.

Renate ließ die Handarbeit sinken und schaute verloren vor sich hin. Unter ihren langen, dunkeln Wimpern sammelten sich Per­len. Auch Michael las nicht weiter.

Wie eine Dlütenwelt breiteten sich ine Volkslieder über die beiden einsamen Menschen und läuteten tief in ihre irrgeführten, ver­schütteten Herzen.

Längst waren die Lieder verklungen, der Regen hatte aufgehört und der Dust der Lin« den erfüllte die Rächt mit seiner betäuben­den Süß«, als Michael den Kopf hob und zu seiner Gefährtin hinübersah.Renate", sagte er gedämpft,hättest Du Lust, noch ein wenig zu gehen?"

Sie nickte und erhob sich.

Es ist heut« so etwas Wunderbares in der Luft, als könnt« man noch einmal jung werden."

Sind wir schon all, Michael?" setzte sie leise dagegen.

Manchmal will es mir so scheinen, Renate. Aber ich glaube, wir haben uns nur so ver­einsamt. Seit ich die jungen Menschen da un­ten fingen hörte, ist mir, als gäbe es gar kein Einsamsein."

In Renates Antlitz stieg ein Leuchten, und als sie die Treppe hinuntergingen, sah fte, daß auch aus seinen Zügen viel Düsteres ab­gesunken. Die bogen in den nahen Park, wandelten schweigend unter uralten, duftenden Linden und kamen an einen Springbrunnen, der seine rauschenden Wasser hoch in die

gesegnt« Rächt hinaus goß und, in tausend­fältiges Sprühen aufgelöst, wieder zurück- sinken lieh.

Michael blieb stehen.Siehst Du, Renate", sagte er, und es war, als riefelte der Zauber der alten Volkslieder in seiner Stimme,das ist es! Das Wasser! Auf das Wasser müssen wir mehr hören! Das ist voll Poesie, voll ewiger Anmut und voll ewiger Jugend!"

Er trat so nahe an die Springsäule, daß der feine kühle Wasserstaub ihre Gesichter feuchtete. Dann tauchte er plötzlich die Hand in das muntere Geriesel und sprühte Renate daS kühle, köstliche Raß voll ins Gesicht. Sie rührte sich nicht, ließ es nur mit leuchtenden Augen und tiefen, bis ins Herzblut überrasch­ten und glücklich erschrockenen Atemzügen ge­schehen.

Da nahm er auch schon ihren Kopf zwischen beide Hände und küßte sie mitten auf den Mund.Siehst Du!" rief er.Jetzt hab' ich Dich getauft, Du verzauberte, erbfremde Dixe! Jetzt bist Du wieder ein Menschenweib geworden! Mein Men'chenweib! Und alles Dergrämtsein ist vorüber."

Mit seligem Aufschluchzen lehnte sie sich an seine Brust und schaute voll Inbrunst, voll jubelnden Hoffens zu ihm auf.

Michael! Eie haben uns aus einem bösen Traum gesungen."

Ja, das haben sie! Das haben sie wirklich! Und wenn die Bitternis wieder emmal über uns kommen sollte, dann suchen wir diesen Epringquell auf und baden uns jung in seinem Sprühen und Rauschen."

Engumfchiungen, wie ein Liebespaar im Maienglanze, tauchten sie tiefer in den nächt­lichen Park.