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Anzeiger fiir (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der SiStffl»s bss „Graf Jepssün"

Cfo bllnber Magier an Nord - Sieber reine 6fan»erimeituagen - sie Selterlage ift nicht gleichmäßig günstig i

Sie Abfahrt

Lakehurst. 29. Ott. (WDB.) Der Start des „Graf Zeppelin" zu seiner Heim­reise ging ebenso schnell und leicht Don« statten, wie die Landung, die vor 14 Tagen erfolgt Die Hilfsmannschast, aus über 300 Matrosen bestehend und durch die Ma­növer mit der „LoS Angeles" trainiert, marschierte zu den ihr angewiesenen Posten, hielt den Lustriesen fest, und auf das Kommando des Offfiziers wurde das große Luftschiff, das über feine ganze Sänge erzitterte, von den Seeleuten im Marschschritt aus der Luftschiffhalle ge­zogen. So wurde auch die Gefahr ver­mieden. daß das Luftschiff seine silbernen Flanken an den Pfosten der Luftschiffhalle zerriß. DaS Luftschiff glich einem riesigen schwarzen Ungetüm, dessen Micken von dem Lichtbild des Mondscheins silbern erglänzte. Das Luftschiff drehte sich darauf nord­wärts und bewegte sich vorsichtig unter der Führung der Matrosen einer kleinen Bodensenkung zu. wett genug von der Luftschiffhalle entfernt, so daß nicht mehr hie Gefahr bestand, daß es vom Winde ggen die Stahlpfosten getrieben werden nnte.

lieber Den nächtlichen Abflug des Luft­schiffes wird noch gemeldet: Um 12.30 Uhr wurden die Tore der Luftfchiffhalie geöffnet. Neun Gongschläge forderten die Mitfahrenden auf, einzusteigen. Zwischen den Fahrgästen und den Zurückbleibenden entspann sich eine angeregte Unterhaltung. Man glaubte zunächst noch nicht, daß der Aufstieg des Luftschiffes unmittelbar be> vorstehe. Nach kurzer Zett aber wurde das Luftschiff an den Haltetauen einige hundert Meter aus der Halle geführt. Be­günstigt von der hellen Mondnacht gelang dies überraschend schnell in weniger als 10 Minuten. AlS die Haltemannschaften die Seile loSlietzen und die Motoren an­sprangen, schoß der „Graf Zeppelin" schnell in d:e Höhe. Er beschrieb dann noch einmal einen großen Kreis um die Luft­schiffhalle und nahm nordöstlichen KurS dem Ozean entgegen.

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Won den 63 Personen an Bord des »Graf Zeppelin" sind

25 Passagiere, darunter drei amerikanische Marmeofft- ziere. Herr von Wiegand befindet sich nicht unter den Mitfahrenden. Auch Lady Drummond fehlt, da sie, wie es heißt, an einer Filmdarstellung des letzten Zeppe­linfluges beteiligt ist. An tijrer Stelle fliegt ein Herr William Ullman mit, ein Sohn des Teilhabers eines anderen Zep- pelinpassagierS, des Herrn Josef gefiel. Dieser Herr Fessel haue noch kurz vor dem Abflug einen Autounfall, der seinen Mit­slug beinahe in Frage gestellt hätte. Jessel war mit seinen Familienangehörigen im Auto zu dem 16 Klm. entfernten Lade- wood gefahren, um zu Abend ju speisen. Auf der späten schnellen Rückfahrt über dunkle, schmale Zufahrtsstraßen zur Flug­station stürzte das Automobil in einer Kurve um, wöbet die Insassen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Jessel selbst erhielt Risse und Abschürfun­gen im Gesicht, wurde schleunigst in Lake- Wood notdürftig verbunden unb mit Jod eingepinselt und traf in Lakehurst gerade vor dem Abflug des „Gras Zeppe­lin" ein. Seine schwerer verletzte Mutter drängte ihren Sohn trotz des Unfalls, sich Die Mitfahrt nicht zu versagen. Eine große Anzahl von Leuten, die hohe Sum­men für Den Mitflug boten, mußten zu- rückgewiesen werden. Das Gepäck der Passagiere ist auf je 44 Pfund beschränkt worden.

