Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
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MlttwoA, Hn 17. Oktober 1928
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SbertMsche Leitung
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ff. Rewyork, 17. Okt. Die Empfangsfeierlichkeiten für die Be ßung des „(Stof Zeppelin" begannen gestern nachmittag mit der Einholung von der Bahnstation Jersey City. Die deutschen (Säfte fuhren auf dem städtischen Cmpfangsboot durch den Rewyorker Hafen «ach Battery Park und von dort in AniomobLlen nach der City Hall.
Die Fahrt gestaltete sich zu einem wahren Tviumphzug.
Zm Rathaus wurden die deutschen von dem stellvertretenden Bürgermeister Mc. Äee begrünt, der auf die Bedeutung hinwies, die dem Flug im Hinblick auf die Entwickelung des transatlantischen Han- delsluftverkehrs zukommt.
Dr. Eckener erklärte, daß er fich zu Beginn der Fahrt darüber klar gewesen sei, daß das Luftschiff sch echte» SB eit et habe «nd eine schwere Prüfung bestehe» müsse. Er hoffe, daß das Luftschiff die Rückfahrt wiederum gut bestehen werdh.
An den Empfang im Rathaus schloß sich eine Rundfahrt durch die Stadt und ein Bankett und eine T h e a t e r v or- ft ell u n g.
Präsident C o o l i d g r hat Dr. Eckener und andere Herren der Schiffsbesatzung für Freitag zum Fr Lhstück im weißen Haus ringe -en.
Inzwischen haben die Straßenreiniger begonnen, die ungeheuren Papiermassen Hinwegzuräumen, die während des Einzugs der Zeppelinbesatzung von den Fenstern und Dächern der Wolkenkratzer auf die Straßen niederrieselten. Noch immer hängen ungezählte Papierschlangen wie Eiszapfen von den hohen Häusern herab zum Zeichen dafür, daß N e w y o r k wieder einmal einen Festttag erlebt I)at.
Die amerikanische Presse begeistert.
Die N e w n o r k e,r Blätter widmen der Ankunft des „Graf Zeppelin" begeisterte Schilderungen, die mehrere Seiten in Anspruch nehmen. Biele Zeitungen in Newyork, Washington und Philadelphia haben fieben Seiten über den Zeppe-: lin herausgebracht, die bereits Bilder von der Fahrt enthalten. In den Newyorker Blättern finden sich Ueberschriften wie: „Die ganze Stadt blickt hypnotisiert zum Luftschiff auf", „Coolidge tief beeindruckt durch den Zeppelinbesuch", „Millionen jubeln der Triumphfahrt zu".
„Aewhorl Times" bringen aus dem Munde eines Passagiers folgende Episode: „Während des ganzen ersten Teils des Sonntags kämpften wir bei den Ber- mudasinseln mit den Gegenwinden. Wegen der Beschädigung der Stabilisie- rungSflosse konnten wir nicht sehr schnell fahren, und
wir Paffagiere waren wegen des Wetters etwas besorgt, als Dr. Eckener plötzlich von der Brücke herunterkam, zu dem Kanarienvogel trat und ihn ruhig fütterte,
worauf er in seine eigene Kabine ging. ■ Wir atmeten leichter; denn wir wußten > Nun, daß in dem Augenblick, wo Dr.; Eckener die Brücke verlieh, wir das, Schlimmste, was das Wetter bringens tonnte, hinter uns hatten." - *
Der Preußische Innenminister Grze- s i n s k i, der als Vertreter der preußischen Regierung mit dabei war, erzählt laut „Vorwärts" über' die Fahrt des „Graf Zeppelin": Hervorgehoben kann werden, daß während der ganzen Dauer der langen Fahrt die Passagiere nicht einen Augenblick lang auch nur das ge - ri ngste Gefühl der Beunruhigung empfanden, selbst nicht in dem Moment. als das Luftschiff bei dem ' Aufreißen des Bespanni ngsstoffes im horizontalen Ruder durch eine plötzlich auftretende Luftböe sich mit der Spitze nach unten senkte und sich ganz kurz mit der Spitze himmelwärts richtete. Selbst in diesem Augenblick entstand unter den Reisenden keinerlei Panik; denn die Abweichung in der Nähe der Achfengondel von der horizontalen Richtung war ttotz allem verhältnismäßig gering geblieben. Besonders zu rühmen ist die äußerste Ruhe, die, das Schiff auch während des st ä r k st e n Windes und der heftigen Regenböen bewahrte. Seine ' Bewegungen zeigten im Gegenfatz zu denen des Seedampfers auch in solcher Lage weder ein Rollen noch ein Stampfen, sondern das Schiff nahm seinen Weg, indem es stets sanft und in horizontaler Position dah nglitt. 66 ist
linkt d-n Passagieren kein einziger luftkrank geworden.
Die anders lautenden Gerüchte sind unzutreffend. Auch der Schlaf der Reisenden war ausgezeichnet, da jede Vibration, auch' die kleinste Erschütterung der Schiffsgonhel fehlte. Außer dem starken Luftstoh, der das Höhensteuer beschädigt hatte, war auf der ganzen Fahrt kein Sttirmwind imstande gewesen, das Luftschiff aus der Gleichgewichtslage herauSzubringen. Abgesehen von gelegentlichen Mgengüfsen war das Wetter, durch das „Graf Zeppelin" infolge guter Ravigation passierte, auf der Fahrt gut.“ Die Landung in Lakehurst brachte für die Passagiere eine Aeber- raschung und einige unangenehme Erfahrungen. Sie wurden nämlich von einem Kordon Polizisten umgeben und in das Zvllgebäude geführt, als ob sie Schmuggelabfichten hätten. Dabei legte die amerikanische Polizei Manieren an den Tag, die die Fahrgäste stark befremden 'mußten. Verschiedentlich wurden die Reisenden geschubst und häufig gestoßen, ja,
einer erhielt sogar einen Faust schlag ins Gesicht. Anter den Derart Behandelten befand sich auch der deutsche Generalkonsul Lewinski.