Die Post, die Der „Gräf Zeppelin" von Amerika mit­bringt, füllt 32 Postsäcke und hat ein Gewicht von 1531 Pfund. Ferner führt das Luftschiff eine Anzahl Baumwoll­balten, zwei Reiseschreibmaschinen für Die FreunD-Eompagnie in München, eine

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Kiste gravierter Kupferplatten, bie vom Marinebüro von Amerika einer Versiche­rungsgesellschaft zugestell't werden, und eine Kiste mit Seidenstoff, der nach dem Beginn des Amerikafluges des „Gras Zeppelin" gewebt wurde und das Luftschiff in feinem Fluge über Newyork zeigt, als Fracht­stücke an Bord.

Mw dem Szwii

Nachdem der „Graf Zeppelin" das Fest­land verlassen hatte und von Land nicht mehr beobachtet werden konnte, ist er um 7,55 Ahr (13,55 Ahr M. E. Z.) zuerst von einem Dampfer gesichtet worden. Am diese Zett überflog er den Fischdampfer „Wid- geon", der seine Position mit 41 Drad 29 Minuten nördlicher Brette und 68 Drad 47 Minuten westlicher Länge angab. Das sind etwa 90 Kilometer östlich Cape Cod. Am 8,33 Ahr (14,33 Ahr M. E. Z.) be­fand sich das Luftschiff auf 42 Grad nörd­licher Breite und 66,20 Grad westlicher Länge, was ungefähr einem Standort von 720 Kilometer östlich des amerikani­schen Festlandes entspricht. Hier wurde es von dem Dampfer „Louis Wins- low" gesichtet. Am 8,45 Ahr (14,45 Ahr M. E. Z.) wurde der „Graf Zeppelin" vom Küstenwachffchiff „Mojeve" auf der Höhe von Cap Säble, der Südwestspitze von Neuschottland, auf 42 Grad nördlicher Breite und 66 Grad 5 Minuten westlicher Länge mit ziemlicher Geschwindig­keit ostwärts fahrend, gesichtet. Am 10,15 Ahr (16,15 Ahr M. E. Z.) überflog „Graf Zeppelin" den Dampfer „Laconia" 315 Kilometer südlich Halifax. Im Vergleich zu der Positionsmeldung von 14,33 Ahr hat das Luftschiff demnach eine Stundengeschwindigkett von 120 Klm. Es schlägt anscheinend der sog. Lindbergh- KurS ein, d. h. wird an Neuschottland, Neufundland und der Südküste von Irland südlich vorbeifliegen. Mehreren Funk­sprüchen von Bord ist zu entnehmen, daß das Wetter gut ist, die Motoren tadellos arbeiten und an Bord alles wohl ist.

Das Setter

Hamburg, 29. Okt. Das Seeslug- ~atlantifd)en Ozean heute gegen Mtt- Die Wetterlage auf Dem no r D- referat Der Teut|chen Seewar.e gibt über tag folgende lieber) idjt: Der Wetter tage auf dem nordatlantischen Ozean gibt eine T res d r u ck r i n ne das Gepräge, Die ver­hältnismäßig weit nördlich von Dem Nord­osten Labradors und Der Davisstraße bis nach den Farör und dem europäischen

Nordmeer verläuft. In ihr sind zwet Tiefdruckkerne erkennbar, von Denen der eine mit Barometerständen von 750 mm, an der Nordostküste von Labrador der zweite mit nur 745 mm auf 56 Grad Nordbreite und 28 Grad Westlänge liegt. Südlich von der Tiefdruckrinne zieht sich

ein Gürtel hohen Luftdrucks von dem Innern des nordamerikanischen Fest­landes bis ,« der Iberischen Halb­insel.

hin. Hochdruckkerne befinden sich im ihm südwestlich des nordarnerikanffchen Seengebieis, zwischen Den Bermu- den und Neufun d la nb und im Raume zwischen Den Azoren und P o r- t u g a I. Ausläufer der nördlichen Tsef- Drudrinne reichen allerdings wett süd­wärts in den Hochdruckgürtel hinein. Ein Ausläufer des ßabraDortiefS liegt längs der amerikanischen Ostküste und rückt ostwärts gegen das Bermudenhoch vor, während ein Ausläufer des zweiten nord- atlantischen Tiesdruckgebie.es bis 38 Grad Nordbreite und 45 Grad Westlänge herab­reicht. Das Luftschiff wird nach Ablauf von der amerikanischen Ostküste zunächst unter dem Einfluß des ersten Tiefausläu­fers kommen, der ihm böige, zwischen süd- west und Westnordwest schwankende Wurde, wechselnde Bewölkung und vereinzelt Re­genschauer bringen wird.

Fährt das Luftschiff allerdings süd­lich von 43 Grad nördlicher Breite, so wird es heiteres, schwach windiges Wetter antreffen.

Westlich von 50 Grad westlicher Länge wird der Wind bei Annäherung an den zweiten Tiefausläufer auf nordwest drehen und in Böen stellenweise bis 60 Kirn. Stundengeschwindigkeit ausfrischen. Dabei werden auf der Rückseite Des Ausläu­fers Regen- und Hagelschauer nieder gehen, die strtchweise von Gewittern begleitet fein werden, lieber Der östlichen Hälfte vom nordatlantischen Ozean wtrd das Schiff je nach dem Kurs sehr verschiedene Witterungsverhältnisse antreffen.

Steuert es in das Azorenhoch hinein, so hat es mit schwach windigem, heite­ren und größtenteils sichtigem Wetter zu rechnen.

Setzt es feinen Kurs dagegen weiter nörd­lich an, sodaß es noch unter den Einfluß des zweiten atlantifdyen Tiefdruckgebiets kommt, so werden verbreitete Regenfälle aus niedrigen Wolken ungünstiges Flug­wetter, eine kräftige westliche Strömung, aber rasches BorwärtSkommen. nach Olten vorfinden. Im allgemeinen stellen Die nördlich von 43 Grad Nordbreite wehenden

westlichen Winde eine verhältnMnäßtg rasche Rückreise in Aussicht.

Auch die französischen Wetterwarten er­klären, daß die Nordlinie (Neufundland- Brest) durchaus schlecht sei, dagegen eine südlichere Linie (Neuschottland—Azoren— Bordeaux) verhältnismäßig gut sei. Im großen ganzen begünstigten bie Westwinde Die Rückreise des „Graf Zeppelin". Die Wettervoraussagen seien für 2 bis 3 Tage günstig, Da eine Hochdruckzone südwestlich der Azoren nach der europäischen Küste vorrücke und die Gewitterzone über Europa verstiegen Dürfte.

Ser umWWret

Berlin, 29. Ott. (TA.) Wie der „Lok.-Anz." meldet, wurde gegen 6 Ahr morgens an Bord des Luftschiffes ein 17- jähriger blonder amerkani- Zunge entdeckt, der bei einem Rechts­anwalt in Rhe (Staat Newyork) arbeitet und sich unbemerkt eingeschlichen hat. Er stammt aus St. Louis und Heißt Clarence Terhune.

Wie Associated Preß aus Rhe im Staate Staate Newyork berichtet, erklärte der blinde Passagier des Luftschiffes, Clarence Terhune, der nach seiner Vaterstadt den Spitznamen St. Louis führt, in der ver­gangenen Woche geheimnisvoll zu seinen Freunden, er werde bald weggehen. Die Freunde glaubten, er meine Kalifornien.

Nach Meldungen von Bord des „Graf Zeppelin" muß der blinde Pastagier Ge­schirr waschen. Nach seiner Entdeckung erhielt er zuerst Essen. Gr machte bereits als blinder Passagier die Jungfern­fahrt des amerikanischen Motorschiffes .Ca­lifornia" mit

Sie SlusMSe

Newyork, 30. Oft Der an Bord deS Luftschiffes befindliche Passagier Paul Marko telegraphierte an die Vmca in Brooklyn am Montag um 13.11 Ahr ameri­kanischer Zeit: „Wärmste Grüße aus den Wolken über dem Nordatlantik."

Der Passagier Casto telegraphierte nm 6.45 Ahr amerikanischer Zeit, also mehr als 4 Stunden vorher: Tagesanbruch über dem Nordatlantik, vorwärtsschreitende Fahrt, wunderbares Wette r,“ Nach aus Neufundland vorliegenden Meldungen herrscht dort im Gegensatz zu den frühen Tagesstunden des Montag gegen Abend ziemlich rauhes Wetter. Degen und frischer Südwestwind ging über das Küstengebiet. Ein Funkspruch der Cansastation verzeichnet um 18.15 Ahr amerikanischer Zeit ebenfalls äußerst schlechtes Wetter. .

st. London. 30, Oft. Heber die Fort­setzung des Fluges des deutschen Luftschiffes