Das Berhalte« der amerikanischen Polizisten veranlaßte mich zu bet öffentlichen Erklärung, daß, wenn derartiges in Preußen Vorkommen würde, die Beamten noch am gleichen Tage entlasten werden würden.
Da aber meine steife inoffiziell war, so werde ich von einet Beschwerde absehen. Wer Amerika kennt, wird das an sich zu verurteilende Verhalten der Polizisten keineswegs auf böse Absichten zurückführen, sondern es durch die mangelhafte Schulung der amerikanischen Polizisten erklären, die, wie sich auch ständig bei der Landung der Seeschiffe zeigt, leicht geneigt sind, den laufenden Reisenden gegenüber die Rolle eines Vorgesetz.en anzunehmen.
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fk. Newyork, 17. Okt. Bei der Abfahrt Dr. Eckeners im Sonderzug von Lakeyurst nach Jersey City hatte der Vertreter des WTB. Gelegenheit, mit dem Ministerialdirigenten Brandenburg kurz über Die auch in der heutigen amerikanischen Presse erwähnten unliebsamen Vorgänge nach der gestrigen Landung zu sprechen, an denen die bürokratische Schwerfälligkeit der Zollbeamten und der Gendarmerie schuld war. ■ Bekanntlich haben die ermüdeten hungrigen Passagiere vier Stunden unter recht ärgerlichen Umständen auf die Zollabfertigung warten müssen, und Ministerialdirigent Brandenburg, der eine Prothese trägt, hatte unter dem gewaltsamen Vorgehen der Polizei, die Den Vorschriften gemäß die Passagiere vor der Zollabfertigung von feder Berührung mit der Außenwelt abschließen wollte, des n d e r s zu leiden.'Herr Brandenburg erklärte jedoch lachend, daß diese bürokratische Entgleisung im Flughafen Lakehurst ^seiner Ansicht nach gar nicht ins Gewicht falle gegenüber der überwältigenden Begrünung durch die überflogenen Großstädte Washington, Baltimore, Philadelphia tmb- Newyork und gegen
über der außerordentlichen Liebenswürdigkeit der hohen amerikanischen Beamten, z. B. der Unterstaatssekretäre Mae Cracken und Warner vom Handelsamt und Marineamt.
Er habe gesehen, wie die hohen Sc« amten und der liebenswürdige gastfreie Kommandant des Flughafens, Kapitän Jackson, sich bemüht hätten, einzugrsisen.
Die tiefe Dunkelheit auf dem Flugfeldt habe sie aber daran gehindert, durchzudringen. Alle verantwortlichen Personen hätten wiederholt ihr Bedauern ausgesprochen.
Er betrachte die ganze leidige Angelegenheit als unerheblich, wenn man den ungeheuren Jubel der Bevölkerung und den majestätischen Empfang durch die Stadt Newyork und die amerikanische Regierung in Betracht ziehe.
Der Vertreter des WTB. hatte überhaupt den Eindruck, daß es den, Passagieren am liebsten wäre, wenn die unerhebliche Episode b a l d.m ö g I ich st begraben würde.
Das Lustschiff in der Halle geborgen.
Lakehurst, 16. Okt. Um ,3 Uhr morgens war der Graf Zeppelin sicher in der Halle untergebracht, wo er neben der „Los Angeles" "liegt.
§r. ESmrr übrr -je Fahrt
Dr. Eckener
gestand in seinen Interviewern, daß er etwas müde sei, da er auf der ganzen Fahrt nur etwa acht Stunden Schlaf gehabt habe. Er äußerte sich Dann über Die Beschäoigung der Stabili- sierungSflosse und erklärte, daß ein derartiger Defeft noch niemals auf einem Luftschiff eingetreten sei. Es werde auch wahrscheinlich sich nie wieder ereignen, daß man genötigt sein werde, mitten über dem ' Ozean derartige Reparaturen vorzuneh- ' men. Es sei ein Beweis für die Sicherhett des Luftschiffes, daß trotz des Zwischenfalls das Ziel der Fahrt glücklich erreicht worden sei. Flüssiger Betriebsstoff sei nur während Der er sie n zwölf Stunden Der Fahrt benutzt worden. Zur Frage der langen Fahrtdauer erklärte Dr. Eckener schließlich, er hätte das Luftschiff gefährdet, wenn er sich lediglich von der Rücksicht auf die Einhaltung der prv- grammähigen Fahrtgeschwindigkeit hätte leiten lassen.
Aach Eckener sprach
Kommandant Rosendahl,
der erklärte, „Graf Zeppelin" sei ein gute» Luftschiff. Seiner Ansicht nach besitze es aber noch nicht die endgültige Schiffsgröße, die für den regelmäßigen Transozeanverkehr der. Zukunft in Betracht komme. Die Luftschiffe müßten immer größer werden, bis endlich Die leistungsfähige Gröhe erreicht sei. Rosendahl wurde dann von Den Pressevertretern gefragt, warum er das Marineamt drahtlos ersucht habe, Kreuzer zur Hilfeleistung * bereitzuhalten. Er antwortete, er habe es auf Ersuchen Eckeners getan. Jeder Ka- ■ pitän, der auf Die Sicherheit seiner Passagiere bedacht sei, hätte an Dr. Eckener» Stelle dasselbe getan. Kaum zehn Minuten später habe Dr. Eckener bereits . seststellen können, daß der Schaden keines»